Şereflikoçhisar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die druckbare Version wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.
Şereflikoçhisar
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Şereflikoçhisar (Türkei)
Red pog.svg
Şereflikoçhisar, Provinz Ankara.jpg
Die Hauptstraße Ankara Caddesi mit der Ekici-Moschee
Basisdaten
Provinz (il): Ankara
Koordinaten: 38° 57′ N, 33° 33′ OKoordinaten: 38° 56′ 40″ N, 33° 32′ 31″ O
Höhe: 975 m
Telefonvorwahl: (+90) 312
Postleitzahl: 06 950
Kfz-Kennzeichen: 06
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 64 Mahalle
Bürgermeister: Memiş Çelik (AKP)
Postanschrift: Yeni Mahalle,
Ankara Caddesi No: 116
06950 Şereflikoçhisar / Ankara
Website:
Landkreis Şereflikoçhisar
Einwohner: 34.202[1] (2018)
Fläche: 2.155 km²
Bevölkerungsdichte: 16 Einwohner je km²
Kaymakam: Sedat Yıldırım (seit 2017)
Website (Kaymakam):

Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/EinwohnerOrtFehlt

Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Şereflikoçhisar ist eine Gemeinde und ein flächenmäßig deckungsgleicher İlçe (staatlicher Verwaltungsbezirk) in der Provinz Ankara. Die Gemeinde gehört zur Großstadtkommune Ankara (Ankara Büyükşehir Belediyesi), die alle Gemeinden der Provinz umfasst. Şereflikoçhisar ist somit ein Stadtbezirk (Stadtteilgemeinde) der Großstadt Ankara und sämtliche Siedlungen des Bezirks gehören als mahalle zur Gemeinde Şereflikoçhisar.

Şereflikoçhisar liegt unweit des Tuz Gölü.

Name

Der Name der Stadt, Koç Hisar, auch Koçhisar, stammt von den Seldschuken und bedeutet so viel wie Widderburg. Unter İsmet İnönü wurde in den 1920er Jahren in Absprache mit Mustafa Kemal Atatürk der Name in Şereflikoçhisar geändert, um des heldenhaften Einsatzes der Soldaten aus Koçhisar bei der Schlacht von Gallipoli 1915/16 zu gedenken. Şerefli bedeutet ehrenhaft, ruhmvoll.[2]

Bevölkerung

Der Landkreis Şereflikoçhisar hatte 2016 33.420 Einwohner in 43 Dörfern, in sechs Dörfern lebten Kurden und in drei Dörfern Tataren. In der Stadt selbst wohnten 27.471 Bürger, in den umliegenden Dörfern 5.949 (Stand 2016).[3] Entwicklung der Einwohnerzahl:

Datum Einwohner
1965 69.201[4]
1970 75.675
1975 82.207
1980 79.330
1985 87.893
1990 60.701
2000 59.128
2007 34.808
2008 35.353
2009 35.978
2010 35.989
2011 36.071
2012 35.042
2013 34.577
2014 33.946
2015 33.729
2016 33.420

Geographie

Lage

Der Kreis Şereflikoçhisar grenzt im Norden an den Landkreis Balâ (Provinz Ankara), im Nordosten an den Hirfanlı Barajı (Hirfanlı-Stausee), der die Grenze zur Provinz Kırşehir bildet. Im Osten liegt der Landkreis Evren, der bis 1990 zu Şereflikoçhisar gehörte, im Südosten grenzt er an den Landkreis Sarıyahşi, im Süden an den zentralen Landkreis Aksaray. Im Südwesten und Westen bildet der Tuz Gölü die Grenze und im Nordwesten grenzt Şereflikoçhisar an den Landkreis Kulu, Provinz Konya.

Klima

Es herrscht trockenes Kontinentalklima. In den Wintermonaten können die Temperaturen leicht unter Null Grad sinken. In den Sommermonaten Juli und August werden bis zu 30 Grad erreicht. Die meisten Niederschläge fallen zwischen November und Mai; in der Zeit von Juli bis September fällt so gut wie kein Regen.

Gewässer

Einziger Fluss im Landkreis ist der Peçenek deresi, der bei dem Dorf Fadıllı zum Peçenek-Stausee (türkisch: Peçenek Barajı) aufgestaut ist. Er fließt weiter durch Şereflikoçhisar und mündet westlich der Stadt in den Tuz Gölü. An der Ostgrenze fließt der zum Hirfanlı Barajı (Hirfanlı-Stausee) aufgestaute Kızılırmak.

Dörfer und Ortschaften

Die Provinz Ankara wurde 1984 in eine Großstadtgemeinde (Metropolprovinz) umgewandelt. Alle Landkreis wurden zu Stadtbezirken, die Dörfer zu Stadtteilen darin umgewandelt. Bis auf die Kreisstädte wurden alle Belediye zu Dörfern zurückgestuft. Der Kreis Şereflikoçhisar bestand aus 43 Dörfern (Köy), 4 Gemeinden (Belediye) und der Kreisstadt.

Blick nach Osten auf Karandere
Odunbogazi, im Norden des Landkreises

Wirtschaft

Der größte Teil der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist die Salzgewinnung am Tuz Gölü. Die Firma Koyuncu Kaldırım Tuz İşletmesi (Koyuncu Salt Enterprises) ist der größte türkische Salzproduzent und beschäftigt 180 Mitarbeiter (Stand 2019). Auf 18 km² wird in fünf Becken Salz gewonnen.[5]

Infrastruktur

Durch Şereflikoçhisar verläuft die Hauptstraße E 90. Sie ist eine Verbindung zwischen Ankara und Adana.

Geschichte

Die Gegend um Şereflikoçhisar ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen schon seit der Steinzeit bewohnt.[6] Angeblich gab es auch eine Hethiter-Siedlung, die jedoch quellenmäßig nicht belegt ist. 334 v. Chr. zog Alexander der Große nach seinem Sieg über die Perser am Tuz Gölü vorbei. 275 v. Chr. wanderten die keltischen Galater ein. Im Gebiet von Şereflikoçhisar ließ sich der volkische Teilstamm der Tektosagen nieder, der am See Salzpfannen zur Salzgewinnung anlegte, das er in ganz Anatolien vertrieb.[7][8] 25 n. Chr. starb der letzte Galaterkönig Amyntas, und das Gebiet wurde zur römischen Provinz Galatia, in byzantinischer Zeit gehörte es zum Thema Anatolikon. 1071 gelang es Roussel Phrangopolos, auch Ursel von Bailleul (de Ballione) genannt, eine unabhängige Herrschaft in Galatien zu etablieren. 1076 wurde er jedoch von den Seldschuken verraten, die das Gebiet um 1077 eroberten. Mit der Eroberung durch Malik Schah I. wird der Ort erstmals erwähnt, als Malik Schah die Burg Koç Hisar errichten ließ. 1307 endete die Seldschuken-Herrschaft, und die Karamaniden sicherten sich unter Yahşı Han Bey das Gebiet um Koç Hisar. 1467 eroberte der osmanische Sultan Mehmed II. Koç Hisar und ließ die Burg zerstören. Seitdem gehörte es zum osmanischen Reich und wurde von Aksaray aus verwaltet.

1885 wurde Koç Hisar zur Stadt ernannt, 1891 wurde der Landkreis (türkisch: ilçe) Koç Hisar gebildet und gehörte zur Provinz Konya. 1920 wurde er der neu geschaffenen Provinz Aksaray zugeschlagen. 1933 kam der Landkreis zur Provinz Ankara. 1934 wurde die erste Schule in der Stadt errichtet. 1989 verlor Şereflikoçhisar nicht nur die Chance zur Weiterentwicklung zu einer Provinz, sondern auch seine Ortschaften Sarıyahşi mit ihren 7 Dörfern und Ağaçören mit ihren 27 Dörfern an die 1989 wieder eingerichtete Provinz Aksaray. Am 9. Mai 1990 wurde um die Kleinstadt Evren zusammen mit 9 Dörfern ein eigener Landkreis gegründet und von Şereflikoçhisar ausgegliedert.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Ruinen der antiken Stadt Parnassos. Sie liegen ungefähr acht Kilometer nördlich von Şereflikoçhisar bei dem Dorf Parlasan. Die Ausgrabungen fanden 2007 statt und es wurden Grundrisse einer Kirche und einer Bibliothek sowie Gräber freigelegt.

Die Stadt selbst enthält wenig sehenswerte Bauwerke. Die wichtigsten sind

  • Sultan-Alaaddin-Moschee (türkisch: Sultan Alaaddin Camii), eine Seldschuken-Moschee, erbaut ca. 1230 bis 1230 unter dem Sultan der Rum-Seldschuken Ala ad-Din Kai Kobad I. Sie wurde 2014/15 renoviert.
Blick aus dem Stadtmuseum
  • Das Grabmal von Hurşid Hatun (türkisch: Hurşid Hatun türbesi), der Frau von Ala ad-Din Kai Kobad I.; ebenfalls im Seldschuken-Stil errichtet.
  • Das Grabmal von Hacı Enbiya (türkisch: Hacı Enbiya türbesi)
  • Das Stadtmuseum (türkisch: Kent Müzesi); spätosmanische Architektur aus dem Jahr 1899
  • Das Salzsee-Museum (türkisch: Tuz Gölü Müzesi) außerhalb der Stadt an der Straße von Ankara nach Aksaray (D 750; E 90)

Die Mauern der Burg (türkisch: Şereflikoçhisar kale) sind ein historisierender Nachbau aus dem 20. Jahrhundert ohne architektonischen Wert.

Söhne und Töchter der Stadt

Weblinks

Commons: Şereflikoçhisar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Türkiye Nüfusu, abgerufen am 30. August 2019
  2. http://www.sereflikochisar-bld.gov.tr/iletisim.html
  3. http://www.sereflikochisar.gov.tr/nufus
  4. Türkiye ilçe nüfus/Ankara/Şereflikoçhisar
  5. http://koyuncusalt.com/en/pages/details/1
  6. http://www.sereflikochisar-bld.gov.tr/kochisar.html
  7. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1997
  8. Sievers/Urban/Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K.