Övelgönne

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Dieser Artikel behandelt das Quartier im Hamburger Stadtteil Othmarschen; zum gleichnamigen Sierksdorfer Ortsteil siehe Sierksdorf, zur gleichnamigen Koppel in Flensburg siehe Stadtpark (Flensburg); vergleiche auch Begriffsklärung Ovelgönne.
Elbstrand in Övelgönne
Blick auf den Sandstrand

Övelgönne (auch Oevelgönne) war bis 1890 eine Landgemeinde im Kreis Pinneberg, bis 1938 ein Stadtteil von Altona und ist seitdem ein Teil des Hamburger Stadtteils Othmarschen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Stadtteils bedeutet „Übelgunst“ und bezieht sich dabei entweder auf die zwielichtige Einstellung der ersten Bewohner oder aber auf die schlechte Bebaubarkeit des Geländes. Einer anderen Überlieferung zufolge kommt der Name von „Übel gegönnt“ (övel gönnt) und deutet auf die Missgunst der Ottensener Bevölkerung gegenüber den Övelgönnern hin. Diese hatten aufgrund ihrer flussnahen Wohnlage die Möglichkeit, sich wertvolles Strandgut, das die Elbe freigab, vor allen anderen anzueignen. Bereits seit vielen Jahren gibt es einen Streit um die richtige Schreibweise. Zur Diskussion stehen „Oevelgönne“ und „Övelgönne“.

Heute bezeichnet man so nur noch den entsprechenden Abschnitt des Elbstrands in Hamburg, elbabwärts des Museumshafens Oevelgönne am Schiffsanleger Neumühlen gelegen, und den schmalen Fußgängerweg, den zahlreiche alte Häuser säumen, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind und lange Zeit von Lotsen und Schiffskapitänen bewohnt wurden.[1] Vom Fußgängerweg Övelgönne führt eine Freitreppe, genannt „Himmelsleiter“, mit 126 Stufen hinauf zur Elbchaussee.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1674 wurde Övelgönne erstmals im Kirchenbuch der Gemeinde Ottensen erwähnt, zu der der Ort gehörte. 1731 wurde Övelgönne selbstständig und kam nach Bildung der Kreise in Schleswig-Holstein 1867 zum Kreis Pinneberg, dem es bis zu seiner Eingemeindung in die kreisfreie Stadt Altona 1890 angehörte.

Am Övelgönner Strand befanden sich früher Schiffswerften, von denen heute nur noch bei Niedrigwasser sichtbare Holzstämme zeugen, über die die Schiffe zu Wasser gelassen wurden.

Museumshafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Övelgönne ist auch der Museumshafen Oevelgönne mit der Ausstellung historischer Wasserfahrzeuge beheimatet. Durch die geplante Zusammenarbeit mit hamburgischen Museen setzte sich der Begriff Museumshafen bei Gründung des Vereins durch. Der Museumshafen Oevelgönne e. V. ist der älteste deutsche Museumshafen in privater Trägerschaft. Einige Schiffe sind Vereinseigentum. Ziel ist die Erhaltung von Wasserfahrzeugen, wie den segelnden Fischerei- und Frachtfahrzeugen der Niederelbe sowie aus dem Nord- und Ostseeraum (Kutter, Ewer und Tjalken), die unter Dampf fahrenden Hafenfahrzeuge (Schlepper), Dienstfahrzeuge mit Motorantrieb (Polizei, Zoll, Feuerschiff) und die Hafenumschlagstechnik (Kräne und Hebezeuge). Am Kai sind Schilder mit Informationen zu den zeitweise vor Ort liegenden Schiffen aufgestellt.

Zwischen Museumshafen und dem Elbstrand verläuft der Neue Elbtunnel, zu erkennen an einem unscheinbaren Belüftungsbauwerk.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elbstrand von Övelgönne mit Strandperle
Findling „Der alte Schwede“ am Elbstrand

Der Strand ist ein beliebtes Ausflugsziel zum Spazierengehen, Joggen und Grillen für die Hamburger Bevölkerung. Zu Ostern werden dort Osterfeuer angezündet, um den Sommer willkommen zu heißen. Dort befindet sich auch das Cafe Strandperle, seit Anfang der 1970er Jahre ein beliebtes Ausflugsziel und laut Autor Frank Rumpf die „Mutter aller innerstädtischen Beachklubs“.[3] Auch in der Folge Der Flußpirat der Kultserie Großstadtrevier und im Buch Ferien für immer von Christian Kracht und Eckhart Nickel wird es erwähnt.

Am Elbstrand liegt der Findling, genannt „Der alte Schwede“, der ein Gewicht von 217 Tonnen, einen Umfang von 19,7 Meter und eine Höhe von 4,5 Meter hat. Er wurde 1999 bei der Ausbaggerung der Elbe gefunden und am 23. Oktober 1999 geborgen.[4]

Im Alten Lotsenhaus wurde am 13. Januar 1745 die Lotsenbrüderschaft gegründet, die sich um die Versorgung von Witwen und Waisen gestorbener Elblotsen kümmerte. Im Jahr 1801 wurde das Alte Lotsenhaus in ein Gasthaus umgewandelt und ist somit, da es heute noch in Betrieb ist, eine der ältesten Gaststätten Hamburgs.[5]

Övelgönne in Literatur und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hamburger Schriftsteller und Maler Hans Leip (Dichter der Lili Marleen) setzte Övelgönne ein Denkmal in seinem Roman Jan Himp und die kleine Brise. Der Maler Ali Schindehütte verewigte Övelgönne in seinem Bildband Die Kinder von Övelgönne.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Siemers (1873–1944), Kaufmann, Reeder und Bankier, wurde in Övelgönne geboren.
  • In Övelgönne wohnte lange Zeit auch der Schriftsteller Peter Rühmkorf, der aber wegen seiner Krankheit nach Schleswig-Holstein zog, wo er seinen Lebensabend verbrachte.
  • Der Koch Tim Mälzer betrieb an der Grenze zu Övelgönne, in Neumühlen, sein Restaurant „Das weiße Haus“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dörte Nicolaisen / Johannes Spallek: Övelgönne/Neumühlen. Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg Nr. 1, Hans Christians Verlag, Hamburg 1975.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oevelgönne 11: Kurort-Architektur im internationalen Stil. In: hamburg.de. Abgerufen am 10. März 2011.
  2. Elbewanderweg. In: Hamburger Kulturbehörde. Abgerufen 10. Dezember 2014.
  3. Frank Rumpf: Hamburgs Strandperle: Mutter aller Beachklubs. In: Die Welt. 7. April 2010.
  4. Jan Haarmeyer: "Alter Schwede" - der Koloss aus der Kälte. In: Hamburger Abendblatt. 16. September 2009.
  5. Gudrun Maurer: Legendäre Orte in Hamburg: was passierte wo? Via Reise Verlag Klaus Scheddel, Berlin 2012, ISBN 978 3 935029 53 7, Seite 100

Koordinaten: 53° 33′ N, 9° 54′ O