Ernst-Detlef Mücke

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Ernst-Detlef Mücke (* 1944) ist ein in Berlin lebender Lehrer im Ruhestand, der vor allem als Gewerkschafter und LGBT-Aktivist bekannt wurde. Er ist Träger des Verdienstkreuzes am Bande.

Leben und Ausbildung

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Mücke wuchs in Hannover auf und zog zum Studium nach Göttingen, welches er 1971 mit dem Staatsexamen abschloss.

Hiernach zog er 1971 nach Berlin, wo er bis zur Pensionierung als Lehrer an der Hermann-von-Helmholtz-Oberschule (ehemals Gesamtschule, heute Sekundarschule) im Ortsteil Gropiusstadt arbeitete. Eine seiner Schülerinnen war Christiane F., deren Schicksal 1978 in dem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

Bereits in den 1970er Jahren hat er sich als einer der ersten Lehrer in seiner Schule als schwul geoutet. Seither hat er sich bei Generationen von Schülerinnen und Schülern für einen selbstverständlichen Umgang mit dem „Schwul-Sein“ bemüht.

Im Sommer 1984 hatte die für politische Kontakte zuständige Lobby-Gruppe des TBS (Treffen der Berliner Schwulengruppen) Detlef Mücke für die zweite Hälfte der Legislaturperiode für die AL-Landesliste zur Abgeordnetenhauswahl vorgeschlagen. Doch Rainer Schädlich setzte sich gegen Mücke durch.

Gesellschaftliches Engagement in der LGBT-Bewegung

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Seit Mitte der 1970er Jahre engagiert sich Mücke auch über seine Schule hinaus für die Akzeptanz homosexueller Lehrer und Schüler in der Schule. Unter anderem war er 1978 einer der Gründerväter der Arbeitsgemeinschaft homosexueller Lehrer und Erzieher in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin.

Gemeinsam mit der schwulen Lehrergruppe und der GEW hat er sich dafür eingesetzt, dass Homo- und Heterosexualität als gleichwertig anerkannt und gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Schule thematisiert werden. Er initiierte öffentliche Diskussionen, schrieb Petitionen und Forderungen an Politiker und suchte das Gespräch mit der Politik. Lesbische Lehrerinnen und schwule Lehrer hat er – u. a. in den Rechtsschutzstellen der GEW – mit Rat und Hilfe unterstützt.

  • Magnus-Hirschfeld-Preis am 14. Mai 2004[1]
  • Am 20. April 2005 wurde Mücke für seine Verdienste um die Gleichberechtigung und Achtung Homosexueller in Schule und Gesellschaft das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Ort der Auszeichnung war seine Schule in Neukölln.[2]
  • Berliner Ehrennadel am 2. Dezember 2013[3]
  • Schwule Regungen – Schwule Bewegungen. Ein Lesebuch. Verlag Rosa Winkel, Berlin 1985,[4]
  • Pädagogische Kongreß: Lebensformen und Sexualität – Was heißt hier normal? Lesbisch – schwul – heterosexuell. Berlin 1993[5]
  • Lebensformen und Sexualität – Herrschaftskritische Analysen und pädagogische Perspektiven. Kleine Verlag, Wissenschaftliche Reihe Band 106, Berlin 1998[6]

Einzelnachweise

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  1. SPDqueer Berlin: Bisherige Preisträger*innen - SPDqueer Berlin. Abgerufen am 30. Januar 2022.
  2. Ehrung für schwulen Lehrer - queer.de. Abgerufen am 30. Januar 2022 (deutsch).
  3. Verleihung der Berliner Ehrenadel für ehrenamtliches Engagement. 4. Januar 2017, abgerufen am 30. Januar 2022.
  4. Martin Dannecker, Elmar Drost, Matthias Frings, Volker Gierke, Michael Holy, Dieter Jarzombek, Corny Littmann, Rainer Marbach, Andreas Meyer-Hanno, Detlef Mücke, Klaus Timm, Marc Wiltzius, Hajo Witte: Schwule Regungen - Schwule Bewegungen. Hrsg.: Wille Frieling. Rosa Winkel, Berlin 1985, ISBN 3-921495-09-1, S. 151–170.
  5. Thomas Krüger, Klaus Meißner, Christel Kottmann-Mentz, Lela Lähnemann, Lising Pagenstecher, Jutta Hartmann, Silke Brucker, Hans Fuhrmann, Christine Holzkamp, Peter Lehmann, Gerd Schütz (Gerda Christiansen), Detlef Mücke, Christian Spoden, Gisela Strötges, Dorothea Ruhla, Claudia Neidig, Uwe Sielert, Jörg Hutter, Dorothea Heilmann, Katharina Oguntoye, Bettina Karrenberg, Mirjam Turksma, Kurt Bach, Harald Stumpe, Nursen Zeytinoglu (Erol Kücükcolak), Sylvia Groth, Lisa Luger: Pädagogisches Kongreß: Lebensformen und Sexualität - Was heißt hier normal? Lesbisch - schwul - heterosexuell. In: Senatsverwaltung für Jugend und Familie - Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (Hrsg.): Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation. Nr. 8. Senatsverwaltung für Jugend und Familie, Berlin 1993, S. 79–100.
  6. Ingrid Stahmer, Astrid Albrecht-Heide, Christine Holzkamp, Jutta Hartmann, Susanne Luhmann, Ilona Radandt, Dorothea Heimann, Corinna Gekeler, Kurt Starke, Ruth Limmer, Norbert F. Schneider, Kathrin Meyer, Anne Thiemann, Helga Kulig, Richard Palm, Erika Soukup, Selmin Caliskan, Modjgan Hamzhei, Ruth Devine, Vanessa Wieser, Lutz Volkwein, Wolfgang Werner, Monika Jaeckel, Marina Neumann Schönwetter, Uli Streib, Stefanie Gerlach, Gabriela Herwig, Detlef Mücke, Bernd Simon, Anita Heiliger, Joachim Braun, Kathrin Lahusen, Marten Kohfahl, Sigrid Pusch, Tomke Ande, Renate Stüwing, Rosemary Swank, Andrea Labek, Ralf Sagner, Ulrike Hempel, Heiko Kleyböcker, Stefanie Ellmenreich, Arturo Mester, Thomas Kugler, Gabriele Dreilich, Frank Herrath, Beate Martin, Eckhard Schroll, Christine Biermann, Petra Milhoffer, Marlene Schütte, Helga Marburger, Jörg Hutter, Josef Riederle, Christa Limmer, Lucyna Wronska, Daniel Kunz, Christian Hecklau, Gudrun Jeschonnek: Lebensformen und Sexualität herrschaftskritische Analysen und pädagogische Perspektiven. In: Jutta Hartmann, Christine Holzkamp, Lela Lähnemann, Klaus Meißner, Detlef Mücke (Hrsg.): Wissenschaftliche Reihe. Band 106. Kleine, Bielefeld 1998, ISBN 3-89370-285-7, S. 147–151.