Ökonomisches Prinzip

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Das Ökonomische Prinzip (auch Wirtschaftlichkeitsprinzip, Rationalprinzip oder Input-Output-Relation) bezeichnet die Annahme, dass Wirtschaftssubjekte aufgrund der Knappheit der Güter bei ihrem wirtschaftlichen Handeln die eingesetzten Mittel mit dem Ergebnis ins Verhältnis setzen und nach ihren persönlichen Präferenzen zweckrational eine Nutzenmaximierung (so Haushalte und Konsumenten) beziehungsweise Gewinnmaximierung (so Unternehmen) anstreben. Auf dieser Annahme basiert auch das abstrakte Modell des Homo oeconomicus.

Ausprägungen[Bearbeiten]

In den Wirtschaftswissenschaften wird Effizienz als Quotient zwischen Ergebnis und Aufwand definiert.

\text{Effizienz} = \frac{\text{Ergebnis}}{\text{Aufwand}}

Die Forderung des ökonomischen Prinzips nach möglichst hoher Effizienz kann daher mehrere Formen annehmen:

Minimalprinzip[Bearbeiten]

Eine maximale Effizienz ist gegeben, wenn der Zähler (Ergebnis) konstant gehalten wird und man versucht, den Nenner (Aufwand) zu minimieren.

Beispiel:

  • Ziel: Mit möglichst wenig Benzin (Aufwand) nach Berlin fahren (Ergebnis)
  • Alternative A: 50 Liter Benzinverbrauch
  • Alternative B: 55 Liter Benzinverbrauch
  • Ergebnis: Alternative A ist der Alternative B vorzuziehen

Diese Ausprägung wird auch Sparsamkeitsprinzip oder (in der öffentlichen Verwaltung) Haushaltsprinzip genannt.

Maximalprinzip[Bearbeiten]

Eine maximale Effizienz ist gegeben, wenn der Nenner (Aufwand) konstant gehalten wird und man versucht, den Zähler (Ergebnis) zu maximieren.

Beispiel:

  • Ziel: Mit 50 Liter Benzin (Aufwand) eine möglichst große Strecke (Ergebnis) zurücklegen
  • Alternative A: 500 km Fahrstrecke
  • Alternative B: 550 km Fahrstrecke
  • Ergebnis: Alternative B ist der Alternative A vorzuziehen.

Diese Ausprägung wird auch Ergiebigkeitsprinzip genannt.

Extremumprinzip[Bearbeiten]

Die Relevanz einer dritten Variante des ökonomischen Prinzips (Extremumprinzips, auch Optimumsprinzip genannt) ist umstritten. Umgangssprachlich wird sie als "mit minimalem Aufwand ein maximales Ergebnis erzielen" formuliert. Bei einem Quotienten ist diese Forderung mathematisch nicht operationalisierbar, bzw. läuft auf die Aussage hinaus, dass die Effizienz am größten ist, wenn die Effizienz am größten ist.

Beispiel:

  • Eine maximal große Strecke zurücklegen und dabei eine minimale Menge an Benzin verbrauchen.
  • Alternative A: 500 km Fahrstrecke mit 50 Liter Benzinverbrauch zurücklegen
  • Alternative B: 600 km Fahrstrecke mit 55 Liter Benzinverbrauch zurücklegen
  • Problem: Bei B ist die Fahrstrecke (Ergebnis) höher, aber auch der Benzinverbrauch (Aufwand)

In der Ausprägung "mit minimalem Aufwand ein maximales Ergebnis erzielen" könnte man die Alternativen nicht bewerten, da konkurrierende Zielbeziehungen vorliegen, was in der Ökonomie typisch ist. Man kann allerdings die Effizienz, d.h. den Quotienten berechnen und feststellen, dass Alternative B effizienter ist. Dann sind aber sowohl Aufwand als auch Ergebnis variabel.

Das Extremumprinzip trägt den heute in der Regel komplexen Optimierungsproblemen der betriebswirtschaftlichen Praxis eher Rechnung als das Minimal- und Maximalprinzip.[1] Da die Variabilität sowohl von Input als auch von Output in der Realität zumindest in gewissen Grenzen gegeben ist, sollte laut Heiner Müller-Merbach das Extremumprinzip bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.[2]

Kritik[Bearbeiten]

Der Philosoph Hans Albert kritisierte mit dem Begriff Modellplatonismus[3] die Art und Weise, wie das sogenannte „Ökonomische Prinzip“ in der Regel in den Wirtschaftswissenschaften verwendet werde. So würden im Begriff „Rationalität“ häufig empirische Behauptungen mit Werturteilen zusammengeworfen, was nicht nur zu logischen Ungereimtheiten, sondern auch zur Erschleichung von Rechtfertigungen führe.[4]

Es sei zudem nicht möglich, die Erforderlichkeit von Werturteilen nur auf die vorausgesetzten Zwecke beschränkt zu sehen; allein schon deswegen, weil die eingesetzten Mittel stets auch negative wie positive Nebenwirkungen auf die außer Betracht gelassenen konkurrierenden Zwecke produzieren.[5] Der Zweck heilige nicht die Mittel.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Armin Töpfer: Betriebswirtschaftslehre: Anwendungs- Und Prozessorientierte Grundlagen. 2. Ausgabe, Springer Verlag, 2007, ISBN 978-3-540-49394-5, Seite 64.
  2. Manfred Bruhn: Wirtschaftlichkeit des Qualitätsmanagements. Springer Verlag, 1998, ISBN 3-540-63033-3, Seite 99.
  3. Gabler Wirtschaftslexikon
  4. Hans Albert: Ökonomische Ideologie und politische Theorie. Verlag Otto Schwartz & Co : Göttingen 2. Aufl. 1972. S. 13 ff.
  5. Gunnar Myrdal: Das Zweck-Mittel-Denken in der Nationalökonomie. Zeitschrift für Nationalökonomie, 1933. Herbert Giersch: Allgemeine Wirtschaftspolitik. Erster Band: Grundlagen. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler. Wiesbaden 1961, ISBN 3-409-88282-0, S. 53.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ökonomisches Prinzip – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen