ÖAF

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Österreichische Automobil Fabriks-AG (ÖAF)
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1907 (als Österreichische Fiat-Werke Aktiengesellschaft)
Sitz Wien, Österreich
Branche Automobilhersteller, Motorenhersteller

Der ÖAF-Löwe
(Es ist der Gräf & Stift-Löwe, nicht zu verwechseln mit dem Braunschweiger Löwen des ÖAF-Mutterkonzerns MAN. MAN hat diesen wiederum von Büssing übernommen.)

ÖAF (Abkürzung für Österreichische Automobil Fabriks-AG) war eine österreichische Nutzfahrzeugmarke.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Österreichische Fiat-Werke Aktiengesellschaft wurde 1907 unter Mitwirkung der Anglo-Österreichischen Bank von den Turiner Fiatwerken gegründet. Sie errichtete in Wien-Floridsdorf eine Fabrik und Reparaturwerkstätte. Die Gesellschaft erzeugte alle Arten von Personenautomobilen, Automobillastwagen, Omnibussen, Stabil- und Schiffsmotoren, sowie auch Flugmotore. Die Karosserien wurden seit 1912 in einer eigenen Abteilung gebaut. Mit Kriegsausbruch wurde die Verbindung mit dem Turiner Stammhaus unterbrochen. Während des Kriegsjahre erfolgte eine umfangreiche Erweiterung des Werkes. Noch vor dem Ende des Ersten Weltkrieges geriet die Gesellschaft in die Interessensphäre des Castiglioni Konzerns. Nach dem Kriegsende wurde die Verbindung mit der Turiner Fiatgruppe wieder angeknüpft. Ende 1919 kam mit dieser eine neue Vereinbarung zustande, die jedoch gegen Ende 1920 wieder gelöst wurde um dagegen eine Interessengemeinschaft mit den, ebenfalls dem Castiglioni-Konzern nahestehenden Daimler Werken, und Puch anzubahnen.[1]

Schon während des Ersten Weltkrieges tauchte die Idee einer Vereinigung mit den ebenfalls dem Castiglioni Konzern angehörenden Daimler Werken, Wien, und den Puchwerken, Graz (siehe auch Johann Puch), auf. 1920 wurde der Verwaltungsrat ermächtigt, die Fusion oder die Interessengemeinschaft mit den genannten zwei österreichischen Automobilgesellschaften durchzuführen. Die Verwaltung entschloss sich aus steuerpolitischen Gründen für die Herstellung einer Interessengemeinschaft. Diese war nicht nur finanzieller, sondern auch kommerzieller und technischer Natur. Die Einkaufs- und Verkaufsorganisationen und die Konstruktionsbureaus der drei Gesellschaften sollten zusammengelegt und bei den Daimler Werken vereinigt werden. Die Fabrikation wurde in Folge durch Spezialisierung rationeller gestaltet und die Daimler Werke fabrizierten einen großen, modernen halbrahmenlosen Personenwagen mit 6-Zylinder-Motor und 11/70 PS. Bei den Fiatwerken wurde außer der Erzeugung ihrer Personenwagen-Typen die Erzeugung von Lastfahrzeugen und bei den Puchwerken die Herstellung von Motor- und Fahrrädern konzentriert. 1921 wurde die Gesellschaft in Österreichische Automobil-Fabriks-Aktiengesellschaft — vormals Austro-Fiat umbenannt. 1927 erfolgte die Auflösung der Interessengemeinschaft mit den Daimler Werken und Abstoßung des Besitzes an Austro-Fiat-Aktien durch die Austro-Daimler.[2]

1936 erwarb die Gesellschaft die Fabrikationslizenz für Österreich und Osteuropa auf die von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) erzeugten Fahrzeug-Dieselmotoren. Im Gegenzug wurde MAN Mehrheitseigentümer der Gesellschaft. 1939 wurde die Gesellschaft in Österreichische Automobil-Fabriks-Aktiengesellschaft (ÖAF) umbenannt. 1941 wurde die Wagen-, Karosserie- und Automobil-Fabriks AG vormals A. Weiser & Sohn, deren Aktien sich fast zur Gänze im Besitze der Gesellschaft befanden, im Fusionswege übernommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden vor allem Lkw mit MAN-Motoren produziert. Nach 1945 lagen die durch 140 Bombentreffer stark zerstörten Floridsdorfer Fabriken in der sowjetischen Besatzungszone und wurden in die USIA eingegliedert, wodurch die weitere Entwicklung gehemmt wurde. Auch war ein großer Teil der Produktion für die Sowjetunion bestimmt.

1955 wurde die ÖAF unter öffentliche Verwaltung gestellt. Die 72 % der Aktien, die früher im Besitz der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG waren, gingen nach Inkrafttreten des österreichischen Staatsvertrages in das Eigentum der Republik Österreich über, während sich die restlichen 28 % in vorwiegend österreichischem Streubesitz befanden.[3]

Am 1. Juli 1960 besuchte der Ministerpräsident und Generalsekretär der KPdSU der UdSSR Chruschtschow das Werk in Floridsdorf.[4]

Ende der 1960er Jahre wurde für das Österreichische Bundesheer das Militärfahrzeug Husar entwickelt. Da sich das Bundesheer aber für den zeitgleich entwickelten Pinzgauer des Konkurrenten Steyr entschied, wurden nur 136 Stück davon gebaut. Der ÖAF Tornado dagegen war in den 1960er und 1970er Jahren einer der meistverkauften Lkw in Österreich. Er wurde als Hauber und auch als Frontlenker gebaut.

Die Reprivatisierung der Anteile der Republik Österreich an der ÖAF erfolgte erst 1970. Gemäß Einbringungs- und Aktienübemahmevertrag vom 18. Juni 1970 brachte die AUSTRO-M.A.N. Fahrzeug-Vertrieb Gesellschaft mbH, Wien, ihren gesamten Geschäftsbetrieb mit sämtlichen Aktiven und Passiven, soweit sie die Herstellung und den Vertrieb von Erzeugnissen der metallverarbeitenden Industrie, insbesondere von Straßenfahrzeugen der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, die Montage und die Reparatur der vorgenannten Erzeugnisse und deren Handel betreffen, in die Gesellschaft ein. Von der Einbringung ausgenommen waren die Bestandsrechte der AUSTRO-M.A.N. Fahrzeug-Vertrieb Gesellschaft mbH. Seit damals ist die ÖAF Teil der MAN Nutzfahrzeuge AG. Anfang 1971 erwarb die Gesellschaft 99,6 % des Aktienkapitals der Gräf & Stift Automobilfabrik AG, Wien, welches fusionsweise von der ÖAF übernommen wurde. Im Zuge dessen wurde das Unternehmen in Österreichische Automobilfabrik ÖAF Gräf & Stift AG umbenannt.[5]

In den 1970er Jahren löste der MAN F8 (mit ÖAF-Kühlergrill) die Frontlenkerversion des ÖAF Tornado ab. Bis 2008 waren alle MAN-Nutzfahrzeuge mit ÖAF-Kühlergrill lieferbar. 1977 wurde ein Prototyp eines schwimmfähigen Radpanzers gebaut.

Im Februar 1978 wurde dem Unternehmen das Staatswappen verliehen.[6]

Im Jahr 1984 wurde die Planung für das neue Stammwerk von Gräf & Stift in Wien-Liesing vorgestellt. Von 1985 bis 1987 wurden die Omnibus-Reparaturwerkstatt, ein Sozialgebäude, Fertigungshallen und das Verwaltungsgebäude errichtet.[7]

Das Unternehmen firmiert heute unter MAN Truck & Bus Österreich GesmbH und produziert am Standort Liesing verschiedene Fahrzeugtypen, darunter insbesondere Sonder-, Spezial- sowie militärische Großfahrzeuge, die nicht in Großserie hergestellt werden.

Im heutigen Werk Liesing ist auch ein Oldtimerclub beheimatet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, historische Fahrzeuge von ÖAF und Gräf & Stift zu erhalten. Auch das Konstruktionsarchiv der Österreichischen Saurerwerke wird von diesem Club verwaltet.[8]

PKW-Importe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der USIA-Zeit hatte die ÖAF mit dem Verkauf sowjetischer Personenkraftwagen begonnen. 1958 wurde ein Generalvertretungsvertrag abgeschlossen. Anfangs wurden Fahrzeuge der Marke Moskwitsch importiert. Davon wurden jährlich zwischen 150 und 300 Stück verkauft. 1967 wurden 600 und bis August 1968 bereits 750 Fahrzeuge verkauft.

Nach dem Einmarsch der Warschauerpakt-Staaten in die ČSSR gingen die Verkaufszahlen rapide zurück. 1969 wurden nur mehr 386 Stück verkauft.

1972 kam die LADA RL, welche dem Fiat 124 nachempfunden war, auf den österreichischen Markt. Davon konnten 1977 bereits 2765 Stück abgesetzt werden.

1978 kam der Lada Niva unter der Bezeichnung Lada Taiga auf den Markt. Davon wurden 1979 1800 Stück verkauft und damit ein Marktanteil an den Allradfahrzeugen von 75 % erreicht.

1982 übernahm die ÖAF zusätzlich die Generalvertretung für die tschechische Marke ŠKODA vom bisherigen Generalvertreter Tarbuk. 1992 wurde die Vertretung eingestellt und an VW übergeben.[9]

1988 schloss die ÖAF einen Vertrag mit dem amerikanischen Fahrzeugbauer Chrysler ab. Ab Mai 1988 wurden noch über 100 Chrysler-Fahrzeuge ausgeliefert.[10]

Im Juli 1993 wurde der PKW-Handel aus der ÖAF ausgegliedert und der neu gegründeten AC Austro-Car übergeben.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Seper: Von Austro-Fiat zur Österreichischen Automobilfabrik ÖAF-Gräf & Stift AG. Werdegang – Personen – Kraftfahrzeuge. Verlag Welsermühl, Wels u. a. 1994, ISBN 3-85339-206-7.
  • Gerhard Bruner, Stefan Reitgruber: 100 Jahre Fahrzeugbau in Wien. Austro-Fiat. Gräf & Stift. ÖAF. Perl. Verein zur Förderung der historischen Fahrzeuge der Österreichischen Automobilfabrik ÖAF – Gräf & Stift AG, Wien 2001, ISBN 3-9500535-5-7.
  • Karl-Heinz Rauscher: Von Fiat Wien zu MAN-Nutzfahrzeuge Österreich. Weishaupt, Gnas 2008, ISBN 978-3-7059-0282-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: ÖAF-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Compass 1922, Band I, Teil 2, Finanzielles Jahrbuch, Österreich, Österreich-Ungarn, Seite 632 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 632)
  2. Compass 1929, Finanzielles Jahrbuch, Österreich, Österreich-Ungarn, Seite 761 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 761)
  3. Finanz Compass 1960, Österreich, Seite 601 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 601)
  4. Die Regierung spricht mit Chruschtschew. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 2. Juli 1960, S. 1 (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv – Digitalisat).
  5. Finanz Compass 1990/91, Österreich, 2. Band, Seite 2091 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 2091)
  6. Archivlink (Memento des Originals vom 9. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.staatswappen.at
  7. ÖAF-Geschäftsbericht Geschäftsjahr 1985
  8. ÖAF Gräf & Stift kümmert sich um seine Geschichte (Memento vom 12. November 2005 im Internet Archive) auf ÖAMTC vom 31. Juli 2002 abgerufen am 7. Februar 2010
  9. ÖAF-Geschäftsbericht Geschäftsjahr 1991/92
  10. ÖAF-Geschäftsbericht Geschäftsjahr 1987/88