Österreichische Bundesbahnen

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ÖBB ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter ÖBB (Begriffsklärung) aufgeführt.
Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 31. März 2004 (In der heutigen Rechtsform)
Sitz Wien, Österreich
Leitung Andreas Matthä[1]
Mitarbeiter 40.031 (2015)[2]
Umsatz 5,17 Mrd. Euro (2015)[2]
Branche Eisenbahnunternehmen
Website konzern.oebb.at
Der Sitz der ÖBB Holding - Am Hauptbahnhof 2, 1100 Wien

Die Österreichischen Bundesbahnen (kurz ÖBB bzw. ÖBB-Konzern; früher Bundesbahnen Österreichs, BBÖ) sind die größte staatliche Eisenbahngesellschaft Österreichs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der ÖBB von 1974 bis 1997 (Pflatsch)

Die schrittweise Verstaatlichung des Bahnnetzes der österreichischen Reichshälfte Österreich-Ungarns begann 1882, wobei die k.k. österreichischen Staatsbahnen (kkStB) entstanden.

Mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie Anfang November 1918 hörten die k.k. österreichischen Staatsbahnen auf zu bestehen. Die jeweiligen Teile des Schienennetzes und der Fahrzeuge fielen an die neuen Staaten Tschechoslowakei, Deutschösterreich, Staat der Serben, Kroaten und Slowenen und Polen sowie an Italien, das Triest, das Isonzotal, Istrien, Südtirol und Rumänien, das die Bukowina annektierte.

Die Staatsbahnen Österreichs firmierten nun als Deutschösterreichische Staatsbahnen, vom 21. November 1919 an als Österreichische Staatsbahnen (ÖStB), vom 10. November 1920, dem Tag des Inkrafttretens der neuen Bundesverfassung, als Österreichische Bundesbahnen. Sie blieben aber vorerst als Teil des Staatsamtes für Verkehrswesen, ab 10. November 1920 des Bundesministeriums für Verkehr, in unmittelbarer Staatsverwaltung.

Am 19. Juli 1923 beschloss der Nationalrat auf Vorschlag der Bundesregierung Seipel II das Bundesbahngesetz, mit dem ein eigener Wirtschaftskörper Österreichische Bundesbahnen als Unternehmung gebildet wurde.[3] Es handelte sich um eine juristische Person des öffentlichen Rechts, nicht etwa um eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH. Die Bundesregierung erließ am gleichen Tag per Verordnung das Statut für die Österreichischen Bundesbahnen und setzte das 1896 für die staatliche Eisenbahnverwaltung erlassene Organisationsstatut außer Kraft.[4]

Die Bundesbahnen konnten in der Zwischenkriegszeit die Abkürzung ÖBB nicht verwenden, da diese schon von der schweizerischen Oensingen-Balsthal-Bahn besetzt war. Es wurde daher die Abkürzung BBÖ verwendet; auf dem Rollmaterial wurde der Unternehmungsname als Bundesbahnen Österreich aufgemalt.

In den wenigen Jahren zwischen der starken Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise trugen die Bundesbahnen zum Erfolg des österreichischen Fremdenverkehrs bei. Tourismusorte mit Bahnanschluss hatten, wie schon vor dem Ersten Weltkrieg, deutliche Wettbewerbsvorteile. Die Bundesbahnen beteiligten sich daher auch an österreichischer Tourismuswerbung im Ausland und richteten Fahrpläne auch nach der touristischen Nachfrage aus.

Die BBÖ waren am 4. März 1933 Auslöser von Österreichs Weg in die Diktatur. Der im Nationalrat entstandene Streit darüber, wie man auf einen Eisenbahnerstreik reagieren solle, führte zu einer Geschäftsordnungskrise, die Bundeskanzler Engelbert Dollfuß dazu nützte, von der „Selbstausschaltung des Parlaments“ zu sprechen und den Wiederzusammentritt des Nationalrats zu verhindern. Dieser konnte erst 1945 wieder aktiviert werden.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurden die BBÖ am 18. März 1938 von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wurden die österreichischen Bahnen in der Aggressionspolitik des Regimes ebenso eingesetzt wie für seinen Terror gegen Juden und andere Minderheiten. Sie waren als Teil der Reichsbahn laut eigener 2012 formulierter Erkenntnis „eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates“.[5] Ohne Bahn als Transportmittel wären die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht und die Massentransporte in die Vernichtungslager nicht machbar gewesen.[6] Hunderttausende Österreicher, darunter die gesamte jüdische Bevölkerung, wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Die Transporte erfolgten mit der Bahn.[5]

Im Kampf der Alliierten zur Befreiung Österreichs wurden bis April 1945 ca. 41 Prozent des österreichischen Bahnnetzes zerstört. Der Wiederaufbau setzte unmittelbar nach Kriegsende ein. Am 20. Juli 1945 nahm die Generaldirektion der österreichischen Staatseisenbahnen den Betrieb auf.

Im Sommer 1947 wurden die ÖBB (die Schweizer Privatbahnen verwendeten ab 1950 die gemeinsame Abkürzung SP für ihre Güterwagen im internationalen Verkehr[7]) als vom Staat verwaltete Unternehmung neu gegründet. Die Infrastruktur wurde wieder aufgebaut und die Elektrifizierung vorangetrieben. Die Bahn zählte mit ihren vielen Mitarbeitern wie das ihr übergeordnete Verkehrsministerium zum Einflussbereich der Sozialdemokraten, die bis 1966 in einer Koalition unter Führung der Konservativen mitregierten.

Mit dem von der konservativen „Alleinregierung“ Klaus 1969 vorgelegten neuen Bundesbahngesetz[8] wurden die ÖBB zum unselbstständigen Wirtschaftskörper erklärt, der als Zweig der Betriebsverwaltung des Bundes geführt wurde, aber vollständig im Budget des Bundes verblieb.

Von den 1960er Jahren an mussten die Bundesbahnen einen beträchtlichen Bedeutungsverlust in Kauf nehmen. Das Automobil setzte sich mit zunehmendem Wohlstand der österreichischen Bevölkerung auch im Privatleben immer stärker als Verkehrsmittel Nr. 1 durch. Wünsche der Autofahrer wurden dank ihrer Interessensvertretungen ÖAMTC und ARBÖ bei Bedarf auch sehr lautstark an die Politik herangetragen; das Interesse für zeitgemäßen, dichten öffentlichen Verkehr, der keine adäquate Interessensvertretung besaß, wurde deutlich geringer. Der Zuschussbedarf der Bahn wurde von Menschen, die die Bahn nicht benützten, oft als „unnötiges Defizit“ kritisiert.

Aus einem 1971 durchgeführten Wettbewerb ging das Logo der ÖBB hervor, der so genannte Pflatsch, der ab 1974 eingesetzt wurde und das bis dahin bestehende Flügelrad ablöste. Der Pflatsch überdauerte 30 Jahre, bis er durch die Wortmarke ÖBB abgelöst wurde.[9]

Logo der ÖBB von 1998 bis 2002

1992 wurden die ÖBB von der Bundesregierung Vranitzky III, einer SPÖ-ÖVP-Koalition, aus dem Bundesbudget ausgegliedert und in eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit (einer Mischform aus GmbH und Aktiengesellschaft) umgewandelt. Die Gesellschaft war zu 100 % im Besitz der Republik Österreich. Die Umwandlung verfolgte zwei Hauptziele: Zum einen galt es anlässlich des bevorstehenden Beitritts Österreichs zur Europäischen Union den EU-Richtlinien zu entsprechen, und zum anderen sollte der Finanzbedarf der öffentlichen Hand bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung und verbesserter Wettbewerbsfähigkeit reduziert werden.

2004 wurden die ÖBB von der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung Schüssel II als Konzern mit der ÖBB Holding AG und operativen Tochtergesellschaften neu organisiert, zum ersten Mal in der Geschichte des staatlichen österreichischen Eisenbahnwesens vollständig nach dem Unternehmensrecht für private Unternehmer. Die Holding soll neben der Wahrnehmung der Anteilsrechte an den nachgeordneten Gesellschaften die einheitliche strategische Ausrichtung des Gesamtkonzerns koordinieren und konzernweite Aufgabenstellungen wahrnehmen.[10] Ab 1. Jänner 2005 wurden die Tochtergesellschaften der ÖBB-Holding AG im Konzern eigenverantwortlich und selbständig operativ tätig. 2012 wurden von der SPÖ-ÖVP-Bundesregierung Faymann I Maßnahmen zugelassen, die die Eigenständigkeit der „Holding-Töchter“ wieder einschränken.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ÖBB sind nach dem Bundesbahngesetz organisiert, das zuletzt 2009 und davor 2003 durch das Bundesbahnstrukturgesetz in großem Rahmen geändert wurde. Seit 1. Jänner 2005[11] sind die Österreichischen Bundesbahnen in vier selbständige Teilgesellschaften gegliedert, an deren Spitze die ÖBB-Holding AG steht, die sich zu 100 % im Eigentum der Republik Österreich befindet.

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzern-Organisation der ÖBB (2005–2009)
Konzern-Organisation der ÖBB (ab 2010)
ÖBB-Konzernorganigramm Stand September 2014

Mit Wirkung vom 1. Jänner 2005 trat eine neue Organisationsstruktur inkraft, welche im Vorfeld heftig kritisiert wurde. Kern der neuen Struktur ist die Einrichtung von selbständigen Teilgesellschaften. Ziel der Reform war eine Trennung zwischen Bahninfrastruktur und Bahnbetrieb.

Die ÖBB-Holding AG (Sitz Wien 10, Am Hauptbahnhof 2)[12] nimmt die Anteilsrechte des Bundes wahr und sorgt für eine einheitliche strategische Ausrichtung des Konzerns. Ihr sind drei operative Töchter zugeordnet:[13]

  • ÖBB-Personenverkehr Aktiengesellschaft, zuständig für Fern- und Nahverkehr (Sitz Wien 10, Am Hauptbahnhof 2)
  • Rail Cargo Austria Aktiengesellschaft (RCA), zuständig für Güterverkehr und Logistik
    • Rail Cargo Hungaria Zrt. (vormals MÀV Cargo), ungarische Schienengütersparte, 100% Tochter
    • ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH, 50 % Tochter
    • ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH, 51 % Tochter
    • Rail Cargo Logistics - Austria GmbH
  • ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, zuständig für Trassenvergabe, Betrieb und Wartung des Schienennetzes sowie der Planung, Projektierung und Bau der Infrastruktur (Sitz Wien 2, Praterstern 3)
    • ÖBB-Immobilienmanagement Gesellschaft mbH, 100 % Tochter
    • Mungos Sicher & Sauber GmbH, 100% Tochter für Reinigung und Sicherheit
    • Rail Equipment GmbH, 100% Tochter zur Vermietung von schienengebundenen Fahrzeugen

Weitere Töchter der ÖBB-Holding AG:

  • ÖBB-Business Competence Center GmbH 100% Tochter
  • ÖBB-Werbung GmbH 100% Tochter
  • European Contract Logistics- Austria GmbH 100% Tochter

Die Teilgesellschaften Personenverkehr AG und Rail Cargo Austria AG sind miteinander zu 100 % beteiligt an:

  • ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH (Traktion und Verschub)
  • ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH

Während bei den Technischen Services die Mehrheitsverhältnisse zu 51 % bei der Rail Cargo Austria AG liegen, ist die Produktion zu gleichen Teilen im Besitz der beiden Gesellschaften.[14]

Zeitliche Umsetzung der ÖBB-Reform (Bundesbahnstrukturgesetz 2003)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basisdaten
Titel: Bundesbahnstrukturgesetz 2003
Langtitel: Bundesgesetz, mit dem das Bundesbahngesetz 1992, das Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesetz, das Hochleistungsstreckengesetz, das Bundesgesetz zur Errichtung einer 'Brenner Eisenbahn GmbH', das Bundespflegegeldgesetz, das Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz, das Arbeitsverfassungsgesetz und das Angestelltengesetz geändert werden und mit dem das Bahn-Betriebsverfassungsgesetz aufgehoben wird
Typ: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Republik Österreich
Rechtsmaterie: Kollektives Arbeitsrecht
Fundstelle: BGBl. I Nr. 138/2003[15]
Datum des Gesetzes: 30. Dezember 2003
Inkrafttretensdatum: 30. Dezember 2003
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Die Organisation der Österreichischen Bundesbahnen beruht auf dem Bundesbahnstrukturgesetz 2003,[15] das im Besonderen das Bundesbahngesetz 1992[16] änderte. Die Änderung der Gesellschaftsform der Österreichischen Bundesbahnen wurde nicht auf einmal, sondern in mehreren Etappen vorgenommen:[17]

  • 1. Jänner 2004: Das Bundesbahnstrukturgesetz wird in Kraft gesetzt
  • 31. März 2004: Gründung der ÖBB-Holding AG
  • 17. Mai 2004: Gründung der ÖBB-Personenverkehr AG, der Rail Cargo Austria AG, der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG, der ÖBB-Dienstleistungs GmbH und (als Vorgriff zur ÖBB-Infrastruktur Bau AG) der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
  • 30. Juni 2004: Gründung der ÖBB-Traktion GmbH und der ÖBB-Technische Services GmbH
  • 30. September 2004: Abspaltung des Teilbetriebs ÖBB-Dienstleistungs GmbH
  • 30. Dezember 2004: Einbringung der Bundesanteile der Brenner Eisenbahn GmbH in die „ÖBB-alt“
  • 1. Jänner 2005: Abspaltung von 17 Teilbetrieben
  • 16. März 2005: Umwandlung der „ÖBB-alt“ in die ÖBB-Infrastruktur Bau AG
  • 20. April 2005: Verschmelzung der 1989 gegründeten und vordem selbständigen Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) und des Finanzierungsteils der Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft mbH (SCHIG) mit ÖBB-Infrastruktur Bau AG

Bahnreform 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das österreichische Parlament hat mit Publikation vom 19. August 2009 ein Bundesgesetz[18] verabschiedet, das drei einschlägige Bahngesetze ändert. Die meisten Änderungen wurden im Bundesbahngesetz[19] vorgenommen.

Basisdaten
Titel: Änderung des Bundesbahngesetzes, des Privatbahngesetzes 2004 und des Eisenbahngesetzes 1957
Langtitel: Bundesgesetz, mit dem das Bundesbahngesetz, das Privatbahngesetz 2004 und das Eisenbahngesetz 1957 geändert werden
Typ: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Republik Österreich
Fundstelle: BGBl. I Nr. 95/2009
Datum des Gesetzes: 18. August 2009
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Folgende Änderungen wurden rechtskräftig:

  • ÖBB-Infrastruktur Bau AG und ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG werden ÖBB-Infrastruktur AG
  • ÖBB-Traktion GmbH wird ÖBB-Produktion GmbH
  • Brenner Eisenbahn GmbH (BEG) wird rückwirkend per 1. Jänner 2009 vollständig in die ÖBB-Infrastruktur AG integriert
  • Auslagerung des Infrastruktur-Teilbereichs Verschub in die ÖBB-Produktion GmbH

Management (ÖBB Holding AG)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: Mai 2016 [20]

Vorstand
Aufsichtsrat

Generaldirektoren der Österreichischen Bundesbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Ritter von Ghega
Christian Kern

Die Leitung der Österreichischen Bundesbahnen und ihrer Vorläufer wurde folgenden Personen übertragen:[21]

Generaldirektoren für Staatseisenbahnen (1842–1848)
Generalbaudirektion (1850–1852)
  • Carl Ritter von Ghega (…–…)
Zentraldirektion für Eisenbahnbauten (1852–1859)
  • Carl Ritter von Ghega (…–1859)
Generalinspektion der Österreichischen Eisenbahnen (1874–1919)

(ab 1875 als Behörde mit Generaldirektor, ab 1879 mit aufgeteilten Kompetenzen)

  • Wilhelm Nördling (1875–1879)
Direktion für Staatseisenbahnbetrieb (1882–1884)
Generaldirektion der k.k. Staatsbahnen (im k.k. Handelsministerium, 1884–1896)
1896–1918 k.k. Eisenbahnministerium mit mehreren Sektionen, kein Generaldirektor
Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen (1923–1938)
  • Hans Siegmund (1. Oktober 1923–Dezember 1924)
  • Josef Maschat (Dezember 1924–Dezember 1926)
  • Rudolf Foest-Monshoff (Dezember 1926–März 1930)
  • Hans Sedlak (März 1930–Oktober 1930)
  • Franz G. Strafella (2. Oktober 1930–5. Juni 1931)
  • Egon Seefehlner (Juni 1931–März 1933)
  • Anton Schöpfer (März 1933–März 1938)
Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen (1945–31. März 2004)
  • Ernst R. Kaan (Leiter Staatseisenbahn) (Juni 1945–19. Mai 1947)
  • Ernst Seidler (20. Mai 1947–31. Dezember 1953)
  • Vinzenz Übeleis (1. Jänner 1954–31. Dezember 1954)
  • Maximilian Schantl (13. Jänner 1955–31. Dezember 1966)
  • Bruno Kepnik (1. Jänner 1967–31. Dezember 1968)
  • Karl Kalz (1. Jänner 1969–13. Juni 1974)
  • Wolfgang Pycha (14. Juni 1974–13. Juni 1984)
  • Ernst Gollner (14. Juni 1984–30. April 1987)
  • Heinrich Übleis (1. Mai 1985–31. Juli 1993)
  • Helmut Draxler (1. August 1993–31. Juli 2001)
ÖBB-Holding AG (seit 1. April 2004)

Führungswechsel 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. April 2008 hatte Generaldirektor Martin Huber seinen freiwilligen Rücktritt angeboten (seit Jahresbeginn stand er wegen Spekulationen, umstrittener Immobiliendeals und Gehälter in der Kritik).[24] Finanzvorstand Erich Söllinger, der für massive Verluste aus Finanzspekulationen – für „Collateralized Debt Obligations“ (CDO) in Höhe von 612,9 Mio. € mussten nun rund 230 Mio. € in den ÖBB-Bilanzen rückgestellt werden[24] – mit der Deutschen Bank im Jahr 2005 ohne Befassung des Aufsichtsrates verantwortlich gemacht wurde, reichte am 21. April 2008 selbst seine Kündigung ein. Er verließ den Vorstand im Oktober 2008. Gustav Poschalko schied im November 2008 aus dem Vorstand aus. Der Vorstand wurde, nachdem dieser erst im Dezember 2007 auf vier Personen aufgestockt wurde, wieder auf zwei Personen reduziert. Am 26. Mai 2008 wurde der bisher für Infrastruktur zuständige Holding-Vorstand und vormalige Vorstandschef der Infrastruktur Betriebs AG Peter Klugar, der bisher die Geschäfte interimistisch führte, vom Aufsichtsrat offiziell zum Vorstandssprecher der ÖBB Holding AG ernannt. Die freiwerdende Stelle des Finanzvorstandes wurde neu ausgeschrieben.

In seiner Antrittspressekonferenz am 27. Mai 2008, die er gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Pöchhacker abhielt, erklärte Peter Klugar, dass mittelfristig die Zahl der Mitarbeiter leicht steigen soll. Weiters kündigte Klugar eine Qualitätsoffensive in bestehende Strecken an und will in diese um rund 20 % mehr investieren. Ebenso soll es unter seiner Führung keine weiteren Einstellungen von Nebenbahnen geben, doch sollen einige Strecken gänzlich aufgelassen werden, so keine Gebietskörperschaften die Nachnutzung übernehmen. Wie Horst Pöchhacker ausführte, sollen in Zukunft die vier Teilgesellschaften gestärkt werden und die Holding AG sich mehr zurückziehen. Pöchhacker begründete dies damit, dass der Umbau der ÖBB abgeschlossen sei und zur Durchsetzung der Ziele eine starke Holding nicht mehr erforderlich ist.[25]

Zahlen, Daten und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl der Personenzüge am Netz der ÖBB-Infrastruktur (2015)

Sämtliche Daten Stand 2015.[26] Die Zahlen in Klammer geben die Vergleichswerte für das Jahr 2014 an.[27] Sämtliche Geldbeträge sind in Millionen Euro angegeben.

Ertragskennzahlen nach IFRS des ÖBB-Konzerns:

  • Gesamterträge 6.345 (6.355)
  • Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen -1.751 (-1.764)
  • Personalaufwand -2.337 (-2.408)
  • Sonstige betriebliche Aufwendungen -451 (-460)
  • EBITDA 1.806 (1.723)
  • Abschreibungen (inkl. Wertminderungen) -949 (-859)
  • EBIT 857 (864)
  • Finanzergebnis -664 (-692)
  • EBT 193 (172)
  • ROCE (in %) 3,7 (3,9)

Bilanzkennzahlen nach IFRS des ÖBB-Konzerns (in Mio. EUR, gerundet):

  • Bilanzsumme 26.475 (25.746)
  • Langfristige Vermögenswerte 25.140 (24.334)
  • Kurzfristige Vermögenswerte 1.335 (1.411)
  • Eigenkapital 1.922 (1.692)
  • Eigenkapitalquote 7,3% (6,6%)
  • Finanzverbindlichkeiten 22.317 (21.811)
  • Investitionen Brutto 2.032 (2.057)
  • Net Debt/EBITDA Ratio 11,8 (12,1)
  • Net Gearing Ratio 11,1 (12,3)

Mitarbeiter des ÖBB-Konzerns:

  • Mitarbeiter 40.031 (39.481)
    • davon Mitarbeiter mit Definitivstellung 23.188 (23.696)
    • zusätzlich Lehrlinge 1.572* (1.609) *Zusätzlich wurden im Geschäftsjahr 2015 128 Lehrlinge über die Allgemeine Privatstiftung für berufliche Bildung aufgenommen.

Operative Kennzahlen des ÖBB-Konzerns (alle Angaben 2014):

  • Fahrgäste (pro Jahr) 466 Mio.
    • davon Schiene Nahverkehr 201 Mio.
    • davon Schiene Fernverkehr 34 Mio.
    • davon Bus 231 Mio.
  • Personenkilometer Zug (pro Jahr) 10,7 Mrd.
    • davon Nahverkehr 5,1 Mrd.
    • davon Fernverkehr 5,6 Mrd.
  • Personenkilometer (pro Jahr) Bus 2,9 Mrd.
  • Tonnenkilometer Güter (Tonnen pro Jahr) 29 Mrd.
  • Züge (pro Tag) 6.360
    • davon Nahverkehr 4.000
    • davon Fernverkehr 280
    • davon Güterverkehr 2.080
  • Zugfahrten (pro Jahr) 2.319.826
  • Loks 1.118
  • Personenwagen 2.694
  • Güterwagen 23.946
  • Anzahl Busse 2.200

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 2014.

Anlagen und Betrieb:

  • Betriebslänge Streckennetz (in km): 4.865
  • Gleiskilometer (inkl. Weichenlänge): 9.752
  • Tunnel: 248
  • Brücken: 6.335
  • Elektronische Stellwerke: 290
  • Signale: 25.521
  • Eisenbahnkreuzungen (Bahnübergänge): 3.495
  • Lawinen- und Steinschlagschutz (km): 171
  • Fels- und Böschungslehnen (ha): 2.712
  • Lärmschutzwände (km): 854
  • Bahnsteige (km): 389
  • Bahnhöfe und Haltestellen: 1.110
  • Aufzüge: 645
  • Rolltreppen: 188
  • Lautsprecheranlagen: 1.906
  • Uhren im Kundenbereich: 3.930

Bahnstrom:

  • Eigenerzeugung Bahnstrom in ÖBB-Kraftwerken: 668 GWh
  • Bahnstrom ab Oberleitung: 1.740 GWh
  • Bereitgestellter Bahnstrom aus erneuerbaren Energieträgern: 92,5%
  • Wasserkraftwerke: 10

Immobilien:

  • Gebäudeflächen inkl. vermieteter Außenflächen (in Mio. m²): 2,8
  • Grundstücksfläche (in Mio. m²): 196
  • Gebäude (Hochbau): 4.682

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Railjet der ÖBB („Spirit of Salzburg“) in Graz (2008)
Ein ICE der ÖBB auf Trisannabrücke (2007)
Ein ÖBB-EuroCity auf der Semmeringbahn (2006)
Ein mittlerweile ausgemusterter Triebwagen der Reihe ÖBB 4010 in Graz (2002)

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fernverkehr bedient folgende innerösterreichische Hauptlinien. Diese sind:

Darüber hinaus werden folgende internationale Strecken bedient:

Im Fernverkehr der ÖBB PV-AG werden gegenwärtig sieben Zuggattungen und eine Busgattung angeboten:

  • Railjet, kurz RJ – Dieser Hochgeschwindigkeitszug ist seit Ende 2008 das neue Premiumprodukt der ÖBB. Er verkehrt mit den drei Beförderungsklassen First, Business (bis April 2012 Premium) und Economy auf den Strecken Budapest–Wien–München und Wien–Salzburg–Innsbruck–Bregenz/Zürich. Seit dem 18. Oktober 2011 werden Railjets zusätzlich auf den Strecken Wien Meidling – Graz und Wien Meidling – Villach (– Lienz) eingesetzt.
  • Intercity-Express, kurz ICE – In Österreich verkehren ausschließlich ICE T. Seit dem Fahrplanwechsel am 8. Dezember 2007 verkehren zwei Zugpaare zwischen Wien und Frankfurt sowie drei Zugpaare zwischen Wien und Dortmund. Weiters gibt es noch ein Zugpaar Innsbruck – Kufstein – München – Nürnberg – Berlin – Hamburg und eines Innsbruck – Karwendelbahn – München – Nürnberg – Berlin (– Stralsund an Sonntagen).
  • InterCity, kurz IC – Dieser Zug besteht vor allem aus nicht revidierten Wagen der ÖBB und weist keinen revidierten Wagen 1. Klasse auf.
  • EuroCity, kurz EC – Dieser Zug besteht vor allem aus nicht revidierten Wagen der ÖBB oder aus Rollmaterial anderer Bahngesellschaften (DB AG, FS, CD, MAV, SBB, HZ, SZ, JZ). Zentraler Unterschied zum ÖBB-EuroCity war der zumeist nicht revidierte Wagen 1. Klasse. Revidierte Wagen anderer Bahngesellschaften im EC-Verkehr: DB, FS, SZ, HZ, CD
  • EuroNight, kurz EN – Diese Züge verkehren als innerösterreichische bzw. grenzüberschreitende europäische Nachtfernverkehrszüge und bestehen zumeist aus modernem Wagenmaterial von ÖBB, DB, FS, SBB, MAV und SNCF.
  • D-Zug, kurz D – Diese Zuggattung wird von den vier zuvor angeführten Gattungen immer mehr verdrängt und stellt nur noch eine kleine Minderheit aller Zugläufe in Österreich dar. D-Züge kommen vor allem im Verkehr mit Osteuropa und als Spezialzüge zum Einsatz.
  • Intercitybus, kurz IC-BUS – Seit 1. Oktober 2007 fahren diese Busse sieben Mal täglich die Strecke Graz Hauptbahnhof–Wolfsberg (Bahnhof)–Klagenfurt Hauptbahnhof und fünf Mal täglich von Klagenfurt HBF nach Venedig. Neben einem 2. Klasse-Bereich ist der Bus ebenso mit einem 1. Klasse-Bereich ausgestattet.
  • HELLÖ ist eine Marke im Fernbusverkehr, die von der ÖBB Fernbus GmbH betrieben wird. Seit dem 14. Juli 2016 sind die Busse auf Europas Straßen unterwegs. Die Busse fahren in alle österreichischen Nachbarländer sowie nach Kroatien. Vom 14. Juli 2016 bis zum 30. September 2016 wird ein Einsteigerfixpreis angeboten, bei dem jede Verbindung 15 € kostet und jedes Ticket am Reisetag als ÖBB-Vorteilscard (ohne Railplus) genutzt werden kann. Tickets gibt es in der Hellö-App, auf Hellös Website und beim Busfahrer. Im Bus gibt es Steckdosen, einen Snackautomaten und Platz für zwei Rollstühle. Die Hellö-Flotte besteht aus Mercedes-Benz Tourismo 17 RHD.

Im Fernverkehr werden ÖBB-Züge vor allem auf der Westbahn ebenso von Lokomotiven der DB (wie die Baureihe 101) sowie der MAV (Baureihe 1047) und anderen gezogen. Eine Besonderheit stellt die Strecke München–Zürich dar, wo der kurze Abschnitt über Österreich (Lindau Hbf–Bregenz–St. Margrethen) von Zügen bedient wird, die zu 100 % aus Fahrzeugen (Wagen und Lokomotiven) der SBB bestehen. Umgekehrt kommen Lokomotiven der ÖBB vor internationalem Wagenmaterial regelmäßig nach Deutschland und Ungarn. Nach Italien (außer dem ehemaligen Korridorverkehr Lienz–Innsbruck), Tschechien und die Slowakei sind Verkehre beabsichtigt. Auf Grund nicht erfolgter Zulassungen können diese jedoch noch nicht geführt werden. Seit Auslieferung der neuen Lokomotiven der Reihe 1216 („Taurus III“) sind Langläufe nach Italien, Slowenien und theoretisch bis Amsterdam möglich. Der Typ „Taurus II“ (Reihe 1116) könnte theoretisch bis Paris oder Kopenhagen am Zug bleiben.

Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein aus CityShuttle-Wagen bestehender Regionalzug der ÖBB

Im Nahverkehr sind etwa zwei Drittel aller Linien vertaktet, wobei die Taktzeiten auf den Schnellverkehr nicht immer punktgenau, sondern lediglich annähernd festgelegt sind. Die Züge führen ausschließlich 2. Klasse.

Im Nah- und Regionalverkehr der ÖBB PV-AG werden gegenwärtig fünf Zuggattungen angeboten:

  • Regionalzug, kurz R – Züge, die regelmäßig Bahnhöfe und Haltestellen an einer Bahnstrecke mit höherem Fahrgastaufkommen bedienen.
  • RegionalExpress, kurz REX – Steht für beschleunigte Regionalzüge, die nicht an allen Stationen halten.
  • S-Bahn, kurz S – Vertaktete Nahverkehrszüge in Ballungsräumen mit Halten an allen Stationen.
  • Erlebniszug, kurz EZ – Sonderzüge mit teils historischem Rollmaterial für den Freizeitverkehr.

ÖBB-Postbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busverkehr wird vom Tochterunternehmen ÖBB-Postbus GmbH (kurz Postbus) mit ca. 2100 Bussen in ganz Österreich durchgeführt. Der Postbus ist der größte Anbieter von Linienbusdiensten in Österreich.

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis März 2006 betrieben die ÖBB ebenso die Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft und die Wolfgangsee-Flotte. Die Bodensee-Schifffahrt wurde an den Vorarlberger Unternehmer Walter Klaus veräußert, der diese mit seiner Firma „Bodenseeschifffahrt GmbH & Co“ nunmehr unter dem Namen Vorarlberg Lines-Bodenseeschifffahrt (VLB) betreibt. Die Wolfgangsee-Flotte ging gemeinsam mit der Schafbergbahn an die Salzburg AG über.

Tarifangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Handy-Ticket ermöglicht den Kauf der Fahrkarte per SMS. Die Abrechnung erfolgt bei einigen Mobiltelefonbetreibern über die Telefonrechnung, ansonsten ist eine Paybox-Anmeldung zur Nutzung dieses Dienstes erforderlich. Das „Einfach-Raus-Ticket“ richtet sich an kleine Gruppen und Familien. Daneben gibt es Gruppentickets, bei denen, abhängig von der Gruppengröße (1-10 oder mehr Personen), Ermäßigungen von bis zu 30 % auf ÖBB-Fahrscheine gewährt werden.

Ähnlich wie die Deutsche Bahn und die Schweizerischen Bundesbahnen bieten die ÖBB Personenverkehr AG mit der Vorteilscard und der Österreichcard Kundenkarten für regelmäßige Fahrgäste an. Mit diesen kann der Kunde für Fahrkarten Punkte sammeln, welche er im Club & Bonus-Programm gegen Prämien eintauschen kann.

Für Jugendliche unter 26 gibt es Kooperationen mit regionalen Jugendkarten (OÖ: 4youCard, NÖ: 1424, Salzburg: S-Pass). Die Vorteilscard für unter 26-Jährige ermöglicht dadurch Zugang zu den entsprechenden Angeboten.

Die Businesscard kann von Firmen, Vereinen und Institutionen für deren Mitglieder in Anspruch genommen werden (20 % Ermäßigung auf Fahrscheine der ÖBB für einen Zeitraum von drei Jahren, Verlängerung bei Erreichen eines Jahresgesamtumsatzes von 1000 Euro).

Unter der Bezeichnung Sparschiene werden limitierte Sitzplatzkontingente für Ziele im In- und Ausland von 6 Monaten bis maximal 3 Tagen vor Abfahrt zu vergünstigten Konditionen verkauft (ab 9 EUR). Vorteil für das Unternehmen ist eine tendenziell bessere Vorausplanung und Auslastung, Vorteil für den Kunden eine günstigere Fahrkarte, Nachteil, dass bei Nichtantreten der Reise die Fahrkarte verfällt, im Gegensatz zu einer normalen Bahnfahrkarte, die weitaus länger gültig ist. Die Karten werden online verkauft. Damit eine Fahrtstrecke als Sparschiene verfügbar ist, muss diese länger als 150 km sein und zumindest ein Fernverkehrszug oder ein Intercity-Bus dabei genutzt werden.[28]

Generelles Rauchverbot in allen Zügen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. September 2007 besteht ein generelles Rauchverbot in allen Zügen der ÖBB. Bisher galt dieses nur in Zügen des Nahverkehrs. Da – laut ÖBB-Statistik – 90 % der Reservierungen für den Nichtraucherbereich nachgefragt werden, entschieden sich die ÖBB, die Umstellung durchzuführen. Andere Bahnen, wie etwa die Graz-Köflacher Bahn, führten das Rauchverbot in den Zügen schon früher ein. Seit dem Inkrafttreten der Tabakgesetznovelle 2008 gilt in Österreich zusätzlich ohnehin ein gesetzliches Rauchverbot in allen Räumen öffentlicher Orte, was ex lege auch „nicht ortsfeste Einrichtungen des öffentlichen und privaten Bus-, Schienen-, Flug- und Schiffsverkehrs“ umfasst.

Catering[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer zehnjährigen Partnerschaft mit der Firma e-express wurden im Jahr 2011 die Catering-Leistungen in den Zügen neu ausgeschrieben. Zuvor wurden Vorwürfe laut, die Firma hätte abgelaufene Waren zum Verkauf angeboten und zudem Lohndumping betrieben. Bis zuletzt dementierte das Unternehmen diese Anschuldigungen.[29] Mit 1. April 2012 übernahm Henry am Zug, eine Tochter des österreichischen Unternehmens Do & Co, das gesamte Catering für die ÖBB. Es umfasst neben den Speisewägen auch das Am-Platz-Service in der Ersten und Business-Klasse, wie auch das Trolley-Service in der Zweiten Klasse. Nach einer Umstellungsphase folgten ein neues Speisenangebot, sowie Preisreduktionen auf bestimmte Warengruppen.[30][31] Im Jahr 2015 kündigte Do & Co den Rückzug aus dem Catering der ÖBB an, nachdem es zu Unregelmäßigkeiten bei Arbeitszeiten und dem gescheiterten Kollektivvertrag kam.[32]

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Rail Cargo Austria

Den Güterverkehr übernimmt die konzerneigene Tochter Rail Cargo Austria, die etwa 11.000 Mitarbeiter beschäftigt.[33] Die Tochterfirma Rail Cargo Hungaria (vormals MÁV Cargo) ist für das Geschäft in Osteuropa zuständig.

Bahnhofsoffensive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der modernisierte Hauptbahnhof Graz
Der modernisierte Bahnhof Krems an der Donau

Mit dem aus Marketing-Gründen geschaffenen Begriff „Bahnhofsoffensive“ wird ein Investitionsprogramm der ÖBB in die österreichischen Bahnhöfe bezeichnet, welches seit 1997 läuft. Die wichtigsten Bahnhöfe in Österreich sollen dabei modernisiert und zu attraktiven Verkehrsknoten umgebaut bzw. als solche neu errichtet werden.

Ursprünglich war geplant, 43 Bahnhöfe und weitere 50 Haltestellen im Rahmen der Bahnhofsoffensive zu sanieren. Nach einer errechneten Kostensteigerung um das Vierfache auf etwa zwei Milliarden Euro (unter anderem weil Kostenpunkte wie notwendige Bahnsteigsanierungen in die Kalkulation nicht miteinbezogen worden waren) wurde das Projekt unter der ÖVP-FPÖ/BZÖ-Regierung (2000–2006) auf 20 größere Bahnhöfe reduziert.[34] Der finanzielle Rahmen dafür beträgt rund 300 Millionen Euro.[35][36]

Fertiggestellt wurden im Rahmen der Bahnhofsoffensive die Arbeiten an den Hauptbahnhöfen Graz, Innsbruck, Linz, Klagenfurt, Leoben, Wels und Wiener Neustadt sowie an den Stationen Wien-Praterstern, Wien-Heiligenstadt, Wien-Hütteldorf, Wien-Meidling, St. Anton am Arlberg, Feldkirch, Kitzbühel, Baden bei Wien, Krems an der Donau, St.Pölten, Wien Westbahnhof, Bruck an der Mur, Attnang-Puchheim, Wien Mitte sowie der Salzburger Hauptbahnhof und der am 10. Oktober 2014 eröffnete Wiener Hauptbahnhof. Der Neubau des Bahnhofs Bregenz ist in Planung.

Darüber hinaus wurden bzw. werden vor allem kleinere Bahnhöfe im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung umgebaut. Das Konjunkturpaket wurde vor allem deshalb eingeleitet, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeitsplätze für Bauarbeiter zu sichern und gleichzeitig die Bahninfrastruktur zu verbessern. Bahnhöfe, die im Zuge dieses Konjunkturpakets bereits umgebaut wurden, sind unter anderem Wolfsberg und Reutte. Geplant oder im Gange sind Arbeiten beispielsweise an den Stationen Leibnitz, Schladming, Zeltweg und Gmunden.

Stromversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Netz der ÖBB wird mit Einphasenwechselstrom 15 kV, 16,7 Hz betrieben. Die Speisung der Unterwerke erfolgt über 110-kV-Bahnstromleitungen, die eigene Erzeugung von Bahnstrom erfolgt mit einer Frequenz von 16,7 Hz. Bis zum 16. Oktober 1995 betrug die nominelle Frequenz 16⅔ Hz.

Die Österreichischen Bundesbahnen betreiben acht eigene Wasserkraftwerke zur Produktion von Bahnstrom in Braz, Spullersee, Fulpmes und Obervellach sowie der Kraftwerksgruppe Stubachtal bestehend aus den Kraftwerken Enzingerboden, Schneiderau, Uttendorf I und Uttendorf II. Für 2017/2018 ist die Inbetriebnahme des Kraftwerkes Tauernmoos geplant, das allerdings direkt keinen Bahnstrom erzeugt, sondern 50 Hz Drehstrom welcher danach in Uttendorf umgerichtet werden soll. Die für die Bahnstromproduktion benötigten Wassermengen werden in den Speicherseen Tauernmoossee, Weißsee, Ammersee und Salzplattensee, dem Speicher Beimsee und dem Ausgleichsbecken Enzingerboden gesammelt und über Druckrohrleitungen den Turbinen zugeführt.

Der jährliche Gesamtbedarf von etwa 2.200 GWh wird zu einem Drittel durch Eigenerzeugung in den bahneigenen Kraftwerken aufgebracht. Etwa 25 % werden aus vier Partner-Wasserkraftwerken (St. Pantaleon, Weyer, Annabrücke, Steeg) bezogen, der Rest wird aus dem öffentlichen 50-Hertz-Drehstromnetz zugekauft und in fünf Umformerwerken (Ötztal, St. Michael, Bergern, Kledering, Auhof) und einem Umrichterwerk (Timelkam) in Bahnstrom umgewandelt. Ein weiterer Umrichter am Standort Uttendorf soll im Herbst 2014 in Betrieb gehen. Die Lieferanten garantieren den Österreichischen Bundesbahnen, dass die benötigte Strommenge ebenso überwiegend aus Wasserkraft hergestellt wird. Die ÖBB verweisen damit in der Umweltbilanz der Bahnstromversorgung darauf, dass 97 % aus heimischer Wasserkraft kommen.

Reisezugverdichtung, der Ausbau des Nahverkehrs in Ballungszentren, Geschwindigkeitserhöhungen, leistungsfähigere Triebfahrzeuge und Komfortverbesserung lassen den Strombedarf stetig ansteigen. Gegensteuerungsmaßnahmen sind der Einsatz von Elektrolokomotiven, die beim Bremsvorgang Strom in die Oberleitung zurückspeisen („Nutzbremse“) und die Verwendung von Optimierungsprogrammen, die zur Reduzierung der Strom-Übertragungsverluste beitragen. Bestehende Anlagen werden modernisiert und ausgebaut. Bei der Planung neuer Anlagen setzt man weiterhin auf die Nutzung der heimischen Wasserkraft.

Die beiden Kraftwerke Rosenbach und Lassach der ÖBB erzeugen keinen Bahnstrom, sondern liefern Drehstrom. Sie wurden zur Versorgung von Bahnhofsgebäuden errichtet. Erst 1955 wurden diese Gebiete an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel einer zweisprachigen Ansage eines Fernzugs der ÖBB, gesprochen von Chris Lohner
  • Ein Großteil der An- und Durchsagen auf den Bahnhöfen der ÖBB werden seit über 30 Jahren durch die österreichische Schauspielerin und Moderatorin Chris Lohner gesprochen.[37] Der seit 2010 geplante Umstieg auf die elektronisch generierte Stimme „Petra“ wird von Fahrgästen sehr kritisch betrachtet, weshalb Lohners Stimme digitalisiert wurde.[38]
  • Neben den eigenen Linien in Österreich sind die ÖBB zudem der derzeitige Konzessionär und Betreiber der Eisenbahnstrecke im Fürstentum Liechtenstein von Feldkirch in Österreich über den Bahnhof Schaan-Vaduz in Liechtenstein nach Buchs SG in der Schweiz gemäß Staatsvertrag vom 27. August 1870.[39]
  • Im Rahmen von „Cross-Border-Leasing“-Verträgen wurden Bahnhöfe, Lokomotiven, Waggons und Signalanlagen großteils an US-amerikanische Finanzgesellschaften verkauft und mit Rückkaufoptionen wieder zurück geleast. Durch die Krise auf dem amerikanischen Kreditmarkt sind diese Leasingverträge zu einer großen Belastung der ÖBB-Finanzen geworden.[40]
  • Seit Juni 2000 sind die Österreichischen Bundesbahnen Mitglied der TEE Rail Alliance mit der DB AG und der SBB. Sie ist Gründungsmitglied des am 2. Juli 2007 gegründeten Railteams, einem Verbund europäischer Eisenbahngesellschaften.
  • Die Farben auf den Garnituren und das Logo der ÖBB symbolisieren die Flagge Österreichs in rot-weiß(-rot).
  • In den Fernverkehrszügen liegt das Journal Onrail aus.
  • Anfang 2010 haben die ÖBB im Bahnhof Schwarzach im Pongau - St. Veit (Pongau) den ersten BahnStore eröffnet, einen Ticketschalter, an dem neben Fahrscheinen auch Getränke, Snacks, Zeitschriften und andere Produkte des täglichen Bedarfs angeboten werden. Bisher (März 2014) sind diese BahnStores an sieben Bahnhöfen zu finden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lorenz Gallmetzer/Christoph Posch: 175 Jahre Eisenbahn für Österreich, Brandstätter, Wien 2012.
  • Ulrich Schefold: 150 Jahre Eisenbahn in Österreich. Südwest-Verlag, München 1986.
  • Matthias Wiener: ÖBB im Wandel. Eisenbahn Journal, Sonderausgabe 1/2006, ISBN 3-89610-154-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österreichische Bundesbahnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. diepresse.com: Andreas Matthä wird interimistisch ÖBB-Chef. Artikel vom 24. Mai 2016, abgerufen am 24. Mai 2016.
  2. a b Österreichische Bundesbahnen: jährliche Geschäftsberichte (download als pdf)
  3. Bundesgesetz über die Bildung eines Wirtschaftskörpers „Österreichische Bundesbahnen“, BGBl. Nr. 407 / 1923 (= S. 1378 f.)
  4. BGBl. Nr. 453 / 1923 (= S. 1561)
  5. a b ÖBB: Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945
  6. konzern.oebb.at: Verdrängte Jahre. - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945
  7. Birkhofer Beat: Oensingen-Balsthal-Bahn, seit 1899 im Dienst der Region.. 1999, ISBN 3-905404-06-0, Seite 116 und 120/121, mit Foto von 1950 des "ÖBB K2c 104"
  8. www.ris.bka.gv.at RIS = Rechtsinformationssystem
  9. Export, Schriftzug, Pflatsch und Knatsch, Andrea Maria Dusl im Falter 29/2010 vom 19. Juli 2010
  10. ÖBB-Holding AG: Aufgaben
  11. Meldung Die Struktur der ÖBB ab 1. Januar 2005. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2004, ISSN 1421-2811, S. 65
  12. ÖBB Holding Impressum abgerufen am 18. Dezember 2014
  13. Österreichische Bundesbahnen: Organisation
  14. Organigramm, Stand 3. März 2014
  15. a b Bundesbahnstrukturgesetz 2003 BGBl. I Nr. 138/2003 (pdf); Parlamentarische Materialien 93/ME und Zu 93/ME (XXII. GP) Bundesbahnstrukturgesetz 2003
  16. Bundesgesetz zur Neuordnung der Rechtsverhältnisse der Österreichischen Bundesbahnen (Bundesbahngesetz 1992) BGBl. Nr. 825/1992; Parlamentarische Materialien III-162 d.B. (XX. GP) Bundesbahngesetz 1992
  17. Holding AG der Österreichischen Bundesbahnen: Die Umsetzung der ÖBB-Reform
  18. BGBl. I Nr. 95/2009 Änderung des Bundesbahngesetzes, des Privatbahngesetzes 2004 und des Eisenbahngesetzes 1957
  19. Bundesbahngesetz in der Fassung 2009 (PDF-Datei; 222 kB) Abgerufen am 10. Juli 2010
  20. http://www.oebb.at/holding/de/Das_Unternehmen/Organe/index.jsp
  21. ÖBB Handbuch 1997: Generaldirektoren der ÖBB und Vorläufer (S. 43/44, zusammengestellt von Alfred Horn, Bohmann Verlag, Wien, 1997 – ISBN 3-7002-1040-X)
  22. http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/545179/index.do?from=suche.intern.portal
  23. derStandard.at - Andreas Matthä ist neuer ÖBB-Chef. Artikel vom 4. Juli 2016, abgerufen am 4. Juli 2016.
  24. a b Falter: Ganz schön abgefahren
  25. Wiener Zeitung (27. Mai 2008): ÖBB: Strategie-Debatte geht in die heiße Phase
  26. http://blog.oebb.at/backend/wp-content/uploads/2013/11/OEBB_GB2015.pdf (PDF 11 MB)
  27. [1]
  28. OEBB SparSchiene, abgerufen am 6. Juni 2012
  29. http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2730638/oebb-speisewagen-betreiber-dementiert-vorwuerfe.story ,vom 27. April 2011
  30. Do & Co-Catering künftig in ÖBB-Zügen vom 26. Jänner 2012
  31. Do-&-Co-Catering in ÖBB-Zügen auf Schiene vom 2. April 2012
  32. Do & Co beendet Vertrag mit ÖBB-Zugcatering. In: salzburg24.at. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  33. Vgl. www.railcargo.at, Rail Cargo Austria und MÁV Cargo gemeinsam Nummer Eins in Zentral- und Osteuropa, Pressemitteilung vom 2. Dezember 2008. Abgerufen am 5. Oktober 2012.
  34. Kurier: ÖBB-Offensive: Teurer und verspätet (Memento vom 26. August 2010 im Internet Archive)
  35. www.hauptbahnhof-wien.at
  36. www.oebb-immobilien.at
  37. Chris Lohner: Seit 30 Jahren ÖBB-Stimme ORF am 5. Februar 2009, abgerufen am 6. Februar 2009
  38. Chris Lohner bleibt den ÖBB erhalten Wiener Zeitung am 4. August 2011, abgerufen am 14. Januar 2014
  39. Als Nachfolgeunternehmen der Vorarlbergbahn und im Hinblick auf den Staatsvertrag vom 27. August 1870 über die Herstellung einer Eisenbahn von Lindau über Bregenz nach St. Margarethen, sowie von Feldkirch nach Buchs (öRGBl 1871/13, S. 23 ff).
  40. Der Standard (28. Juli 2008): Konzern wird erneut Opfer der US-Kreditkrise

Koordinaten: 48° 10′ 8″ N, 16° 20′ 49″ O