Öhningen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Öhningen
Öhningen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Öhningen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 40′ N, 8° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 499 m ü. NHN
Fläche: 28,2 km2
Einwohner: 3634 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner je km2
Postleitzahl: 78337
Vorwahl: 07735
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 061
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klosterplatz 1
78337 Öhningen
Webpräsenz: www.oehningen.de
Bürgermeister: Andreas Schmid (CDU)
Lage der Gemeinde Öhningen im Landkreis Konstanz
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Über dieses Bild

Die Gemeinde Öhningen ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und liegt im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg in Deutschland direkt an der Grenze zur Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öhningen liegt nahe der Schweizer Grenze am äußersten Westzipfel des Bodensees, dem so genannten Untersee, und ist die größte Gemeinde der Halbinsel Höri.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An die Gemeinde schließt sich östlich die Gemeinde Gaienhofen an, nördlich die Gemeinde Moos und westlich das schweizerische Stein am Rhein. Die südliche Gemeindegrenze wird vom Ufer des Untersees gebildet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Öhningen mit den ehemaligen Gemeinden Schienen und Wangen gehören 35 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.

Öhningen (alt) Zur Gemeinde Öhningen in den Grenzen von 1974 gehören das Dorf Öhningen m. Endorf, Ennetbruck, die Weiler Kattenhorn (mit Schloss Kattenhorn) und Stiegen, die Höfe Aspenhof, Bruderhof, Elmenhof, Kreuzhof, Litzelhauserhöfe, Riedernhöfe und Stuttgarterhof und die Häuser Oberstaad und Waldheim.
Im Gemeindegebiet von 1974 liegen die Wüstungen Kressenberg oder Özenberg und Sitternhof.
Schienen Zur ehemaligen Gemeinde Schienen gehören das Dorf Schienen und die Höfe Auf dem Berg, Brandhof, Bühlarz, Fehlhaldenhof, Ferdinandslust (Höhe), Längehof, Oberbühlhof, Oberschrotzburg, Sandhof, Schorenhof, Stucken, Unterbühlhof, Unterschrotzburg (Buchhaldenhof) und Wieshof.
Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schienen liegt die abgegangene Burg Schrotzburg sowie ein abgegangenes Schloß zu Unterbühl.
Wangen Zur ehemaligen Gemeinde Wangen gehören das Dorf Wangen-Dorf, Schloss und Gehöft Marbach, die Höfe Langenmoos, Ober-Salenhof und Unter-Salenhof und die Häuser Blanhof, Wangen-West und Ziegelhof.
Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wangen liegen die Wüstungen Dürrenmühle, Hofen und Wibelspüren.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Kreisarchiv Konstanz

Der Wangener Kaspar Löhle findet 1811 vor Christus erste Steinbeile und Pfahlstümpfe am Seeufer bei Wangen, die erst später (ab 1854/56) mit Überresten von menschlichen Siedlungen in Verbindung gebracht werden. Die modernen Pfahlbau-Archäologen finden noch weitere Kulturschichten, u. a. der Horgener Kultur (3300–3000 v. Chr.) und der Schnurkeramikkultur (2700–2600 v. Chr.), und verschiedene Funde aus der frühen bis späten Bronzezeit (1600–800 v. Chr.). Die Funde sind im Museum Fischerhaus in Wangen ausgestellt. Öhningen wird erstmals 1788 in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen zusammen mit Weiterdingen erwähnt. Der Schenker Iringus übereignet „zum Heil seiner Seele“ alles, was er in Öhningen besitzt, dem Kloster St. Gallen.

Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen

Zu Ehren des Heiligen Peter, Paul und Hyppolith stiftet 965 Graf Kuno von Öhningen ein Benediktinerkloster in Öhningen zu und überträgt dem Kloster eine beachtliche Grundausstattung mit Besitzungen in vielen Orten des Hegau. Öhningen ist eines der vielen frühen Klöster an Rhein und Untersee, die diese Region zu einem Zentrum des geistlichen, aber auch künstlerischen, wirtschaftlichen und politischen Lebens jener Zeit machen. Die Propstei wurde 1378 mit Augustiner-Chorherren besetzt, die bis zur Aufhebung des Klosters 1805 in Öhningen bleiben. 1395 wurde die Burg Oberstaad erstmals urkundlich nachzuweisen. Ein Bürgermeister trat 1766 urkundlich auf. Als „Gemeinde“ tagte 1497 erstmals ein Gemeindeparlament, das mit je zwölf Personen von der Herrschaft und der Bürgerschaft von Öhningen besetzt ist. Die Gemeinde besitzt später (1802) ein Rathaus im Endorf, das auch die Schule enthält. Im 17. Jahrhundert lassen sich jüdische Familien in Wangen nieder, woraus sich eine jüdische Gemeinde entwickelt, die bis auf 233 Mitglieder (1865) ansteigt, einen eigenen Friedhof und eine Synagoge besitzt, Letztere wird in der „Pogromnacht“ 1938 von den Nationalsozialisten zerstört. 1940 werden sieben Wangener Juden deportiert, von denen nur zwei befreit werden.

Das jetzige Rathaus wurde 1650 als Sitz des bischöflichen Obervogts in Öhningen gebaut. Der Raßlerischen Vertrags wurde 1684 abgeschlossen, der die Seemitte als Grenze zur Schweiz festlegt. Der größte Teil des Schiener Berges wurde 1954 zum Landschaftsschutzgebiet. Die evangelische Höri-Pfarrei wird gegründet, nachdem es protestantische Gläubige schon seit 1818 im Ort gibt. Früher dient das Gastzimmer im Schönblick als Gottesdienstraum Die evangelische Petruskirche in Kattenhorn wurde 1959 geweiht. Der Maler Otto Dix gestaltet drei Kirchenfenster. Die heutige Gemeinde Öhningen entstand am 1. Januar 1975 durch die Vereinigung der früher selbständigen Gemeinden Öhningen und Wangen und die Eingemeindung von Schienen.[3] Das Gemeindegebiet umfasst 2818 Hektar. Am 2. Januar findet die erste Sitzung des neuen Gemeinderates statt. Am 7. April wird Hermann Lohner als Bürgermeister der neuen Gemeinde verpflichtet. Die renovierte Pfarrkirche von Öhningen wird festlich eingeweiht. Im Herbst wird der Kindergarten Schienen eröffnet. Die neue Gemeinde erhielt 1976 ein neues Gemeindewappen, das aus einer Kombination der Wappen der früheren Gemeinden besteht. 1984 begann die erste Kontaktaufnahme mit dem französischen Ort Mérinchal, aus der sich eine lebendige Partnerschaft entwickelt. Renovierung der Bruderschaftskapelle in Öhningen. Der Ortskern von Öhningen wurde 1999 unter Denkmalschutz gestellt. 2004 wurde das renovierte Rathause in Öhningen eingeweiht.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Bewohner ist römisch-katholisch, wie vier Kirchen in der Gemeinde belegen. Wohl auch wegen der Zugehörigkeit Öhningens zum Hochstift Konstanz ist die Reformation lange an der Gemeinde vorbeigegangen; erst 1959 ist die evangelische Petruskirche in Kattenhorn geweiht worden. Sie verfügt über drei sehenswerte Fenster, die der Künstler Otto Dix, der im Nachbarort Hemmenhofen lebte, gestaltet hat. Für die geistliche Versorgung der evangelischen Christen ist die Gemeinde in Gaienhofen verantwortlich, die neuapostolischen Gläubigen werden von Gailingen am Hochrhein aus betreut. Die jüdische Gemeinde, die im 17. Jahrhundert entstand, und die Synagoge wurden in der NS-Zeit vernichtet.

Öhningen um 1900

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Höri mit Sitz in Gaienhofen.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Öhningen führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,2 % (2009: 59,4 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei / Liste  % Sitze Ergebnis 2009
CDU 37,0 % 5 Sitze 31,8 %, 5 Sitze
Netzwerk Öhningen-Schienen-Wangen 24,4 % 3 Sitze 17,1 %, 2 Sitze
Freie Bürgerliste (FBL) 21,2 % 3 Sitze 23,2 %, 3 Sitze
Offenes Bürgerforum (OBF) 17,6 % 3 Sitze 28,0 %, 4 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde Öhningen ist Andreas Schmid (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Wappen von Öhningen

Das alte Wappen von Öhningen ist ein gevierter Schild, im 1. und 4. Feld in Rot eine goldene Krone mit drei Zinken mit Blättern, im 2. und 3. Feld in Silber ein roter Schräglinksbalken.

Das neue Wappen der Gemeinde Öhningen ist geteilt und oben gespalten; oben vorn zeigt es in Gold eine rote Krone mit drei Zinken mit Blättern, hinten in Rot ein goldener Stern, unten von Silber und Blau zu zwölf Plätzen geschacht.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler

  • Verrucano-Findlung: Der 2002 im Gewann „Sittern“ beim Linsenbühlhof bei Öhningen gefundene Findling aus Verrucano-Gestein gehörte vor zehn bis 100 Millionen Jahren noch zur Nordwand der afrikanischen Gondwana-Krustenplatte, bevor es im Zuge der Kontinentalverschiebung nach Mittelbünden bewegt und in die Eiszeit vor 25.000 Jahren durch den Rheingletscher nach Öhningen verfrachtet wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Radweg rund um den Bodensee führt an der Gemeinde vorbei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Lohner (1928–1998), Bürgermeister von Öhningen; Lohner wurde 1988 anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand die Freiherr-vom-Stein-Medaille durch den Gemeindetag Baden-Württemberg verliehen, 1989 wurde er zum Ehrenbürger ernannt; der Hermann-Lohner-Weg wurde nach ihm benannt.
  • Herbert Quandt (1910–1982), Unternehmer
  • Eberhard Ratzel (1934–2011), Bürgermeisterstellvertreter [4]
  • Otto Wiedenmaier, Bürgermeister von Schienen [4]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Diez (* 8. Januar 1877, † 24. Juni 1969 in Radolfzell), Politiker (ZENTRUM, BCSV), MdR, Mitglied des badischen Staatspräsidiums.
  • Jacob Picard (* 11. Januar 1883 in Wangen, † 1. Oktober 1967 in Konstanz), Dichter des deutschen Landjudentums
  • Hermann Bosch (* 10. März 1891, † 16. Juli 1916), Fußballnationalspieler
  • Florian Schneider-Esleben (* 7. April 1947), Musiker, ehem. Mitglied der Band Organisation (1969), dann Kraftwerk (1970–2009)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Berner (Hrsg.): Öhningen 1988. Beiträge zur Geschichte von Öhningen, Schienen und Wangen. Singen 1988, ISBN 3-921413-85-0.
  • Peter Greis: Aus alter Zeit. Öhningen, Schienen, Wangen. Konstanz 1991, ISBN 3-87685-133-5.
  • Gerfried Schellberger: Der Wallfahrtsort Schienen im Spiegel der Geschichte – 750–2000. Kleine Geschichte eines Dorfes, eingebettet in die große Geschichte seines Landes. 2 Bände, Öhningen 2006–2008, ISBN 3-00-017825-2.
  • Mathias Köhler: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen., Lindenberg 2005, ISBN 3-89870-214-6.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fund eines Riesensalamanders Andrias scheuchzeri aus Öhningen ging in die Geschichte der Paläontologie ein, weil ihn 1726 der Zürcher Stadtarzt Johann Jakob Scheuchzer als Skelettrest eines in der biblischen Sintflut ertrunkenen Menschen fehldeutete.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, S. 742–746, ISBN 3-17-007174-2.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 520.
  4. a b Georg Exner: Ratzel wird Ehrenbürger, Südkurier vom 30. September 2004 (abgerufen am 30. November 2013)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Öhningen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien