Jakob Maria Mierscheid

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Das einzige Bild von Jakob Maria Mierscheid

Jakob Maria Mierscheid (* 1. März 1933 in Morbach, Rheinland-Pfalz) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit 1979 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Persönliches

Durch die beruflich bedingte Mobilität seiner Familie lebte Mierscheid in seiner Kindheit in verschiedenen Städten und besuchte dort die Schulen. Nach dem Ende der Haupt- und Handelsschule lebte er in Kaiserslautern, Heidelberg, Berlin, Hamburg, Offenbach und Frankfurt am Main. Zunächst war er als Schneider tätig, bevor er im Alter von 46 Jahren in den Bundestag gewählt wurde.

Mierscheid ist angeblich katholisch, vierfacher Vater, verwitwet und lebt sehr zurückgezogen. Über sein Privatleben ist darüber hinaus kaum etwas bekannt. Auch die Veröffentlichung aktuellerer Fotos wird von ihm mit der Begründung "Schutz der Privatsphäre" untersagt.

Politische Aktivitäten

Dem Bundestag gehört Mierscheid seit dem 11. Dezember 1979 an. Hier ist er der Archetyp des Hinterbänklers. So bietet der Webserver des Bundestages eine Selbstbeschreibung Mierscheids zum Herunterladen an, in der es heißt:

„Ich bin weder eine Erfindung, noch ein Patent, ich bin die Lösung. […] Wie der Verfassungsjurist Friedrich Nagelmann und der Berufsdiplomat Edmund F. Dräcker, meine Kollegen bei der Judikative und bei der Exekutive, mit denen ich gern zusammenarbeite, gehöre ich zu den Säulen unseres Staatswesens.“

Kollege des Herrn Mierscheid ist ferner Karl Laupach (Bremische Bürgerschaft). Mierscheid ist Mitglied der SPD, Mitglied der Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten und des Kleintierzüchtervereins Morbach. 1981 und 1982 war er stellvertretender Vorsitzender des Mittelstandsausschusses. 1983 wurde im Vorwärts das sogenannte Mierscheid-Gesetz vorgestellt. Eine der Veröffentlichungen ist ein Beitrag zum 3. Höchster Steinlaus-Symposium, XII (3), Frankfurt am Main, aus dem Jahre 1993. Das spezifische Mierscheid-Gesetz wurde 2006 vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg zum Mierscheid-Walla-Gesetz verallgemeinert.[1] Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit sind neben allgemeinen Sozialfragen und Problemen der Berufsausbildung vor allem die Aufzucht und Pflege der geringelten Haubentaube in Mitteleuropa und anderswo sowie Untersuchungen des Nord-Süd-Gefälles in Deutschland. Eine seiner jüngsten Aktivitäten ist seine Schrift Über die Ruderboote, in der er sich kritisch mit den Eigenschaften der Ruder-Achter im Berliner Jakob-Kaiser-Haus auseinandersetzt. Mierscheid zeichnet sich zudem dadurch aus, dass er zu den wenigen politischen Mandatsträgern gehört, die noch die Sütterlinschrift beherrschen und – erkennbar an seiner Unterschrift – auch anwenden. Der Abgeordnete erhielt vom damaligen SPD-Fraktionschef Franz Müntefering eine Abmahnung, nachdem er Ulla Schmidt als Unwort des Jahres vorgeschlagen hatte.[2] Am 11. Dezember 2004 konnte Mierscheid sein 25. Jubiläum als Abgeordneter feiern.[3] Laut Informationen der Tagesschau trat Mierscheid im Juli 2005 überraschend aus der SPD aus. Er strebe eine zweite Karriere in dem geplanten Linksbündnis aus Linkspartei.PDS und WASG an. Kurz nach ihrer Veröffentlichung ließ Mierscheid diese Meldung allerdings durch die SPD-Fraktion wieder dementieren.[4] Persönlich nahm er in einem Interview bei Spiegel Online Stellung.[5] In der 16. Wahlperiode des Bundestages war Mierscheid zunächst nicht in den Reihen der Abgeordneten zu finden. Mittlerweile steht der Nachrücker aber wieder in der Liste der MdB. Mierscheid erläuterte dies in einem offenen Brief.[6] Offensichtlich hat sich der stets sorgfältige und bedächtige Mierscheid vorbehalten, erst jenseits des Feststehens des amtlichen Endergebnisses auf der Bundestagsseite aufgeführt zu werden. Das ist seiner Integrität und Glaubwürdigkeit nur zuträglich. Kurioserweise tauchte anstatt Mierscheids ein Abgeordneter namens Miersch auf. Daraufhin wurde die Frage gestellt, ob Mierscheid seinen Eid abgelegt hätte. Im 17. Bundestag ist Mierscheid ebenfalls vertreten. Er wandte sich bereits an die neuen Fraktionskollegen und zitierte dabei unter anderem aus dem Gedicht Ulysses von Lord Tennyson. [7] Seit Juli 2007 sind die Nebeneinkünfte aller Politiker des Bundestages öffentlich einsehbar. Herr Mierscheid wird in dieser Liste nicht aufgeführt. Sein Kommentar dazu: „Ich bin halt kein Angeber.“ Dennoch ist er inzwischen als Blogger sowie bei Twitter aktiv. [8]

Jakob-Mierscheid-Steg

Koordinaten: 52° 31′ 14,2″ N, 13° 22′ 35,6″ O

Der Mierscheid-Steg zwischen Elisabeth-Lüders-Haus und Paul-Löbe-Haus

Am 1. April 2004 wurde als Ehrung anlässlich des 25-jährigen Bundestagsmitglied-Jubiläums eine Brücke über die Spree nach Mierscheid benannt. Die Brücke verbindet die zwei Bundestagsgebäude Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Spreebogen in der sechsten Etage und ist nur aus dem Inneren der Häuser zugänglich. Ein Schild Jakob-Mierscheid-Steg konnte an der Brücke nur vorübergehend angebracht werden. Bei der Befestigung hatten sich unerwartete Probleme ergeben: Die Bolzen, die verwendet worden waren, erwiesen sich als Nieten. Trotz der widrigen Umstände der Brückentaufe fand sich die Bezeichnung Jakob-Mierscheid-Steg bereits im Jahr 2005 auf einem vom Falk-Verlag vertriebenen Stadtplan Berlins wieder.[9]

Literatur

  • Peter Raabe (Hrsg.): Die Mierscheid-Akte. Dokumentarische Spuren eines Phantoms. Fackelträgerverlag, Hannover 1986, ISBN 3-7716-1464-3.
  • Dietrich Sperling: Jakob Mierscheid, Aus dem Leben eines Abgeordneten: Eine politische Holografie. Hrsg.: Friedhelm Wollner. Nomos Verlag, 1998, ISBN 3-7890-5484-4.

Weblinks

Fußnoten

  1. Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 03/2006: Das Mierscheid-Walla-Gesetz, abgerufen am 5. Januar 2009
  2. Aktiv im Ruhestand, Die Zeitschrift für ehemalige Angehörige des öffentlichen Dienstes und ihre Hinterbliebenen. Jahrgang 53, März 2004, S. 32.
  3. tagesschau.de: „Ich gehöre zu den Säulen des Staatswesens“, 12. Dezember 2004
  4. tagesschau.de: Schmutziges Spiel mit Mierscheid, 12. Juli 2005
  5. Spiegel Online: Mierscheid schließt nichts aus, 12. Juli 2005
  6. Jakob Mierscheid: Jenseits der Amtlichkeit, 23. September 2005
  7. Letter of Mierscheid 22. Oktober 2009
  8. [1] Der Spiegel, 9. April 2009, Die Welt der Phantome, Von Jochen Leffers, 2. Teil: Zwitschern mit Jakob Maria Mierscheid
  9. Berlin. Mit Cityplan Potsdam. 67. Auflage, Falk, Ostfildern 2005, ISBN 3-88445-016-6, Beikarte I, Feld A10.