Šimonovice

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Šimonovice
Wappen von ????
Šimonovice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Liberec
Fläche: 719,1973[1] ha
Geographische Lage: 50° 42′ N, 15° 3′ OKoordinaten: 50° 42′ 2″ N, 15° 2′ 54″ O
Höhe: 485 m n.m.
Einwohner: 1.192 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 463 12
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Straße: LiberecProseč pod Ještědem
Bahnanschluss: Pardubice – Liberec
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Leona Vránová (Stand: 2008)
Adresse: Šimonovice 70
463 12 Liberec 25
Gemeindenummer: 564460
Website: www.simonovice.cz

Šimonovice (deutsch Schimsdorf) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt sieben Kilometer südlich des Stadtzentrums von Liberec und gehört zum Okres Liberec.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Šimonovice befindet sich östlich des Bergrückens Rašovský hřbet im Tal des Hraniční potok (Grenzwasser) im Jeschkengebirge. Im Südosten erhebt sich der Javorník (684 m). Nordöstlich des Dorfes führt die Bahnstrecke Pardubice–Liberec vorbei.

Nachbarorte sind Pilínkov und Minkovice im Norden, Dlouhý Most im Osten, Javorník im Südosten, Rašovka im Süden, Kopec und Proseč pod Ještědem im Südwesten, Jiříčkov und Padouchov im Westen sowie Hluboká im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1545 und 1550. Das Dorf soll ehemals ein Rittergut gewesen sein. 1648 lautete der Ortsname Schimbsdorf und lag an der Grenze der Herrschaft Aicha zur Herrschaft Friedland, die entlang des Grenzwassers verlief und kam später zur Herrschaft Reichenberg / Liberec. Es wird angenommen, dass der Ort eine slawische Gründung war und der Ortsname von einem Eigentümer Šimon (Schimon) herkommt. Anfang des 17. Jahrhunderts war Schimsdorf ein großes Bauerngut und gehörte zu Münkendorf.

Während der Rekatholisierung in Böhmen nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte eine Wiederbesiedlung durch katholische Ansiedler, vermutlich aus Sachsen, die den Namen des Dorfes in Schimsdorf änderten. 1787 gehörte Schimsdorf zur Pfarrei Röchlitz, danach zur Pfarrei Langenbruck und die Kinder gingen auch dorthin zur Schule. Der Ort hatte zwei Gasthöfe und eine Mühle. Das im Bunzlauer Kreis liegende Dorf war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geteilt. Der größte Teil von Schimsdorf war der Grundherrschaft Aicha erbuntertänig, der zur Allodialherrschaft Reichenberg gehörige Anteil umfasste 1830 15 Häuser[3].

Nach der Aufhebung der Grundherrschaften bildete Schimsdorf / Šimonovice ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk Reichenberg. Erwerbsquellen waren die Handweberei, Ackerbau, Viehzucht und Arbeit in den Fabriken. Der Boden gab wenig her und Bewohner wanderten ab. Nach 1890 bekam Schimsdorf ein eigenes Schulhaus mit einer Klasse und einer Lehrerwohnung. Ortsansässige waren in der Zeit um 1900 zwei Drittel Deutsche und ein Drittel Tschechen. Nach Gründung der Tschechoslowakei hatte die Gemeinde im Jahr 1930 221 Einwohner. Nach dem Münchner Abkommen wurde Schimsdorf 1938 dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Reichenberg im Reichsgau Sudetenland. 1939 lebten in Schimsdorf 152 Menschen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam das Dorf zurück zur Tschechoslowakei und wurde Teil des Okres Liberec-okolí. Vom 16. Juni 1945 bis September 1946 wurden die deutschen Haus- und Grundeigentümer in der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei enteignet und über die Grenze nach Zittau vertrieben. Zugereiste tschechische Neusiedler übernahmen den Besitz. 1961 wurden Minkovice und Rašovka (mit Bystrá) eingemeindet und die Gemeinde Šimonovice zugleich zum Okres Liberec zugeordnet. Die 1734 errichtete barocke Kapelle des hl. Laurentius in der Ortsmitte wurde während der Zeit des Sozialismus für den Bau eines großen Kuhstalles abgerissen, um die Einkommenssituation einer Kolchose zu verbessern. 1980 verlor Šimonovice seine Selbstständigkeit und wurde an Dlouhý Most angegliedert. Zwischen 1986 und 1990 bildete Šimonovice unter dem Namen Liberec XXXIX-Šimonovice einen Stadtteil von Liberec. Seit 1990 besteht die Gemeinde wieder.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Šimonovice besteht aus den Ortsteilen Minkovice (Münkendorf), Rašovka (Raschen) und Šimonovice (Schimsdorf)[4], die zugleich auch Katastralbezirke bilden[5]. Zu Šimonovice gehört außerdem die Ansiedlung Bystrá (Bistrei).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus in Šimonovice
  • Kirche des hl. Antonius von Padua in Rašovka, geweiht 1932
  • Gasthaus „V Trnčí“ mit steinernem Aussichtsturm von 19,5 m Höhe in Rašovka, eingeweiht im Jahre 2006
  • Statuen des hl. Johannes von Nepomuk und Paulus
  • Kapelle des hl. Johannes von Nepomuk in Minkovice
  • gezimmerte Häuser in Volksbauweise

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Ludwig (1868–1927), deutscher Schriftsteller, Journalist und Chefredakteur des Lübeck´schen Anzeigers

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schimsdorf, in: Reichenberg Stadt und Land im Neißetal. Eine Heimatbuch bearbeitet von Randolf Gränzer, herausgegeben vom Heimatkreis Reichenberg, Augsburg 1974, Seite 673 und 674

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Šimonovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/564460/Simonovice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Statistisch-topographisch dargestellt. Bd. 2 Bunzlauer Kreis, 1834
  4. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/564460/Obec-Simonovice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/564460/Obec-Simonovice