Jüdischer Friedhof (Czernowitz)

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Jüdischer Friedhof Czernowitz (2009)
Ruine der Leichenhalle (2011)

Der Jüdische Friedhof Czernowitz ist der Friedhof der Juden in der ostgalizischen Stadt Czernowitz (heute Westukraine).

Bedeutung[Bearbeiten]

Der im Jahr 1866 an der heutigen Zelenastraße (vul. Zelena) eingerichtete Friedhof hat eine Größe von 14,2 Hektar. Auf ihm befinden sich etwa 50.000 Gräber, womit er zu den größten erhalten gebliebenen jüdischen Friedhöfen in Mittel- und Osteuropa gehört.

Die Schriftsteller Elieser Steinbarg und Jurij Fedkowytsch wurden hier begraben. Nach letzterem ist die Universität von Czernowitz benannt. Auch die Sängerin und Schauspielerin Sidi Tal [1] und der erste jüdische Bürgermeister von Czernowitz, Eduard Reiss, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Der chassidische Rabbi Israel Friedmann, der auch hier beerdigt ist, hatte Ausstrahlung weit über Czernowitz hinaus. [2]

Der Friedhof enthält Massengräber aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die alte Zeremonienhalle ist verfallen, ihre Sanierung ist seit 2005 geplant. Der Schutz vor Vegetation und Witterungseinflüssen wird von lokalen Behörden und Einzelpersonen übernommen. 2008 fand ein durch Service Civil International organisiertes Workcamp statt, bei dem junge Freiwillige den Friedhof von überwuchernder Vegetation befreiten. Im Rahmen von Rund- und Studienreisen ist der Friedhof auch ein touristisches Ziel.[3]

Die Grabsteine tragen deutsche, hebräische, jiddische, russische und ukrainische Inschriften und weisen auf die unvergleichlich reiche Geschichte der Stadt in Ostmitteleuropa.

„Auch für den Czernowitzer Friedhof aber gilt, was in einem aktuellen Reiseführer über Schlesien zu lesen ist: „Dass Breslau eine deutsche Stadt war, erkennt man auf dem jüdischen Friedhof.“ Wie deutsch (-österreichisch) „Klein-Wien“ am Pruth einmal war, ist jedenfalls dort zu erkennen, wo heute die Relikte einer untergegangenen Wirklichkeit zu bestaunen sind.“

Steffen Höhne und Justus H. Ulbricht [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Asya Vaisman, Harvard University: Sidi Tal and Yiddish Culture in Czernowitz in the 1940s-1980s online: [1]
  2. Neue Zürcher Zeitung vom 4. März 2004, online: [2]
  3. Thomas Gerlach: Ukraine – zwischen den Karpaten und dem Schwarzen Meer. Trescher Verlag, 2009, ISBN 978-3-89794-152-6
  4. Wo liegt die Ukraine? Standortbestimmung einer europäischen Kultur. Böhlau, Köln Weimar 2009, ISBN 978-3-412-20347-4

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jüdischer Friedhof Czernowitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.2942125.958417Koordinaten: 48° 17′ 39″ N, 25° 57′ 30″ O