Montanregion Harz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Geologische Karte der Montanregion Harz

Die Montanregion Harz ist eine in über 1000 Jahren entstandene Industriekulturlandschaft im nördlichsten deutschen Mittgebirge, das heute die Grenzregion zwischen den drei deutschen Bundesländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bildet. Sie ist geprägt von einer Vielzahl historisch weitgehend original erhaltener technischer Denkmäler, sowie zahlreicher mit dem Montanwesen in Verbindung stehender Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten. Die Identität und Authentizität der montanen Kulturlandschaft des Harzes ist mit der Montanregion Erzgebirge vergleichbar, die seit 2019 Teil des UNESCO-Welterbes ist.

In der Montanregion Harz wurde bereits im Jahre 2010 dem Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar, der Oberharzer Wasserwirtschaft einschließlich des Klosters Walkenried, der ehemaligen Grube Samson und der Goslarer Altstadt der UNESCO-Weltkulturerbetitel verliehen.

Der Bergbau auf Buntmetalle und Silber im Harz reicht bis in die Bronzezeit zurück. Analysen, die an gefundenen Schlacken und unverhütteten Erzbrocken aus dem Herrensitz Düna im Südharz durchgeführt worden, belegen eine Verhüttung von Eisenerzen aus Bad Grund im ersten, sowie Oberharzer und Rammelsberger Erze im dritten Jahrhundert nach Christus.[1]

Bereits um das Jahr 968 findet der Bergbau am Rammelsberg 968 in der Res gestae Saxonicae von Widukind von Corvey erstmals seine schriftliche Erwähnung. Nach dieser Chronik hat Otto der Große „im Sachsenland Silberadern eröffnet“ („in Saxonia venas argenti aperuit“). Im Alten Lager wurden 1999 Reste eines Lederschuhs gefunden, die auf das Jahr 1024 datiert werden. Gleichfalls im Untergrund des Alten Lagers wurde im Jahre 2011 eine Holzkonstruktion entdeckt, bei der es sich um den bisher ältesten holzgesicherten Stollen in Mitteleuropa handeln soll. Seit dieser Zeit wurde im Harz ununterbrochen bis nach 1990 Bergbau betrieben. Zu den abgebauten Rohstoffen gehörten u. a. Silber, Zinn, Zink, Cobalt, Nickel, Kupfer und Blei, aber auch Steinkohle. Der Bergbau war ein wichtiger Motor für die zahlreich im Harz bestehenden Kleinstaaten und sorgte wesentlich für einen wirtschaftlichen Aufschwung dieser Montanregion.

Schaubergwerke im Harz

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Name Bundesland Gemeinde Bemerkung Lage Bild
Knesebeckschacht Niedersachsen Bad Grund (Harz) Grube Hilfe Gottes, Blei, Zink, Silber, Schachtförderung Lage
Scholmzeche Niedersachsen Bad Lauterberg im Harz Blei, Zink, Eisen Lage
Grube Dorothea Niedersachsen Clausthal-Zellerfeld Silber, Bleiglanz; Kontakt: Oberharzer Bergwerksmuseum Lage
Grube Rosenhof Niedersachsen Clausthal-Zellerfeld untertägige Radstuben, Welterbe, Kontakt: Oberharzer Bergwerksmuseum Lage
Besucherbergwerk Rammelsberg Niedersachsen Goslar Weltkulturerbe Lage
Besucherbergwerk Grube Lautenthals Glück Niedersachsen Langelsheim,
OT Lautenthal
Bleiglanz, Zinkblende; untertägige schiffbare Wasserstrecke, knapp 100 m lang befahrbar Lage
Grube Catharina Neufang Niedersachsen Sankt Andreasberg Blei, Silber, Abbauweitungen; Zugang über Grube Samson Lage
Lehrbergwerk Grube Roter Bär Niedersachsen Sankt Andreasberg ehemaliges Eisenerzbergwerk; großer Wert wird auf eine bestmögliche Bewahrung des ursprünglichen Zustandes gelegt; dient auch der Trinkwassergewinnung Lage
Besucherbergwerk Grube Samson Niedersachsen Sankt Andreasberg letzte funktionstüchtige Fahrkunst der Welt, Weltkulturerbe Lage
Grube Wennsglückt Niedersachsen Sankt Andreasberg Silber, Kupferkies, Kobalt; Betrieb als Teil des Lehrbergwerks Grube Roter Bär Lage
19-Lachter-Stollen Niedersachsen Wildemann Blei, Zink, Wasserkraft Lage
Straßberger Bergwerksmuseum mit Grube Glasebach Sachsen-Anhalt Harzgerode,
OT Straßberg
Flussspat Lage
Schaubergwerk Büchenberg Sachsen-Anhalt Oberharz am Brocken,
OT Stadt Elbingerode (Harz)
Eisen Lage
Besucherbergwerk Drei Kronen & Ehrt Sachsen-Anhalt Oberharz am Brocken,
OT Stadt Elbingerode (Harz)
ehemalige Grube Schwefelkies-Einheit; Besucherbergwerk ab 1. November 2015 geschlossen Lage
Schaubergwerk Röhrigschacht Sachsen-Anhalt Sangerhausen,
OT Wettelrode
ehemaliges Kupferschiefer-Bergwerk Lage
Besucherbergwerk Rabensteiner Stollen Thüringen Harztor,
OT Ilfeld
Steinkohlebergwerk im Harz Lage
Besucherbergwerk Lange Wand Thüringen Harztor,
OT Niedersachswerfen
Kupferschiefer Lage
Mansfelder und Sangerhäuser Bergrevier der Mansfeld AG

Zu den bedeutenden Bergrevieren im südöstlichen Harz zählen das Mansfelder und das Sangerhäuser Revier, in denen über mehr als 500 Jahre vor allem Kupferschiefer abgebaut wurde. Eines der wichtigsten Montanunternehmer war dort die Mansfeld AG. In diesen beiden Bergrevieren haben sich bis heute eine überaus große Zahl an technischen Denkmalen aus der jahrhundertealten Bergbaugeschichte der Montanregion Harz erhalten.

Seit dem Jahre 2001 gibt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum die Buchreihe Montanregion Harz heraus, zu deren Autoren zahlreiche namhafte Montanwissenschaftler zählen. Dreizehn Bände dieser Schriftenreihe sind bereits in Druck erschienen.[2]

Die von Dietrich Denecke seit 2007 in Nachfolge von Karl Heinrich Kaufhold geleitete Projektgruppe „Montanregion Harz“ der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen trägt ebenfalls diesen Namen. Die Arbeitsgruppe trifft sich regelmäßig zweimal im Jahr zum Austausch neuester Forschungserkenntnisse aus der Montanregion Harz.[3]

Commons: Montanregion Harz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Lothar Klappauf et al.: Auf den Spuren einer frühen Industrielandschaft. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hameln 2000.
  2. Schriftenreihe Harzer Montanwesen (Memento vom 14. September 2016 im Internet Archive)
  3. Klaus Fehn, Anngret Simms (Hrsg.): Wege der historischen Geographie und Kulturlandschaftsforschung. Ausgewählte Beiträge zum 70. Geburtstag von Dietrich Denecke. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08680-3.