Özlem Gezer

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Özlem Gezer (* 1981 in Hamburg-Eppendorf) ist eine deutsche Journalistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gezer wuchs im Stadtteil St. Pauli auf. Sie begann zunächst ein Jura-Studium an der Universität Hamburg, brach es jedoch zugunsten einer Journalismus-Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule ab. Ab dem 18. Lebensjahr ging sie nebenher ihre ersten journalistischen Schritte als freie Mitarbeiterin für die Zeitschrift Stern und für das ZDF in Istanbul. Nach Abschluss der Ausbildung wurde sie im Januar 2012 Redakteurin im Deutschlandressort des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und wechselte 2014 in das Gesellschaftsressort.

Gezer berichtete bisher unter anderem vom Erdbeben von Gölcük 1999, recherchierte zum Fall des Österreichers Josef Fritzl, der seine Tochter jahrzehntelang in einer unterirdischen Wohnung gefangenhielt und missbrauchte, zum Amoklauf von Winnenden, zur islamistischen Terrorzelle im Sauerland und zur Einwanderung armer Menschen aus Südosteuropa nach den EU-Osterweiterungen.[1] 2014 wurde sie mit dem Henri-Nannen-Preis in der Kategorie „Beste Reportage“ ausgezeichnet[2] – für einen Artikel im Magazin „Der Spiegel“ über den Kunstsammler Cornelius Gurlitt, den sie mehrere Tage auf einer Zugfahrt begleitete.

Ende August 2016 kam es in Folge eines Prozesses vor dem Landgericht Hamburg zu einem Vergleich zwischen dem Publizisten Jürgen Todenhöfer und Gezers Arbeitgeber, dem Spiegel. Dabei hat der Spiegel zu allen 14 von Todenhöfer als unwahr bezeichneten Stellen in einem von Gezer verfassten, als „der Märchenonkel“ im Spiegel Heft 3/2016 veröffentlichten Verriss des Todenhöfer-Bestsellers Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“ (C. Bertelsmann, München 2015) „strafbewehrte Unterlassungserklärungen“ unterzeichnet und auch den entsprechenden Online-Artikel entfernt.[3][4][5]

Im Januar 2017 wurde sie stellvertretende Leiterin des Gesellschaftsressorts des Spiegels. Nachdem der Ressortleiter Matthias Geyer in Folge des Fälschungsskandals um Claas Relotius den Spiegel verlassen hatte, wurde sie im Oktober 2019 die Leiterin des Ressorts. Als Reaktion auf den Skandal wurde das Ressort in Reporterressort umbenannt und die Seiten im Magazin für Redakteure aus anderen Ressorts geöffnet.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011: Helmut-Stegmann-Preis für eine Reportage über einen bulgarischen Menschenhändler und die Tagelöhner, die er nach Deutschland vermittelt[7]
  • 2013: „Journalist des Jahres“ in der Kategorie Newcomer (zu gleichen Teilen mit Anita Zielina), verliehen vom Medium Magazin
  • 2014: Henri-Nannen-Preis in der Kategorie „Beste Reportage“ (früher Egon-Erwin-Kisch-Preis genannt)

„Hate Poetry“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 tritt Gezer zusammen mit den Journalisten Deniz Yücel, Yassin Musharbash, Mely Kiyak, Özlem Topçu, Hasnain Kazim, Doris Akrap und Ebru Taşdemir im Rahmen der „antirassistischen Leseshow“ Hate Poetry[8] auf, bei denen sie im Stile eines Poetry Slams rassistische Leserbriefe vorlesen. „Selten war Rassismus so unterhaltsam“, urteilte darüber Die Welt,[9] während die taz[10] von einer „kathartischen Lesung“ sprach. 2014 wurde das Gründungsteam von Hate Poetry in der Kategorie „Sonderpreis“ als Journalisten des Jahres ausgezeichnet.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivlink (Memento vom 17. Mai 2014 im Internet Archive)
  2. Pressemitteilung Henri-Nannen-Preis
  3. Anne Burgmer: Rechtsstreit um „Schmähartikel“: Der „Spiegel“ löscht Text zu Jürgen Todenhöfer, Kölner Stadt-Anzeiger, 30. August 2016.
  4. „RUFMORD-KAMPAGNE GESCHEITERT“ – Jürgen Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite zum Vergleich, 30. August 2016.
  5. „Arrogant und unjournalistisch“ – Jürgen Todenhöfer gewinnt Rechtsstreit mit dem Spiegel, sein Sohn rechnet ab, Meedia, 30. August 2016.
  6. Der "Spiegel" benennt sein Gesellschaftsressort um zeit.de, 2. Oktober 2019
  7. Özlem Gezer mit dem Helmut-Stegmann-Preis 2011 ausgezeichnet
  8. Selbstdarstellung der Hate Poetry (Memento vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive), abgerufen am 20. Dezember 2014
  9. „Gehen Sie doch zurück nach Fickdeppenarschland“, Die Welt vom 1. Februar 2013
  10. „Lachen im Fickdeppenarschland“, die tageszeitung vom 2. April 2012
  11. Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014