Ägyptische Staatsbahnen

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Das Logo der Ägyptischen Staatsbahnen
Ägypten Schienennetz (1435 mm-Gleise)

Die Ägyptischen Staatsbahnen (englisch Egyptian National Railways,[1] ENR; arabisch سكك حديد مصر, DMG sikak ḥadīd Miṣr) sind die staatlichen Eisenbahnen Ägyptens. Sie werden von der halbstaatlichen ägyptischen Eisenbahnbehörde betrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflok 694 der North British Locomotive Company, Schottland, 1906
Schlafwagen der Compagnie Internationale des Wagons-Lits zur Eröffnung der Verbindung LuxorAssuan, 1926

Bereits 1833 stellte Muhammad Ali Pascha mit Thomas Gallway Überlegungen über den Bau einer Eisenbahn an, um den Transit zwischen Europa und Indien zu erleichtern. Die Schienen waren bereits gekauft, als das Projekt nach französischem Druck gestoppt wurde, da Frankreich kein Interesse an einem Konkurrenzprojekt zum Sueskanal hatte.

Nach Muhammad Alis Tod schloss Abbas I. einen Vertrag mit Robert Stephenson ab, um Alexandria und Kairo auf dem Schienenweg zu verbinden. Der erste Teil dieser Strecke zwischen Alexandria und Kafr az-Zayyat wurde 1854 eröffnet, die komplette Strecke zwei Jahre später. Es war die erste Bahnstrecke in Afrika und dem Nahen Osten.

Ismail Pascha, der 1863 auf den Thron kam, veranlasste den Bau der Bahn von Kairo zunächst nach Asyut, die später nach Assuan verlängert wurde. 1891 wurde die Imbaba-Brücke bei Kairo über den Nil fertiggestellt. Dies stellte einen wichtigen Schritt dar, um Unter- und Oberägypten miteinander zu verbinden. Die heutige Imbaba-Brücke stammt von 1924. Es handelt sich um die einzige Eisenbahnbrücke über den Nil im Bereich von Kairo.

Bis zur Gründung Israels waren die Bahnnetze Ägyptens und des britischen Mandatsgebietes Palästina durch die Sinai-Bahn verbunden. Zwischen 1942 und 1948 bestand über die Palestine Railways und die Bahnstrecke Haifa–Beirut–Tripoli eine normalspurige Netzverbindung in den Libanon sowie weiter über Syrien (Bagdadbahn) und die Türkei bis nach Istanbul. Durchgehenden Bahnverkehr gab es aber nie. Eine Verbindung zum israelischen Bahnnetz und zum europäischen besteht seit dem Palästinakrieg nicht mehr.

Die im Jahr 2001 wieder errichtete El-Ferdan-Brücke über den Sueskanal ist die weltweit größte Drehbrücke.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 betrieb die ENR insgesamt 5.063 km Schienenstrecken in europäischer Normalspur. Der Großteil des Netzes verbindet den dicht besiedelten Bereich des Nildeltas mit den Zentren Kairo und Alexandria. Eine weitere Hauptstrecke verläuft von Kairo aus am linken Nilufer bis Assuan in Oberägypten.

Zudem existiert eine Bahnstrecke entlang der Mittelmeerküste nach Westen in Richtung libyscher Grenze (nach Sallum). Während des Zweiten Weltkriegs führte sie bis nach Libyen hinein. Nach dem Neubau der libyschen Abschnitte entlang der Mittelmeerküste sollten ab 2015 Verbindungen in Richtung Tripolis, Tunis und in den Maghreb möglich werden. Der Bürgerkrieg in Libyen ließ diese Pläne obsolet werden.

Bis zum Jahr 2025 soll eine Hochgeschwindigkeitsstrecke Alexandria, Kairo, Luxor und Assuan verbinden. Die Kosten des Projekts werden mit 10 Mrd. Euro veranschlagt.[2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ENR ist in drei Geschäftsbereiche aufgeteilt: Personenfernverkehr, Personennahverkehr und Güterverkehr.

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ägyptischen Staatsbahnen stellen das Rückgrat des Personenverkehrs in Ägypten dar und befördern etwa 800 Millionen Fahrgäste jährlich. Klimatisierte Züge bieten meist erste und zweite Klasse an. In nicht klimatisierten Züge sind zweite und dritte Klasse üblich. Die Fahrpreise in den Pendlerzügen und in der dritten Klasse werden vom Staat als Sozialleistung subventioniert.

Die Verbindung Alexandria–Kairo–Luxor–Assuan wird täglich mit klimatisierten Schlafwagenzügen unter der Marke Abela betrieben. Diese Züge sind besonders für Touristen gedacht. Ein komfortabler Schnellzug verbindet zudem Kairo mit Marsa Matruh (nahe der libyschen Grenze).

Die ENR betreibt auch Buslinien und Fährverbindungen, u.a. nach Abu Simbel (Bus/Fähre), nach Scharm El-Scheich, zur Oase Siwa sowie nach Hurghada.

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von der ENR beförderte Frachtvolumen liegt bei etwa vier bis fünf Millionen Jahrestonnen. Der Sektor beschäftigt etwa 2.000 Personen, hat 270 Lokomotiven (von denen 90 einsatzfähig sind) und 5.400 einsatzfähige Güterwagen. Es ist geplant, dieses Geschäftsfeld in mehreren Stufen zu privatisieren.[3]

Traktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EMD JT42CWR der ENR

Meistenteils werden Diesellokomotiven eingesetzt. Nur 63 km des Schienennetzes sind elektrifiziert, es handelt sich dabei um die S-Bahnlinien KairoHelwan und Kairo – Heliopolis.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurden 1.249 Eisenbahnunfälle verzeichnet.[4] Die schwersten Eisenbahnunfälle in Ägypten in den letzten beiden Jahrzehnten waren:

Eisenbahnmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ägyptische Eisenbahnmuseum wurde 1933 gegründet und dokumentiert die Geschichte und Entwicklung der ENR. Es ist in einem Anbau des Kairoer Hauptbahnhofs untergebracht.

Große Bahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Linien gehen vom Ramses-Bahnhof (Kairo) oder dem Bahnhof Misr (Alexandria) aus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internationale Bezeichnung auf den Seiten der UIC
  2. NN: Egypt. In: HaRakevet 116 (März 2017). ISSN 0964-8763, S. 11.
  3. NN: E.N.R. plans independent freight business. In: HaRakevet 118 (September 2017). ISSN 0964-8763, S. 15.
  4. NN: 41 Killed, 179 Injured in Egypt’s Alexandria Train Collision. In: Egyptian Streets vom 12. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.