İdil

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İdil
Wappen fehlt
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İdil (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Şırnak
Koordinaten: 37° 21′ N, 41° 54′ OKoordinaten: 37° 20′ 30″ N, 41° 53′ 30″ O
Einwohner: 26.453[1] (2014)
Telefonvorwahl: (+90) 486
Postleitzahl: 733xx
Kfz-Kennzeichen: 73
Struktur und Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Mehmed Muhdi Aslan & Nevin Girasun (BDP)
Webpräsenz:
Landkreis İdil
Einwohner: 73.348[1] (2014)
Fläche: 1.266 km²
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Kaymakam: Ali Karakaya
Webpräsenz (Kaymakam):

İdil (historisch aramäisch ܒܝܬ ܙܒܕܐ Beth Zabday oder ܐܙܟ Āzaḵ; arabisch آزخ Azech, kurdisch Hezex) ist eine Kleinstadt in der Provinz Şırnak im Südosten der Türkei im Tur Abdin.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

İdil liegt etwa 54 km Luftlinie westlich von der Provinzhauptstadt Şırnak, weitere Ortschaften in der Umgebung verteilen sich wie folgt:

Dargeçit
53 km
Öğündük
17 km
Nachbargemeinden Cizre
28 km
Günyurdu
63 km

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jahreszeiten sind sehr ausgeprägt. Viele Niederschläge im Frühling und Herbst; heiße und trockene Sommer, kalte und stark verschneite Winter. Die Temperaturschwankungen belaufen sich auf −10 °C im Winter bis +52 °C im Sommer.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

İdil im Jahre 1999

İdil hat 26.453 Einwohner (Stand: 2014), die größtenteils Kurden sind, daneben gibt es Türken, Araber und Aramäer. Entsprechend der Bevölkerungsstruktur wird überwiegend kurdisch und türkisch gesprochen. Als lokale Besonderheit hat sich in İdil unter arabischem Einfluss ein Dialekt der aramäischen Sprache entwickelt, das Azcheni. Es zählt zu den Turoyodialekten. Sprecher dieses Dialekts leben heute fast ausschließlich außerhalb von İdil.

Azech war ursprünglich fast nur von Assyrern bewohnt. Heutzutage sind die Einwohner zum größten Teil Muslime. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung gehört der Syrisch-Orthodoxen Kirche an und spiegelt somit nur einen kleinen Teil der einstigen Bevölkerungsstruktur wider.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Ort bis zur Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beth Zabday ist eine historische mesopotamische Siedlung. Wann die Stadt genau gegründet wurde, ist nicht bekannt.

Beth Zabday wurde früh christianisiert, der Legende nach durch Mor Agai, den ersten Bischof von Urhoy, und Mor Aho, ebenfalls aus Urhoy. Bereits aus dem Jahr 120 ist ein Bischof von Beth Zabday bekannt, die Stadt war im 3. Jahrhundert einer von 17 Bischofssitzen im Osten.

Perserkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. April 226 eroberten die Perser unter Ardaschir I. Ben Babek, dem Gründer des sasanidischen Reiches, die Stadt. Der persische König Schapur II. (310-379) unterdrückte in den Jahren 337-339 die Bewohner des Gebietes, angeblich fielen seinem Regime an einem einzigen Tag 120.000 Menschen zum Opfer, davon 9.000 in Beth Zabday. Verschiedene Quellen berichten über die unterschiedlichsten Verbannungsorte der nicht getöteten Einwohner.[2]

Nachdem im Jahr 244 der syrische Offizier Felib als Philippus Arabs zum römischen Kaiser wurde, schloss dieser mit den Persern ein Friedensabkommen, das den Frieden in den Grenzgebieten für einige Jahre sicherte.

Im Jahre 360 eroberte Bushabur Beth Zabday für die Perser und ernannte seinen Bruder Zert zum Regenten der Stadt. Er siedelte im Jahre 362 dann einen Teil der Bevölkerung in den Osten des persischen Reiches um. Für lange Zeit gehörte die Stadt Persien und der persischen Kirche (Alte Apostolische Kirche des Ostens) an.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 19. Jh. leitete Schammas Stayfo die Geschicke von Beth Zabday. Nachfolger wurde sein Neffe Shaq Bazo. Dieser verweigerte dem Mire Botan, dem kurdischen Emir von Botan, der seinen Sitz in der heutigen Stadt Cizre hatte, den üblichen Tribut. Daraufhin überfiel Beth Zabday gemeinsam mit Mire Kora, dem „einäugigen Emir“ von Rewanduz, die Stadt. Dies leitete die erste große Fluchtbewegung in der Geschichte von Beth Zabday ein. Zahlreiche Mädchen und Frauen wurden in den Irak entführt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg belagerte die türkische Armee – unterstützt von der deutschen Armee und kurdischen Warlords – die Stadt ab Anfang August 1915. Im Winter 1916/1917 kam es nach der Zerstörung der Felder zu einer Hungersnot und Krankheiten. Viele Familien wanderten aus, vor allem in das nahegelegene Qamischli im heutigen Syrien sowie in den Libanon.

Mit dem Sykes-Picot-Abkommen (1916) wurden die heutigen Staatsgebiete den damaligen Mandatsmächten Frankreich und Großbritannien zugesprochen und der Türkei eine noch nicht feste Grenze. 1923 wurde auf der Lausanner Friedenskonferenz beschlossen, der neu gegründeten türkischen Republik das heutige Staatsgebiet um Beth Zabday zuzuschreiben.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlieh die neue laizistische Türkische Republik unter Kemal Atatürk Christen und Muslimen die gleichen Rechte als Staatsbürger und gaben den nicht türkischstämmigen syrischen Christen türkische Nachnamen. Die allgemeinen Lebensbedingungen der Christen verbesserten sich, und das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen entspannte sich in der Folge etwas. Die Stadt erhielt den türkischen Namen İdil.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden viele Männer eingezogen, und eine große Hungersnot herrschte im Tur Abdin. Hinzu kamen immer wieder Auseinandersetzungen mit kurdischen Muslimen. Hunderte Familien wanderten zu dieser Zeit in das nur 20 Kilometer südöstlich liegende Derik (Malikiye) im heutigen Syrien aus.

Vor dem Hintergrund der griechisch-türkischen Auseinandersetzungen und der Zypernkrise 1964 wurde vonseiten der Kurden auf die Aramäer des Tur Abdin erneut verstärkt Druck ausgeübt. Wieder verließen viele Aramäer Beth Zabday. Meist folgen sie bereits ausgewanderten Verwandten in die syrische Stadt Derik, eine Minderheit ging nach Qamischli, in den Irak und den Libanon.

Als im Jahre 1974 im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen ein Attentat auf den syrisch-orthodoxen Bürgermeister und einige einflussreiche Männer verübt wurde und ein Muslim kandidierte, um den traditionell christlichen Bürgermeister abzulösen, löste das die bisher größte Auswanderungswelle, diesmal nach Europa, aus. Sie erreichte ihren Höhepunkt 1978, als ein Muslim das Amt des Bürgermeisters übernahm. Größere Gemeinden von Emigranten haben sich in einigen Orten und Gegenden Schwedens und Deutschlands gebildet. Einzelne Familien siedelten sich in zahlreichen anderen Ländern an.

Wirtschaft und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Handwerk betreiben die Bewohner dieser Stadt hauptsächlich Landwirtschaft. Sie leben vom Anbau von Getreide, Wein, Obst und Gemüse sowie von der Vieh- und Bienenzucht.

Als zu Beginn der 1960er Jahre ein Rekrutierungsbüro in Diyarbakır Fremdarbeiter für Deutschland anwarb, schickten viele Familien ihre erwachsenen Söhne zum Arbeiten nach Deutschland, damit diese so zum Lebensunterhalt der Familien in İdil beitragen konnten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastien De Courtois: The Forgotten Genocide: Eastern Christians, The Last Arameans. In: Tur Abdin suffers two waves of attacks, The villages of the resistance. 2004, ISBN 1-59333-077-4, S. 34.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel von Raif Toma "Azekh Stadt der Mutigen"

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik (Memento vom 14. Juni 2015 im Internet Archive); abgerufen 12. Juni 2015
  2. Ṯaʿālebī, Ḡorar, S. 530; Acta Martyrum, II, S. 154.