Ökophysiologische Klimaklassifikation

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Die ökophysiologische Klimaklassifikation ist die erste integrative Klimaklassifikation und vereint sowohl genetische Elemente des Klimas (genetische Klimaklassifikation), als auch effektive Elemente wie die aktuelle Bodenbedeckung (effektive Klimaklassifikation). Sie ist seit der Klassifikation von Wladimir Köppen (1900) die erste quantifizierte Klimaklassifikation. Die Quantifizierung der fünf Linienelemente (Klimazonen, Isothermomenen, Kontinentalitätsstufen, Isochiomenen) unterscheidet diese von allen bisherigen Klassifikationen.

Besondere Bedeutung hat diese Klimaklassifikation für die Klimamodellierung und die Globale Erwärmung, insofern künftige Änderungen des Systems "Klima-Erdoberfläche-Vegetation" durch Grenzverschiebungen prognostiziert werden können.

Ausgangsproblem bestehender Klassifikationen[Bearbeiten]

Das Problem aller vorhandenen Klassifikationen ist, dass diese in Bezug auf die Vegetation keine quantitativen Parameter heranziehen; auch die auf der Mittelwertklimatologie basierenden Klassifikationen genügen nicht den heutigen Ansprüchen (Lauer 2002). Die Besonderheit ist die Quantifizierung der Grenzlinien.

Im Unterschied zu der neueren Köppen-Geiger-Klassifikation mit 30 Klimatypen ist die Lauer-Klassifikation mit 72 Klimatypen in 4 Klimazonen wesentlich differenzierter.

Empirische Messdaten als Grundlage[Bearbeiten]

Die ökophysiologische Klimaklassifikation baut auf Grundlage empirischer Daten (Klimastationsdaten) und der realen Vegetation als Bezugsgrundlagen auf. Ziel dieser von Wilhelm Lauer, Peter Frankenberg und M. Daud Rafiqpoor entwickelten, integrierten Klimaklassifikation ist es, die durch anthropogene Einflüsse oder natürliche Prozesse (Rodung, Wiederaufforstung, Schadstoffemission, Treibhauseffekt, Waldsterben, etc.) bedingten Wechselwirkungen des Systems "Klima–Pflanze–Boden" als Reaktion der Pflanzendecke auf das Klima mit empirischen Daten zu quantifizieren.

Methodische Grundzüge[Bearbeiten]

Die Bestrahlungszonen der Erde bilden das übergeordnete Gliederungsprinzip der Klimazonierung. Weitere Elemente sind ermittelte und berechnete Größen des Wärme- und Wasserhaushaltes.

"Der Wärmehaushalt wurde als monatliche Dauer der thermischen Vegetationszeit durch die ökophysiologischen Ansprüche der realen Vegetation und Kulturpflanzen berücksichtigt. Der Wasserhaushalt fand seinen Ausdruck durch die monatliche Dauer der hygrischen Vegetationszeit, berechnet auf der Basis der potentiellen Landschaftsverdunstung als physikalisch begründete Wasserbilanz. Durch die Interferenz der Parameter des Wärme- und Wasserhaushaltes ergibt sich ein Gerüst von qualitativ bestimmten Klimatypen. Zur näheren Kennzeichnung der Klimatypen der Außertropen wurden Maritimität / Kontinentalität der Klimate und die Dauer der Monate mit potentieller Schneebedeckung als weitere Kriterien herangezogen. Die Klimate der Hochgebirge wurden, im Gegensatz zu den bisherigen Klassifikationen, in ihrer dreidimensionalen Anordnung in das rechnerisch konzipierte Klassifikationssystem eingebunden (Lauer 2002)."

Klimatypen[Bearbeiten]

Die Klimazonen sind in Tropen, Subtropen, Mittelbreiten und Polarregion differenziert. Die Klimatypen sind nach der "Dauer der thermischen Vegetationszeit" in die thermischen Klassen oligotherm (sehr kurz), mikrotherm (kurz), mesotherm (mittel), makrotherm (lang) und megatherm (sehr lang) eingeteilt. Die "Dauer der hygrischen Vegetationszeit" wird anhand der Klassen prearid, arid, semiarid, subhumid, humid, perhumid und semihumid unterteilt. Insgesamt gibt es 72 Klimatypen.

Literatur und Karten[Bearbeiten]

  • W. Lauer, P. Frankenberg: Klimaklassifikation der Erde. In: Geographische Rundschau 40, Westermann Verlag, Braunschweig 1988.
  • W. Lauer: Klimatologie. Braunschweig 1995
  • W. Lauer: Karte - Die Klimate der Erde auf ökophysiologischer Grundlage. Bonn 2000.
  • W. Lauer: Die Klimate der Erde: eine Klassifikation auf der Grundlage der ökophysiologischen Merkmale der realen Vegetation. Mit 16 Texttabellen, 3 Beilagen, Tabellenanhang, von Wilhelm Lauer und M. Daud Rafiqpoor, Stuttgart 2002.