„Mitochondriales DNA-Depletionssyndrom“ – Versionsunterschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Ü, Teil 1
Ü, Teil 2
Zeile 4: Zeile 4:
}}
}}


Das '''Mitochondriale DNA-Depletionssyndrom (MDS)''' ist eine Gruppe von [[Erbkrankheit|angeborenen]] [[Mitochondriopathie]]n mit Verminderung der Kopienzahl der [[mtDNA]] in den Zellen der betroffenen Gewebe.<ref name=Orpha>{{Orphanet|10388|Mitochondriales DNA-Depletionssyndrom}}</ref>
Das '''Mitochondriale DNA-Depletionssyndrom (MDS)''' ist eine Gruppe von [[Erbkrankheit|angeborenen]] [[Mitochondriopathie]]n mit Verminderung der Kopienzahl der [[mtDNA]] in den Zellen der betroffenen Gewebe.<ref name="Orpha">{{Orphanet|10388|Mitochondriales DNA-Depletionssyndrom}}</ref>
Bei einer Verminderung der MtDNA unter 30 % des normalen Menge spricht man von einer MtDNA Depletion.<ref name="DOI10.1016/j.bbadis.2009.06.009">Agnès Rötig, Joanna Poulton: ''Genetic causes of mitochondrial DNA depletion in humans.'' In: ''Biochimica et Biophysica Acta - Molecular Basis of Disease.'' 1792, 2009, S.&nbsp;1103, {{DOI|10.1016/j.bbadis.2009.06.009}}.</ref>


Die [[Mitochondriale DNA]] (MtDNA) selbst weist keine [[Mutation]]en oder Umlagerungen auf. Deshalb wird das MDS als ein primärer Prozess angesehen. Sekundäre Verluste der mtDNA treten bei der [[Sporadische Einschlusskörpermyositis|Sporadischen Einschlusskörpermyositis]] und [[iatrogen]] nach Behandlung mit [[Nukleosidanaloga]] auf.<ref name=Orpha/>
Die [[Mitochondriale DNA]] (MtDNA) selbst weist keine [[Mutation]]en oder Umlagerungen auf. Deshalb wird das MDS als ein primärer Prozess angesehen. Sekundäre Verluste der mtDNA treten bei der [[Sporadische Einschlusskörpermyositis|Sporadischen Einschlusskörpermyositis]] und [[iatrogen]] nach Behandlung mit [[Nukleosidanaloga]] auf.<ref name="Orpha" />

== Pathologie ==
Zugrunde liegen entweder [[Mutation]]en in der MtDNA selbst oder in den [[Gen]]en des [[Zellkern]]es, die für Proteine kodieren, welche in den [[Mitochondrium|Mitochondrien]] benötigt werden.<ref name="DOI10.1016/j.bbadis.2009.06.009"/>


== Verbreitung ==
== Verbreitung ==
Die Häufigkeit ist nicht bekannt, das Krankheitsbild ist eventuell nicht selten und tritt familiär gehäuft auf. Eine [[autosom]]al-[[rezessiv]]e Vererbung ist möglich.<ref name=Orpha/>
Die Häufigkeit ist nicht bekannt, das Krankheitsbild ist eventuell nicht selten und tritt familiär gehäuft auf. Eine [[autosom]]al-[[rezessiv]]e Vererbung ist möglich.<ref name="Orpha" />


== Einteilung ==
== Einteilung ==
Das klinische Erscheinungsbild ist uneinheitlich und vom betroffenen [[Gen]] abhängig und kann gewebespezifisch oder multisystemisch sein. Hauptmerkmale sind Beginn im frühen Kindesalter, Schwäche, [[Muskelhypotonie]] und [[Entwicklungsverzögerung]].
Das klinische Erscheinungsbild ist uneinheitlich und vom betroffenen [[Gen]] abhängig und kann gewebespezifisch oder multisystemisch sein. Hauptmerkmale sind Beginn im frühen Kindesalter, Schwäche, [[Muskelhypotonie]] und [[Entwicklungsverzögerung]].


Folgende Formen können unterschieden werden:<ref name="Orpha" /><ref name=El-Hattab>A. W. El-Hattab, F. Scaglia: ''Mitochondrial DNA depletion syndromes: review and updates of genetic basis, manifestations, and therapeutic options.'' In: ''Neurotherapeutics : the journal of the American Society for Experimental NeuroTherapeutics.'' Bd. 10, Nr. 2, April 2013, S.&nbsp;186–198, [[doi:10.1007/s13311-013-0177-6]], PMID 23385875, {{PMC|3625391}} (Review).</ref>
Folgende Formen können unterschieden werden:
* ''hepato-zerebrale Form'', Mutationen im ''DGUOK''-, ''MPV17''-, ''POLG''-, oder ''C10orf2''-Gen, frühzeitig einsetzende Leberfunktionsstörung und neurologische Beteiligung
* ''hepato-zerebrale Form''
* ''myopathische Form'', auch ''benigne myopathische Form mit späterem Beginn'', Mutationen im ''TK2''-Gen, Hypotonie und Muskelschwäche bereits in den ersten beiden Lebensjahren
* ''myopathische Form''
* ''benigne myopathische Form mit späterem Beginn''
* ''kardiomyopathische Form''
* ''kardiomyopathische Form''
* ''enzephalomyopathische Form'', Mutationen im ''SUCLA2''-, ''SUCLG1''-, oder ''RRM2B''-Gen, Hypotonie und neurologische Auffälligkeiten während der Kindheit
* ''neurogastrointestinale Form'', mitochondriale neurogastrointestinal Enzephalopathie (MNGIE), Mutationen im ''TYMP''-Gen, zunehmende gastrointestinale Funktionsstörung und periphere Neuropathie mit Auftreten vor dem 20. Lebensjahr


== Klinische Erscheinungen ==
== Klinische Erscheinungen ==
Klinische Kriterien sind:<ref name=Orpha/>
Klinische Kriterien sind:<ref name="Orpha" />
* Muskelhypotonie in der frühen Kindheit
* Muskelhypotonie in der frühen Kindheit
* Entwicklungsverzögerung
* Entwicklungsverzögerung
Zeile 42: Zeile 47:
== Heilungsaussicht ==
== Heilungsaussicht ==
Die [[Prognose]] ist ungünstig, die Kinder versterben meist in den ersten Lebensjahren.
Die [[Prognose]] ist ungünstig, die Kinder versterben meist in den ersten Lebensjahren.

== Geschichte ==
Das Mitochondriale DNA-Depletionssyndrom wurde im Jahre 1991 durch ''C.T. Moraes'' und Mitarbeiter ursprünglich als kongenitale Mypopathie oder Hepatopathie beschrieben.<ref>C. T. Moraes, S. Shanske, H. J. Tritschler, J. R. Aprille, F. Andreetta, E. Bonilla, E. A. Schon, S. DiMauro: ''mtDNA depletion with variable tissue expression: a novel genetic abnormality in mitochondrial diseases.'' In: ''[[American Journal of Human Genetics]].'' Bd. 48, Nr. 3, März 1991, S.&nbsp;492–501, PMID 1998336, {{PMC|1682992}}.</ref>


== Literatur ==
== Literatur ==
* Célia Nogueira, Ligia S Almeida, Claudia Nesti, Ilaria Pezzini, Arnaldo Videira, Laura Vilarinho, Filippo M Santorelli: ''Syndromes associated with mitochondrial DNA depletion.'' In: ''Italian Journal of Pediatrics.'' Bd. 40, 2014, S.&nbsp;34, {{DOI|10.1186/1824-7288-40-34}}
* A. W. El-Hattab, F. Scaglia: ''Mitochondrial DNA depletion syndromes: review and updates of genetic basis, manifestations, and therapeutic options.'' In: ''Neurotherapeutics : the journal of the American Society for Experimental NeuroTherapeutics.'' Bd. 10, Nr. 2, April 2013, S.&nbsp;186–198, {{DOI|10.1007/s13311-013-0177-6}}, PMID 23385875, {{PMC|3625391}} (Review).
* M. Almannai, H. Dai, A.W. El-Hattab, L.J.C. Wong: ''FBXL4-Related Encephalomyopathic Mitochondrial DNA Depletion Syndrome.'' In: R.A. Pagon, M.P. Adam, H.H. Ardinger, S.E. Wallace, A. Amemiya, L.J.H. Bean, T.D. Bird, N. Ledbetter, H.C. Mefford, R.J.H. Smith, K. Stephens (Hrsg.) GeneReviews® [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2017.,2017 Apr 6. PMID 28383868


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />

== Weblinks ==
* [https://ghr.nlm.nih.gov/condition/tk2-related-mitochondrial-dna-depletion-syndrome-myopathic-form Genetics Home Reference]


{{Gesundheitshinweis}}
{{Gesundheitshinweis}}

Version vom 26. April 2017, 09:32 Uhr

Klassifikation nach ICD-10
G71.3 Mitochondriale Myopathie, anderenorts nicht klassifiziert
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Das Mitochondriale DNA-Depletionssyndrom (MDS) ist eine Gruppe von angeborenen Mitochondriopathien mit Verminderung der Kopienzahl der mtDNA in den Zellen der betroffenen Gewebe.[1] Bei einer Verminderung der MtDNA unter 30 % des normalen Menge spricht man von einer MtDNA Depletion.[2]

Die Mitochondriale DNA (MtDNA) selbst weist keine Mutationen oder Umlagerungen auf. Deshalb wird das MDS als ein primärer Prozess angesehen. Sekundäre Verluste der mtDNA treten bei der Sporadischen Einschlusskörpermyositis und iatrogen nach Behandlung mit Nukleosidanaloga auf.[1]

Pathologie

Zugrunde liegen entweder Mutationen in der MtDNA selbst oder in den Genen des Zellkernes, die für Proteine kodieren, welche in den Mitochondrien benötigt werden.[2]

Verbreitung

Die Häufigkeit ist nicht bekannt, das Krankheitsbild ist eventuell nicht selten und tritt familiär gehäuft auf. Eine autosomal-rezessive Vererbung ist möglich.[1]

Einteilung

Das klinische Erscheinungsbild ist uneinheitlich und vom betroffenen Gen abhängig und kann gewebespezifisch oder multisystemisch sein. Hauptmerkmale sind Beginn im frühen Kindesalter, Schwäche, Muskelhypotonie und Entwicklungsverzögerung.

Folgende Formen können unterschieden werden:[1][3]

  • hepato-zerebrale Form, Mutationen im DGUOK-, MPV17-, POLG-, oder C10orf2-Gen, frühzeitig einsetzende Leberfunktionsstörung und neurologische Beteiligung
  • myopathische Form, auch benigne myopathische Form mit späterem Beginn, Mutationen im TK2-Gen, Hypotonie und Muskelschwäche bereits in den ersten beiden Lebensjahren
  • kardiomyopathische Form
  • enzephalomyopathische Form, Mutationen im SUCLA2-, SUCLG1-, oder RRM2B-Gen, Hypotonie und neurologische Auffälligkeiten während der Kindheit
  • neurogastrointestinale Form, mitochondriale neurogastrointestinal Enzephalopathie (MNGIE), Mutationen im TYMP-Gen, zunehmende gastrointestinale Funktionsstörung und periphere Neuropathie mit Auftreten vor dem 20. Lebensjahr

Klinische Erscheinungen

Klinische Kriterien sind:[1]

Mitunter besteht eine schwere Hepatopathie oder eine Störung der Nierenfunktion renale Störung wie beim De-Toni-Fanconi-Syndrom. Die Diagnose wird durch Nachweis einer verminderten Aktivität der Atemkette und eines niedrigen mtDNA/nDNA-Verhältnisses bestätigt.

Ursache

Es sind in mindestens neun Genen Mutationen beschrieben, die ein MDS verursachen können:

Heilungsaussicht

Die Prognose ist ungünstig, die Kinder versterben meist in den ersten Lebensjahren.

Geschichte

Das Mitochondriale DNA-Depletionssyndrom wurde im Jahre 1991 durch C.T. Moraes und Mitarbeiter ursprünglich als kongenitale Mypopathie oder Hepatopathie beschrieben.[4]

Literatur

  • Célia Nogueira, Ligia S Almeida, Claudia Nesti, Ilaria Pezzini, Arnaldo Videira, Laura Vilarinho, Filippo M Santorelli: Syndromes associated with mitochondrial DNA depletion. In: Italian Journal of Pediatrics. Bd. 40, 2014, S. 34, doi:10.1186/1824-7288-40-34
  • M. Almannai, H. Dai, A.W. El-Hattab, L.J.C. Wong: FBXL4-Related Encephalomyopathic Mitochondrial DNA Depletion Syndrome. In: R.A. Pagon, M.P. Adam, H.H. Ardinger, S.E. Wallace, A. Amemiya, L.J.H. Bean, T.D. Bird, N. Ledbetter, H.C. Mefford, R.J.H. Smith, K. Stephens (Hrsg.) GeneReviews® [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2017.,2017 Apr 6. PMID 28383868

Einzelnachweise

  1. a b c d e Mitochondriales DNA-Depletionssyndrom. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  2. a b Agnès Rötig, Joanna Poulton: Genetic causes of mitochondrial DNA depletion in humans. In: Biochimica et Biophysica Acta - Molecular Basis of Disease. 1792, 2009, S. 1103, doi:10.1016/j.bbadis.2009.06.009.
  3. A. W. El-Hattab, F. Scaglia: Mitochondrial DNA depletion syndromes: review and updates of genetic basis, manifestations, and therapeutic options. In: Neurotherapeutics : the journal of the American Society for Experimental NeuroTherapeutics. Bd. 10, Nr. 2, April 2013, S. 186–198, doi:10.1007/s13311-013-0177-6, PMID 23385875, PMC 3625391 (freier Volltext) (Review).
  4. C. T. Moraes, S. Shanske, H. J. Tritschler, J. R. Aprille, F. Andreetta, E. Bonilla, E. A. Schon, S. DiMauro: mtDNA depletion with variable tissue expression: a novel genetic abnormality in mitochondrial diseases. In: American Journal of Human Genetics. Bd. 48, Nr. 3, März 1991, S. 492–501, PMID 1998336, PMC 1682992 (freier Volltext).