Ösch (Fluss)

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Ösch
Kneippstelle an der Ösch bei Recherswil

Kneippstelle an der Ösch bei Recherswil

Daten
Gewässerkennzahl CH: 1354
Lage Mittelland

Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Aare → Rhein → Nordsee
Quellgebiet wenige Kilometer nordöstlich von Burgdorf
47° 4′ 26″ N, 7° 39′ 12″ O
Quellhöhe ca. 650 m ü. M.
Mündung bei Wangen an der Aare in die AareKoordinaten: 47° 14′ 9″ N, 7° 39′ 25″ O; CH1903: 616526 / 231689
47° 14′ 9″ N, 7° 39′ 25″ O
Mündungshöhe 415 m ü. M.
Höhenunterschied ca. 235 m
Sohlgefälle ca. 8,4 ‰
Länge ca. 28 km
Einzugsgebiet 84,5 km²[1]
Abfluss[2]
AEo: 84,5 km²
an der Mündung
MNQ
2,1 m³/s

Die Ösch ist ein rund 28 km langer rechter Nebenfluss der Aare in den Schweizer Kantonen Bern und Solothurn. Sie entwässert einen Abschnitt des Berner Mittellands und des Solothurner Wasseramts und gehört zum Einzugsbereich des Rheins.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ösch bei Halten

Das Quellgebiet der Ösch befindet sich im Kanton Bern wenige Kilometer nordöstlich von Burgdorf auf rund 650 m ü. M., im Weiler Hueb, auf dem Gemeindeboden von Heimiswil am westlichen Rand des Hügellandes der Lueg. Durch ein schmales Erosionstal fließt die Ösch in das Wynigental, das während der letzten Eiszeit eine Schmelzwasserrinne am Rand des Rhonegletschers bildete. Allerdings bleibt der Bach nur für ungefähr 1 km in diesem Tal mit 250 m breitem, flachem Talboden. Beim Weiler Grafenschüren wendet sich die Ösch westwärts, verlässt das Wynigental und fliesst in einem Quertal durch die bewaldeten Molassehöhen, welche einst vom Gletschereis überformt wurden. Dabei nähert sich die Ösch der Emme bis auf einen Kilometer.

Bei Ersigen nordöstlich von Kirchberg (BE) öffnet sich das Quertal, die Ösch erreicht die breite Schwemmebene der unteren Emme und beschreibt nun einen scharfen Bogen nach Norden. Ab jetzt fliesst sie stets in der Nähe des östlichen Rands der Emmeebene und nimmt mit dem Chänerechbach und dem Wynigenbach weitere Bäche auf, welche vom Wynigental durch Quertäler zwischen den Hügeln zur Emmeebene fliessen.

Nördlich von Willadingen, bei Recherswil, tritt die Ösch auf Solothurner Kantonsgebiet über. Sie erreicht hier das verhältnismässig dicht besiedelte Wasseramt und verläuft entlang den leicht gewellten Anhöhen der Moränenlandschaft im äusseren Wasseramt. Nachdem die Ösch zuerst das Gemeindegebiet von Recherswil (die Ösch fliesst hier kurzzeitig zweigeteilt als Luterbrunnen-Ösch und als Willadinger-Ösch) und die Ortschaften Halten, Kriegstetten, Oekingen, Subingen und Deitingen passiert hat, erreicht sie die Aareniederung und wechselt wieder in den Kanton Bern. Nördlich der Ortschaft Subingen wurde in den 1970er Jahren eine Gewässerkorrektion durchgeführt. Das alte Gerinne wird ab diesem Punkt "Alte Ösch" genannt und führt nur noch wenig Wasser. Der Hauptteil des Wassers wird im "künstlich" angelegten so genannten Russbach auf direktem Weg der Aare zugeführt. Bei Wangen an der Aare mündet die heute nur noch spärlich fliessende "Alte Ösch" auf 415 m ü. M. in die Aare.

Einzugsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 84,5 km² grosse Einzugsgebiet der Ösch liegt am Nordrand des Schweizer Mittellands und wird über die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.

Es besteht zu 31,2 % aus bestockter Fläche, zu 58,8 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 9,8 % aus Siedlungsfläche und zu 0,2 % aus Gewässerfläche.

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt 515 m ü. M., die minimale Höhe liegt bei 416 m ü. M. und die maximale Höhe bei 839 m ü. M.[3]

Zuflüsse und Abzweigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wintergrabe (rechter Quellbach), 0,9 km
  • Buechgrabe (linker Quellbach), 1,5 km
  • Räckholtergrabe (links), 0,6 km
  • Passäbnitgrabe (links), 1,5 km, 1,04 km²
  • Holzgräbli (rechts), 0,6 km
  • Chänerechbach (rechts), 9,3 km, 12,4 km², 0,29 m³/s
  • Wynigebach[4] (rechts), 6,4 km, 8,91 km², 0,23 m³/s
  • Luterbrunnen-Oesch (linker Arm)[5], 2,0 km
    • Fürstattwaldgräbli (links), 0,7 km
  • Willadinger-Oesch (rechter Arm), 2,4 km
    • Chrümelbach (rechts), 7,8 km, 4,44 km²
    • Weierbach (rechts), 3,1 km, 2,76 km²
  • Widlibach[6] (links), 2,3 km, 0,93 km²
  • Kleine Ösch[7] (linke Abzweigung), 3,5 km
  • Alte Ösch[8] (rechte Abzweigung)
  • Brunnbach[9] (rechts), 1,9 km
  • Mettlengraben (rechts), 1,5 km
  • Russbach[10] (linke Abzweigung), 3,1 km
  • Neumattkanal (links), 0,7 km
  • Schwarzbach (rechts)

Hydrologie und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gefälle des Baches beträgt im Mittel 0,5 Prozent. Die Ösch ist durch ein pluviales Abflussregime geprägt. Ihre Wasserqualität wird durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flächen im Einzugsgebiet vor allem im Mittel- und Unterlauf stark beeinträchtigt; der Ammonium- und Nitrat-Gehalt liegt über dem Mass, das für einen gesunden biologischen Zustand gefordert wird. Fast die gesamte Strecke der Ösch wurde kanalisiert und teilweise begradigt, so dass heute nur noch wenige Abschnitte am Oberlauf als natürliches Gewässer erhalten sind. Revitalisierungsmassnahmen sind an einigen Streckenabschnitten geplant.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wasserkraft der Ösch wurde früher an verschiedenen Orten für den Betrieb von Mühlen und Sägereien genutzt, zum Beispiel bei Kriegstetten für die Mühle der ehemaligen Herrschaft Halten. Im Wasseramt wird an mehreren Stellen (Oekingen, Subingen, Deitingen) ein Teil des Flusswassers mit Hilfe von Kanälen abgeleitet und teilweise in andere Bachsysteme überführt.

Ein historischer Meilenstein der Technikgeschichte des Kantons Solothurn war die Errichtung eines Kleinwasserkraftwerks an der Ösch im Jahr 1886 bei Kriegstetten. Das ehemalige Oeschkraftwerk erzeugte in einem Gleichstrom-Dynamo 50 PS Strom, der über eine Freileitung in die Sphinx-Werke in Solothurn transportiert wurden.[11] Dies stellte eine innovative Errungenschaft dar, war doch die Kraftübertragung vorher auf lokale mechanische Vorrichtungen angewiesen. Es handelte sich hier um die erstmalige Anwendung der Elektrizität im Kanton Solothurn. Das Kraftwerk stand bis zur Oeschkorrektion von Recherswil, Halten und Kriegstetten im Jahr 1936 in Betrieb.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  2. Mittlere Abflüsse und Abflussregimetyp für das Gewässernetz der Schweiz: Ösch
  3. Topographische Einzugsgebiete der Schweizer Gewässer: Ösch
  4. Linke Abspaltung von der Önz
  5. Die Ösch teilt sich in zwei Arme auf
  6. Mündet in die wiedervereinigte Ösch
  7. Mündet in den Grüttbach
  8. Mündet wieder in die Ösch zurück
  9. Rechte Abspaltung der Ösch
  10. Mündet in die Aare
  11. Fünfundsiebzig Jahre Sphinx-Werke Müller & Cia. AG, Solothurn, 1876–1951, Solothurn 1951.