Šumná

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Šumná (Begriffsklärung) aufgeführt.
Šumná
Wappen von Šumná
Šumná (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1196 ha
Geographische Lage: 48° 56′ N, 15° 53′ OKoordinaten: 48° 55′ 42″ N, 15° 52′ 32″ O
Höhe: 438 m n.m.
Einwohner: 622 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 02
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Cejpek (Stand: 2007)
Adresse: Šumná 149
671 02 Šumná
Gemeindenummer: 594911
Website: obecsumna.blog.cz

Šumná, bis 1949 Šumvald[2], (deutsch: Schönwald) ist eine Gemeinde mit 597 Einwohnern (1. Jänner 2004) im Okres Znojmo in Tschechien. Sie liegt in 438 m ü.M. nördlich der Straße von Znojmo nach Vranov nad Dyjí. Der Ort selbst ist als eine Zeilensiedlung angelegt.

Nachbargemeinden sind Lesná u Znojma; Onšov, Štítary und Vranovská Ves.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So wie auch Lesná (Liliendorf) ist Schönwald 1798 eine Gründung von Joseph Hilgartner, Ritter von Lilienborn, dem Eigentümer der Herrschaft von Frain an der Thaya. Um den Kaufpreis für die Herrschaft Frain zu erwirtschaften, ließ er große Waldflächen roden und das Holz verkaufen. Auf den Kahlschlägen siedelte er Freiwillige an, die die von ihnen bewirtschafteten Grundstücke kaufen und sich selbst vom noch üblichen Robot freikaufen konnten.

Bereits 1799 verkaufte er die Herrschaft Frain wieder, doch Schönwald mit 30 Höfen blieb bestehen. Allerdings war es Schiltern (Štítary) eingemeindet; erst am 3. Mai 1923 wurde Šumná selbständige Gemeinde.

Mit der Eröffnung der Nordwestbahn wurde Schönwald auch die Bahnstation für Frain an der Thaya. Während der Bauarbeiten an der Frainer Talsperre war hier der Ausgangspunkt einer Eisenbahnstrecke für Materialtransporte zur Baustelle.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Der Vertrag von Saint-Germain [3] 1919 erklärte den Ort, dessen Bewohner im Jahre 1910 zu 97 % einen bairisch-österreichischen Dialekt des Deutschen verwendeten, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Zwischen den Volkszählungen 1910 und 1930 wuchs der Anteil der tschechisch sprechenden Bevölkerung von 0,8 % auf 78 %.[4] So wie in Schönwald kam es zu Spannungen zwischen den Volksgruppen im Lande. Als die von den Deutschmährern geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete an Deutschland. Dies wurde im Münchner Abkommen geregelt. Damit wurde Schönwald am 1. Oktober 1938 ein Teil des - seit März 1938 - deutschen Reichsgaus Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Selletitz, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Wegen der schweren Nachkriegsexzesse gegenüber der deutschen Bevölkerung durch militante Tschechen flohen viele deutsche Bürger über die nahe Grenze nach Österreich. Drei Zivilpersonen kamen dabei zu Tode.[5] Eine juristische Aufarbeitung des Geschehens hat nicht stattgefunden. Das Beneš-Dekret 115/1946 (Straflosstellungsgesetz) erklärt Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, … für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [6] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind, verlangt. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die „geordnete“ Zwangsaussiedlung der letzten 106 Selletzer nach Deutschland. Der Ort wurde neu besiedelt. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.[7]

Matriken werden seit 1798 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[8]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Schönwald ein Ortsteil von Schiltern war, hatte dieses bis 1923 kein eigenes Gemeindesiegel. Erst ab 1923 führte der Ort einen zweisprachigen Gemeindestempel, welcher einen zweiblättrigen Eichenzweig mit drei Eicheln zeigte.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 229 229
1890 185 182 1 2
1900 211 204 6 1
1910 236 229 2 5
1921 418 103 252 63
1930 629 111 489 29

[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren, Bd 1 -3, Wien 1793.
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Schönwald Seite 35
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Seite 218f
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. München, Verl. Heimatwerk, 1969
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 315 (Schönwald).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Předpis č. 3/1950 Sb.
  3. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  4. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  5. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Znaim von A-Z, 2009, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, Totenbuch S. 378.
  6. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  7. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0,S. 310, 315
  8. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 14. März 2011.
  9. Gustav Gregor: Der politische Landkreis Znaim, Bd.4, S.105
  10. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  11. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Schönwald Seite 35