Österberg (Greding)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Österberg
Stadt Greding
Koordinaten: 49° 5′ 55″ N, 11° 20′ 22″ O
Höhe: 557 m
Einwohner: 138 (12. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91171
Vorwahl: 08463
Österberg aus südlicher Richtung
Österberg aus südlicher Richtung

Österberg ist ein Ortsteil der Stadt Greding im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt auf dem Plateau der südlichen Frankenalb, das sich zwischen dem Schwarzachtal und dem Sulztal im Naturpark Altmühltal ausdehnt, in einer leichten Senke auf 557 Meter NHN nördlich des Gemeindesitzes, der Stadt Greding. Östlich des Dorfes dehnt sich das „Buch“ aus, ein ehemals fürstbischöfliches Waldgebiet. Die Dorfflur ist circa 392 Hektar groß.

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Kugler deutet den Ortsnamen von „ostar“ als „östlich (von Obermässing aus) liegend“.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österberg, heute ein Filialkirchendorf von Obermässing, ist erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt: Der Ortsadelige Chunrad/Konrad von „Osterberch“ übergab zwischen 1146 und 1149 seinen gesamten Besitz samt der Kirche im Ort mit Zustimmung seiner Kinder dem Kloster Plankstetten für einen Jahrtag. Zur Sicherung dieser Schenkung nahm der Bischof von Eichstätt, Gebhard II., sie in seinen und seiner Nachfolger bischöflichen Schutz.[2] Das Dorf wurde am 19. Oktober 1305 im Gaimersheimer Schiedsspruch, der die Auseinandersetzung des Hochstifts Eichstätt mit den kurbaierischen Herzögen um das „Hirschberger Erbe“ beendete, hoheitsrechtlich dem Hochstift zugesprochen.[3] 1350 ist ein Marquart von Viehhausen, gesessen zu „Osterperg“, erwähnt.[4] Als 1398 Bischof Friedrich IV. Graf von Oettingen aus der Erbmasse des Hilpolt vom Stein von Schweiger/Schwaigger/Sweiker von Gundelfingen eine ganze Reihe von Hofstätten und Gütern erwarb, waren darunter der große und kleine Zehent von Österberg.[5] 1414 verlieh das Kloster St. Walburg zu Eichstätt dem Fritz Schenk von Geyern zu Uttenhofen die Pflegschaft über seinen Besitz in Österberg, 1478 an Hans Schenk von Geyern und 1493 an Hieronymus von Rosenberg, Ritter zu Uttenhofen/Jettenhofen.[6] 1484 versuchte der Neumarkter Pfalzgraf Otto II., mit diversen Schikanen die hohe und niedere Gerichtsbarkeit unter anderem über Österberg zu erreichen; Bischof Wilhelm von Reichenau legte daraufhin Protest beim Münchener Herzog ein.[7] 1589 konnte der Eichstätter Bischof Martin von Schaumberg das Patronatsrecht über die Kirche Österbergs von Hans Konrad von Absberg erwerben.[8]

Am Ende des Alten Reiches gehörten die 20 Untertanen des zur Gänze eichstättischen Dorfes folgenden Grundherrschaften:

  • 1 Untertan dem Klosterrichteramt St. Walburg in Eichstätt
  • 1 Untertan dem domkapitlischen Richteramt in Eichstätt
  • 8 Untertanen dem Klosterrichteramt Plankstetten
  • 4 Untertanen dem Pfleg- und Kastenamt Obermässing
  • 6 Untertanen dem Richteramt Greding.

Außerdem gab es ein Hirtenhaus und eine Gemeindeschmiede.[9] Die Hochgerichtsbarkeit sowie die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Richteramt Greding aus – Letzteres mit Ausnahme des Anwesens des Klosters St. Walburg, das dieses Recht wie in Viehhausen selber ausübte.[10]

Nachdem im Zuge der Säkularisation in Bayern das Hochstift Eichstätt aufgelöst worden war, kam Österberg mit dem ehemaligen Hochstift 1802 an Großherzog Erzherzog Ferdinand III. von Toskana und 1805/06 an das neue Königreich Bayern und dort in das Landgericht Beilngries. 1809 wurde der Steuerdistrikt Österberg gebildet, dem noch Kleinnottersdorf und Viehhausen angehörte. 1811 wurde aus dem Steuerdistrikt die Ruralgemeinde Österberg. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurden alle drei Orte eigenständige Ruralgemeinden. 1857 wurde die Gemeinde Österberg mit weiteren sieben Gemeinden aus dem Landgericht Beilngries herausgenommen und dem näher liegenden Landgericht Greding zugeordnet.[11]

1846 gab es bei 128 „Seelen“ im Dorf unter dem Gemeindevorsteher Joseph Bauer außer den Bauern einen Wirt, einen Metzger und einen Schmied.[12] 1875 zählte man im Dorf bei 132 Einwohnern 13 Pferde, 157 Stück Rindvieh, 201 Schafe und 78 Schweine.[13] 1900 war der Viehbestand auf 20 Pferde, 185 Stück Rindvieh, 168 Schafe, 158 Schweine und zwei Ziegen angewachsen.[14]

1903 wurde in Österberg eine Schule errichtet und Kleinnottersdorf und Viehhausen eingeschult. Der Lehrer fungierte gleichzeitig als Organist an St. Stephan.[15] Die Schule bestand bis 1969.[16]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern schloss sich die Gemeinde Österberg am 1. Januar 1972 der Stadt Greding im Landkreis Roth an.[17]

Wasserversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infotafel Wasserversorgung

Über Jahrhunderte hin war die Versorgung von Mensch und Tier mit Wasser auf der wasserarmen Albhochfläche problematisch. Private und öffentliche „Hüllen“, gespeist von Oberflächenwasser, dienten der Versorgung des Viehs mit Wasser und zu Löschzwecken. Außerdem gab es im Dorf zur Gewinnung von Trinkwasser zehn Pump- und Schöpfbrunnen. In sehr trockenen Sommern wurde das Quellwasser aus der Waldschlucht (Naturschutzgebiet Bach und Schluchtwald bei Untermässing) im „Burschl“ aufgefangen und in Holzfässern und Zubern ins Dorf transportiert. 1912 erfolgte nach dem Bau des Wasserturms in Viehhausen der Anschluss an die „Kleinnottersdorfer Gruppe“ und im September 1978 an die „Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe“[18]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1836: 132 (22 Anwesen)[19]
  • 1846: 128 (23 Häuser, 28 katholische Familien)[20]
  • 1875: 132 (87 Gebäude, 26 Wohngebäude)[13]
  • 1900: 150 (27 Wohngebäude)[14]
  • 1938: 143[21]
  • 1950: 165 (27 Anwesen)[22]
  • 1961: 125 (27 Wohngebäude)[23]
  • 1987: 124 (30 Wohngebäude, 31 Wohnungen)[24]
  • 2014: 134[16]
Dorfkirche St. Stephan
Kriegerdenkmal an der Dorfkirche
Kleinbauernhaus Waldstraße 11

Katholische Filialkirche St. Stephanus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filialkirche ist eine romanische Wehrkirche des 12. Jahrhunderts vom Typus Chorturmkirche. 1422 wurde ein St. Georgsaltar konsekriert; 1497 ist ein Sakramentshaus mit ewigem Licht erwähnt.[25] Ab 1690/91 wurde das Kirchenschiff nach Voranschlägen von Johann Baptist Camesino und Jakob Engel nach Westen auf insgesamt 14 × 5,5 Meter verlängert und barock umgestaltet; wegen der Verlängerung bis an die Friedhofsmauer war der alljährliche Umritt um die Kirche am Fest des hl. Stephan nicht mehr möglich. Auch wurde bei diesem Umbau eine Empore eingebaut und der Turm um ein Geschoss erhöht und mit Laterne und Kuppel abgeschlossen. Die Kanzel, eine Obermässinger Schreinerarbeit, kam zur gleichen Zeit in die Kirche. Der 1699 bezahlte Hochaltar zeigt statt eines Altarbildes drei spätgotische Figuren (Maria mit dem Jesuskind, hl. Stephanus, hl. Laurentius; um 1500). Der reiche Stuck des Innenraums stammt aus neuerer Zeit und wurde von Hirsch und Maile aus München gefertigt. Der Turm wurde 1904 zum Teil abgetragen und wiederhergestellt. 1908 kam eine Herz-Jesu-Statue des Innsbrucker Künstlers Stufler in die Kirche. 1911 erhielt der Sakralbau eine 6-Register-Orgel des Eichstätter Orgelbauers Josef Bittner. 1938 waren drei Glocken im Turm, 1764, 1779 und 1930 gegossen.[26] 1872 wurde ein Emeritenbenefizium in Österberg gestiftet.[27]

An religiösen Kleindenkmälern gab es 1938 in der Ortsflur zwei gemauerte Bildsäulen, zwei Kreuze und drei Martersäulen.[28] Ein Bildstock am westlichen Ortsrand und zwei Kleinbauernhäuser (Waldstraße 11 und 12) gelten außer der Kirche als Baudenkmäler.

Siehe Liste der Baudenkmäler in Greding#Österberg

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Obermässing herauf führt die die 1926 gebaute Kreisstraße RH 28 über Kleinnottersdorf in südlicher Richtung nach Österberg.

Der 19 Kilometer lange Rundwanderweg „Quellenwanderweg“, der in Kleinnottersdorf beginnt, berührt auch Österberg.[29]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Österberg, 1896 gegründet
  • Katholische Landjugendbewegung Österberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, IV. Bd., Ulm 1801
  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken. III. Bezirksamt Hilpoltstein, München 1929, Nachdruck München/Wien 1983
  • Felix Mader: Geschichte der südlichen Seglau. (Ehem. Eichstättisches Amt Jettenhofen.) (Pfarrei Burggriesbach.) In: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 53 (1937), S. 1 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österberg (Greding) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 124 (Nr. 367)
  2. Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen: Palm & Enke 1938, S. 120 (Nr. 386); Mader, Kunstdenkmäler, S. 264
  3. Hirschmann, S. 25
  4. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 4 (1889), S. 56
  5. Bundschuh IV, Spalte 259: Buchner I, S. 393; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 92/93 (1999/2000), S. 129
  6. Mader, Seglau, S. 90; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 7 (1892), S. 53, 58
  7. Mader, Seglau, S. 7
  8. Bundschuh IV, Sp. 259; Buchner II, S. 289.
  9. Bundschuh IV, Sp. 258; nach Hirschmann, S. 129 , waren zwei Anwesens domkapitlisch und nur fünf gehörten dem Richteramt Greding.
  10. Hirschmann, S. 129; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 87 (1994), S. 37, 47
  11. Hirschmann, S. 182, 229
  12. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 54
  13. a b Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1163
  14. a b Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 1224 f.
  15. Buchner II, S. 291, 293
  16. a b [1] greding.de
  17. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980, München 1983: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, S. 482
  18. [2] Quellenwanderweg auf kulturwanderungen.de
  19. Th. D. Popp: Matrikel des Bissthumes Eichstätt. Eichstätt: Ph. Brönner 1836, S. 125
  20. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken. Ansbach 1846, S. 54
  21. Buchner II, S. 291
  22. Hirschmann, S. 229
  23. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 797
  24. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 347
  25. Buchner II, S. 288
  26. Mader, Kunstdenkmäler, S. 264–266; Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. [2000], S. 80; Buchner II. S. 289, 291-293; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 61 (1965/66), S. 83 f.
  27. Buchner II, S. 290
  28. Buchner II, S. 293
  29. [3] Wegbeschreibung auf kulturwanderungen.de