Übertragungsnetzbetreiber

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Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB, engl. Transmission System Operator, kurz TSO) sind Dienstleistungsunternehmen, die die Infrastruktur der überregionalen Stromnetze zur elektrischen Energieübertragung operativ betreiben, für bedarfsgerechte Instandhaltung und Dimensionierung sorgen und Stromhändlern/-lieferanten diskriminierungsfrei Zugang zu diesen Netzen gewähren. Darüber hinaus haben sie die Aufgabe, bei Bedarf Regelleistung zu beschaffen und dem System zur Verfügung zu stellen, um Netzschwankungen, die sich durch ein Missverhältnis zwischen zu einem Zeitpunkt erzeugter und verbrauchter elektrischer Energie ergeben, möglichst gering zu halten. Die Übertragungs- bzw. Transportnetze sind über Umspannwerke an die engmaschigeren und niederspannigeren Netze der Verteilnetzbetreiber (VNB) angeschlossen, die in der Regel die Versorgung der Endkunden, üblicherweise in Niederspannungsnetzen, gewährleisten. Einzelne Grosskunden wie energieintensive Industriebetriebe können auch direkt an das Übertragungsnetz angeschlossen sein.

Übertragungsnetze stellen natürliche Monopole dar und deren Betreiber unterliegen im Allgemeinen staatlicher Aufsicht. Der Begriff Übertragungsnetzbetreiber wird teilweise auch für Betreiber von Ferngasnetzen benutzt; der korrektere Begriff hierfür ist Fernleitungsnetzbetreiber.

Technik der Stromübertragung[Bearbeiten]

Übertragungsnetzbetreiber betreiben Übertragungs- bzw. Transportnetze mit der Drehstrom-Hochspannungs-Übertragung, in Europa mit einer Netzfrequenz von 50 Hz in Nordamerika mit 60 Hz. Üblicherweise sind Drehstromübertragungsnetze in der Topologie eines Maschennetzes ausgeführt. In speziellen Anwendungsbereichen wie bei Seekabeln oder über sehr weite Entfernungen kommen auch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen zwischen zwei Endpunkten zur Anwendung.

Nationale Besonderheiten[Bearbeiten]

Deutsche Übertragungsnetze von 50Hertz Transmission, Amprion, TransnetBW und Tennet TSO

Staatliche Regulierung[Bearbeiten]

In Deutschland trat 2005 mit der zweiten Novelle des Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) das Modell des „regulierten Netzzugangs“ in Kraft. Es ermächtigt die Bundesnetzagentur, Übertragungsnetzbetreiber zu regulieren.[1] Mit den Vorgaben 3. EU-Binnenmarktpaketes, die mit der Novellierung des EnWG im November 2010 rechtlich gültig wurden und die bis spätestens März 2012 umzusetzen waren, kam es zu weitgehenden Entflechtungsauflagen, die die Umwandlung von integrierten Netzbetreibern zu so genannten „eigentumsrechtlich entflochtenen Transportnetzbetreibern“ (ownership unbundled) oder „unabhängigen Transportnetzbetreibern“ (Independent Transmission Operator, ITO) mit diskriminierungsfreien Netzzugang für alle Marktteilnehmer erforderten. Dazu gehört auch die Anforderung, sich in Namen und Außenauftritt komplett von den Handelsaktivitäten der Konzernmütter abzugrenzen. Diese Bestimmungen führten in der Praxis in Deutschland zu weitgehenden Verkäufen der Netzbetreiber durch die integrierten Stromkonzerne (E.ON, RWE und Vattenfall).

In Österreich ist E-Control die Regulierungsbehörde für Übertragungsnetzbetreiber.

Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, Österreich und der Schweiz[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber:

In Österreich und der Schweiz sind Austrian Power Grid (APG) bzw. Swissgrid die einzigen nationalen ÜNB.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufgaben der Bundesnetzagentur