Ágota Kristóf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ágota Kristóf (* 30. Oktober 1935 in Csikvánd, Ungarn; † 27. Juli 2011 in Neuenburg[1]) war eine ungarisch-schweizerische Schriftstellerin, die in französischer Sprache schrieb.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Dorothy Kanizsai-Gymnasium in Szombathely

Ágota Kristóf wuchs in den ungarischen Kleinstädten Kőszeg und Szombathely auf. Ihr Vater Kalman Kristóf und ihre Mutter Antonia Kristóf, geborene Turchànyi, waren beide Lehrer. Zwischen 1944 und 1954 besuchte sie die Schule in Szombathely und erlangte ein wissenschaftliches Abitur.

1956, nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes, floh sie zusammen mit ihrem Mann János Béri, der bis zu ihrem Abitur ihr Geschichtslehrer gewesen war und mit dem sie seit 1954 verheiratet war und mit ihrer viermonatigen Tochter in die Schweiz.

Kristóf fand Arbeit in einer Uhrenfabrik in Fontainemelon und erlernte die französische Sprache, in der sie seit den 1970er Jahren ihre Bücher und Hörspiele schrieb. Nach fünf Jahren im Exil verliess sie ihren ersten Mann, gab ihre Arbeit in der Uhrenfabrik auf und besuchte Vorlesungen an der Universität Neuenburg, wo sie 1963 ein Diplom des Séminaire de français moderne erwarb und im selben Jahr den Fotografen Jean-Pierre Baillod heiratete.[2]

Kristófs in einer minimalistischen und schonungslosen Sprache verfassten Werke sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Sie behandelt darin ihre zentralen Themen des Schreibens als Überlebenskampf, der Entfremdung im Exil und der Vermengung von Wahrheit und Lüge in ihrer Heimat Ungarn und in den Lebensläufen ihrer ungarischen Landsleute.

Sie lebte bis zu ihrem Tod in Neuenburg. Ihre sterblichen Überreste wurden danach nach Ungarn überführt. Ihr Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Die österreichische Drehbuchautorin Jessica Lind sieht sich als von Kristóf wegweisend beeinflusst.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstätte in Kőszeg

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

  • 1986: Le grand cahier. Le Seuil, Paris. Deutsch: Das große Heft. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer, Rotbuch Verlag, Berlin 1987; 2005/06 in die Reihe Schweizer Bibliothek aufgenommen.
  • 1988: La preuve. Le Seuil, Paris. Deutsch: Der Beweis. 1988.
  • 1991: Le troisième mensonge. Le Seuil, Paris. Deutsch: Die dritte Lüge. 1992.
  • 1995: Hier. Le Seuil, Paris. Deutsch: Gestern. 1995.
  • 2004: L’analphabète. Récit autobiographique. Zoé, Genf. Deutsch: Die Analphabetin. Autobiographische Erzählung. 2005.
  • 2005: Où es-tu Mathias? Zoé, Carouge, 2-88182-548-6 (Minizoé. 64).
  • 2005: C’est égal. Editions du Seuil, Paris. Deutsch: Irgendwo. Nouvelles. Aus dem Französischen von Carina von Enzenberg. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-04871-2.

Hörspiele

  • Das große Heft in einer Bearbeitung von Garleff Zacharias-Langhans. Regie: Heinz Hostnig. Prod.: BR/SWF, 1989, ISBN 3-89584-871-9
  • Die Epidemie. Regie: Wolfgang Rindfleisch. Prod.: hr, 1996.

Theaterstücke

  • 1998: L’heure grise et autres pièces
  • John und Joe
  • Lucas, Ich und Mich

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ágota Kristóf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Agota Kristof gestorben. NZZ Online, 27. Juli 2011
  2. Roger Francillon: Kristof, Agota. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Bern. 28. Juli 2011, abgerufen am 3. Februar 2019.
  3. Die Kandidaten des open mike 2015, 28. Oktober 2015