Äquivalenzstereofonie

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Äquivalenzstereofonie oder gemischte Stereofonie ist ein Aufnahmeverfahren bei der Mikrofonierung zur Lautsprecherstereofonie. Bei dieser Methode werden gleichsinnige und frequenzneutrale Interchannel-Pegeldifferenzen ∆ L und gleichzeitig die Interchannel-Laufzeitdifferenzen ∆ t in einem Hauptmikrofonsystem verwendet. Das Wort Äquivalenz kommt hier von der gemeinsamen addierenden Wirkung von Laufzeit- und Pegelunterschied zur Auswanderung von Phantomschallquellen aus der Lautsprechermitte. Die erzeugten Schalldruckunterschiede (Pegeldifferenzen) folgen dem Abstandsgesetz mit 1/r.

Mikrofone/Mikrofonierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allen diesen Mikrofonierungen ist gemeinsam, dass üblicherweise zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone mit Nierencharakteristik in einer Ebene verwendet werden. Je nach System werden dabei verschiedene Winkel zwischen den Mikrofonen (Achsenwinkel) und Abstände zwischen den Mikrofonen (Mikrofonbasis) verwendet. Der Aufnahmebereich = Aufnahmewinkel ist i. d. R. kleiner als der Achsenwinkel (Ausnahme: EBS-Mikrofonierung: beide Winkel sind gleich) und ergibt sich aus der Anordnung.

Die Winkelstellung ermöglicht die Lokalisation der Richtung der Phantomschallquellen durch Pegeldifferenzen auf der Stereobasis der Lautsprecher, die Mikrofonbasis vermittelt durch Laufzeitunterschiede der Signale den Raumeindruck. Je nach Art der Mikrofonierung steht die Lokalisationsschärfe oder die Räumlichkeitsempfindung eines Schallereignisses im Vordergrund.

Zur Äquivalenzstereofonie werden in Einzelfällen auch andere Richtcharakteristiken als die Niere verwendet.

Bekannte Mikrofonierungen sind:

  • ORTF (Office de Radiodiffusion Télévision Française, Französischer Rundfunk), Achsenwinkel 110°, Aufnahmewinkel 96°, Mikrofonbasis 17 cm, Pegelanteil 60,6 %, Laufzeitanteil 39,4 %
  • NOS (Nederlandse Omroep Stichting, Niederländischer Rundfunk), Achsenwinkel 90°, Aufnahmewinkel 81°, Mikrofonbasis 30 cm, Pegelanteil 42,3 %. Laufzeitanteil 57,6 %
  • EBS (Eberhard Sengpiel) Achsenwinkel 90°, Aufnahmewinkel 90°, Mikrofonbasis 25 cm, Pegelanteil 46,8 %, Laufzeitanteil 53,1 %. Besonderheit: Aufnahmewinkel = Achsenwinkel
  • RAI (Radio Italia, Italienischer Rundfunk), Achsenwinkel 100°, Aufnahmewinkel 93°, Mikrofonbasis 21 cm, Pegelanteil 53,4 %, Laufzeitanteil 46,6 %
  • DIN (Deutscher Industrie-Normenausschuss), Achsenwinkel 90°, Aufnahmewinkel 101°, Mikrofonbasis 20 cm, Pegelanteil 52,6 %, Laufzeitanteil 47,3 %
  • LTE (level/time equality, Markus Brückner), Achsenwinkel 90°, Aufnahmewinkel 96°, Mikrofonbasis 22 cm, Pegelanteil 50 %, Laufzeitanteil 50 %. Besonderheit: Pegelanteil = Laufzeitanteil

Die EBS-Mikrofonierung hat für die Praxis einige bemerkenswerte Eigenschaften: Der Laufzeitanteil ist vergleichsweise hoch; die Aufnahme erhält eine gute Räumlichkeit. Der Aufnahmewinkel ist gleich dem Mikrofonwinkel, was eine gute optische Kontrolle des Aufnahmewinkels ermöglicht („Peilung über die Mikrofone“) Bei einem Aufnahmewinkel von 90° ist der Abstand des Mikrofonsystems gleich der Hälfte der Klangkörperausdehnung (Beweis: Winkelfunktionen), wenn der Klangkörper die Stereobasis bei der Wiedergabe über Lautsprecher füllen soll.

Einen Sonderfall der Äquivalenzstereofonie ist die Kombination von Laufzeitstereofonie und Intensitätsstereofonie mit einer Mikrofonierung am gleichen Ort (Kraglund-Anordnung). In der Mitte zwischen zwei Mikrofonen (mit Kugelcharakteristik, Abstand ca. 30 cm), die eine laufzeitdifferenzierte Aufnahme ermöglichen, befinden sich zwei Mikrofone (mit Nierencharakteristik). Sie sind in strenger „x/y-Anordnung“ (für Intensitätsstereofonie) eingerichtet. Die vier Mikrofone sind auf einer gemeinsamen „Schiene“ befestigt. Die beiden Stereo-Signalpaare werden entweder einem Vierkanal-Aufnahmegerät oder einem Mischpult zugeführt. Die Laufzeitsignale und die Intensitätssignale können hier in beliebigem Verhältnis gemischt werden (was bei Anordnungen wie ORTF, NOS, etc. so nicht möglich ist). Diese Form der Mikrofonierung hat sich in Situationen bewährt, wo die akustischen Verhältnisse des Aufnahmeortes unbekannt oder unübersichtlich sind und die „klassischen“ Mikrofonierungen nicht zu einem gewünschten Ergebnis führen. Die Optimierung erfolgt weniger bei der Aufnahme, umso mehr in der Nachbearbeitung.

Unterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Lautsprecherstereofonie dient zur Unterscheidung gegenüber der Kopfhörerstereofonie, zu der eine Kunstkopfmikrofonanordnung zur Aufnahme und Kopfhörer zur Wiedergabe gehören. Die früheren unklaren Bezeichnungen von raumbezogener und kopfbezogener Stereofonie sollten vermieden werden, weil letztendlich immer der Kopf mit den Ohren zum Hören benötigt wird, sie also „kopfbezogen ist“.

Zur Theorie der Äquivalenzstereofonie, insbesondere der Erzeugung der Lautsprechersignale und auch zum Aufnahmebereich dieses Hauptmikrofonsystems, siehe bei den Weblinks dieses Artikels. Das Verwenden dieser Signaldifferenzen wird mit Äquivalenz bezeichnet.

Eine Tonaufnahme mit einem Hauptmikrofonsystem wird häufig durch Stützmikrofone und Raummikrofone ergänzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]