Étienne Gilson

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Étienne Henry Gilson (* 13. Juni 1884 in Paris; † 19. September 1978 in Auxerre, Département Yonne) war ein französischer Philosoph und Historiker.

Gilson war 1913/1914 Professor für Philosophie in Lille, nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft ab 1919 in Straßburg. 1921–32 lehrte er an der Pariser Sorbonne Philosophiegeschichte, 1926–28 zeitgleich an der Harvard University. Ab 1932 war er Professor am Collège de France in Paris. Auch in Toronto lehrte er. Seit 1946 war er Mitglied der Académie française. Er gilt als einer der führenden Erforscher der mittelalterlichen Geisteswelt.

Den Begriff Scholastik lehnte Gilson als Überschrift für die mittelalterliche Philosophie ab, da diese wegen ihrer Vielfalt unter keiner inhaltlichen Klammer zu fassen sei. Die einzige Gemeinsamkeit erkannte er in ihrer Rückgebundenheit an die Offenbarung (das heißt Erkenntnis über die natürliche Vernunft hinaus durch Mitteilung Gottes in Bibel und Tradition) und bezeichnete sie daher als „Christliche Philosophie“. Die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte war dabei schon Philosophie, da diese Auseinandersetzung das eigene Denken schon immer mit einbezieht und zumindest ein Urteil versucht. Sein neben dem historischen auch systematisches Interesse an der Philosophie erkennt man besonders in L'esprit de la philosophie mèdiévale.

Gilson gehört zu den bekanntesten Vertretern des Neuthomismus, der vom philosophischen Ansatzpunkt des Thomas von Aquin her die modernen Fragestellungen zu beantworten bzw. die modernen Antworten zurückzuweisen suchte.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La philosophie au moyen âge (2 Tle.), Paris 1922, 2. Aufl. (beide Tle. in einer Ausg.), 1944; letzter Nachdruck der 2. Aufl. 2011
  • Le thomisme. Introduction à la philosophie de S. Thomas d' Aquin, Paris 1922, 6. Aufl. 1948
  • La philosophie de St. Bonaventura, Paris 1924, 3. Aufl. 1953 (dt. 1929, übers. v. Ph. Boehner: Der Heilige Bonaventura)
  • Introduction á l'étude de S. Augustin 1929 (dt. 1930: Der Heilige Augustin: eine Einführung in seine Lehre)
  • L'esprit de la philosophie mèdiévale 1932
  • L'être et l'essence 1948
  • Heloise und Abälard: zugleich ein Beitrag zum Problem von Mittelalter und Humanismus. Herder, Freiburg im Breisgau 1955. - 151 S. (Original: Héloise et Abélard)
  • Johannes Duns Scotus. Einführung in die Grundgedanken seiner Lehre, übers. von Werner Dettloff, Schwann, Düsseldorf 1959
  • Christliche Philosophie von ihren Anfängen bis Nikolaus von Cues. In Zusammenarbeit mit Philotheus Böhner. Schoeningh, Paderborn 3., neubearb. Aufl. 1954. - XXXII, 655 S.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]