Ökosoziales Forum

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Das Ökosoziale Forum engagiert sich seit den 1990er Jahren als unabhängiger Verein regional, national und international für nachhaltige und faire Rahmenbedingungen in der globalisierten Wirtschaft. Das Ökosoziale Forum ist eine überparteiliche Plattform in verschiedenen Ländern, mit dem Ziel, die Idee der Ökosozialen Marktwirtschaft bekannt zu machen und in konkretes Handeln umzusetzen. Die Plattform vernetzt Personen und Organisationen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Neben der Funktion als „Drehscheibe für ökosoziales Handeln“ organisiert das Ökosoziale Forum Veranstaltungen, generiert Wissen und leistet in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie in der breiten Öffentlichkeit Bewusstseinsbildung für ein sozial und ökologisch nachhaltiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem.

Aktueller Präsident des Ökosozialen Forums ist der niederösterreichische Landesrat für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Stephan Pernkopf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1968 wurde die Österreichische Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik gegründet, erster Präsident war Karl Schleinzer. 1992 erfolgte die Umbenennung in Ökosoziales Forum, Präsident wurde Josef Riegler. 2001 kam das Ökosoziale Forum Europa als zweiter Verein hinzu, Präsident war ebenfalls Josef Riegler.[1] Mit Jänner 2012 folgte Stephan Pernkopf Franz Fischler als Präsident nach.[2] 2014 wurde Elisabeth Köstinger zur neuen Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa gewählt, Präsident des Ökosozialen Forums blieb Stephan Pernkopf.[3] Ehrenpräsidenten beider Foren sind Josef Riegler und Franz Fischler.[1]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ökosoziale Forum setzt sich für die Umsetzung der Ökosozialen Marktwirtschaft auf regionaler, nationaler und globaler Ebene ein. Ziel der Ökosozialen Marktwirtschaft ist eine nachhaltige Gesellschaft, die in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext in drei Dimensionen zukunftsfähig agiert: ökologisch, sozial und ökonomisch. Gerade in der aktuellen Finanz-, Wirtschafts- und Umweltkrise kann die Ökosoziale Marktwirtschaft neue Wege für nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln aufzeigen. Das Ökosoziale Forum setzt sich aktuell vor allem ein für:

  • ein modernes, ökologisches und sozial gerechtes Steuersystem in Österreich
  • mehr Transparenz und Stabilität auf den internationalen Finanzmärkten, z. B. durch Einführung einer Finanztransaktionssteuer
  • einen Weltvertrag auf Basis von Klimagerechtigkeit
  • die weltweite Anerkennung und Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung
  • die Einhaltung des 0,7-Prozent-Versprechens in der Entwicklungszusammenarbeit
  • eine Perspektivenentwicklung für eine moderne, nachhaltige Agrarpolitik

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ökosoziale Forum gliedert sich in zahlreiche Unterorganisationen. Neben dem Ökosozialen Forum Europa gibt es nationale und regionale Verbände.

  • Ökosoziales Forum Österreich
    • Ökosoziales Forum Wien

Das Ökosoziale Forum Deutschland vollzog zum 1. Januar 2013 eine Fusion mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.[4]

Global Marshall Plan Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Logo der Global Marshall Plan Initiative

Im Jahr 2003 gründete das Ökosoziale Forum Europa in Kooperation mit dem Club of Budapest, der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und der Stiftung Weltvertrag eine neue Initiative für Weltfrieden, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Ebenfalls an der Gründung beteiligt waren zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und dem NGO-Bereich sowie Umweltverbände, karitative und kirchliche Organisationen. Die Global Marshall Plan Initiative setzt sich weltweit für sozial- und umweltpolitische Standards ein. Zur Durchsetzung eines gerechteren globalen Ordnungsrahmens sind massive strukturelle Änderungen notwendig, die die Etablierung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft ermöglichen sollen. Soziale Sicherheit für alle, eine gerechte Verteilung von Ressourcen und die Erhaltung der natürlichen Umwelt auch für künftige Generationen bilden die obersten Ziele der Initiative.

Fünf Kernziele der Global Marshall Plan Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Die Millennium-Entwicklungsziele müssen bis zum Jahr 2015 erreicht werden.

2. Die seit 1970 mehrfach zugesagte Erhöhung der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens soll realisiert werden. Dies ist zur Finanzierung der Millenniumsziele und der Erhaltung globaler öffentlicher Güter – wie zum Beispiel eine intakte Umwelt, unser kulturelles Erbe, Friede und soziale Sicherheit – nötig.

3. Eine faire und wettbewerbsneutrale Aufbringung der benötigten Mittel soll über die Besteuerung globaler Finanztransaktionen und des Verbrauchs von Ressourcen erreicht werden. Die enorme Zunahme, vor allem kurzfristiger Spekulationsgeschäfte während der letzten Jahre, hat nicht zuletzt einen wesentlichen Beitrag zum rapiden Anstieg der Preise von Öl und Getreide beigetragen. Die Einführung einer Bagatellsteuer von 0,01 Prozent auf Finanztransaktionen wäre auf EU-Ebene machbar und würde ca. 120 Mrd. USD pro Jahr einbringen.

4. Die Etablierung eines neuen globalen Ordnungsrahmens im Sinne der Ökosozialen Marktwirtschaft soll eine Überwindung der aktuellen nicht nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung ermöglichen. Eine Verbindung ökologischer und sozialer Mindeststandards mit (Ko-)Finanzierungsprogrammen könnte hierfür eine mit dem Süden abzustimmende Möglichkeit sein. Die Schaffung verbindlicher politischer Regeln für den Weltmarkt ist bei der Lösung globaler Probleme auf jeden Fall unumgänglich, genauso wie die gleichberechtigte Einbindung von Entwicklungsländern.

5. Eine gerechte Entwicklungspolitik muss von den betroffenen Ländern gesteuert und nachhaltig sein und auch Zugeständnisse des Nordens beinhalten. Eine neu auszuhandelnde Entwicklungspartnerschaft muss zudem gezielt geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Zugang zu Bildung, Erwerbsarbeit und Wohlstand Rechnung tragen.

Hans-Kudlich-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Andenken an den österreichischen Bauernbefreier Hans Kudlich schreibt das Ökosoziale Forum Österreich jährlich den Hans-Kudlich-Preis aus. Erstmals verliehen wurde er im Jahr 1968 von der „Österreichischen Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik“, der Vorgängerorganisation des Ökosozialen Forums. Der Preis geht auf Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers Karl Schleinzer und des Generalsekretärs der „Österreichischen Gesellschaft für Land- und Forstwirtschaftspolitik“, Ernst Brandstätter, zurück.

Der Hans-Kudlich-Preis wird an physische/juristische Personen für besondere Leistungen verliehen, die geeignet sind:

  • das Verständnis der Allgemeinheit für Land- und Forstwirtschaft zu vertiefen. Besondere Berücksichtigung sollen Personen finden, die zur Hebung des öffentlichen Ansehens und des Selbstwertgefühls der Bevölkerung im ländlichen Raum beitragen und die Umsetzung der Ziele der Ökosozialen Marktwirtschaft in der Bevölkerung unterstützen;
  • die harmonische Eingliederung der Land- und Forstwirtschaft in die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unter Wahrung der ökonomischen Leistungsfähigkeit und Verantwortung sowie der sozialen Orientierung und des kulturellen Hintergrundes zu fördern;
  • die Lebens- und Arbeitsbedingungen der in der Land- und Forstwirtschaft Tätigen zu verbessern. Vor allem sollen jene Leistungen ausgezeichnet werden, die zur Schaffung von entsprechenden agrar- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für eine flächendeckende bäuerliche Land- und Forstwirtschaft beitragen und einem fairen System der sozialen Integration dienen;
  • Handlungsperspektiven für einen verantwortlichen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen aufzuzeigen und umzusetzen. Dabei soll der Schutz von Natur und Umwelt sowie die verantwortungsvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen mit einer nachhaltigen multifunktionellen Existenzsicherung in Verbindung gesetzt werden, um das Denken und Handeln in Kreisläufen zu intensivieren. Auszeichnungswürdig sind speziell Leistungen, welche ein ökosozial orientiertes Zusammenwirken der Land- und Forstwirtschaft mit der Industrie, dem Handel, der Gastronomie sowie der Fremdenverkehrs- und Freizeitwirtschaft fördern.
  • im Sinne einer seriösen und kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit bzw. eines herausragend innovativen und inspirierenden Beispiels in der Tradition Hans Kudlichs die vorstehend beschriebenen Zielsetzungen zu fördern, zu unterstützen und einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln.

Agrarische Rundschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Agrarische Rundschau ist eines der bedeutendsten Journale für agrar-, umwelt- und wirtschaftspolitische Fragen in Europa. Die Zeitschrift wird vom Ökosozialen Forum herausgegeben und erscheint sechsmal im Jahr. Sie informiert über aktuelle Entwicklungen im In- und Ausland und versucht, drohende Probleme, Trends und Chancen aufzuzeigen und diese mit nationalen und internationalen Fachleuten zu diskutieren. Jede Ausgabe bietet ein Schwerpunktthema mit ausgewählten Fachartikeln, aktuellen Beiträgen und Interviews, agrar- und umweltrechtlichen Erläuterungen sowie Buchbesprechungen. Zu der Hauptzielgruppe gehören Wissenschaftler, Politiker, Wirtschaftsfachleute, Agrarbeamte, Agrarfunktionäre und Landwirte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ökosoziales Forum: Vorstand & Verein. Abgerufen am 7. Juni 2018.
  2. Generationswechsel beim Ökosozialen Forum: Stephan Pernkopf folgt Franz Fischler als Präsident. OTS-Meldung vom 3. November 2011, abgerufen am 7. Juni 2018.
  3. Ökosoziales Forum feiert ein Vierteljahrhundert Enkeltauglichkeit. OTS-Meldung vom 29. Oktober 2014, abgerufen am 7. Juni 2018.
  4. 16. März 2013: Erste gemeinsame Mitgliederversammlung nach der Fusion von FÖS und ÖSF