Äußere Mongolei

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Abgrenzung der Äußeren Mongolei und Inneren Mongolei innerhalb der Qing-Dynastie von 1644 bis 1912

Die Äußere Mongolei, auch Nordmongolei oder Hintere Mongolei genannt, ist eine historische Landschaft in Zentralasien. Das Gebiet erstreckt sich größtenteils auf den heutigen Staat Mongolei sowie die autonome russische Republik Tuwa. Weltweit findet die Bezeichnung in Abgrenzung zur Inneren Mongolei unverändert insbesondere bei Archäologen und Geologen Anwendung.[1]

Der Terminus ist in:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mongolische Plateau (Mitte) auf einer Karte von 1903

Während der Qing-Dynastie wurde das Mongolische Hochland administrativ in eine nördliche (Äußere Mongolei) und eine südliche (Innere Mongolei) Provinz gegliedert, die beide von 1644 bis 1912 Bestandteile des Kaiserreichs China waren. Nach der Entdeckung verschiedener Bodenschätze versuchte Russland ab Mitte des 19. Jahrhunderts seine Einflussspähre auf das Gebiet auszuweiten. Mit finanzieller und militärischer Unterstützung des Russischen Kaiserreichs rief 1911 der 8. Bogd Gegen die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei aus. China erkannte die Sezession nicht an, räumte der Provinz 1915 mit dem Vertrag von Kjachta aber gewisse Autonomierechte ein.[3]

1921 besetzten Truppen der russischen Weißen Armee das Territorium und riefen am 13. März 1921 eine unabhängige Monarchie aus. Kurz darauf eroberte die sowjetische Rote Armee Urga, das heutige Ulaanbaatar, und etablierte am 3. Juli 1921 in der Äußeren Mongolei eine Marionettenregierung, welche 1924 die Mongolische Volksrepublik proklamierte. In der Urjanchai, einem rund 166.000 km² großem Teilgebiet der Äußeren Mongolei, hatten russische Siedler bereits am 14. August 1921 mit Unterstützung sowjetischer Truppen die Gründung der Republik Tannu-Tuwa vollzogen. China sowie die internationale Staatengemeinschaft verurteilten das sowjetische Vorgehen als De-facto-Annexion und erkannten die Souveränität der beiden Länder nicht an.[4][5][6]

1944 gliederte die Sowjetunion das Tuwa-Gebiet vollständig in die UdSSR ein. 1946 musste China die Abtretung der Äußeren Mongolei de jure anerkennen. Seit 1992 ist Tuwa eine autonome Republik der Russischen Föderation und die Mongolei ein unabhängiger demokratischer Staat.[7][8]

Begriffliche Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Autonome Gebiet der Inneren Mongolei in der Volksrepublik China

In der Republik China (Taiwan) findet der Terminus Äußere Mongolei in Bereichen von Medien, Wirtschaft und Politik unverändert Anwendung. Hingegen benutzen Festlandchinesen im Allgemeinen die Bezeichnungen Nordmongolei (Äußere Mongolei) und Südmongolei (Innere Mongolei), überwiegend um sprachliche Verwechslungen zwischen der chinesischen autonomen Inneren Mongolei und dem Staat Mongolei zu vermeiden.[9]

Während des Kalten Kriegs bezeichneten Staaten der westlichen Hemisphäre die Äußere Mongolei auch als Ostmongolei, womit die Mongolische Volksrepublik gemeint war. Dagegen versuchten Ostblockstaaten, die Bezeichnung Äußere Mongolei genauso wie die Existenz der Inneren Mongolei vollständig zu negieren, da allein schon die Konnotation von der Sowjetunion unerwünscht war. Der heutige Staat Mongolei bekennt sich zur chinesischen Vergangenheit und benutzt zuzüglich für die Unterscheidung noch die Synonyme aru (Hintere) für die Nördliche bzw. Äußere Mongolei und öbör (Vordere) für die Südliche bzw. Innere Mongolei.[10]

International, hauptsächlich im englischen Sprachraum, differenzieren Archäologen, Geologen und Bergbauunternehmen unabwendbar zwischen Äußerer Mongolei und Innerer Mongolei. Das gesamte Mongolische Plateau zählt zu den rohstoffreichsten Gebieten der Erde. Konzerne mit Abbaulizenzen fördern vor allem Gold, Kupfer, Kohle, Zink, Wolfram, Uran, Zinn, Eisen sowie Flussspat. Zunehmend investieren US-amerikanische, australische und kanadische Minengesellschaften sowohl im Staat Mongolei als auch in der chinesischen Inneren Mongolei, teilweise sogar in grenzüberschreitenden Bergwerken. Zu nennen sind beispielsweise die amerikanische Peabody Energy, das größte Kohlebergbauunternehmen der Welt, oder der kanadische Konzern Centerra Gold. Bei der Prospektion, Exploration sowie in der Gütebestimmung erfolgt eine Klassifizierung der Lagerstätten in Outer Mongolia und Inner Mongolia.[11][12]

Gleiches gilt in der Paläontologie. In den riesigen Abbaugebieten entdeckten Forscher bereits ab den 1920er Jahren zahlreiche sehr gut erhaltene Dinosaurierskelette und enorm viele andere Fossilien, wie die Iren-Dabasu-Formation oder die Bajandsag-Biofakte. Vor Ort tätige Archäologen verschiedener Länder lokalisieren ihre Funde grundsätzlich als Outer oder Inner Mongolia. Wiederum werden im Mongolischen Hochland gefundene Artefakte aufsteigend der Xia-Dynastie in nördliche und südliche Gruppen sinisiert.[13][14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000.
  • Karl Hutter: Die Äußere Mongolei im Umbruch. GRIN Verlag, 2011.
  • Anna-Katharina Plach: Mongolische Familien und die Neufindung ihrer Tradition. LIT Verlag Münster, 2012.
  • Juha A. Janhunen: Mongolian. John Benjamins Publishing, 2012.
  • C. R. Bawden: Modern History Mongolia. Routledge, 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Borjigin Huhbator: The history and political character of the name of Nei Menggu (South Mongolia). Inner Asia Press, 2014, S. 61-80.
  2. ebenda
  3. Robert Arthur Rupen: Mongols oft he Twentieth Century. Indiana University, 1964, S. 276.
  4. ebenda
  5. Jung Chang, Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes. Karl Blessing Verlag, 2014, S. 79 f.
  6. Gerald Mund: Ostasien im Spiegel der deutschen Diplomatie. Die privatdienstliche Korrespondenz des Diplomaten Herbert v. Dirksen von 1933 bis 1938. Franz Steiner Verlag, 2006. S. 130 f.
  7. Friedrich-Christian Schroeder, Ludwig Bauer, Boris Meissner: Bundesstaat und Nationalitätenrecht in der Sowjetunion. Duncker & Humblot, 1984, S. 51.
  8. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 13 f.
  9. Borjigin Huhbator: The history and political character of the name of Nei Menggu (South Mongolia). Inner Asia Press, 20014, S. 61-80.
  10. Juha Janhunen: Mongolian. John Benjamins Publishing Company, 2012, S. 11 f.
  11. Michael Buckley: China's Reckless Destruction of Ecosystems from the Highlands of Tibet to the Deltas of Asia. St. Martin's Press, 2014, S. 133.
  12. Tserenbaltavyn Sarantuya: Projektland Mongolei. Bergbau in der Mongolei. Hanns-Seidel-Stiftung, 2014, S. 4 f.
  13. Sarah Milledge Nelson: The Archaeology of Northeast China. Beyond the Great Wall. Routledge, 2002, 41 f.
  14. Walter Ashlin Fairservis: Archaeology of the Southern Gobi of Mongolia. Carolina Academic Press, 1993, S. 157.