Đổi mới

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Đổi mới (vietnamesisch für Erneuerung) werden die 1986 in Vietnam initiierten marktwirtschaftlichen Reformen genannt. Der wirtschaftlichen Liberalisierung folgte, ähnlich wie in der Volksrepublik China, zunächst keine politische Liberalisierung. Die persönlichen Freiheiten wurden sogar weiter eingeschränkt.[1] Der politische Doi Moi ist erst seit 2006 geplant.[2] Die Umsetzung der Zusagen ist von Seiten der Regierung bislang jedoch kaum zu spüren.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach Ende des Vietnamkrieges wurde in Vietnam zunächst die Zentralverwaltungswirtschaft eingeführt. Unter dem Eindruck drohender Hungersnöte entschloss sich die Kommunistische Partei Vietnams Mitte der 1980er Jahre jedoch zu einem Kurswechsel und setzte eine Reihe großer Reformen um, die den Wandel von der Planwirtschaft zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“, beziehungsweise einer „Multisektoralen Wirtschaft“ mit dominanten staatlichen und genossenschaftlichen Unternehmen einleiteten.

Offiziell wurde der Kurs der Erneuerung auf dem VI. Parteitag der KPV im Jahre 1986 beschlossen. Dieser beinhaltete erhöhte Entscheidungskompetenzen für staatliche Unternehmen, eine marktorientierte Geldpolitik zur Inflationskontrolle, die Stärkung des privaten Sektors, welcher bislang nur in Form von Familienunternehmen existierte, und den Ausbau des Handels mit dem westlichen Ausland, was auch Direktinvestitionen einschließt. Des Weiteren wurde das Bankensystem dezentralisiert, indem das Monobankensystem abgeschafft und weitere Geschäftsbanken neben der steuernden Zentralbank zugelassen wurden. Auch der landwirtschaftliche Sektor erhielt mehr Freiheiten, indem die Bauern selbstständiger über Produktion und Preisgestaltung verfügen durften, da Genossenschaften und Zwangslieferungen weitgehend abgeschafft wurden.

Zu beachten ist, dass die vietnamesischen Reformen aus der Not geboren wurden (fünf Kriege in Folge, die überhastete Angleichung der Systeme in Nord- und Südvietnam sowie die nach dem Zerfall des Ostblocks entstandene Krise), in engen Grenzen bleiben und der Stärkung des Sozialismus dienen sollen. Sie sind insofern eher mit der Neuen Ökonomischen Politik der Sowjetunion zu vergleichen als mit der Politik der Reform und Öffnung in China.[3] So bleiben etwa konstant ca. 65 Prozent der Produktionsmittel Staatseigentum, es gibt strenge Auflagen und Vorgaben für Privatunternehmer, die Gewerkschaft ist nach wie vor sehr stark, und die Partei forderte bereits wieder "mehr Sozialismus"[4] und stellt ein Ende der Reformen für etwa 2020 in Aussicht.[5] [3]

Folgen[Bearbeiten]

Die direkt auf die Reform zurückzuführenden Folgen für Vietnam waren ein intensives Wirtschaftswachstum (nach zuvor negativem Wachstum), eine starke Verringerung der Arbeitslosenzahlen und erhöhte wirtschaftliche Unabhängigkeit von anderen Staaten. Diese führten in den folgenden Jahren auch zur Verbesserung der Beziehungen des Landes zu westlichen Industrienationen wie Japan und den Vereinigten Staaten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Menschenrechtslage nach dem Doi Moi
  2. Seminarbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung: Vietnams Politischer Doi Moi (PDF; 105 kB)
  3. a b The Guardian: Behind Hanoi's neon lights - Vietnam's enduring commitment to socialism
  4. morningstaronline.co.uk
  5. vietnam-kompakt.de: 25 Jahre Doi Moi in Vietnam

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Boothroyd, Pham Xuan Nam (Hrsg.): Socioeconomic Renovation in Viet Nam. The Origin, Evolution, and Impact of Doi Moi. International Development Research Centre, Ottawa 2000, ISBN 0-88936-904-6 (englisch, online).
  •  Andreas Margara: Der Amerikanische Krieg. Erinnerungskultur in Vietnam. regiospectra, Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-48-2.
  •  Geoffrey Murray: Vietnam. Dawn of a New Market. Palgrave Macmillan, 1997, ISBN 0-312-17392-X (englisch).
  •  Helmut Opletal, Werner Clement: Doi Moi. Aufbruch in Vietnam. Wirtschaftsreform und Nachkriegspolitik. In: Wissen & Praxis. Band 92, Brandes & Apsel / Südwind, Frankfurt am Main / Wien 1999, ISBN 3-8609-9292-9.
  •  Peter Wolff, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (Hrsg.): Vietnam. Die unvollendete Transformation. Weltforum Verlag, Köln 1997, ISBN 3-8039-0474-9.
  •  Au Duong The: Vietnam. Die Reformpolitik seit dem VI. Parteitag der Kommunistischen Partei Vietnams. In: Sozialistische und planwirtschaftliche Systeme Asiens im Umbruch. VR China, Vietnam, Nordkorea, Birma, Indien. VISTAS Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-89158-048-7.
  •  Claudia Pfeifer: Konfuzius und Marx am Roten Fluß. Vietnamesische Reformkonzepte nach 1975. Horlemann Verlag, Unkel am Rhein / Bad Honnef 1991, ISBN 3-927905-23-2.