„Geburtsposition“ – Versionsunterschied

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Der Begriff '''Geburtspositionen'''<ref>{{Literatur |Autor=Olson R, Olson C, Cox NS |Titel=Maternal birthing positions and perineal injury |Hrsg= |Sammelwerk=The Journal of Family Practice |Band= |Nummer=30 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=1990-05 |ISBN= |PMID=2332746 |Seiten=553–557}}</ref>, auch Gebärpositionen (engl: maternal childbirth positions), bezeichnet die Vielzahl verschiedener Körperhaltungen, die die Gebärende während des Geburtsprozesses einnehmen kann.
Der Begriff '''Geburtspositionen''', auch '''Gebärpositionen''' (engl: ''maternal birthing positions, childbirth positions''), bezeichnet die Vielzahl verschiedener Körperhaltungen, die die Gebärende während des [[Geburt]]<nowiki/>sprozesses einnehmen kann.


Neben der von vielen Geburtshelfern noch immer favorisierten '''liegenden Position''', werden vor allem bei außerklinischen Geburten<ref>{{Internetquelle |autor= |url=http://www.quag.de/downloads/QUAG_bericht2016.pdf |titel=QUALITÄTSBERICHT 2016 AUSSERKLINISCHE GEBURTSHILFE IN DEUTSCHLAND |werk= |hrsg= |datum=2016 |seiten=47-48 |zugriff=2018-10-18 |sprache=}}</ref>, aber vermehrt auch in Kreißsälen, meist erfolgreich alternative Geburtspositionen eingesetzt, darunter Hocken, Stehen, Knien und Vierfüßlerstand, oft in Kombination. Diese Stellungen werden als '''aufrechte Geburtspositionen''' bezeichnet.<ref>{{Literatur |Autor=Keen R, DiFranco J, Amis D, Albers L |Titel=Non-Supine (e.g. Upright or Side-Lying) Positions for Birth |Hrsg=Lamaze International Education Council |Sammelwerk=Journal of Perinatal Education |Band=Frühjahr |Nummer=13 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2004 |ISBN= |Seiten=30–34}}</ref>
Neben der von vielen Geburtshelfern noch immer favorisierten '''liegenden Position''', werden vor allem bei außerklinischen Geburten<ref>{{Internetquelle |autor= |url=http://www.quag.de/downloads/QUAG_bericht2016.pdf |titel=QUALITÄTSBERICHT 2016 AUSSERKLINISCHE GEBURTSHILFE IN DEUTSCHLAND |werk= |hrsg= |datum=2016 |seiten=47-48 |zugriff=2018-10-18 |sprache=}}</ref>, aber vermehrt auch in [[Kreißsaal|Kreißsälen]], meist erfolgreich alternative Geburtspositionen eingesetzt, darunter Hocken, Stehen, Knien und Vierfüßlerstand, oft in Kombination. Diese Stellungen werden als '''aufrechte Geburtspositionen''' bezeichnet.<ref>{{Literatur |Autor=Keen R, DiFranco J, Amis D, Albers L |Titel=Non-Supine (e.g. Upright or Side-Lying) Positions for Birth |Hrsg=Lamaze International Education Council |Sammelwerk=Journal of Perinatal Education |Band=Frühjahr |Nummer=13 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2004 |ISBN= |Seiten=30–34}}</ref>


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das Einnehmen von aufrechten Geburtspositionen<ref>{{Literatur |Autor=Weltgesundheitsorganisation |Titel=Appropriate Technology for Birth |Hrsg=WHO Regional Office for Europa |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort=Kopenhagen, Dänemark |Datum=1985-04 |ISBN= |Seiten= |Zitat=Während der Wehentätigkeit sollten schwangere Frauen nicht auf dem Rücken liegen. Sie sollten angeregt werden, während der Wehen herumzulaufen und sich frei zu entscheiden, in welcher Position sie gebären möchten.}}</ref> bzw. dass die Gebärende selbst wählen kann welche Geburtsposition sie einnehmen möchte.<ref>{{Internetquelle |autor= |url=https://extranet.who.int/rhl/topics/preconception-pregnancy-childbirth-and-postpartum-care/care-during-childbirth/care-during-labour-2nd-stage/who-recommendation-birth-position-women-without-epidural-analgesia |titel=WHO recommendation on birth position for women without epidural analgesia |werk= |hrsg=The WHO Reproductive Health Library |datum=2018-02 |zugriff=2018-10-17 |sprache=en}}</ref>
Die [[Weltgesundheitsorganisation]] (''WHO'') empfiehlt, die Gebärende selbst die Geburtsposition wählen zu lassen und unterschiedliche Positionen anzubieten und zu ermöglichen.<ref>{{Literatur |Autor=Weltgesundheitsorganisation |Titel=Appropriate Technology for Birth |Hrsg=WHO Regional Office for Europa |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort=Kopenhagen, Dänemark |Datum=1985-04 |ISBN= |Seiten= |Zitat=Während der Wehentätigkeit sollten schwangere Frauen nicht auf dem Rücken liegen. Sie sollten angeregt werden, während der Wehen herumzulaufen und sich frei zu entscheiden, in welcher Position sie gebären möchten.}}</ref><ref>{{Internetquelle |autor= |url=https://extranet.who.int/rhl/topics/preconception-pregnancy-childbirth-and-postpartum-care/care-during-childbirth/care-during-labour-2nd-stage/who-recommendation-birth-position-women-without-epidural-analgesia |titel=WHO recommendation on birth position for women without epidural analgesia |werk= |hrsg=The WHO Reproductive Health Library |datum=2018-02 |zugriff=2018-10-17 |sprache=en}}</ref>


Häufig gibt es jedoch Beschränkungen dieser Wahlmöglichkeiten, bedingt durch die Ausstattung des Kreißbettes bis hin zu vorgegebenen Entbindungsvorschriften oder Routinemaßnahmen, wie Infusionsleitungen oder CTG-Kabel.<ref>{{Internetquelle |autor= |url=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf |titel=Care in normal birth. A practical guide, report of a technical working group |werk= |hrsg=World Health Organization. WHO/FRH/MSM/96.24 |datum=1996 |archiv-url= |zugriff=2016-09-08 |sprache=en}}</ref> Auch eine [[Periduralanästhesie|Periduralanästhesie (PDA)]] kann die Gebärende daran hindern, sich frei zu bewegen.
Häufig gibt es jedoch Beschränkungen dieser Wahlmöglichkeiten, bedingt durch die Ausstattung des Kreißbettes bis hin zu vorgegebenen Entbindungsvorschriften oder Routinemaßnahmen, wie Infusionsleitungen oder [[Kardiotokografie|CTG]]-Kabel.<ref>{{Internetquelle |autor= |url=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf |titel=Care in normal birth. A practical guide, report of a technical working group |werk= |hrsg=World Health Organization. WHO/FRH/MSM/96.24 |datum=1996 |archiv-url= |zugriff=2016-09-08 |sprache=en}}</ref> Auch eine [[Periduralanästhesie|Periduralanästhesie (PDA)]] kann die Gebärende daran hindern, sich frei zu bewegen.


Das Einnehmen von aufrechten Positionen während der Wehenarbeit und der Geburt kann den Geburtskanal um 28-30% weiten, sodass das Baby mehr Raum für nötige Rotationen bekommt und den Weg durch das Becken leichter zurücklegen kann. Außerdem wird die Indikation für abnormale kindliche Herzfrequenzen um 54% herabgesenkt wenn die Mutter aufrecht ist.<ref>{{Internetquelle |autor=Gupta JK, Hofmeyr GJ, Shehmar M |url=https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD002006.pub3/full |titel=Position in the second stage of labour for women without epidural anaesthesia |werk= |hrsg=Cochrane Database of Systematic Reviews |datum=2012 |zugriff=2018-10-17 |sprache=en}}</ref>
Das Einnehmen von aufrechten Positionen während der Wehenarbeit und der Geburt weitet den Geburtskanal mehr als die liegende Position, sodass das Baby mehr Raum für nötige Rotationen bekommt und den Weg durch das Becken leichter zurücklegen kann. Außerdem wird die Indikation für abnormale kindliche Herzfrequenzen herabgesenkt. Infolgedessen sind Interventionen (z.B. [[Geburtszange]], [[Vakuumextraktion|Saugglocke]]) seltener.<ref>{{Internetquelle |autor=Gupta JK, Sood A, Hofmeyr GJ, Vogel JP |url=https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD002006.pub4/full/de#CD002006-abs-0007 |titel=Gebärpositionen für Frauen ohne Epiduralanästhesie |werk= |hrsg=Cochrane Database of Systematic Reviews |datum=2017 |zugriff=2018-10-22 |sprache= |zitat=https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD002006.pub4/epdf/full}}</ref>


Aufrechte Geburtspositionen werden außerdem in Verbindung gebracht mit einem geringeren Bedarf an Periduralanästhesie (PDA).<ref>{{Internetquelle |autor=Lawrence A, Lewis L, Hofmeyr GJ, Styles C |url=https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD003934.pub4/media/CDSR/CD003934/CD003934.pdf |titel=Maternal positions and mobility during first stage labour (Review) |werk= |hrsg=Cochrane Database of Systematic Reviews |datum=2013 |zugriff=2018-10-17 |sprache=en}}</ref>
Aufrechte Positionen während der [[Eröffnungsphase]] können diese Phase um mehr als eine Stunde reduzieren. In der Eröffnungsphase eingesetzt mindern sie außerdem statistisch gesehen die Notwendigkeit von [[Kaiserschnitt]] und Periduralanästhesie im weiteren Verlauf der Geburt.<ref>{{Literatur |Autor=Lawrence A, Lewis L, Hofmeyr GJ, Styles C. |Titel=Maternal positions and mobility during first stage labour. |Hrsg=Cochrane Database Syst Rev. |Sammelwerk= |Band=10 |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2013 |ISBN= |Seiten=}}</ref>


Unterschiedliche Geburtspositionen können mit unterschiedlichen Graden von Geburtsverletzungen in Zusammenhang gebracht werden.<ref>{{Literatur |Autor=Shorten A, Donsante J, Shorten B |Titel=Birth position, accoucheur, and perineal outcomes: informing women about choices for vaginal birth |Hrsg= |Sammelwerk=Birth. Issues in perinatal care |Band=29 |Nummer=1 |Auflage= |Verlag=Wiley |Ort= |Datum=2002-03 |ISBN= |DOI=10.1046/j.1523-536x.2002.00151.x |PMID=11843786 |Seiten=18-27}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Hastings-Tolsma M, Vincent D, Emeis C, Francisco T |Titel=Getting through birth in one piece: protecting the perineum |Hrsg= |Sammelwerk=MCN Am J Matern Child Nurs |Band=32 |Nummer=3 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2007 |ISBN= |DOI=10.1097/01.NMC.0000269565.20111.92 |PMID=17479052 |Seiten=158–164}}</ref> Geburtshelfer sollten daher eine große Bandbreite von Gebärpositionen kennen und Nutzen und Risiko im Einzelfall abwägen können.<ref>{{Literatur |Autor= |Titel=Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden |Hrsg=European Workgroup of Independent Midwives |Sammelwerk=Hebammengeburtshilfe |Band=1 |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=1996 |ISBN= |Seiten=62 |Online=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf |Zitat=Die positiven Wirkungen der aufrechten Positionen hängen vor allem von der Kompetenz der Geburtsbetreuerinnen ab und ihrer Erfahrung im Umgang mit anderen Geburtspositionen außer der Rückenlage. Ein gewisses Maß an Wissen über deren Vorteile und die Berücksichtigung des Willens der Frau, verschiedene Positionen einzunehmen, kann einen immensen Unterschied in der Geburtsbegleitung machen.}}</ref>
Unterschiedliche Geburtspositionen können mit unterschiedlichen Graden von Geburtsverletzungen in Zusammenhang gebracht werden.<ref>{{Literatur |Autor=Shorten A, Donsante J, Shorten B |Titel=Birth position, accoucheur, and perineal outcomes: informing women about choices for vaginal birth |Hrsg= |Sammelwerk=Birth. Issues in perinatal care |Band=29 |Nummer=1 |Auflage= |Verlag=Wiley |Ort= |Datum=2002-03 |ISBN= |DOI=10.1046/j.1523-536x.2002.00151.x |PMID=11843786 |Seiten=18-27}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Hastings-Tolsma M, Vincent D, Emeis C, Francisco T |Titel=Getting through birth in one piece: protecting the perineum |Hrsg= |Sammelwerk=MCN Am J Matern Child Nurs |Band=32 |Nummer=3 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2007 |ISBN= |DOI=10.1097/01.NMC.0000269565.20111.92 |PMID=17479052 |Seiten=158–164}}</ref> Geburtshelfer sollten daher eine große Bandbreite von Gebärpositionen kennen, Nutzen und Risiko im Einzelfall abwägen und die Positionen geschickt kombinieren können. Entscheidungen zu Gebärpositionen sollten immer im Einvernehmen mit der Gebärenden getroffen werden.<ref>{{Literatur |Autor= |Titel=Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden |Hrsg=European Workgroup of Independent Midwives |Sammelwerk=Hebammengeburtshilfe |Band=1 |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=1996 |ISBN= |Seiten=62 |Online=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf |Zitat=Die positiven Wirkungen der aufrechten Positionen hängen vor allem von der Kompetenz der Geburtsbetreuerinnen ab und ihrer Erfahrung im Umgang mit anderen Geburtspositionen außer der Rückenlage. Ein gewisses Maß an Wissen über deren Vorteile und die Berücksichtigung des Willens der Frau, verschiedene Positionen einzunehmen, kann einen immensen Unterschied in der Geburtsbegleitung machen.}}</ref>


==Rückenlage / (med. [[Steinschnittlage]])==
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==Vierfüßlerstand==
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Manche Frauen begeben sich instinktiv in den Vierfüßlerstand. Die Stellung kann bei Fehlstellung des Kopfes dem Baby helfen sich zu drehen. Da die Position die Schwerkraft nutzt, verringert sie Rückenschmerzen.
Manche Frauen begeben sich instinktiv in den Vierfüßlerstand. Die Stellung kann bei Fehlstellung des Kopfes dem Baby helfen sich zu drehen. Da die Position die Schwerkraft nutzt, verringert sie Rückenschmerzen. Geringerer Druck auf den Damm mindern das Risiko eines Dammrisses. Im Vergleich zum Hocken öffnet diese Position nicht ganz so weit und ist daher eine gute Alternative in der Austreibungsphase.


==Seitenlage==
==Seitenlage==


Diese Position kann das Fortschreiten des Kindes im Geburtskanal verlangsamen, sodass der Damm mehr Zeit bekommt um sich auf natürliche Weise zu dehnen. Die Mutter liegt auf der Seite mit angewinkelten Knien, wobei das obere Bein hochgehalten bzw. gestützt wird. Diese Position macht keinen Gebrauch von der Schwerkraft, hat gegenüber der liegenden Position jedoch trotzdem den Vorteil, dass die Vena Cava (Hauptvene) nicht abgedrückt wird, was zu einer verminderten Blutversorgung des Kindes führen könnte.<ref>{{Literatur |Autor=World Health Organization |Titel=Care in normal birth. A practical guide, report of a technical working group. |Hrsg= |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=1996 |ISBN= |Seiten=50 |Online=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf}}</ref>
Diese Position kann das Fortschreiten des Kindes im Geburtskanal verlangsamen, sodass der Damm mehr Zeit bekommt um sich auf natürliche Weise zu dehnen. Die Mutter liegt auf der Seite mit angewinkelten Knien, wobei das obere Bein hochgehalten bzw. gestützt wird. Diese Position macht keinen Gebrauch von der Schwerkraft, hat gegenüber der liegenden Position jedoch trotzdem den Vorteil, dass die Vena Cava (Hauptvene) nicht abgedrückt wird, was zu einer verminderten Blutversorgung des Kindes führen könnte.<ref>{{Literatur |Autor= |Titel=Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden |Hrsg=European Workgroup of Independent Midwives |Sammelwerk=Hebammengeburtshilfe |Band=1 |Nummer= |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=1996 |ISBN= |Seiten=50 |Online=http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/63167/4/WHO_FRH_MSM_96.24_ger.pdf}}</ref>





Version vom 22. Oktober 2018, 22:48 Uhr

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Der Begriff Geburtspositionen, auch Gebärpositionen (engl: maternal birthing positions, childbirth positions), bezeichnet die Vielzahl verschiedener Körperhaltungen, die die Gebärende während des Geburtsprozesses einnehmen kann.

Neben der von vielen Geburtshelfern noch immer favorisierten liegenden Position, werden vor allem bei außerklinischen Geburten[1], aber vermehrt auch in Kreißsälen, meist erfolgreich alternative Geburtspositionen eingesetzt, darunter Hocken, Stehen, Knien und Vierfüßlerstand, oft in Kombination. Diese Stellungen werden als aufrechte Geburtspositionen bezeichnet.[2]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Gebärende selbst die Geburtsposition wählen zu lassen und unterschiedliche Positionen anzubieten und zu ermöglichen.[3][4]

Häufig gibt es jedoch Beschränkungen dieser Wahlmöglichkeiten, bedingt durch die Ausstattung des Kreißbettes bis hin zu vorgegebenen Entbindungsvorschriften oder Routinemaßnahmen, wie Infusionsleitungen oder CTG-Kabel.[5] Auch eine Periduralanästhesie (PDA) kann die Gebärende daran hindern, sich frei zu bewegen.

Das Einnehmen von aufrechten Positionen während der Wehenarbeit und der Geburt weitet den Geburtskanal mehr als die liegende Position, sodass das Baby mehr Raum für nötige Rotationen bekommt und den Weg durch das Becken leichter zurücklegen kann. Außerdem wird die Indikation für abnormale kindliche Herzfrequenzen herabgesenkt. Infolgedessen sind Interventionen (z.B. Geburtszange, Saugglocke) seltener.[6]

Aufrechte Positionen während der Eröffnungsphase können diese Phase um mehr als eine Stunde reduzieren. In der Eröffnungsphase eingesetzt mindern sie außerdem statistisch gesehen die Notwendigkeit von Kaiserschnitt und Periduralanästhesie im weiteren Verlauf der Geburt.[7]

Unterschiedliche Geburtspositionen können mit unterschiedlichen Graden von Geburtsverletzungen in Zusammenhang gebracht werden.[8][9] Geburtshelfer sollten daher eine große Bandbreite von Gebärpositionen kennen, Nutzen und Risiko im Einzelfall abwägen und die Positionen geschickt kombinieren können. Entscheidungen zu Gebärpositionen sollten immer im Einvernehmen mit der Gebärenden getroffen werden.[10]

Rückenlage / (med. Steinschnittlage)

Die werdende Mutter liegt auf dem Rücken mit hochgelegten Beinen und dem Gesäß in der Nähe der Tischkante. Diese Position ist am bequemsten für Geburtshelfer, da sie einen besseren Zugriff auf den Damm ermöglicht. Allerdings ist diese Position für die meisten Frauen ungünstig, da das Köpfchen ungleichmäßigen Druck auf die Scheidenwand ausübt und die Wehen gegen die Schwerkraft arbeiten müssen.

„Etliche Studien haben gezeigt, dass in der Eröffnungsphase die Rückenlage die Durchblutung der Gebärmutter beeinflusst. Der schwer auf den Bauchgefäßen liegende Uterus kann zu deren Komprimierung führen, welches wiederum in einer schlechteren Durchblutung und somit in einer schlechteren Versorgung des Feten resultiert. Ebenso wurde herausgefunden, dass die Wehenintensität durch die Rückenlage beeinflusst wird und so dem Geburtsfortschritt hinderlich ist."[11]

Hocken

Die hockende Position nutzt die Schwerkraft und vergrößert dadurch den Druck auf den Beckenraum mit minimalem muskulärem Aufwand. In der hockenden Position öffnet sich der Geburtskanal 20-30% weiter als in jeder anderen Position. Ein weiterer Vorteil dieser Position ist die gleichmäßige Druckverteilung durch den Kopf des Babys auf die Scheide.[12] Die Herztöne des Kindes sind besser. Das Risiko für Dammrisse ist für diese Position erhöht. Mit Bedacht eingesetzt wird diese Position für die Austreibungsphase empfohlen.

Gebärhocker oder der Partner stützen diejenigen Frauen, die ihre Fersen beim Hocken nicht auf den Boden bringen können.

Vierfüßlerstand

Manche Frauen begeben sich instinktiv in den Vierfüßlerstand. Die Stellung kann bei Fehlstellung des Kopfes dem Baby helfen sich zu drehen. Da die Position die Schwerkraft nutzt, verringert sie Rückenschmerzen. Geringerer Druck auf den Damm mindern das Risiko eines Dammrisses. Im Vergleich zum Hocken öffnet diese Position nicht ganz so weit und ist daher eine gute Alternative in der Austreibungsphase.

Seitenlage

Diese Position kann das Fortschreiten des Kindes im Geburtskanal verlangsamen, sodass der Damm mehr Zeit bekommt um sich auf natürliche Weise zu dehnen. Die Mutter liegt auf der Seite mit angewinkelten Knien, wobei das obere Bein hochgehalten bzw. gestützt wird. Diese Position macht keinen Gebrauch von der Schwerkraft, hat gegenüber der liegenden Position jedoch trotzdem den Vorteil, dass die Vena Cava (Hauptvene) nicht abgedrückt wird, was zu einer verminderten Blutversorgung des Kindes führen könnte.[13]


  1. QUALITÄTSBERICHT 2016 AUSSERKLINISCHE GEBURTSHILFE IN DEUTSCHLAND. 2016, S. 47-48, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  2. Keen R, DiFranco J, Amis D, Albers L: Non-Supine (e.g. Upright or Side-Lying) Positions for Birth. In: Lamaze International Education Council (Hrsg.): Journal of Perinatal Education. Frühjahr, Nr. 13, 2004, S. 30–34.
  3. Weltgesundheitsorganisation: Appropriate Technology for Birth. Hrsg.: WHO Regional Office for Europa. Kopenhagen, Dänemark April 1985: „Während der Wehentätigkeit sollten schwangere Frauen nicht auf dem Rücken liegen. Sie sollten angeregt werden, während der Wehen herumzulaufen und sich frei zu entscheiden, in welcher Position sie gebären möchten.“
  4. WHO recommendation on birth position for women without epidural analgesia. The WHO Reproductive Health Library, Februar 2018, abgerufen am 17. Oktober 2018 (englisch).
  5. Care in normal birth. A practical guide, report of a technical working group. World Health Organization. WHO/FRH/MSM/96.24, 1996, abgerufen am 8. September 2016 (englisch).
  6. Gupta JK, Sood A, Hofmeyr GJ, Vogel JP: Gebärpositionen für Frauen ohne Epiduralanästhesie. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017, abgerufen am 22. Oktober 2018: „https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD002006.pub4/epdf/full“
  7. Lawrence A, Lewis L, Hofmeyr GJ, Styles C.: Maternal positions and mobility during first stage labour. Hrsg.: Cochrane Database Syst Rev. Band 10, 2013.
  8. Shorten A, Donsante J, Shorten B: Birth position, accoucheur, and perineal outcomes: informing women about choices for vaginal birth. In: Birth. Issues in perinatal care. Band 29, Nr. 1. Wiley, März 2002, S. 18–27, doi:10.1046/j.1523-536x.2002.00151.x, PMID 11843786.
  9. Hastings-Tolsma M, Vincent D, Emeis C, Francisco T: Getting through birth in one piece: protecting the perineum. In: MCN Am J Matern Child Nurs. Band 32, Nr. 3, 2007, S. 158–164, doi:10.1097/01.NMC.0000269565.20111.92, PMID 17479052.
  10. Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden. In: European Workgroup of Independent Midwives (Hrsg.): Hebammengeburtshilfe. Band 1, 1996, S. 62 (who.int [PDF]): „Die positiven Wirkungen der aufrechten Positionen hängen vor allem von der Kompetenz der Geburtsbetreuerinnen ab und ihrer Erfahrung im Umgang mit anderen Geburtspositionen außer der Rückenlage. Ein gewisses Maß an Wissen über deren Vorteile und die Berücksichtigung des Willens der Frau, verschiedene Positionen einzunehmen, kann einen immensen Unterschied in der Geburtsbegleitung machen.“
  11. Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden. In: European Workgroup of Independent Midwives (Hrsg.): Hebammengeburtshilfe. Band 1, 1996, S. 50 (who.int [PDF]).
  12. Russell JG: Moulding of the pelvic outlet. In: J Obstet Gynaecol Br Commonw. Band 76, 1969, S. 817–820.
  13. Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden. In: European Workgroup of Independent Midwives (Hrsg.): Hebammengeburtshilfe. Band 1, 1996, S. 50 (who.int [PDF]).