Bartholomäus von Salerno

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Bartholomäus von Salerno (lateinisch Bartholomaeus Salernitanus) war ein Arzt des 12. Jahrhunderts und Lehrer an der Schola Medica Salernitana in Salerno. Er schrieb mehrere medizinische Werke, darunter ein bis zum Beginn der Neuzeit weit verbreitetes Lehrbuch.

Bartholomäus erwarb sich einen hohen literarischen Ruf; trotzdem sind seine Lebensdaten bis heute nicht bekannt. Forscher versuchen, aus seinem Schriftwechsel mit zeitgenössischen Persönlichkeiten wie dem bedeutenden Abt von Cluny Petrus Venerabilis und König Ludwig VII. von Frankreich räumliche und zeitliche Details zu ermitteln. Zumindest scheint sicher, dass er nicht sein ganzes Leben in Salerno verbracht haben kann. Ein Wirken in Paris (zumindest als medizinischer Berater) wird nicht ausgeschlossen.[1] S. 77

Studium und Lehrtätigkeit

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Bartholomäus von Salerno gilt als ein Schüler von Constantinus Africanus, mit dem die Blütezeit der Medizinschule von Salerno (Hochsalerno) beginnt. Die Schule war aus dem früheren Hospiz des Klosters Monte Cassino hervorgegangen[2] und wurde später als erste (medizinische) Universität bezeichnet (allerdings offiziell nie als solche ernannt). Das Werk des Bartholomäus (Practica und Articella) wurde von einer Kette von Schülern und Lehrmeistern an der Schule von Salerno wie dem in der Mitte des 12. Jahrhunderts wirkenden Arzt Petrus Musandinus[3] und weiter Maurus von Salerno bzw. Urso von Salerno sowie Gilles de Corbeil fortgeführt, wobei Letzterer nach dem Studium in Salerno in Paris lehrte.[1] S. 197–198 und 334

Die Hauptschaffenszeit von Bartholomäus von Salerno lag zwischen 1150 und 1180.[1] S. 77

Bartholomäus verfasste mit seiner „Practica (Introductiones et experimenta in practicam Hippocratis, Galieni, Constantini, graecorum medicorum)“[4] ein in drei Traktate gegliedertes Handbuch der praktischen Medizin, das sowohl in seiner ursprünglichen lateinischen Form[5] als auch in der Übertragung in anderen Sprachversionen, beginnend mit Ortolf von Baierland vor allem in Deutsch, weite Verbreitung fand (etwa im Leipziger Bartholomäus, einem um 1180 entstandenen thüringisch-schlesischen Arzneibuch, wie es in einer ostmitteldeutschen Sammelhandschrift des 15. Jahrhunderts überliefert ist und von Christian Graeter 1917 anhand zweier Fassungen ediert wurde[6]).[7][8][9][10] Die Practica (Bartholomaei) gehört zu den Hauptschriften aus der Glanzzeit der Schule von Salerno[4] und Teile daraus finden sich in mehreren mittelalterlichen Arzneibüchern des deutschen Sprachraums des 14. und 15. Jahrhunderts wieder.[11] Sie war nicht nur eine der lateinischen[12] Quellen, sondern wohl auch namengebend für einen am Ende des 12. Jahrhunderts als Bartholomäus[13][14] bekannten Arzneibuchverfasser aus dem ostmitteldeutsch-schlesischen Raum.[15][16][17][18] Siehe hierzu auch Admonter Bartholomäus.

Darüber hinaus war Bartholomäus der erste namentlich bekannte Autor einer innovativen Sammlung von Kommentaren über das Gesamtwerk der Articella.[1] S. 53–54 23 Manuskripte zur Articella sind in Fassungen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert erhalten geblieben.[1] S. 77

Bartholomäus brachte Galens Ars medica (Tegni) in die Articella-Anthologie ein und spielte eine Vorreiterrolle bei der Verwendung der aristotelischenLogik und Naturphilosophie“ zur Erläuterung medizinischer Konzepte und Begriffe.[1] S. 77

Darüber hinaus erwähnt Bartholomäus in seinem Kommentar zur Isagoge von Hunayn ibn Ishaq (Johannitius), dass er einen Kommentar zum Liber graduum von Constantinus Africanus verfasst hat.[19]

  • A. G. Chevalier: Die Schule von Salerno in: Salerno. Ciba-Zeitschrift April 1938 Nr.56 Inhalt: Die Anfänge der Schule von Salerno, Constantinus Africanus, Das "Regimen sanitatis Salernitanum": Hygiene Nahrung Heilmittel Anatomie Physiologie Pathologie und Therapie, Von der ärztlichen Kunst, Der Salernitaner Arzt, Die Wiederentdeckung der Schule von Salerno, Die ersten deutschen Übersetzungen des Regimen sanitatis Salernitanum, Phantastische Heilvorschriften der Salernitaner, Zeittafel.
  • Gundolf Keil: Bartholomaeus Salernitanus. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 1: ‚A solis ortus cardine‘ – Colmarer Dominikanerchronist. de Gruyter, Berlin / New York 1978, Sp. 623–625.
  • Gundolf Keil: Bartholomaeus Salernitanus. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 150 f.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f siehe Weblink Thomas F. Glick, Steven John Livesey, Faith Wallis: Medieval science, technology, and medicine: an encyclopedia
  2. siehe Weblink School of Salerno as part of History of Medicine in newadvent
  3. Wolfgang Wegner: Petrus Musandinus. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1131.
  4. a b siehe Literatur Chevalier: Die Schule von Salerno
  5. Gundolf Keil: Die mittellateinische Übersetzung vom Harntraktat des „Bartholomaeus“. Untersuchungen zur Wirkung der frühen deutschen Rezeptliteratur. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin. Band 47, 1963, S. 417–455.
  6. Christian Graeter: Ein Leipziger deutscher Bartholomaeus. Medizinische Dissertation Leipzig 1917; erschienen bei Noske, Borna-Leipzig 1918.
  7. Joseph Haupt: Über das mitteldeutsche Arzneibuch des Meisters Bartholomaeus. In: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien, philosophisch-historische Klasse. Band 71, 1872, S. 451–566.
  8. Poul Hauberg (Hrsg.): En middelalderlig dansk Laegebog. Kopenhagen 1927.
  9. Ruth Spranger, Gundolf Keil: Ein Lambacher 'Barholomäus'-Fragment des 13. Jahrhunderts. Untersuchungen zur schlesischen Rezeptliteratur des Hochmittelalters, I. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 109–132.
  10. Robert Priebsch: Deutsche Prosafragmente des XII. Jahrhunderts, II: Bruchstücke der sogenannten Practica des Meister Bartholomaeus. In: Modern Language Review 11, 1916, S. 321–334.
  11. Gundolf Keil: Mittelniederdeutscher Bartholomäus. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 6, Sp. 620–622; vgl. dazu Sven Norrbom [Hrsg.]: Das Gothaer mittelniederdeutsche Arzneibuch und seine Sippe. (Philosophische Dissertation Upsala) Hamburg 1921 (= Mittelniederdeutsche Arzneibücher. Band 1).
  12. Ruth Spranger: Das lateinische Rezeptgut im ‘Breslauer Arzneibuch’ (Cod. Rhed. 29 der Universitätsbibliothek Breslau): Beobachtungen zur Quellenfrage beim ostmitteldeutschen ‘Bartholomäus’. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Würzburger Fachprosa-Studien. Beiträge zur mittelalterlichen Medizin-, Pharmazie- und Standesgeschichte aus dem Würzburger medizinhistorischen Institut. Festschrift Michael Holler. Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 38), S. 98–117.
  13. Franz Pfeiffer: Zwei deutsche Arzneibücher aus dem 12. und 13. Jahrhundert. In: Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Band 42, Wien 1863, S. 110–200, hier: S. 127–158.
  14. Walter Lawrence Wardale: Der Hochdeutsche Bartholomäus. Kritisch-kommentierter Text eines mittelalterlichen Arzneibuches auf Grund der Londoner Handschriften Brit. Mus. Add. 16.892, Brit. Mus. Arundel 164, Brit. Mus. Add. 17.527, Brit. Mus. Add. 34.304 [...]. Hrsg. von James Follan, Dundee 1993.
  15. Joseph Haupt: Ueber das md. Arzneibuch des Meisters Bartholomäus. In: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Band 71, (Wien) 1872, S. 451–566.
  16. Gundolf Keil: ‚Bartholomäus‘. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 1: ‚A solis ortus cardine‘ – Colmarer Dominikanerchronist. De Gruyter, Berlin / New York 1978, Spalte 609–615.
  17. Gundolf Keil: ‚Bartholomäus‘ und ‚Mittelniederdeutscher Bartholomäus‘. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 148–150 und S. 1000 f.
  18. Zur Rezeption bzw. schlesischen Redaktion des Bartholomäus im Breslauer Arzneibuch von etwa 1310 siehe Carl Külz, E. Külz-Trosse (Hrsg.): Das Breslauer Arzneibuch. R[hedigeranus] 291 der Stadtbibliothek. Dresden 1908, S. 116–142, und vgl. Verfasserlexikon. 2. Auflage, Band 1, 1978, Sp. 1023 f.
  19. Deutet darauf hin, dass unter den zahlreichen unbearbeiteten und nicht zugeordneten medizinischen Abhandlungen und Texten des zwölften Jahrhunderts möglicherweise noch weitere Werke von Bartholomäus gefunden werden.