Budweis

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České Budějovice
Wappen von České Budějovice
Budweis (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: České Budějovice
Fläche: 5556 ha
Geographische Lage: 48° 58′ N, 14° 28′ OKoordinaten: 48° 58′ 27″ N, 14° 28′ 28″ O
Höhe: 381 m n.m.
Einwohner: 93.285 (1. Jan. 2015) [1]
Postleitzahl: 370 01
Kfz-Kennzeichen: C
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Oberbürgermeister: Jiří Svoboda (Stand: 2016)
Adresse: nám. Přemysla Otakara II. 1, 2
370 92 České Budějovice
Gemeindenummer: 544256
Website: www.c-budejovice.cz
Lageplan
Lage von Budweis im Bezirk České Budějovice
Karte
Budweis um 1710
Luftaufnahme des heutigen Stadtzentrums

Budweis (tschechisch České Budějovice; deutsch auch Böhmisch Budweis)[2] ist mit etwa 93.000 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2014) die größte Stadt in Südböhmen und Verwaltungssitz der Südböhmischen Region. Weltweit bekannt ist die Stadt wegen des Budweiser Bieres, sie ist auch Universitätsstadt und Sitz des Bistums Budweis. Das historische Stadtzentrum wurde 1980 in die Liste der städtischen Denkmalreservate in Tschechien aufgenommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung der Ermordung von Bürgermeister Ondřej Puklice, 1467
Marktplatz mit Schwarzem Turm

Den Zusammenfluss der Flüsse Moldau und Maltsch wählte 1265 der böhmische König Přemysl Ottokar II. als Ausgangspunkt für die Gründung der Königsstadt Budweis, mit der er seine Machtstellung gegenüber den Herren von Rosenberg in Südböhmen festigen wollte. Dafür überließ der König dem Čéč von Budweis als Austausch die Burg und den Flecken Velešín.

Die Stadt wurde von Oberösterreich aus und vom Böhmerwald her durch Handwerker und Handelsleute besiedelt, aufgebaut und wuchs dank der königlichen Gunst, der günstigen Lage und den Einnahmen durch Maut und Zölle an der Kreuzung von Handelswegen wirtschaftlich schnell. Vor 1300 war der Baubeginn der bedeutendsten Baugruppe der Stadt, dem Dominikerkloster mit Kreuzgang und Kirche und dem benachbarten Salzstadel, ein Zeugnis der Gotik in Südböhmen. Für die Treue zur Krone wurde Budweis immer wieder belohnt und mit Vorteilen und Privilegien versehen.[3] Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts wurden zwei Kirchen erbaut und die Stadt mit Mauern umgeben. Im Verlauf des unruhigen 15. Jahrhunderts war das katholisch ausgerichtete Budweis eine wichtige Stütze gegen die Angriffe der Hussiten. Mit seinen 4000 Einwohnern gehörte es zu den größten und wichtigsten Städten des böhmischen Königreiches.

Seit dem 14. Jahrhundert lebten in der Stadt auch jüdische Familien, die jüdische Gemeinde wurde jedoch mehrfach an den Rand der Existenz gebracht und zeitweise aus der Stadt vertrieben. Von dieser Vergangenheit zeugt heute der jüdische Friedhof.

Das 16. Jahrhundert brachte der Stadt starkes wirtschaftliches Wachstum vor allem durch die Förderung von Silber. Sie erhielt 1541 die Bergfreiheit, um Erzlager auf eigenem Grund ausbeuten zu können und der wirtschaftlichen Konkurrenz der nahen Bergstadt Rudolfstadt zu widerstehen. 1550 fuhr das erste Salzschiff mit 125 Kufen Salz von Budweis auf der Moldau nach Prag. Auch durch die Fischzucht in den nahe gelegenen Teichgebieten bei Wodnian und deren Vermarktung brachte Gewinn. In Budweis wurden Bauwerke im Stil Renaissance errichtet. In den Fleischbänken entstand 1560 ein Speiselokal für Durchreisende. 1569 wurde in Budweis eine eigene Münzstätte errichtet, die auch Silber verarbeitete, das in den Schachtrevieren um das Städtchen Rudolfov gefördert wurde.

Im Verlauf des Ständeaufstand in Böhmen (1618) und des darauffolgenden Dreißigjährigen Krieges blieb Budweis treu kaiserlich und hatte dadurch viel zu leiden. So war 1618 Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval Comte de Boucquoi dort eingeschlossen; es entstand eine große Not und es gab kaum Brot zu kaufen. 1620 schlug Feldmarschall Baltasar von Marradas in Budweis sein Hauptquartier auf. Die damaligen Befestigungen machten aus der Stadt eine strategisch wichtige Festung, wohin 1631 die böhmischen Kronjuwelen in Sicherheit gebracht wurden und in der St.-Nikolaus-Kirche aufbewahrt wurden. Einige Male flüchteten auch die höchsten Landesbeamten in die Festung Budweis. Während die eigentlichen Kriegsgeschehnisse nur geringe Schäden an der Bausubstanz anrichteten, vernichtete ein Großbrand im Juli 1641 226 Häuser, mehr als die Hälfte der Stadt. Nach Ende des Krieg im Jahr 1648 begann ein langsamer Wiederaufbau der Stadt, der einige Jahrzehnte dauerte. Für die Stadtkirche wurde eine Bettelreise durch Südböhmen und Österreich gestattet. Es kam viel Geld und Material zusammen. Der Abt von Stift Schlägl schenkte zum Beispiel 4.7060 kleine Glasscheiben für die neuen Kirchenfenster.

Die Ära des Barock veränderte deutlich das Aussehen der Stadt, bereicherte Budweis um eine Reihe religiöser Bauten, unter anderem auch um eines der Symbole der Stadt, den Samsonbrunnen am Marktplatz.

Die Theresianischen Reformen und der Josephinismus in der Mitte des 18. Jahrhunderts machten aus Budweis den Sitz eines neu gebildeten Kreises. Zur weiteren kulturellen Bedeutung der Stadt trug der Piaristenorden bei, der sich hier 1762 ansiedelte, ein Gymnasium mit der Unterrichtssprache in Latein einrichtete und für begabte Jungen des Böhmerwaldes eine Ausbildungsstätte wurde. In dieselbe Zeit fällt auch die Entstehung des Stadttheaters. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1785 das Budweiser Bistum gegründet und zwei Jahrzehnte später ein Priesterseminar und ein Philosophisches Institut eröffnet.

Das 19. Jahrhundert brachte der Stadt einen bemerkbaren Aufschwung in einer bürgerlich gewordenen Gesellschaft. Ein besonders erfolgreicher Unternehmer war der Eisenbahn-Ingenieur Franz Anton von Gerstner. Die Pferdebahn von Linz nach Budweis, errichtet zwischen den Jahren 1825 und 1832 als eine der beiden ersten auf dem europäischen Kontinent,[4] verband Budweis als Kopfstation mit der Stadt Linz in Oberösterreich, und gemeinsam mit dem Schiffsverkehr auf der Moldau, der von dem Unternehmer Adalbert Lanna modernisiert und rationalisiert wurde, verbesserte sich der Transport von Waren nach Prag und elbabwärts und nach Wien. Dadurch wuchs auch die Bedeutung der Industrie und des Handels. 1847 verlegten die Söhne des Architekten Joseph Hardtmuth aus Asparn bei Wien die Firma nach Budweis, als in Mugrau in der Nähe der Stadt Graphit gefunden wurde und es entstand als Nachfolger die heutige Firma Koh-i-Noor Hardtmuth, eine Produktion von Bleistiften und keramischen Waren. Die Stadt erhielt durch die Söhne des Joseph Hardtmuth ihre erste große Fabrik mit 2000 Beschäftigten. 1871 entstand die Summerauer Bahn über Kaplice nach Linz. Bis 1890 war die Stadt überwiegend deutschsprachig und bildete mit den Dörfern der Umgebung eine deutsche Sprachinsel. Dann erlangte durch den Massenzuzug von Tschechen allmählich die tschechischsprachige Bevölkerung die Mehrheit, Bürgermeister blieben jedoch bis 1918 und der Entstehung der Tschechoslowakei deutschsprachige Persönlichkeiten – aufgrund des bis dahin geltenden Zensuswahlrechts.

1895 entstand eine Aktienbrauerei, die heutige Brauerei Budweiser Budvar, welche die Stadt international bekannt machte. Als Teil des Protektorats Böhmen und Mähren wurde Budweis 1939 durch die Deutsche Wehrmacht besetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 wurde Budweis Teil der wiedererrichteten Tschechoslowakischen Republik. Der größte Teil der Deutschen wurde vertrieben und gelangte in Eisenbahntransporten nach Österreich und Bayern. Budweis blieb wirtschaftliches und kulturelles Zentrum von Südböhmen und wurde 1949 zum Sitz des neu gebildeten Budweiser Kreises. Seit 1991 ist es Sitz der Südböhmischen Universität České Budějovice und seit 2000 Verwaltungssitz der Südböhmischen Region.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Rot eine schwarzgefugte gemauerte silberne aus dem Schildfuß aufragende Mauer mit drei aufgesetzten ebenso gebildeten Türmen mit goldenem Spitzdach und goldenem Kreuz, der mittlere Turm ist der höhere und breitere. Vor allen ein roter Schild mit dem böhmischen silbernen Löwen, der goldbewehrt, so gekrönt und doppelschwänzig ist.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katasterplan der Stadt

Die Stadt České Budějovice gliedert sich in sieben Stadtteile und elf Katastralbezirke.

  • České Budějovice 1 (zugleich Katastralbezirk): Vnitřní město (Innenstadt) und Sokolský ostrov (Sokol-Insel)
  • České Budějovice 2:
    • Katastralbezirk České Budějovice 2: Stromovka, Čtyři Dvory (Vierhöf), sídliště Máj, sídliště Šumava, sídliště Vltava
    • Katastralbezirk České Vrbné: České Vrbné (Böhmisch Fellern)
    • Katastralbezirk Haklovy Dvory: Haklovy Dvory (Hackelhöf)
  • České Budějovice 3 (zugleich Katastralbezirk): Pražské předměstí (Prager Vorstadt), Kněžské Dvory (Pfaffenhöf) und Nemanice (Nemanitz)
  • České Budějovice 4 (zugleich Katastralbezirk): Husova kolonie und Nové Vráto (Neu Brod)
  • České Budějovice 5:
    • Katastralbezirk České Budějovice 5: Pětidomí, Suché Vrbné (Dürrnfellern), Nové Hlinsko und Pohůrka (Bucharten)
    • Katastralbezirk Kaliště u Českých Budějovic: Kaliště (Kalischt)
    • Katastralbezirk Třebotovice: Třebotovice (Trebotowitz)
  • České Budějovice 6 (zugleich Katastralbezirk): Lannova třída, Nádraží, Vídeňské předměstí (Wiener Vorstadt), Havlíčkova kolonie, Mladé (Lodus) und Nové Hodějovice (Neu Hodowitz)
  • České Budějovice 7 (zugleich Katastralbezirk): Střelecký ostrov (Schützeninsel), Linecké předměstí (Linzer Vorstadt), Rožnov (Strodenitz) und Nové Roudné (Neu Ruden).

Die Katastralbezirke Kaliště u Českých Budějovic und Třebotovice liegen als Exklave östlich des Stadtgebietes.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Budweis unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten [5]:

Rathaus von Budweis

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obus Škoda 25Tr

Budweis liegt an den beiden Hauptverkehrsachsen PragLinz sowie Wien–Budweis–Pilsen.

Diese Nord-Süd-Verkehrsachse ist als Schnellstraße R 3 / E 55 von Prag nach Linz ausgeführt. In den nächsten Jahren soll diese zur Autobahn D 3 ausgebaut werden. Die zweite Achse von Budweis nach Pilsen ist als Schnellstraße R 20 / E 49 ausgeführt.

Daneben existieren diese beiden Verbindungen als Eisenbahnhauptstrecken. Zum einen ist dies die Summerauer Bahn von Linz, welche hier in die Eisenbahnstrecke Nummer 220 nach Prag übergeht. Zum anderen ist dies die Eisenbahnstrecke Nummer 190 nach Pilsen. Beide Strecken sind elektrifiziert. Daneben existieren weitere kleinere Nebenbahnen von und zum Eisenbahnknoten Budweis.

2005 gründete die Stadt zusammen mit dem Jihočeský kraj eine gemeinsame Trägergesellschaft für den früheren Militärflugplatz Planá an der südwestlichen Peripherie, der zu Jahresbeginn 2006 durch Luftstreitkräfte der Tschechischen Republik einer zivilen Nutzung übergeben wurde und bis zum Jahr 2011 für 20 Millionen Euro zum internationalen Flughafen České Budějovice ausgebaut werden sollte, auf welchem Flugzeuge der Größenordnung einer Boeing 737 oder Airbus 318 landen können. Jährlich sollten ca. 600.000 Passagiere abgefertigt werden.

Die durch die Stadt fließende Moldau ist seit 2011 zum Teil schiffbar.[6] Auf einem Abschnitt von gut 8 km findet Personenschifffahrt statt. Das von der Europäischen Gemeinschaft geförderte Projekt ist Teil des Planes, die Moldau bis Budweis schiffbar zu machen. 2010 war die Moldau bis Tyn (Moldaustein) schiffbar. Derzeit laufen die Bauarbeiten für die Staustufen Richtung Budweis. Es wurde geplant, die Baumaßnahmen bis 2014 fertigzustellen.

Bereits zwischen 1909 und 1914 verkehrte in der Stadt die Gleislose Bahn Budweis, einer der ersten Oberleitungsbus-Betriebe der Welt.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Budweis hat eine lange Brauereitradition. Die ortsansässigen Brauereien setzen wieder verstärkt auf den Namen „Budweis“ bzw. „Budweiser[7] und halten verschiedene Namensrechte, abgesehen von den USA:

In der Stadt befindet sich außerdem der Firmensitz des ältesten Bleistiftherstellers der Welt, Koh-i-Noor Hardtmuth.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein für Harry Kende (1927–1945), ermordet vom NS-Regime

Im Ort wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johanna von Herzogenberg: Zwischen Donau und Moldau. Bayerischer Wald und Böhmerwald. Das Mühlvierteil und Südböhmen, Passau 1968, Prestel Verlag München, dort: Budweis S. 178 bis 184
  • Lilian Schacherl: Böhmen. Kulturbild einer Landschaft, Prestel Verlag München, 1968, S. 190 bis 192 Budweis, im Abschnitt: Königliche Diasporen
  • Karl M. Swoboda: Barock in Böhmen, Prestel Verlag München, 1984, Böhmisch-Budweis S. 154, Niklaskirche und Rathaus S. 217 und Hinweise zu deren Freskanten Johann Adam Schöpf
  • Karl Kratochwil, Alois Meerwald: Heimatbuch der Berg- und Kreisstadt Böhmisch-Budweis mit einer Sammlung von alten und neueren Sagen, Böhmisch Budweis, 1930, Karl Kratochwil & Co, Verlag des Sonntagboten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Budweis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2015 (PDF; 504 KiB)
  2. 1920 wurde der tschechische Name Budějovice in České Budějovice und der deutsche Name Budweis in Böhmisch Budweis geändert und durch die Verordnung des Innenministeriums Nr. 20/1921 Sb der Tschechoslowakei verkündet. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs führte die Stadt nochmals kurz ihren ursprünglichen Namen. 1946 wurde schließlich der Name České Budějovice zum einzigen amtlichen Namen der Stadt. Der erste Teil des Namens České („Böhmisch“) dient zur Unterscheidung von der Stadt Moravské Budějovice (deutsch Mährisch Budwitz).
  3. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassung- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 435 ff..
  4. Die andere erste Überland-Pferdebahn auf dem Kontinent war die Bahnstrecke Saint-Étienne–Andrézieux, Güterverkehr ab 30. Juni 1827, Personenverkehr ab 1. März 1832.
  5. Website der Stadt Budweis: Partnerstädte
  6. Bericht von Kam po Česku
  7. „And we’re not using so much the term Ceske Budejovice – for two reasons; one, that most people refer to the city as Budweis and secondly, most Americans can’t pronounce Ceske Budejovice.“ – http://www.radio.cz/en/article/69857