ÖBB 1822

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ÖBB 1822
1822 003 in der Traktion Innsbruck
1822 003 in der Traktion Innsbruck
Nummerierung: 1822 001–005
Anzahl: 5
Hersteller: ABB (Schweiz), Siemens, SGP
Baujahr(e): 1990–1991[1]
Ausmusterung: 2014–
Achsformel: Bo’Bo’
Länge über Puffer: 19.300 mm[2]
Drehgestellachsstand: 2.700 mm
Dienstmasse: 82,0 t
Radsatzfahrmasse: 20,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Dauerleistung: 4.400 kW
Anfahrzugkraft: 280 kN
Leistungskennziffer: 64,2 kW/t
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
3 kV =
Anzahl der Fahrmotoren: 4 × 6FRA 7059
Antrieb: Drehstrom-Asynchronmotoren
SLM-Lenkschiebelagerantrieb
Bremse: elektrische Widerstandsbremse
Indirekte Bremse
direkte Druckluftbremse
Federspeicherbremse

Die Reihe 1822 ist eine Elektrolokomotive der Österreichischen Bundesbahnen. Die als Brennerlok bekannten 1822 sollten in Mehrfachtraktion vor Zügen der Rollenden Landstraße eingesetzt werden, um das Transitproblem über den Brennerpass in den Griff zu bekommen. Ihr hauptsächliches Einsatzgebiet waren aber die Korridorzüge nach Lienz, bis sie im September 2007 abgestellt wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1822 001 zwischen Innsbruck und Brenner

Auf Drängen von ABB entstanden bereits 1987 die ersten Ideen, für die Beschleunigung des Brennertransits (MünchenInnsbruckVerona) Zweisystemlokomotiven einzusetzen. Der damalige Verkehrsminister Rudolf Streicher beauftragte daher die ÖBB, fünf Prototypen zu beschaffen, die sowohl im heimischen Netz (15 kV/16,7 Hz Wechselstrom) als auch in Italien (3 kV Gleichstrom) einsetzbar sein sollten. Diese Idee wurde als richtungsweisend angesehen, aber die Komplettierung und Indienststellung der in den Jahren 1990 bis 1991 gebauten Lokomotiven verzögerte sich bis zur endgültigen Ablieferung um Jahre. Nachdem 1992 die Rollende Landstraße über den Brenner eingestellt wurde, zeigte die ÖBB kein großes Interesse mehr an der Lok. Die Lok 1822 003 wurde 1993 aus formalen Gründen übernommen, damit die Zulassungsfahrten in Italien stattfinden konnten. Die restlichen Loks wurden erst 1996 übernommen, nachdem die Lokomotiven im Oktober 1995 die Zulassung in Italien erhalten hatten.[1]

SGP Graz lieferte den mechanischen Teil, ABB den elektrischen Teil. Die ÖBB hatten kein Interesse an einem Weiterbau der 1822, weil die FS kein Interesse an durchlaufenden Zügen hatte. Diese wurden erst mit den Lokomotiven der Baureihe E.412 der FS und der Baureihe 189 der Deutschen Bahn möglich.

Die fünf 1822 sind seit ihrer Abnahme in Innsbruck beheimatet. Sie wurden kaum für die ursprünglich vorgesehene Aufgabe, die Bespannung von Güterzügen in Doppeltraktion genutzt, sondern vor den Korridorzügen von Innsbruck nach Lienz samt deren Zulaufstrecken von Innsbruck nach Kufstein und von Lienz nach Spittal an der Drau eingesetzt.

1822-002 und 1822-005 in Polen

2005 wurden die 1822 002 und die 1822 005 nach Polen verkauft, wo sie zuletzt im Besitz von DB Schenker Rail Polska waren und Anfang 2014 verschrottet wurden.[3] Der Eigentümer hatte keinen Bedarf mehr für die Lokomotiven, an denen eine Hauptuntersuchung hätte durchgeführt werden müssen. Mit der Verschrottung konnte er verhindern, dass die Lokomotiven in die Hände eines Konkurrenten gelangten.[4]

Die vor den Korridorzügen eingesetzten Loks sollten durch Diesellokomotiven der Reihe 2016 ersetzen werden. Dieser Plan scheiterte aber, da die 2016er beim ersten Einsatz technische Schäden erlitten. Ein weiterer Hinderungsgrund war die Zugheizanlage der 2016, die mit der Frequenz von 50 Hz arbeitet und die italienischen Gleisstromkreise gestört hätte. Nachdem vorübergehend gemietete Loks der Reihe 189 eingesetzt wurden, übernahmen ab Sommer 2007 die Mehrsystem-Loks der Baureihe 1216 die Korridorzüge, so dass im September 2007 die restlichen drei Loks mit den Nummern 1822 001, 1822 003 und 1822 004 abgestellt wurden. Sie konnten nicht nach Polen verkauft werden, weil sie in einem Sale-Lease-Back-Vertrag eingebunden waren und wurden deshalb in Bludenz hinterstellt. Im Herbst 2010 wurden die Lokomotiven zum TS-Werk Linz überführt, dort aufgearbeitet und ab Dezember desselben Jahres im Güterbahnhof Wolfurt abgestellt. [4]

Anfang 2014 wurden die verbleibenden drei Lokomotiven von der P&P Eisenbahntechnik erworben, in Krieglach zur Betriebsfähigkeit aufgearbeitet und an das Eisenbahnverkehrsunternehmen Adria Transport vermietet. Die Maschinen sollen ab Sommer 2014 [veraltet] zur Bespannung von Güterzügen vom Hafen Koper nach Tschechien auf der Strecke KoperWien eingesetzt werden. Dafür eignet sich die Reihe 1822 besonders, da auf der Strecke MariborSpielfeld eine Achslastbeschränkung von 20 t gilt, weshalb die Reihe 1216 dort nicht eingesetzt werden können.[4]

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mechanische Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptrahmen und der Lokkasten mit gesickten Seitenwänden sind in geschweißter Stahlleichtbauweise hergestellt worden, ebenso die beiden Führerstände, die mit einer aufgeschraubten GFK-Vorsatzschale versehen sind. Der Zutritt zu den Führerständen erfolgt aus dem Maschinenraum, der über eine in Fahrrichtung links hinter dem Führerstand angeordnete Türe betreten werden kann. Die klimatisierten Führerstände sind geräumig und mit einer ungeteilten Frontscheibe versehen. Der Führertisch ist zweisprachig in Deutsch und Italienisch beschriftet.

Der Maschinenraum ist mit einem Mittelgang versehen. In ihm sind die beiden Stromrichter mit Siederohrkühlung von Siemens, Erlangen untergebracht, ebenso die Schränke der Leittechnik und die Bremsausrüstung. Die Leittechnik entspricht derjenigen der SBB Re 460. Aus Platzgründen wurde der Transformator unter dem Lokrahmen zwischen den beiden Drehgestellen angebracht.

Das Dach ist eine aus drei abnehmbaren Hauben bestehende Aluminiumkonstruktion, welche den Zugang zum Maschinenraum für den Tausch von Baugruppen freigibt. Die Lüfter sind in der Dachschräge angeordnet.

Der Lokkasten stützt sich über zentrierend wirkende Flexicoilfedern auf die Drehgestelle, welche denjenigen der bei der S-Bahn Zürich eingesetzten SBB-Baureihe Re 450, sowie der bei Privatbahnen eingesetzten Re 456 entsprechen. Sie wurden nach Lizenz der SLM in Österreich gebaut. Als Antrieb wird ein modifizierter Lenkschiebelagerantrieb eingesetzt, der eine Radialeinstellung der Achsen erlaubt. Die Übersetzung beträgt 91:22. Die Kraftübertragung vom Drehgestell auf den Lokkasten erfolgt mittels tiefliegenden Zugstangen.

Die Lok ist mit den üblichen Bremsanlagen für die direkte und die indirekte Bremse ausgerüstet, eine Federspeicherbremse dient als Feststellbremse.

Führerstand der Baureihe 1822

Die Seitenwände und der untere Teil der Frontpartie wurden verkehrsrot lackiert, ein Streifen auf der Seitenwand und der obere Teil der Frontpartie sind in grau-weiß gehalten. Ein Bereich um die Scheiben, das Dach, der Rahmen und die Drehgestelle sind umbragrau lackiert. Besonders auffallend sind die fast 1,6 m hohen ÖBB-Embleme an der Seitenwand – später wurde unten an der Front die Wortmarke ÖBB angebracht.

Elektrische Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elektrische Ausrüstung weist gegenüber den anderen ÖBB-Lokomotiven die zusätzlichen Teile für den 3 kV-Betrieb auf und ist deshalb aufwändiger. Das Dach trägt neben den drei Einholmstromabnehmern - einer für das ÖBB-Netz (Bauart VII) und zwei für das FS-Netz (Typ 52) – auch den Systemtrenner und die 3 kV Überspannungsableiter, sowie die Dachbremswiderstände mit 1 MW Leistung. Der ölgekühlte, unterflur angeordnete Trafo versorgt den Vierquadrantensteller. Dieser wurde in Dreipunktschaltung realisiert und versorgt einen Gleichspannungszwischenkreis von 2 × 1750 V. Im Gleichstrombetrieb wird die Fahrleitungsspannung, die zwischen 2 und 4,2 kV schwankt, direkt in den Zwischenkreis gespeist. Die verwendeten GTO-Thyristoren sind siedbadgekühlt und leiten den benötigten Motorstrom für die vier Drehstrom-Kurzschlussläufer-Asynchronmotoren. Über das digitale Leittechniksystem MICAS-S2 erfolgt die Steuerung. Die Loks sind für die Mehrfachsteuerung von vier Fahrzeugen ausgestattet und verfügen über die üblichen Sicherungseinrichtungen der ÖBB und der FS - 1998/99 wurde noch zusätzlich die italienische Führerstandssignalisierung SASIB eingebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus-J. Vetter: Das große Handbuch der Elektrolokomotiven. Sconto, München 2003, ISBN 3-7654-4066-3.
  • Klaus Eckert, Torsten Berndt: Lexikon der Lokomotiven. Komet Verlag GmbH, Köln 2005, ISBN 3-89836-505-0.
  • Markus Inderst: Bildatlas der ÖBB-Lokomotiven. Alle Triebfahrzeuge der Österreichischen Bundesbahnen. GeraMond, München 2010, ISBN 978-3-7654-7084-4.
  • Francessco Pozzato: Die Tirolerinnen Le Tirolesi: Die Lokomotiven der Reihe 1822 Le locomotive del gruppo 1822. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2011, ISBN 978-88-8266-784-9.
  • Markus Inderst in Lok-Magazin 1/2017, Seiten 64 - 73: ÖBB-Reihe 1822 - Vom Pech verfolgt. GeraMond, München 2017, ISSN 0458-1822 / 10813.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: ÖBB 1822 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Technisches Fahrzeugportrait ÖBB Reihe 1822. In: Digitales Eisenbahn-Fotoarchiv. Abgerufen am 13. Januar 2014 (Registrierungspflichtig).
  2. Typenskizzen der Baureihe 1822 (Registrierungspflichtig)
  3. PL: 1822 002 and 005, their final hour. Railcolor.net, 10. Januar 2014, abgerufen am 13. Januar 2014.
  4. a b c Neustart für die vergessene Reihe 1822 in Österreich. In: Eisenbahn-Revue. Nr. 6, 2014, S. 273–274.