Überkritisches Wasser

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Überkritisches Wasser (auch superkritisches Wasser oder scH2O, von englisch supercritical) ist Wasser in einem fluiden Zustand über seiner kritischen Temperatur und seinem kritischen Druck – also jenseits des kritischen Punktes.

Oberhalb des kritischen Punktes ist eine Unterscheidung, ob ein Stoff flüssig oder gasförmig ist, nicht möglich, er ist dicht wie eine Flüssigkeit, hat aber dieselbe Viskosität wie ein Gas. Um in den überkritischen Zustand zu gelangen, muss das Wasser dazu mindestens eine Temperatur von 374,12 °C und einen Druck von mindestens 22,1 MPa (221 bar[1]) – also rund den 218-fachen normalen Luftdruck – haben.

Phasendiagramm von Wasser. Bei Temperaturen und Drücken oberhalb des kritischen Punkts spricht man von überkritischem Wasser.

Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überkritisches Wasser besitzt deutlich andere Eigenschaften als unter Normbedingungen. Es hat die Dichte des normalen Wassers und die Viskosität des Wasserdampfes [1].

Es wird als Lösungsmittel bei der Zersetzung von Elektroschrott, radioaktiv kontaminierter Erde, vielen organischen Verbindungen und weiteren Problemstoffen verwendet [2]. Salze, die sich in normalem Wasser lösen, sind in überkritischem Wasser nicht löslich.

In etwa 500 Kohlekraftwerken weltweit wird überkritisches Wasser im Dampfprozess verwendet [3]. Dabei erreicht der Frischdampf Temperaturen von bis zu 580 °C und Drücke von etwa 270 bar und somit den überkritischen Zustand.[4] Kraftwerke mit überkritischen Frischdampftemperaturen von 700 °C und -drücken von 350 bar befinden sich in der Entwicklung.[4] Der Einsatz von überkritischem Wasser in Kernkraftwerken ist noch Gegenstand der Forschung, z. B. Überkritischer Leichtwasserreaktor [5].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Phänomen der überkritischen Fluide ist seit 1822 bekannt. Damals entdeckte Baron Charles Cagniard de la Tour die Existenz einer kritischen Temperatur, oberhalb der die Phasengrenze flüssig/gasförmig einer in einem Druckgefäß eingeschlossenen Flüssigkeit verschwindet. Im Jahr 2005 wurde überkritisches Wasser im Atlantischen Ozean gefunden, wo es aus zwei Hydrothermalquellen austritt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Bernabei, A. Botti, F. Bruni, M. A. Ricci, A. K. Soper: Percolation and three-dimensional structure of supercritical water. In: Physical Review E. Band 78, Nr. 2, 2008, S. 021505, doi:10.1103/PhysRevE.78.021505.
  • A. G. Kalinichev, S. V. Churakov: Size and topology of molecular clusters in supercritical water: a molecular dynamics simulation. In: Chemical Physics Letters. Band 302, Nr. 5-6, 1999, S. 411–417, doi:10.1016/S0009-2614(99)00174-8.
  • Katharina Truninger: Superkritisches Wasser. In: Horizonte. Nr. 83, 2009, S. 28, PDF (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marc-Denis Weitze: Überraschungen ab 374 Grad Celsius (Memento vom 6. Oktober 2011 im Internet Archive). Neue Zürcher Zeitung, 13. September 2006.
  2. welt.de: Überkritisches Wasser löst Elektroschrott auf, 6. Mai 1997.
  3. Klaus Jacob: Energiegewinnung - Energie aus Teufels Küche. In: Zeit Online. 3. August 2009, abgerufen am 17. März 2012.
  4. a b Moderne Dampfkraftwerke. Abschnitt 700 °C-Technologie. In: BINE Informationsdienst. Fachinformationszentrum (FIZ) Karlsruhe, abgerufen am 17. März 2012.
  5. Vogt Bastian: Analyse eines Druckwasserreaktors mit überkritischem Wasser als Kühlmittel. Dissertation Univ. Stuttgart, 2009.
  6. Catherine Brahic: Found: The hottest water on Earth, New Scientist, 4. August 2008