Šluknov

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Šluknov
Wappen von Šluknov
Šluknov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 4744,4584[1] ha
Geographische Lage: 51° 0′ N, 14° 27′ O51.00333333333314.453055555556340Koordinaten: 51° 0′ 12″ N, 14° 27′ 11″ O
Höhe: 340 m n.m.
Einwohner: 5.618 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 407 77
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Rumburk–Dolní Poustevna
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: Eva Džumanová (Stand: 2010)
Adresse: náměstí Míru 1
407 77 Šluknov
Gemeindenummer: 562858
Website: www.mesto-sluknov.cz
Lageplan
Lage von Šluknov im Bezirk Děčín
Karte
Schluckenau

Šluknov (deutsch Schluckenau) ist die nördlichste Stadt Tschechiens. Sie liegt im Böhmischen Niederland (Šluknovský výběžek) im Okres Děčín, Ústecký kraj. Die Stadt gab dem Schluckenauer Zipfel, dem Gebietsvorsprung Böhmens zwischen der Sächsischen Schweiz und dem Zittauer Gebirge, ihren Namen. Im Ortsteil Rožany (Rosenhain) befindet sich ein Grenzübergang nach Sohland an der Spree.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts an der Stelle einer alten slawischen Siedlung Slanknov durch das böhmische Adelsgeschlecht der Berka von Dubá gegründet; deshalb ist das Wappen der Herren von Duba bis heute als Herzschild im Stadtwappen zu sehen. Während der Hussitenkriege in Böhmen von 1419 bis 1436 wurde auch das Böhmische Niederland mit seinem Zentrum Schluckenau heimgesucht. Im Gefecht bei Schluckenau 1423 sollen die Hussiten den Lausitzern eine militärische Niederlage beigebracht haben. Die Städte Schluckenau und Rumburk wurden in der Folgezeit zu Mittelpunkten hussitischer Truppenbewegungen in Nordböhmen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass sich von hier aus auch die hussitischen Formationen in Marsch setzten, die erneut die Sechsstadt Bautzen im Februar 1431 belagerten, wobei unter anderem die Grenzdörfer Georgswalde, Ebersbach, Friedersdorf, Spremberg und Oppach in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die alten Handelswege, die sich vom Böhmischen Niederland aus durch die Grenzwälder in die Südlausitz hinzogen, waren somit für die Kriegsführung der Hussiten in der Oberlausitz von enormer strategischer Bedeutung.[3]

Schluckenau wurde 1710 und 1830 von zwei großen Stadtbränden heimgesucht. 1813 kam es in der Stadt während der Napoleonischen Kriege zu großen Plünderungen beim Durchzug eines Heeres von 200.000 Mann Stärke. Ab 1850 bildete Schluckenau eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Schluckenau und war Sitz des Bezirksgerichts.

In der ersten tschechoslowakischen Republik war Schluckenau ein Zentrum der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins. Dies war auch ein Grund, dass Adolf Hitler 1938 bei der Annexion der Sudetengebiete der Tschechoslowakei die Stadt als erste Station auswählte. 1930 hatte Schluckenau 5578 zum größten Teil deutschsprachige Einwohner. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht ins Sudetenland im Oktober 1938 wurden die wenigen Tschechen ins Innere Böhmens vertrieben. Von 1938/39 bis 1945 war Schluckenau der Sitz des Landrates des gleichnamigen Kreises im Reichsgau Sudetenland, Regierungsbezirk Aussig. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei die deutschböhmische Bevölkerung 1945 zum Verlassen des Ortes gezwungen. Nur wenige Tschechen waren damals bereit, sich in der abgelegenen nordböhmischen Stadt niederzulassen. Heute ist die Stadt Šluknov und das ganze Schluckenauer Ländchen eine Problemregion in Tschechien. Ein Fünftel der Bewohner sind Roma, unter denen eine hohe Arbeitslosigkeit verbreitet ist und deren Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst.[4] Es ist der Stadt kaum möglich, die vorhandene Bausubstanz zu erhalten. Leer stehende Gebäude sind Vandalismus ausgesetzt.

Ortsteile[Bearbeiten]

Bahnhof

Die Stadt Šluknov besteht aus den Ortsteilen Císařský (Kaiserswalde), Harrachov (Harrachsthal), Královka (Königshain), Království (Königswalde), Kunratice (Kunnersdorf), Nové Hraběcí (Neugrafenwalde), Rožany (Rosenhain) und Šluknov (Schluckenau).[5] Grundsiedlungseinheiten sind Císařský-horní část, Císařský-město, Císařský-U soudu, Dr. Edvarda Beneše, Fukov (Fugau), Harrachov, Harta-Valdek, Karlovo Údolí (Karlthal), Královka, Království-dolní část (Niederkönigswalde), Království-horní část (Oberkönigswalde), Křečanská strana, Křížový vrch, Kunratice, Nová Ves, Nové Hraběcí, Partyzánský vrch (Botzen), Pod Stříbrným vrchem, Rožany, Šluknov-střed, U nádraží, U stadionu, U Šluknovského rybníka und Židovský vrch (Judenberg).[6]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Císařský, Fukov, Královka, Království, Kunratice u Šluknova, Nové Hraběcí, Rožany und Šluknov.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Vergangenheit war Schluckenau Sitz einer Grundherrschaft, unter anderem der Herren von Starschedel. Das im 16. Jahrhundert erbaute Schloss Schluckenau ist 1986 ausgebrannt. Der Wiederaufbau musste nach 1990 wegen fehlender Finanzmittel abgebrochen werden. Nach 2000 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen; inzwischen ist die Sanierung vollendet worden. Neben Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen befindet sich im Gebäude auch ein Informationsbüro für Touristen. Der an das Schloss anschließende Park wird teilweise für öffentliche Veranstaltungen genutzt.[8] Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1914-1918) von dem Bildhauer Alois Rieber ist erhalten geblieben.

In Schluckenau befindet sich die Grabstätte der nordböhmischen Heimatforscher, der Brüder Franz und Eduard Bienert, die am 16. September 1990 einem Mord zum Opfer fielen.[9]

Verkehr[Bearbeiten]

Šluknov hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rumburk–Sebnitz.

Durch den Fugauer Zipfel führt die deutsche Bahnstrecke Bischofswerda–Zittau ohne Halt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

(Die Auflistung erfolgt alphabetisch. Ob sie ihren späteren Wirkungskreis in Schluckenau hatten oder nicht, ist unerheblich)

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Lahmer: Chronik der Stadt Schluckenau. Carl Theer in Reichenberg, Schluckenau 1889.
  • Lutz Mohr: Die Hussiten in der Oberlausitz unter besonderer Berücksichtigung ihrer Feldzüge in den Jahren von 1424 bis 1434. Sonderausgabe Nr. 2 / 2014 der Reihe: Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg. Greifswald und Neusalza-Spremberg 2014.
  • Rudolf Tilke: Chronik des nordböhmischen Niederlandes. (in Deutsch) Rumburk: Verlag Milan Holenda 1998.
  • Fanny Zekel: 1000 Jahre Gründungs- und Entwickelungsgeschichte der Stadt Schluckenau. Turnverein, Schluckenau 1893.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Obec Šluknov: podrobné informace. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 28. August 2014 (tschechisch).
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Lutz Mohr: Die Hussiten in der Oberlausitz unter besonderer Berücksichtigung ihrer Feldzüge in den Jahren von 1424 bis 1434. Sonderausgabe Nr. 2 / 2014 der Reihe: Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg. Greifswald und Neusalza-Spremberg 2014, S. 34f.
  4. Karl-Peter Schwarz: Roma in Tschechien: Zwist im Zipfel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2011.
  5. Části obcí. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 28. August 2014 (tschechisch).
  6. Základní sídelní jednotky. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 28. August 2014 (tschechisch).
  7. Katastrální území. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 28. August 2014 (tschechisch).
  8. Šluknovský zámek. In: mesto-sluknov.cz. Abgerufen am 28. August 2014 (tschechisch).
  9. Erwin Scholz: Braucht Gerechtigkeit langen Atem? (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive) Landeszeitung 09/2004, abgerufen am 17. März 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Šluknov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien