Anemospilia

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Tempel von Anemospilia

Anemospilia (griechisch Ανεμόσπηλια ‚Windhöhle‘) ist der Name eines minoischen Tempels am Nordhang des Berges Giouchtas (Γιούχτας). Er befindet sich in der Nähe von Archanes auf Kreta.

Das Archäologenehepaar Efi und Iannis Sakellarakis führte seit 1964 in dieser Region Grabungen durch und entdeckte 1979 den minoischen Tempel von Anemospilia. Die Ausgrabungsstätte liegt auf einer Höhe von 440 Metern.[1] Sie ist heute eingezäunt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Funde und Rekonstruktion

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Die Ausgrabungsstätte vom Süden

Um 1700 v. Chr. war dieser Tempel durch ein Erdbeben zerstört worden. Von besonderem Interesse sind vier menschliche Skelette, die in den Trümmern gefunden wurden – ein etwa 17-jähriger Mann lag gefesselt auf einem Altar, ihm war kurz vor der Katastrophe die Halsschlagader durchgeschnitten worden. Bei den übrigen drei Skeletten handelte es sich offenbar um Priester und Tempeldiener.

Das Menschenopfer wurde vermutlich durchgeführt, um die Götter zu besänftigen und das Erdbeben noch abzuwenden. Mit dieser Entdeckung wurde erstmals die Existenz von Menschenopfern in der minoischen Kultur belegt. Eine weitere Bestätigung war der Fund von Kinderknochen in Knossos.

  • Iannis und Efi Sakellarakis: Kreta. Archanes. Ekdotike Athenon, Athen 1991, ISBN 960-213-246-9 (deutsch)
  • Iannis und Efi Sakellarakis: Archanes. Minoan Crete in a new light. Ammos Publications, Athen 1997, ISBN 960-202-167-5 (englisch)
Commons: Anemospilia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Archanes: Anemospilia. In: Digital Crete: Archaeological Atlas of Crete. Foundation for Research and Technology-Hellas (FORTH), Institute for Mediterranean Studies; (englisch).
  • Zum Thema Menschenopfer. Basisreligion, archiviert vom Original am 15. Dezember 2005; abgerufen am 2. Oktober 2016.
  • Anemospilia. A unique temple? www.minoancrete.com, 2. Juli 2013, abgerufen am 21. Februar 2014 (englisch).
  • Anemospelia Archaeological Site. Interkriti, abgerufen am 14. Januar 2017 (englisch).

Einzelnachweise

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  1. Ingeborg Witzmann: Altäre in Schreinen von Siedlungen, „Villen“ und anderen Heiligtümern. In: Bronzezeitliche feststehende Altäre auf Kreta. Universität Wien, 2009, S. 112 (Digitalisat [PDF; 28,2 MB; abgerufen am 27. Dezember 2016]).

Koordinaten: 35° 15′ 19,5″ N, 25° 8′ 40,4″ O