Diversitas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Diversitas (lateinisch für “Verschiedenheit”) ist ein internationales Programm, das zum Ziel hat, die Erforschung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und menschliches Wohlergehen zu verflechten.

Das internationale Sekretariat befindet sich in Paris. Es wird beherbergt vom Französischen National-Museum für Naturkunde – Muséum National d’Histoire Naturelle (MNHN), während die Büros der Kernprojekte in verschiedenen Ländern beheimatet sind.

Das Programm wurde gegründet, um sich den komplexen wissenschaftlichen Fragen zu widmen, die durch den Verlust an biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen aufgeworfen werden und wissenschaftlich begründete Lösungen zu dieser Krise aufzuzeigen.[1]

Das Programm ist ein internationales Programm mit einer zweifachen Mission:

  • Förderung, Unterstützung und Durchführung integrativer Biodiversitätsforschung, die biologische, ökologische und sozialwissenschaftliche Fachrichtungen verbindet
  • Bereitstellung einer soliden wissenschaftlichen Grundlage für (politische) Entscheidungsfindung, welche die Erhaltung der Vielfalt des Lebens auf der Erde sicherstellt, und gleichzeitig zu menschlichem Wohlergehen und Abbau der Armut beiträgt.

Die Ziele sollen erreicht werden durch:

  • Pflege eines ganzheitlichen Netzwerks renommierter Biodiversitätsforscher, das sich den Hauptproblemen der Biodiversitätswissenschaft widmet;
  • Gewinnung neuer Erkenntnisse durch den Austausch zwischen Wissenschaftlern über Nationen- und Fachgebietsgrenzen hinweg;
  • Zusammenführung der neuesten Erkenntnisse in der Biodiversitätsforschung zur Bewältigung globaler wissenschaftlicher Schwerpunkte;
  • Gewährleistung / Sicherstellung eines wirksamen Engagements der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft mit Politikern und Entscheidungsträgern, vor allem mit den einschlägigen internationalen Übereinkommen.
  • Aufbau der Biodiversitätsforschungs-Kompetenz durch die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern weltweit.

Historische Entwicklung von Diversitas

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle:[1])

Phase 1 (1991–2001): Biodiversität findet weltweit mehr Beachtung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diversitas wurde 1991 von drei internationalen Organisationen gegründet: Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO),[2] SCOPE (Scientific Committee on Problems of the Environment) und IUBS (International Union of Biological Science).[3] Zu dieser Zeit wurde die Notwendigkeit ersichtlich, sich komplexen wissenschaftlichen Fragestellungen zu widmen, die aufgrund von Verlust und Veränderung von globaler Biodiversität aufgeworfen wurden. Ziel der Initiative war es, ein internationales, nichtstaatliches Dachprogramm für Forschungsprojekte zu entwickeln.

Im Jahr 1996 konnten zwei neue Sponsoren, ICSU (International Council for Science)[4] und IUMS (International Union of Microbiological Societies) gewonnen werden.

Die in der ersten Dekade gewonnenen Haupterkenntnisse wurden in einer Reihe von Büchern zusammengefasst. Diese bildeten die Grundlage für weitere, experimentelle und theoretische Forschung, durchgeführt zusammen mit dem International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP).[5] Ebenso trugen die erzielten Forschungsergebnisse zum Global Biodiversity Assessment bei, einer Initiative des World Resources Institute (WRI), sowie zur Arbeit der Biodiversitätskonvention (Übereinkommen über die biologische Vielfalt, engl. Convention on Biological Diversity, CBD). Mit der CBD hat Diversitas eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit.[6]

Phase 2 (2002–2011): Ein internationales Rahmenwerk für die Biodiversitätswissenschaften

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 konsultierte Diversitas alle Stakeholder weltweit ob der Notwendigkeit, eine zweite Phase des Programmes einzuleiten. Die Ergebnisse der Konsultation sprachen zugunsten einer zweiten Phase, die integrativer, interdisziplinärer und politik-relevanter werden sollte.

Der neue Forschungsplan wurde 2002 veröffentlicht.[7] Um diesen umzusetzen, wurden neun Projekte ins Leben gerufen, die einen Kreis von Entdeckung, Beobachtung, Analyse und Informationsaustausch in Bezug auf übergreifende wissenschaftliche Fragen zur Artenvielfalt und damit zusammenhängenden Ökosystemdienstleistungen umfassen:

  • Global Invasive Species Programme (GISP)[8] – Ziel des Projekt sind die Verhinderung der Ausbreitung und das Management invasiver Arten
  • Global Mountain Biodiversity Assessment (GMBA)[9] – Ziel des Projekt sind die Erforschung und Vertiefung der Kenntnisse über montane Biodiversität
  • bioGENESIS[10] – Ziel des Projekt ist die Entwicklung eines evolutions-wissenschaftlichen Rahmens für die Biodiversitätswissenschaften
  • bioDISCOVERY[11] – Ziel des Projekts sind die Abschätzung, Beobachtung und Vorhersage von Änderungen der biologischen Vielfalt
  • ecoSERVICES[12] – Ziel des Projektes ist der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Ökosystemfunktion und Ökosystemdienstleistungen
  • bioSUSTAINABILITY[13] – Ziel des Projekts ist die Entwicklung von adaptive Governance und Managementrichtlininen für die Nutzung von Ökosystemdienstleistungen
  • agroBIODIVERSITY[14] – Ziel des Projekts ist die Erstellung eines wissenschaftlichen Programms zugunsten nachhaltiger Nutzung von Agro-Ökosystemen
  • ecoHEALTH[15] – Ziel des Projektes ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und neu auftretenden Infektionskrankheiten
  • freshwaterBIODIVERSITY[16] – Ziel des Projekts ist die Erstellung eines biodiversitäts-wissenschaftlichen Programms zugunsten nachhaltiger Süßwasser-Ökosysteme

Außer der Arbeit in den Forschungsprojekten war Diversitas ein wichtiger Partner im Earth System Science Partnership (ESSP).[17] Das ESSP ist eine Zusammenarbeit zur integrativen Erforschung des Erdsystems, der Art und Weise, wie es sich verändert, und die Auswirkungen dessen auf globale und regionale Nachhaltigkeit. Die Organisation führte auch in dieser zweiten Phase das Engagement im Dienst politischer Foren weiter, im Besonderen mit der Biodiversitätskonvention. Im Oktober 2005 richtete Diversitas die erste Open Science Conference in Oaxaca, Mexico aus. Dort bekräftigte die Wissenschaftsgemeinde ihre Unterstützung für die Schaffung eines wissenschaftlichen Gremiums zur Biodiversität, das einen zwischenstaatlichen Bestandteil enthalten sollte (cf. International Mechanism of Scientific Expertise on Biodiversity (IMoSEB )). Die zweite Open Science Conference, abgehalten im Oktober 2009 in Kapstadt, Südafrika, zog ein internationales Publikum von 700 Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern aus über 70 Ländern an, die viele Facetten der Biodiversitätswissenschaften und Politik vertraten.

Phase 3 (2012–2020): Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen für einen nachhaltigen Planeten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009, und in Anbetracht der Veränderungen im Biodiversitätspolitikumfeld, beschäftigte sich Diversitas mit der Überprüfung der Aktivitäten und der Überarbeitung des Forschungsplans von 2002. Der überarbeitete Diversitas-Science-Plan wurde im Jahr 2012 veröffentlicht.[18] In dieser Phase war Diversitas an den folgenden Aktivitäten stark beteiligt:

Im Jahr 2014 wurde Diversitas beendet und teilweise in Future Earth überführt.

Diversitas Deutschland e. V.

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein setzt sich vor allem dafür ein, die Biodiversitätsforschung mit gesellschaftsrelevanten Problemen des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung von Biodiversität zu verbinden. Zu seinen Hauptzielen gehören die Unterstützung von Wissenschaft und Forschung sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Aus einer gemeinsamen Initiative des heutigen Vereins, des Museums für Naturkunde Berlin und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung heraus entstand mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung NeFo, das Netzwerk Forum Biodiversitätsforschung Deutschland.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b Diversitas website - About: mission and history. Archiviert vom Original am 5. Februar 2020; abgerufen am 11. April 2013.
  2. UNESCO - Biodiversity research, monitoring and management. Abgerufen am 11. April 2013.
  3. IUBS – Diversitas. Archiviert vom Original am 2. Juni 2013; abgerufen am 11. April 2013.
  4. ICSU - Diversitas: An International Programme of Biodiversity Science. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. April 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.icsu.org (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. IGBP Partners. Abgerufen am 11. April 2013.
  6. CBD – Partnership Agreements. Abgerufen am 11. April 2013.
  7. Diversitas Science Plan Phase 2: 2002-2011. Archiviert vom Original am 16. April 2012; abgerufen am 11. April 2013.
  8. Global Invasive Species Programme. Abgerufen am 11. April 2013.
  9. Global Mountain Biodiversity Assessment. Archiviert vom Original am 10. Januar 2013; abgerufen am 11. April 2013.
  10. bioGENESIS. Archiviert vom Original am 19. Januar 2013; abgerufen am 11. April 2013.
  11. bioDISCOVERY. Abgerufen am 11. April 2013.
  12. ecoSERVICES. Archiviert vom Original am 10. Januar 2013; abgerufen am 11. April 2013.
  13. bioSUSTAINABILITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  14. agroBIODIVERSITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  15. ecoHEALTH. Abgerufen am 11. April 2013.
  16. freshwaterBIODIVERSITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  17. ESSP Partners. Archiviert vom Original am 2. September 2011; abgerufen am 11. April 2013.
  18. Anne et alii Larigauderie: Biodiversity and ecosystem services science for a sustainable planet: the Diversitas vision for 2012–20. (PDF; 185 kB) Current Opinion in Environmental Sustainability, Elsevier, archiviert vom Original am 21. Juni 2013; abgerufen am 11. April 2013.
  19. GEO Participating Organisations. Archiviert vom Original am 16. Mai 2008; abgerufen am 11. April 2013.
  20. IPBES and the Scientific Community. Archiviert vom Original am 18. Mai 2015; abgerufen am 11. April 2013.