Šindelová

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Šindelová
Wappen von Šindelová
Šindelová (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 3832,9806[1] ha
Geographische Lage: 50° 19′ N, 12° 36′ OKoordinaten: 50° 19′ 7″ N, 12° 36′ 10″ O
Höhe: 650 m n.m.
Einwohner: 294 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 357 06
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Straße: KrasliceNejdek
Nächster int. Flughafen: Flughafen Karlsbad
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Ladislav Svitáček (Stand: 2008)
Adresse: Šindelová 93
358 01 Kraslice
Gemeindenummer: 560677
Website: www.sindelova.cz
Lage von Šindelová im Bezirk Sokolov
Karte

Šindelová (deutsch Schindlwald) ist eine Gemeinde im Karlovarský kraj in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Šindelová liegt im böhmischen Teil des Westerzgebirge acht Kilometer östlich von Kraslice und gehört zum Okres Sokolov. Die Ortslage erstreckt sich in der Talmulde des Baches Rotava (Rothau). Südöstlich liegt der Teich Tajch. Nordöstlich erheben sich der Ptačí hora (Hüttenberg, 826 m) und der Vřesovec (781 m), im Nordwesten liegt der Komáří vrch (Mukenbühl, 951 m). Im Süden befindet sich am Bach Skřiváň (Zellersbach) das Jagdschlösschen Favorit.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Šindelová besteht aus den Ortsteilen Krásná Lípa (Schönlind), Obora (Hochgarth) und Šindelová (Schindlwald).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Krásná Lípa, Milíře (Kohling), Obora, Ptačí (Vogeldorf bzw. Vogldorf), Šindelová und U Rybníka (Teichhäuser).[4] Außerdem liegen auf dem Gebiet der Gemeinde die Wüstungen Břidlová (Schieferhütten) und Javořina (Ahornswald).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Krásná Lípa u Šindelové, Milíře u Šindelové, Obora u Šindelové, Ptačí und Šindelová.[5]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stříbrná (Silberbach) Přebuz (Frühbuß) Vysoká Pec (Hochofen bei Neudek)
Rotava (Rothau) Nachbargemeinden Nejdek (Neudek)
Jindřichovice (Heinrichsgrün)

Direkte Nachbarorte sind Krásná Lípa und Přebuz im Norden, Rudné und Vysoká Pec im Nordosten, Bernov, Nejdek und Lesík im Osten, Poušť und Hradecká im Südosten, Heřmanov und Jindřichovice im Süden, Dolní Rotava und Rotava im Südwesten, Obora und Sklená im Westen sowie Nová Ves im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1480 im Zuge der Errichtung einer Wachtfeste "Hradiště" zum Schutze der Zinnstraße zwischen Frühbuß und Heinrichsgrün erstmals urkundlich erwähnt. Etwa 1512 entstanden unterhalb der Feste Hradiště die ersten sechs Häuser. 1520 wurde Hradiště bei Schönlind als eine Siedlung bezeichnet.

1525 erwarben die Schlicken von Heinrichsgrün Schönlind und Hradiště. Ihnen folgten die Ritter von Gloeben und ab 1589 erneut die Schlicken. Während dieser Zeit erhielt das Dorf den Namen Schindlwald. 1561 wurden in Schindlwald drei Hämmer und eine Schmelzhütte betrieben. 1606 entstand am Rothaubach eine Mühle. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Güter der Familie Schlick konfisziert und die Untertanen rekatholisiert. In den Jahren 1646 bis 1651 gründete die Glasmacherfamilie Zigner eine Glashütte in Schindlwand, zeitgleich gründete die Familie Schug in Vogeldorf eine weitere. Sie begann später mit der Farbglasherstellung.

Der kaiserliche General Otto von Nostitz kaufte in den Jahren 1678 bis 1680 die Herrschaften Graslitz und Heinrichsgrün auf. 1690 entstand in Schönlind eine Pfarrschule, die auch die Kinder von Vogeldorf, Kohling, Schindlwald und Unter Hochgarth besuchten. Um 1700 lebten die Bewohner vor allem von der Holzfällerei, der Fertigung von Holzwaren; vor allem die Schindelmacher hatten weit und breit einen guten Ruf. 1728 besuchte der Kapitularvikar Daniel Joseph Mayer von Mayern die Pfarre Schönlind, drei Jahre später führte er in der Gegend erstmals in den österreichischen Landen den Anbau von Erdäpfeln ein.

1735 entstanden im Ort zwei weitere Schmelzöfen und sechs Hämmer. In dieser Zeit hielt auch die Spitzenklöppelei Einzug.

Franz Anton von Nostitz-Rieneck ließ 1769 für seine Frau Maria Elisabeth das Jagdschlösschen „Mes idées“ errichten. Um 1820 entstanden die neuen Ansiedlungen Stallerhäuser, Güntherhäuser und Anschhäuser. 1836 begann der Bau des größten Eisenhüttenwerkes im Kreis mit einem Hochofen, drei Großhämmern, Verzinnerei, Gießerei und Walzwerk. Zum Antrieb dienten drei Mühlräder und die damals größte Dampfmaschine Österreichs. Für die Verzinnerei und den Stich fanden zwei Weltpatente Anwendung.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Schindlwald ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk Graslitz. Die Siedlungen Ober Hochgarth und Schieferhütten wurden um 1850 errichtet. In den Mühlhäusern wurde Knöpfmacher ansässig. 1855 entstand die Köhlersiedlung Kohling. Im Vollwinkel wurde Käse hergestellt. 1880 eröffnete in Schindlwald die vierte Schule; die Siedlung Ahornswald entstand. Ab 1910 gehörte die Gemeinde zum Bezirk Neudek und hatte 693 Einwohner. 1909 wurden die Eisenhüttenwerke in Schindlwald Teil des neu gegründeten Unternehmens "Eisenwerke AG Rothau-Neudek", das in seinen Werken in Schindlwald, Rothau und Neudek mehr als 1000 Arbeitnehmer beschäftigte und pro Jahr ca. 100.000 t Eisen produzierte. Auch bei der Blechherstellung war das Unternehmen in der k.u.k. Monarchie führend. Infolge der Weltwirtschaftskrise erfolgte die Verlegung der Produktion nach Karlshütten. Der Zusammenbruch des Unternehmens im Jahre 1931 führte in der Gegend zur höchsten Arbeitslosenquote in der Tschechoslowakei und löste soziale Unruhen aus. 1930 betrug die Einwohnerzahl von Schindlwald 683.

1938 hatte Schindlwald 575 Einwohner, auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde lebten insgesamt 3848 Menschen. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Gemeinde ins Deutsche Reich eingegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Neudek. Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Produktion von Waffen. In Schindlwald entstand 1942 ein Außenlager des KZ Zwodau, in dem 75 Frauen untergebracht waren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Schindlwald zur Tschechoslowakei zurück und es begann, ausgehend von Schönlind, schrittweise die Vertreibung der Deutschen. 1945 wurde die Familie von Nostitz enteignet. Die Walzwerksanlagen wurden teilweise demontiert und in die Slowakei verbracht. 1948 erfolgte die Umbenennung in Šindelová. 1950 kam die Gemeinde zum Okres Kraslice zurück und seit 1961 gehört sie zum Okres Sokolov. 1950 wurden Břidlová, Javořina, Krásná Lípa, Milíře, Obora und Ptačí eingemeindet. In den nachfolgenden Jahren wurden die meisten der kleinen Ansiedlung auf dem Gemeindegebiet aufgelassen.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[6]
1869 519
1880 585
1890 637
1900 693
1910 712
Jahr Einwohnerzahl
1921 709
1930 683
1950 249
19611 500
19701 367
Jahr Einwohnerzahl
19801 249
19911 223
20011 256
20111 271
1 Šindelová mit Krásná Lípa, Javořina, Javořina, Ptačí, Obora und Břidlová

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Schreiber: Schindlwald – Geschichte eines Ortes im Kreis Neudek, Sudetenland, Wetzlar-Nauborn 1987 (Privatdruck)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Šindelová – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560677/Sindelova
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560677/Obec-Sindelova
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/560677/Obec-Sindelova
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560677/Obec-Sindelova
  6. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 15. Februar 2016 (PDF, tschechisch).
  7. Šindelová - Hochofen, abgerufen am 9. Oktober 2015