Šamšu-ditana

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Babylon 1792–1595

Šamšu-ditāna war der Sohn und Nachfolger des Ammi-ṣaduqa und regierte als letzter König der altbabylonischen Dynastie von Babylon von 1625 bis 1595 v. Chr.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Šamšu-ditāna (Schamschu ditana) wird übersetzt mit „Sonne (ist ein Wisent ?) Ditanu“. Andere Variationen des Namens sind Sa-am-su-di-ta-na und Sa-am-si-di-ta-na.

Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Regierungszeit Šamšu-ditanas werden die historischen Überlieferungen sehr spärlich, Landsberger sprach nachgerade von einem „Dunklen Zeitalter“ zwischen Šamšu-ditana und Gandaš bzw. Adasi, was er auf großmaßstäbliche Migrationen in Babylonien und Assyrien zurückführen will, eine These, die heute keine Anhänger mehr findet. Albright will Šamšu-ditana um 1630 und die Eroberung von Babylon um 1600 ansetzen[1]. Die mittlere Chronologie setzt den Fall von Babylon und das Ende der Herrschaft von Šamšu-ditana auf 1595 v. Chr. an. Welcher kassitische König danach die Herrschaft übernahm, oder ob kurzfristig die erste Meerlanddynastie über Babylon herrschte (Gulkišar), ist unklar.

Regierungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Šamšu-ditāna führte ein bescheidenes Königreich, da Mittel- und Südbabylonien seit Šamšu- ilunas 12. Regierungsjahr verloren waren. Dadurch fehlten wichtige Handelsressourcen, die ehemals über die südlichen Sümpfe und den Persischen Golf zugänglich waren. Die ökonomische und soziale Situation (Versalzung, Warenknappheit, Inflation, Verarmung, Unsicherheit) hatte sich darunter verschlechtert. Šamšu-ditāna wandte sich an ein Orakel, da die Sorge bestand, dass sich die Bevölkerung dem Feind zuwendete. Im letzten Drittel der Regierungszeit scheint sich das Königreich auf die unmittelbare Umgebung der Hauptstadt reduziert zu haben. Letztendlich war das Land durch Bevölkerungswanderungen aus Süd- und Mittelbabylonien intern stark geschwächt. So konnte der hethitischen Invasion durch Muršili I. nichts mehr entgegengesetzt werden, und es kam zur Plünderung und Zerstörung Babylons.

Insgesamt gibt es in der Regierungszeit Šamšu-ditānas keine Hinweise auf militärische Aktivitäten. Vielmehr wurden die Jahresabläufe durch kultische Ereignisse bestimmt. Dabei werden fast ausschließlich Stiftungen von Kultgegenständen erwähnt, die auffallend häufig in Form eines Selbstbildes auftraten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausgrabungssituation in Babylon ist schlecht, und durch die Eroberung durch die Hethiter kam es zu Plünderungen und Zerstörung auch von Statuen, sodass es keine Möglichkeit von späteren Abschriften gab. Auch von den oben erwähnten Selbstbildnissen sind keine erhalten.

Die Regierungszeit von 31 Jahren ist unsicher, da lediglich 27 Jahresnamen erhalten sind, in der babylonischen Königsliste werden aber 31 aufgezählt. Auch sind im Gegensatz zu anderen Königen keine Informationen zu militärischen Aktivitäten oder öffentlicher Arbeit zu finden.

Gegen Ende der Regierungszeit gibt es nur noch Urkunden aus Babylon selbst und nicht mehr aus Sippar, was noch bis zum 19. Regierungsjahr Šamšu-ditānas die meisten Urkunden lieferte. Dies wird als Indiz für die Reduktion des Königreiches auf die Umgebung der Hauptstadt gesehen. Die meisten dieser Urkunden stammen aus dem Kunsthandel und nur wenige aus Ausgrabungen.

Die letztendliche Eroberung der Stadt durch die Hethiter lässt sich einer altbabylonischen Chronik entnehmen. Sie berichtet: „zur Zeit des Šamšu-ditana zog der Hethiter nach Akkad[2] Die Chronik des Telipinu[3] berichtet: „Er zog nach Halab und zerstörte es; brachte Gefangene von Halab und dessen Gut nach Ḫattuša, dann zog er aber nach Babylon und zerstörte es, schlug(?) auch die Hurriter und behielt die Gefangenen von Babylon und dessen Gut in Ḫattuša“[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietz-Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. 2., verbesserte Auflage. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51664-5, S. 121, 141, 144.
  • Benno Landsberger: Assyrische Königsliste und "Dunkles Zeitalter" (Continued). In: Journal of Cuneiform Studies 8/2. 1954, S. 47–73.
  • Michael P. Streck (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. Elfter Band Prinz, Prinzessin - Samug. Walter de Gruyter, Berlin 2006–2008, S. 640–642

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. F. Albright, New Light on the History of Western Asia in the Second Millennium B. C. Bulletin of the American School of Oriental Research 77, 1940, 29
  2. Benno Landsberger, Assyrische Königsliste und "Dunkles Zeitalter". Journal of Cuneiform Studies 8/2, 1954, 64
  3. auch 2 BoTU 20 II 10–20 (A), KUB 26, Nr. 74 I 8-11 (B)
  4. Benno Landsberger, Assyrische Königsliste und "Dunkles Zeitalter". Journal of Cuneiform Studies 8/2, 1954, 64
VorgängerAmtNachfolger
Ammi-saduqaKönig von Babylonien
1625–1595 v. Chr.
es folgt die 3. Dynastie
(Kassitendynastie)