Das Privatleben des Sherlock Holmes

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Filmdaten
Deutscher Titel Das Privatleben des Sherlock Holmes
Originaltitel The Private Life of Sherlock Holmes
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Billy Wilder
Drehbuch I.A.L. Diamond
Billy Wilder
Produktion I.A.L. Diamond
Billy Wilder
Mirisch Corporation für United Artists
Musik Miklós Rózsa
Kamera Christopher Challis
Schnitt Ernest Walter
Besetzung
Synchronisation

Das Privatleben des Sherlock Holmes ist eine britische Filmsatire des Regisseurs Billy Wilder von 1970 nach Motiven von Sir Arthur Conan Doyle.

Handlung[Bearbeiten]

Fünfzig Jahre nach dem Tode von Dr. Watson wird, seinem letzten Willen entsprechend, aus dem Gewölbe einer Londoner Bank eine Truhe mit seinem Nachlass hervorgeholt und geöffnet. Sie enthält Erinnerungsstücke an seinen Freund Sherlock Holmes sowie ein von Watson verfasstes Manuskript, das Details liefert aus dem Leben von Sherlock Holmes jenseits seiner großen, bekannten Kriminalfälle, die Watson bereits früher veröffentlicht hat.

Holmes, der zusammen mit Watson in einer Wohnung in der Londoner Baker Street 221b wohnt, leidet an Unterforderung mangels neuer interessanter Aufträge. So stimuliert er sich selbst gelegentlich mit Kokain, was Watson als Arzt natürlich missfällt.

Eines Tages bekommen sie eine Einladung zu einer Schwanensee-Aufführung eines berühmten russischen Ballett-Ensembles. In der Hoffnung auf eine neue Aufgabe gehen sie dorthin, doch Holmes muss dort erfahren, dass die berühmte Primaballerina Madame Petrova lediglich die Absicht hat, mit ihm zusammen gegen Honorar ein Kind zu zeugen, um seinen genialen Geist mit ihrer Grazie und Schönheit zu vermischen. Derart in die Enge getrieben und um Madame nicht zu verletzen, behauptet der desinteressierte Holmes, dass er mit Watson eine homosexuelle Beziehung unterhalte. Watson reagiert entsetzt und empört, als er von dieser Falschaussage erfährt. Dennoch rätselt er, was für Beziehungen Holmes eigentlich zu Frauen pflegt. Bald soll er es erfahren.

Eines Abends bringt eine Kutsche eine junge Dame bei Holmes vorbei, die der Kutscher aus dem Wasser der Themse gezogen hat. Die Dame leidet offenbar unter Gedächtnisschwund, vermutlich weil sie gerade einen Mordanschlag überlebt hat. Holmes findet heraus, dass die Dame Gabrielle Valladon heißt und ihren Mann, Emile, sucht. Holmes, Watson und Gabrielle machen sich auf, diesen zu finden. Dabei tritt plötzlich Holmes’ Bruder Mycroft auf den Plan, der für die britische Regierung arbeitet. Mycroft fordert seinen Bruder Sherlock ohne weitere Erklärung auf, die Finger von der Sache zu lassen. Doch dieser fühlt sich jetzt erst recht motiviert.

Die Spur führt die drei ins schottische Hochland nach Inverness. Sie beobachten, dass auf einem Friedhof drei Särge gleichzeitig beigesetzt werden, ohne dass Angehörige anwesend sind. Misstrauisch geworden entdecken sie in einem Sarg den gesuchten Emile. Holmes fällt dabei auf, dass der kupferne Ehering seltsam verfärbt ist und drei weißgebleichte Kanarienvögel dabeiliegen. Derartige Verfärbungen treten, so Holmes' Mutmaßung, unter Einfluss von Chlorgas auf.

Im nahegelegenen Loch Ness entdeckt Watson das sagenhafte Ungeheuer. Bei einer Bootsfahrt stellt Holmes fest, dass es sich um ein maschinell angetriebenes Fahrzeug handeln muss. Jetzt taucht auch Mycroft wieder auf. Dieser tadelt seinen Bruder, nicht auf ihn gehört zu haben, ist jetzt aber entschlossen, ihn über die Hintergründe aufzuklären, und führt ihn zu einer versteckt liegenden Halle in der Ruine von Urquhart Castle, in der er ihm den Prototyp eines ersten britischen Unterseeboots zeigt, das im Loch Ness streng geheim getestet wird. Dabei kam es zu einem Unfall, bei dem im Innern des Bootes Chlorgas entstanden ist, durch das drei Besatzungsmitglieder getötet wurden.

Ferner, so eröffnet Mycroft, handelt es sich bei Gabrielle in Wirklichkeit um die deutsche Geheimagentin Ilse von Hoffmanstal. Holmes muss zu seiner Verblüffung feststellen, dass sie und der deutsche Geheimdienst ihn dazu benutzt haben, sie mit der geschickt eingefädelten Sache zu dem Unterseeboot zu führen. Doch auch Mycroft erlebt noch eine Enttäuschung: Königin Victoria erscheint heimlich noch zur selben Stunde persönlich vor Ort, um die neue Erfindung zu begutachten. Doch als sie erfährt, dass die für kriegerische Zwecke genutzt werden soll, lehnt sie sie empört als unsportlich und unbritisch ab.

Ilse von Hoffmanstal wird als deutsche Spionin verhaftet, bald jedoch gegen einen in Deutschland gefassten britischen Spion ausgetauscht. Zum Abschied übermittelt sie Holmes mit ihrem Regenschirm per Morsezeichen ein Auf Wiedersehen, das dieser erfreut aufnimmt.

Doch später lässt Mycroft seinem Bruder die Nachricht zukommen, dass Ilse während einer Spionagetätigkeit in Japan gefasst und hingerichtet wurde. Watson, der Holmes’ Beziehung zu Ilse mit Erstaunen verfolgt hat, wird klar, dass Holmes sich in die intelligente Dame verliebt hatte. Der Detektiv kann offenbar nur Beziehungen zu Frauen herstellen, die ihm geistig nahestehen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Film, der als einer seiner persönlichsten Filme angesehen wird, unterscheidet sich sehr von Wilders ursprünglicher Konzeption eines sehr viel längeren Episodenfilms; nur zwei der geplanten Episoden blieben in der fertigen Fassung erhalten, obwohl ein Teil der weiteren von Holmes im Drehbuch gelösten Fälle auch gedreht wurde. Ursprünglich sollte der Film als Roadshow attraction gezeigt werden, d. h. im Rahmen einer größeren, von Stadt zu Stadt ziehenden Veranstaltung, wobei die einzelnen Fälle wohl auch getrennt voneinander vorgeführt werden sollten. In seiner fertigen Form wurde der Film finanziell kein großer Erfolg, erfuhr jedoch Lob durch die Kritiker.

Miklós Rózsa adaptierte auf Wunsch von Regisseur Billy Wilder sein Violinkonzert, Op. 24, das er 1956 für Jascha Heifetz komponiert hatte, für die Filmmusik. Der berühmte Filmkomponist ist in einer Szene des Films auch als Dirigent zu sehen.

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung wurde erst 1976 im Auftrag des ZDF angefertigt. [1]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Sherlock Holmes Robert Stephens Christian Rode
Dr. John H. Watson Colin Blakely Harald Juhnke
Ilse von Hoffmanstal alias Gabrielle Valladon Geneviève Page Almut Eggert
Mycroft Holmes Christopher Lee Helmo Kindermann
Nicolas Rogozhin Clive Revill Gerd Martienzen
Totengräber Stanley Holloway Arnold Marquis
Mrs. Hudson Irene Handl Tina Eilers
Königin Victoria Mollie Maureen Tilly Lauenstein
Hotelmanager Robert Cawdron Hans Nitschke
Fremdenführer James Copeland Hans W. Hamacher
Kutscher Michael Balfour Manfred Grote
Frau in Rollstuhl Catherine Lacey Ursula Krieg
Gepäckträger Alex McCrindle Eric Vaessen
Erster Fuhrmann John Garrie Hans W. Hamacher
Zweiter Fuhrmann Godfrey James Manfred Lehmann

Kritiken[Bearbeiten]

  • "Ironisch-geruhsame Kriminalkomödie (...). Ein amüsantes, leicht melancholisches Spiel mit Schein und Sein, Mythos und Legende sowie der doppelbödigen Moral der Gesellschaft; liebevoll ausgestattet und vorzüglich gespielt." - Lexikon des internationalen Films [2]
  • "Klamauk, der wilde Kapriolen schlägt." (Wertung: 2½ Sterne = überdurchschnittlich) - Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990 [3]

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Das Privatleben des Sherlock Holmes. MGM Home Entertainment 2004

Soundtrack[Bearbeiten]

  • Miklós Rózsa: The Private Life of Sherlock Holmes. World Premiere Recording of the Complete Score. Tadlow Music et al. 2007, Tonträger-Nr. TADLOW004 – digitale Neueinspielung der vollständigen Filmmusik sowie zusätzlicher Bonus-Tracks durch das The City of Prague Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Nic Raine (24-Bit-High-Resolution Recording (HDCD))

Literatur[Bearbeiten]

  • Hardwick, Michael + Mollie: The private life of Sherlock Holmes, 1970 (Sherlock Holmes Privatleben, 1973 sowie Holmes und die Spionin, 2006, ISBN 3-89840-213-4),
  • Michael Ross (Hrsg.), Oliver Bayan: Sherlock Holmes in Film und Fernsehen. Ein Handbuch. Baskerville Bücher, Köln 2003, 237 S., ISBN 3-930932-03-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Privatleben des Sherlock Holmes (1970) in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 2. November 2008
  2. Lexikon des internationalen Films. CD-ROM-Ausgabe. Systhema, München 1997
  3. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“. Erweiterte Neuausgabe. Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 655