Öffentliches Wegerecht (Vereinigtes Königreich)

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Das Öffentliche Wegerecht (public right of way), insbesondere in seinen für Touristen wichtigen Ausprägungen Public Footpath und Public Bridleway, legt in England und Wales Fortbewegungsmöglichkeiten abseits des öffentlichen Straßennetzes fest.

Public Footpath

Grundsätzliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wenig benutzter und kaum erkennbarer Public Footpath über eine Viehweide in den Yorkshire Dales, mit Pfosten markiert

In England und Wales besteht kein allgemeines Betretungsrecht für Wälder und Fluren (wohl aber in Schottland, das ebenfalls zum Vereinigten Königreich gehört). Daher sind Feld- und Waldwege, anders als in Deutschland, nicht generell zum Wandern oder Radfahren nutzbar. Dafür gibt es ein weit verzweigtes Netzwerk öffentlicher Wegerechte, deren Geschichte teilweise bis ins Mittelalter zurückreicht. Während diese Wegerechte früher oft die einzige Möglichkeit darstellten, entlegene Ortschaften und Gehöfte zu erreichen, haben sie heutzutage eine große Bedeutung für Freizeit, Tourismus und Sport, insbesondere für Wanderer, Reiter und Radfahrer. So werden diese Wegerechte beispielsweise von Fernwanderwegen genutzt.

Die öffentlichen Wegerechte sind gesetzlich verankert und dürfen von jedem nach Belieben in Anspruch genommen werden, es gibt keine Einschränkungen bezüglich der nutzenden Personen. Es darf auch keine Gebühr erhoben werden.

Ein Wegerecht darf jedoch nicht mit einem baulich angelegten, gepflegten und markierten Wanderweg verwechselt werden. Bei einem Wegerecht wird dem Nutzer, insbesondere bei footpaths und bridleways, lediglich das Recht zuerkannt, sich entlang eines festgelegten Verlaufes über das Land zu bewegen. Es besteht kein Anspruch auf einen bestimmten Wegezustand. Zwar folgen viele Wegerechte zumindest geschotterten Feld- oder Wirtschaftswegen, aber häufig finden sich auch nur unbefestigte, in den Boden getretene Pfade. Wenig genutzte Wegerechte sind unter Umständen mit Gras überwachsen und auf dem Boden gar nicht erkennbar. Für die Querung von Mauern, Zäunen und Hecken sind zu deren Schutz in der Regel bauliche Vorrichtungen wie Zauntritte angelegt. Wasserläufe werden meist mit kleinen Brücken überquert, gelegentlich finden sich aber auch nur Furten (die bei Hochwasser unbenutzbar sein können).

Eigentümer oder Pächter eines Grundstücks, über das ein öffentliches Wegerecht verläuft, dürfen den Weg weder versperren noch umleiten und müssen darauf achten, dass Personen, die das Wegerecht bestimmungsgemäß nutzen, dadurch keiner ungewöhnlichen Gefahr ausgesetzt sind. Zum Beispiel darf auf einer Weide, über die ein Wegerecht verläuft, kein Stier gehalten werden, der älter als zehn Monate ist. Aufgetretene Hindernisse (etwa umgestürzte Bäume) sollten so schnell wie möglich entfernt und Schäden an den Wegen repariert werden. Vorübergehende oder permanente Änderungen an Wegerechten, zum Beispiel Umleitung von Wegen im Zusammenhang mit Bauarbeiten, dürfen nur durch die zuständigen Behörden angeordnet werden, nicht vom Grundeigentümer selbst.

Öffentliche Wegerechte sind je nach erlaubter Nutzung folgendermaßen eingeteilt:

Arten von Wegerechten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Public Footpath[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionelles Holzschild
Blechschild

Auf einem Public Footpath (engl. für: „Öffentlicher Fußweg“) ist primär die Benutzung zu Fuß gestattet. Kinderwagen oder Rollstühle sind zulässig, sofern der Zustand des Weges dies erlaubt – allerdings ist im Verlauf mit Hindernissen wie Toren, Viehsperren, Kissing gates oder Zauntritten zu rechnen. Hunde dürfen mitgeführt werden, sind jedoch an der kurzen Leine unter Kontrolle zu halten und dürfen Weidevieh nicht belästigen. Wanderer dürfen auf dem Weg auch Pausen machen.

Zum Radfahren, Reiten oder der Benutzung von Fahrzeugen besteht auf einem Public Footpath kein allgemeines Recht, dafür ist die Zustimmung des Grundeigentümers erforderlich.

Traditionell sind Public Footpaths durch hölzerne Schilder gekennzeichnet. Heute werden diese Schilder mehr und mehr durch grüne Blechschilder mit einem gelben Richtungspfeil und weißer Aufschrift, oder schlicht einem Fußgängersymbol, ersetzt. Solche Schilder findet man grundsätzlich dort, wo ein Public Footpath eine öffentliche Straße kreuzt oder von ihr abzweigt. Im Gelände besteht hingegen keine Verpflichtung für eine Kennzeichnung des Wegeverlaufs; der Nutzer muss sich, wenn der Verlauf nicht erkennbar ist, anhand von Kartenmaterial orientieren können. Oft ist der Verlauf jedoch durch Pfosten oder Wegmarken (gelbe Pfeile) gekennzeichnet.

Auf britischen Wanderkarten sind Public Footpaths als rote (1:50.000) bzw. grüne (1:25.000) gestrichelte Linie mit kurzer Strichlänge eingezeichnet.

Public Bridleway[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Public Bridleway führt unbefestigt quer durchs Gelände
Markierung eines Bridleway und eines Footpath auf offenem Weideland

Für einen Public Bridleway (engl. für: „Öffentlicher Reitweg“) gilt im Prinzip das gleiche wie für den Public Footpath, jedoch darf man hier zusätzlich auch

  • Reiten oder ein Pferd bzw. Packtier führen
  • Fahrrad fahren.

Wie beim Public Footpath wird auch hier nur das Nutzungsrecht definiert, ohne Anspruch auf einen bestimmten Wegzustand. Weder Behörden noch Grundeigentümer sind dazu verpflichtet, einen Bridleway in einem zum Radfahren geeigneten Zustand zu halten. Insbesondere stark von Reitern frequentierte Bridleways sind, je nach Untergrund und Befestigung, möglicherweise in der Praxis für Radfahrer nur auf Mountainbikes nutzbar.

Im Gelände wird ein Public Bridleway durch Beschilderung mit der Aufschrift „Public Bridleway“ oder durch blaue Wegmarken gekennzeichnet.

Auf britischen Wanderkarten sind Public Bridleways als rote bzw. grüne gestrichelte Linie mit langer Strichlänge eingezeichnet.

Restricted Byway[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Restricted Byway (engl. für: „Eingeschränkte Nebenstrecke“) steht neben Fußgängern, Reitern und Radfahrern auch anderen nicht motorisierten Fahrzeugen zur Verfügung. Motorfahrzeuge jeglicher Art sind hier nicht zulässig.

Der Begriff Restricted Byway existiert erst seit 2006 und ersetzt die 1949 eingeführte Kategorie Road used as public path, abgekürzt RUPP, die 1968 wieder abgeschafft werden sollte. Daher waren die zuständigen Behörden angewiesen, sämtliche RUPPs in eine der anderen Kategorien umzuwidmen. Da diese Prozedur jedoch sehr viel Zeit in Anspruch nahm, wurden schließlich am 2. Mai 2006 einfach alle zu diesem Zeitpunkt noch existierenden RUPPs in die neue Kategorie Restricted Byway eingestuft.

Auf britischen Wanderkarten sind Restricted Byways speziell markiert. Im Gelände wird ein Restricted Byway durch dunkelrote Wegmarken gekennzeichnet.

Byway open to all traffic[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Byway bei Yalding, Kent

Ein Byway open to all traffic (engl. für: „Für jeden Verkehr offene Nebenstrecke“), gelegentlich mit BOAT abgekürzt, ist die „offenste“ Klasse des Wegerechts und nutzungsrechtlich einer öffentlichen Straße gleichgestellt. Er darf von Fußgängern, Reitern, Radfahrern und allen anderen Fahrzeugen genutzt werden.

Die meisten BOAT sind unbefestigte oder zumindest ungepflegte raue Wege durchs Gelände und in der Praxis von ihrem Ausbauzustand her mit normalen PKW kaum benutzbar, obwohl es rechtlich erlaubt ist. Mit Verkehr durch Geländefahrzeuge ist aber zu rechnen. Es können Einschränkungen zum Beispiel bezüglich der Fahrzeugbreite oder -höhe gegeben sein, die in der Regel durch entsprechende Verkehrszeichen am Anfang des Weges bekannt gegeben werden.

Auf britischen Wanderkarten sind BOAT speziell markiert. Ist der Verlauf eines Byway im Gelände nicht eindeutig erkennbar, so wird er manchmal durch rote Wegmarken gekennzeichnet.

Permissive Path[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Klasse sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Auf einem Permissive Path oder auch Permitted Path (engl. für: „Erlaubter Weg“) besteht kein gesetzlich gesichertes Wegerecht, sondern hier wurde der öffentliche Zugang freiwillig vom Grundeigentümer auf Dauer gewährt, beispielsweise um eine Lücke in einer Wanderroute zu schließen. Dabei können beliebige Auflagen oder Einschränkungen erteilt werden – es können zum Beispiel bestimmte Verkehrsmittel oder die Mitnahme von Hunden ausgeschlossen werden, oder der Weg wird nur zu bestimmten Zeiten freigegeben. Solche Einschränkungen sind, wenn sie sich nicht ohnehin schon aus der Art des Weges ergeben, an den Enden durch Beschilderung bekanntzugeben. So ist es beispielsweise üblich, einen Permissive Path jedes Jahr an einem Tag zu schließen, um die Entwicklung zu einem öffentlichen Wegerecht durch Gewohnheitsrecht zu verhindern.

Auf britischen Wanderkarten sind Permissive Paths andersfarbig oder überhaupt nicht markiert.

Verwaltung von Wegerechten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständige Behörden für die Verwaltung von öffentlichen Wegerechten sind in England die Verwaltungsgrafschaften und in Wales die Unitary Authorities. Diese Behörden sind verantwortlich für die Kennzeichnung der Wegerechte durch entsprechende Beschilderung und Markierungen, sowie bei Bedarf für die Anordnung (vorübergehender) Sperren oder Umleitungen.

Die Definitive Map[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1949 sind diese Behörden angehalten, alle existierenden Wegerechte in einer speziellen Landkarte, der sogenannten Definitive Map, einzutragen.[1] Einträge in dieser Karte sind in Streitfällen bezüglich Wegerechten bindend. Doch behördlichen Schätzungen zufolge waren zum Zeitpunkt des Erlasses des Countryside and Rights of Way Act durch das britische Parlament im Jahr 2000 noch mehr als 10 Prozent der existierenden öffentlichen Wegerechte nicht in der Definitive Map erfasst. Innerhalb einer bis zum 1. Januar 2026 laufenden Frist können noch nicht erfasste Wegerechte nachgetragen werden. Alle Wegerechte, die zum Ablauf der Frist nicht in der Definitive Map erfasst sind, verfallen dann automatisch. Der britische Wandererverband Ramblers' Association bemüht sich daher, noch möglichst viele Wegerechte – insbesondere in landschaftlich attraktiven Gegenden – nachzuweisen und in die Definitive Map eintragen zu lassen.

Access Land[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde mit dem Erlass des Countryside and Rights of Way Act[2] eine neue Möglichkeit geschaffen, unbewirtschaftetes Land zu durchwandern, das sogenannte Access Land. Diese Gebiete dürfen auch außerhalb von Wegerechten betreten oder durchquert werden, jedoch nur zu Fuß. Reiten oder Radfahren ist auch im Access Land auf bridleways beschränkt. Weitere Einschränkungen sind an den Zugängen ausgewiesen, beispielsweise müssen Hunde häufig zum Schutz bodenbrütender Vögel auf den Wegerechten bleiben.

Der Zugang zum Access Land darf durch den Grundeigentümer für bis zu 28 Tage im Jahr gesperrt werden, etwa zu Jagdzwecken. Auch dies wird an den Zugängen bekanntgegeben. Hindurchführende öffentliche Wegerechte sind davon nicht betroffen.

Über die bloße Fortbewegung hinausgehende Aktivitäten, zum Beispiel Lagern, erfordern auch auf Access Land die Erlaubnis des Grundeigentümers.

Access Land ist auf britischen Wanderkarten farbig getönt markiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wander- und Fußwegsmarkierungen im Vereinigten Königreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Highways Act 1980. Part III Section 31. legislation.gov.uk, abgerufen am 18. Mai 2011 (englisch).
  2. Countryside and Rights of Way Act 2000. In: legislation.gov.uk. The National Archives, 30. November 2000, abgerufen am 30. April 2014 (englisch).
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