Île d’Yeu

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L’Île-d’Yeu
Wappen von L’Île-d’Yeu
L’Île-d’Yeu (Frankreich)
L’Île-d’Yeu
Region Pays de la Loire
Département Vendée
Arrondissement Les Sables-d’Olonne
Kanton L’Île-d’Yeu
Koordinaten 46° 43′ N, 2° 21′ WKoordinaten: 46° 43′ N, 2° 21′ W
Höhe 0–32 m
Fläche 23,32 km2
Einwohner 4.703 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 202 Einw./km2
Postleitzahl 85350
INSEE-Code
Website http://mairie.ile-yeu.fr/

Die Île d’Yeu ist eine zu Frankreich gehörende Gezeiteninsel (französisch Île-de-marée) im Atlantik. Sie liegt 20 Kilometer vor der Küste der Vendée.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Eiland mit einer Oberfläche von rund 23 Quadratkilometern ist die am weitesten vom Festland entfernte französische Atlantikinsel. Der Pont d’Yeu ist eine bei Flut unter Wasser stehende Landverbindung zur auf dem Festland liegenden Gemeinde Notre-Dame-de-Monts. Hauptstadt und Fährhafen der Insel ist Port-Joinville.

Unter dem Namen L’Île-d’Yeu ist die Insel auch eine Gemeinde mit 4703 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) und den Orten Port-Joinville, Port-de-la-Meule, Saint-Sauveur. Sie ist die westlichste Gemeinde des Départements Vendée.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupteinnahmequelle der rund 4600 Insulaner sind der Tourismus und (heute nur noch im geringen Umfang) der Fischfang. Ende 2015 waren zwei Drittel der 33 auf der Insel registrierten Fischerboote in der Küstenfischerei tätig, der sogenannten petite pêche.[1]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Kontinent zugewandte Ostküste bietet gute Bademöglichkeiten, da der Strand flach ins Meer abfällt. Die südwestliche Côte Sauvage ist steil und felsig, unterbrochen von einigen Buchten mit Badestränden. Der Ort Saint-Sauveur mit Kirche, Kneipe und Markt gilt als heimliche Hauptstadt der Insel. Sehenswert ist auch Port-de-la-Meule, ein kleiner Naturhafen an der Côte Sauvage. Zwischen den größeren Siedlungsflächen liegen an den Schnittstellen der größeren Straßen kleine Ker genannte Dörfchen. Das Wort Ker ist aus dem lateinischen quadrivium (französisch carrefour) für Kreuzung entlehnt.

Im Sommer besuchen tausende Tagesbesucher die Insel. Vor allem reiche Pariser besitzen ein Haus auf der Insel, dadurch befinden sich in der Hochsaison etwa 35.000 und im Winter 5.000 Personen auf der Insel. Sie setzen zumeist von Fromentine, Pointe de la Fosse oder Saint-Gilles-Croix-de-Vie aus mit dem Boot über. Drei verschiedene Schifffahrtsgesellschaften transportieren die Touristen, die V.I.I.V. (Vedettes Inter Îles Vendéennes), die Compagnie Vendeénnes und die Compagnie Yeu-Continent (die V.I.I.V ging im Mai 2007 in Konkurs). Durch den wachsenden Touristenstrom mussten die Gesellschaften reagieren. Mit neuen Zukäufen von Katamaranen ist die Insel statt in einer Stunde in 30 Minuten zu erreichen. Bei hohem Wellengang sind die Katamarane jedoch ein Spielball der Wellen und es empfiehlt sich, auf die Überfahrt zu verzichten. Es besteht aber auch eine Helikopterverbindung. Im Nordwesten der Insel liegt ein Flughafen mit dem Namen Île d’Yeu le Grand Phare (IATA Code IDY ICAO Code LFEY). Er verfügt über eine Landebahn für kleinere Maschinen. Von Nantes aus ist die Insel in 30 Minuten zu erreichen. Der Flugpreis hin und zurück beträgt etwa 105 Euro.

Pont d'Yeu bei Niedrigwasser, am Horizont die Insel

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eglise de St Sauveur
Port-de-la-Meule an der Côte Sauvage

Über die ganze Insel verstreut stehen Dolmen und Menhire, die auf eine Besiedlung bereits zur Steinzeit hinweisen. Der Dolmen de la Planche à Puare liegt an der Anse des Broches, an der Nordküste der Île d’Yeu. Lateinisch hieß die Île d’Yeu Insula Oya. Im Mittelalter bewirtschafteten Mönche die Insel. Während des Hundertjährigen Krieges fiel die Insel an die englische Krone.

Auf der Insel baute man viel Getreide an und es gab viele Windmühlen, heute zeugen jedoch nur noch Überbleibsel oder renovierte Mühlen davon, zudem sieht man fast überall wildes Korn wachsen.

Die Zitadelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Insel befindet sich auch eine Zitadelle, die 1858–1866 erbaut wurde. Im Ersten Weltkrieg diente sie als Umschlagplatz für Küstenbatterien und deren Munition. Im Jahre 1916 befanden sich dort österreichisch-ungarische Kriegsgefangene. 1940 wurden in ihr 125 französische Kommunisten interniert. Von 1940 bis 1944 war die Zitadelle von deutschen Soldaten besetzt. Um die Zitadelle herum wurde ein Wald angepflanzt, um sie zu tarnen.

Im Hof der Zitadelle befand sich ehemals ein sieben Meter hoher Menhir, der aber im 18. Jahrhundert durch zwei große Windmühlen ersetzt wurde. Diese wiederum fielen der Zitadelle zum Opfer. Heute wird der Hof für öffentliche Veranstaltungen genutzt (Zirkus, Konzerte).

Vom Zweiten Weltkrieg bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel von der deutschen Wehrmacht besetzt. Sie errichtete Bunkeranlagen und Beobachtungsposten. Im November 1944 zog sie sich zurück und zerstörte den großen Leuchtturm auf der Insel. Die Bunker jedoch überließen sie mit vielen Utensilien den Insulanern. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Île d’Yeu Verbannungsort für Marschall Philippe Pétain, der 1945 von einem französischen Kriegsgericht wegen seiner Kollaboration mit dem Deutschen Reich zum Tode verurteilt worden war. Charles de Gaulle wandelte die Strafe in lebenslange Haft und Verbannung auf die Île d’Yeu um. Pétain starb am 23. Juli 1951 mit 95 Jahren. Sein Grab liegt auf dem Friedhof oberhalb von Port-Joinville. Zu finden ist es rechts vom Eingang in der Nähe des Täfelchens Perdu en mer; eingehüllt von circa 3 Meter hohen Stauden ist es nicht leicht sichtbar.

Im Dezember 1999 litt die Insel unter der Ölpest, die durch die Havarie des maltesischen Tankers Erika ausgelöst worden war.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gelbe Schild wird von einem blauen Linienband quer geteilt. Auf dem Schildhaupt ruht eine Krone. Umrahmt wird es von zwei Fischen, aufgelegt auf goldenes Band mit dem Motto: In Altum Lumen et Perfugium (lat. für „Licht und Ruhe auf der See“, frz. Au large, la lumière et le repos).

Îles du Ponant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Île d’Yeu

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Th. Volkoy: Dolmens de l'Ile-d'Yeu In: Bulletins de la Société d'anthropologie de Paris 1896 Band 7 Nr. 7 S. 241–246

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Île d’Yeu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emilie LEBLOND, Vincent BADTS, Fabienne DAURES, Christian DINTHEER: Activités des navires de pêche dans le quartier Ile-d'Yeu. In: Système d'Informations Halieutiques. ifremer, abgerufen am 15. September 2017 (französisch).