Überaktive Blase

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Klassifikation nach ICD-10
N32.8 Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Harnblase
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter dem Begriff überaktive Blase (auch hyperaktive Blase, früher: Reizblase) versteht man eine funktionelle Störung der Blasenfunktion ohne organpathologischen Befund. Es kommt dabei zu einer gehäuften Blasenentleerung (Pollakisurie) mit oder ohne unfreiwilligen Harnabgang (Harninkontinenz). Die Reizblase tritt vornehmlich bei Frauen in der 3. bis 5. Lebensdekade auf.[1][2]

Symptome[Bearbeiten]

Ständiger Harndrang und übermäßig häufiges Wasserlassen (Pollakisurie) stehen im Vordergrund, in manchen Fällen auch (Urge-)Inkontinenz. Ein Brennen beim Wasserlassen fehlt, der ständige Harndrang kann jedoch als suprasymphysärer Schmerz empfunden werden.[1][2]

Ursachen[Bearbeiten]

Neben einem Östrogenmangel werden nicht auffindbare chronische Infekte und psychosomatische Ursachen diskutiert.[2][3] Die Ursache der Symptome kann aber auch in einer Überaktivität und Fehlsteuerung des Blasenmuskels (dem sogenannten Detrusor, lat. Musculus detrusor vesicae) liegen. Der Muskel, der eigentlich in der Füllungsphase entspannt sein sollte, damit sich die Blase ausdehnen kann, spannt sich bei Menschen, die an ÜAB leiden, zu leicht an. Das bedeutet, dass sich der Detrusor noch in der Füllungsphase, also schon bei kleinen Mengen Urin, zusammenziehen kann und Harndrang auslöst, der von manchen Betroffenen nicht unterdrückt werden kann.

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Reizblase ist letztendlich eine „Ausschlussdiagnose“ (keine objektivierbaren organpathologischen Befunde). Empfohlen werden dazu neben Anamnese (eine nächtlich fortbestehende Pollakisurie (übermäßig häufiges Wasserlassen) weist beispielsweise auf eine organische Ursache hin) und körperlicher Untersuchung auch eine Analyse von Vaginalfluor und Urin, Restharnbestimmung, Harnröhrenweitenuntersuchung und -abstrich sowie ergänzend gegebenenfalls Urodynamik einschließlich -flowmetrie, Urethrogramm in Doppelballontechnik und die Urethrozystoskopie.[1][2][3]

Thesen zur Erklärung[Bearbeiten]

Unter neurophysiologischen und psychologischen Gesichtspunkten lässt sich die Symptomatik der Betroffenen als Störung des vegetativen Nervensystems interpretieren, pathophysiologisch wird ein gestörtes Zusammenspiel von Blasen- und Beckenbodenmuskulatur angenommen.[1] Als weiterer Erklärungsansatz wird eine chronische subepithelial gelegene Entzündung im Bereich des Trigonums der Blase postuliert.[2]

Therapie[Bearbeiten]

Symptomatisch können Spasmolytika, Alphablocker, trizyklische Antidepressiva und bei Östrogendefizit (z.B. im Senium) östrogenhaltige Lokaltherapeutika versucht werden. Zur weiteren Therapie kann auch eine psychosomatische Behandlung hilfreich sein. Antibiotika sollten vermieden werden.[1][2]

Prävalenz[Bearbeiten]

In Europa und Kanada sollen 13,9 % der über 40-Jährigen an den Symptomen einer Reizblase leiden.[4]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. a b c d e Sökeland J., ea.a: Taschenlehrbuch Urologie, Thieme Verlag, 2007, S. 396, ISBN 3133006142,
  2. a b c d e f Eichenauer R. H.: Klinikleitfaden Urologie, Urban&FischerVerlag, 2003, S. 306, ISBN 3437227904, hier online
  3. a b Krautzig S.: Basislehrbuch innere Medizin mit Studentconsult-zugang, Urban&FischerVerlag, 2008, S. 949, ISBN 3437410539, hier online
  4. Irwin DE et al. Population-based survey of urinary incontinence, overactive bladder, and other lower urinary tract symptoms in five countries: results of the EPIC study. In: Eur Urol. 2006;50:1306.

Siehe auch[Bearbeiten]

Dysurie, Zystitis

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