Ägir

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ägir (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ægir mit Rán und ihren neun Töchtern

Ägir oder Ægir (anord. für Meer) ist nach der Prosa-Edda in der germanischen bzw. nordischen Mythologie der Name für den Riesen der See. Er wird außerdem auch Gymir oder Hlér bezeichnet. In vielen nordischen Erzählungen ist er der Freund der Götter und bewirtet diese in der Rolle des Gastwirtes.[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Ägir bezieht sich im Altnordischen auf den Meeresriesen selbst und das Meer sekundär. Der Name hängt mit indoeuropäisch *ahwo, lat. aqua "Wasser" zusammen. Es handelt sich folglich um einen Wassermann (lat. Aquarius).[2] Die dänische Insel Læsø gilt als seine Heimstatt.

Bedeutung des Ägir in der Mythologie[Bearbeiten]

Ägir ist ein Meeresriese, der den Asen nahesteht, aber dem älteren Geschlecht der Jötunn angehört, und in der nordischen Mythologie die Züge eines Meeresgotts annimmt. Er ist der Sohn des Miskorblindi bzw. Fornjótr. Seine beiden Brüder sind Logi, das Feuer, und Kari, der Wind. Er ist Vater von neun Töchtern, den Ägirstöchtern (Angeyja, Atla, Eistla, Eyrgjafa, Gjálp, Greip, Imðr, Járnsaxa und Úlfrún), die verschiedene Arten von Meereswellen darstellen (neben diesen Namen nennt Snorri aber andere: Bára, Blóðughadda, Bylgja, Dúfa, Hefring, Himinglæva, Hrönn, Kolga und Uðr). Seine Gattin ist die Meeresgöttin Rán. Er wohnt auf der Insel, die Hlésey genannt wird, und ist sehr weise. Da die Menschen glaubten, dass Ägir sein Unterwasserreich nur verließ, um Schiffe und ihre Besatzung zu vernichten, wurden ihm vor Antritt einer Seereise Gefangene geopfert, um eine sichere Überfahrt zu gewährleisten.

Ägirs Rolle als Gastwirt der Götter[Bearbeiten]

Ägir wurde von Thor aufgetragen, für die Götter Bier zu brauen, aber er gab vor, keinen Kessel zu haben, der dafür groß genug sei. In Wirklichkeit wollte er sich aber nur keinen Befehl von Thor geben lassen. Thor allerdings besorgte sich einen riesigen Kessel vom Reifriesen Hymir. So musste der gedemütigte Ägir doch noch das Bier für Asgard, den Wohnsitz der Götter, brauen. Um sich für diese Niederlage zu rächen, vergällte er das Bier mit Hopfen, so dass es wohl noch trinkbar, aber nicht mehr geniessbar war. Bei einem Gelage der Asen lässt er Gold in die Halle tragen, so dass diese hell erleuchtet wird wie von einem Feuer. Dieses Gold ist das Leuchten des windstillen Meeres.

Ägir in der Literatur[Bearbeiten]

Ägir findet sich häufig in den Erzählungen der Edda, die kurz nach der Christianisierung Islands geschrieben wurde. Er tritt hier immer wieder als Freund der Götter und als Wirt in Erscheinung. Im restlichen Skandinavien ist er auch fester Bestandteil des Kultes. [Keningar, Egill, Sonatorrek (8), Grm (45), Skaldsk (1)(23) usw.] In den Texten zur norwegischen Urgeschichte wird Ägir/Hlér beispielsweise als Sohn des Fornjótr bezeichnet und gibt uns ein gutes Beispiel dafür, dass die nordische Mythologie vielfältig ist.

Männlicher Vorname[Bearbeiten]

Ægir ist ein männlicher Vorname in Dänemark, Norwegen, Island und auf den Färöern. In Schweden verwendet man die Form Ägir oder Aegir.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Kröner Stuttgart 1984, ISBN 3 520 36801 3
  2. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Kröner Stuttgart 1984, ISBN 3 520 36801 3

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart (3. Aufl.) 2006. ISBN 978-3-520-36803-4.
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Kröner Stuttgart 1984, ISBN 3 520 36801 3
  • Rudolf Simek und Hermann Pálsson: Lexikon der altnordischen Literatur. Stuttgart, 1987
  • Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen. Wissenschaftl. Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-16910-7
  • Arnulf Krause: Die Götterlieder der Älteren Edda. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-018426-6.
  • Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000782-8.
  • Völsungakviða in forna (Helgakviða Hundingsbana II) at «Norrøne Tekster og Kvad», Norway.



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