Šumperk

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Šumperk
Wappen von Šumperk
Šumperk (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Šumperk
Fläche: 2791 ha
Geographische Lage: 49° 58′ N, 16° 58′ OKoordinaten: 49° 58′ 9″ N, 16° 58′ 16″ O
Höhe: 315 m n.m.
Einwohner: 26.478 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 787 01
Verkehr
Bahnanschluss: Šternberk–Lichkov,
Zábřeh na Moravě–Sobotín
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Brož (Stand: 2007)
Adresse: nám. Míru 364/1
787 13 Šumperk 1
Gemeindenummer: 523704
Website: www.musumperk.cz
Šumperk um 1864
Entfernung des tschechischen Ortsnamens 1938

Šumperk (deutsch Mährisch Schönberg) ist eine Stadt im Olomoucký kraj in Tschechien. Sie liegt an der Teß am Fuße des Altvatergebirges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Šumperk war um 1180 im Besitz des Zdeněk Ralsko von Waldstein. Unter dessen Söhnen wurde es zur Stadt erhoben. Bereits 1224 hatten die Dominikaner eine Ordensniederlassung für acht Mönche gegründet. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern Wenzel I. von Böhmen und Přemysl von Mähren wurde die Stadt 1239 zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte um 1250. Das Dominikanerkloster sowie die Klosterkirche Mariä Verkündigung wurden 1286 durch den Vyšehrader Propst und späteren Bischof von Olmütz Johannes VI. von Waldstein neu errichtet.

1340 verlieh Markgraf Karl den Herren von Leipa das Bergrecht für die bereits in ihrem Besitz befindlichen Herrschaften Schönberg, Goldenstein und Žampach. Karls jüngerer Bruder Jobst von Mähren erteilte 1391 der Stadt Schönberg zahlreiche Privilegien, mit denen sie einer königlichen Stadt gleichgestellt wurde. Nach weiteren Besitzerwechseln gelangte Schönberg 1495 pfandweise an Peter von Žerotín († 1530),[2] der die auf der Stadt lastenden Schulden übernahm. 1504 ging Schönberg sowie Blauda in seinen Besitz über.

Während der Reformation wurden die Mönche und die katholische Bevölkerung aus der Stadt vertrieben. 1584 erfolge die Ausweisung der Juden, die sich zumeist in der jüdischen Gemeinde in Mährisch Aussee ansiedelten. Nach der Schlacht am Weißen Berg übertrug Kaiser Ferdinand II. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen Schönberg sowie weitere umfangreiche Besitzungen in Nordmähren dem Statthalter Karl von Liechtenstein. Obwohl dieser die Schulden übernehmen musste, gehörte er zu den mächtigsten und reichsten Adeligen in Nordmähren. Nachfolgend setzte er die Gegenreformation durch. Der neugewählte Rat der Stadt musste einen katholischen Eid ablegen und der Wiedereinführung der Dominikaner zustimmen, deren Kloster 1623 wieder instandgesetzt wurde. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu Hexenverfolgungen, mit denen die Obrigkeit den in Groß-Ullersdorf tätigen Juristen Franz Heinrich Franz Boblig von Edelstadt beauftragt hatte.

Zu einer wirtschaftlichen Entwicklung kam es im 18. Jahrhundert durch das Leineweberhandwerk, aus dem sich später die Leinen- und Textilindustrie entwickelte. In dem 1784 im Rahmen der Josephinischen Reformen aufgehobenen Dominikanerkloster errichtete 1785–1788 der Wiener Ernest Klapperoth die größte Manchesterfabrik Europas, die sich jedoch nach der Aufhebung der Kontinentalsperre 1813 nicht weiter behaupten konnte. Die Fabrikräume wurden zur Kaserne umgebaut. 1842 wurde in Schönberg die erste mechanische Leinenspinnerei Mährens in Betrieb genommen. Die 1870 errichtete Mährische Grenzbahn mit Sitz in Schönberg nahm 1871 die Strecke Bahnstrecke Hohenstadt–Zöptau in Betrieb. Seit 1874 erschien in Schönberg, das im 19. Jahrhundert ein Zentrum des nordmährischen Schulwesens war, der „Nordmährische Grenzbote“.

Sudetendeutsche des Österreich-Ungarischen Kronrates akzeptierten nicht die Einrichtung des Tschechoslowakei und erklärten sich als deutsche Böhmen unabhängig, dies beinhaltete Mährisch Schönberg, unter dem Namen Sudetenland. Dabei nahmen sie bezug auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker des US Präsidenten Wilson. Einer der führenden Personen war Gustav Oberleithner, Bürgermeister von Mährisch Schönberg, der zum Stellvertretenden Regierungschef ernannt wurde. Die Stadt wurde von Truppen der Tschechoslowakei am 15.Dezember.1918 besetzt ohne das dabei ein Schuss fiel. Gustav Oberleithner wurde nicht bestraft, da zum damaligen Zeitpunkt der internationale Status der Tscheslowakei noch nicht geklärt war.

Der Anteil der Tschechischen Bevölkerung erhöhte sich in den nächsten Jahren durch gezielte Ansiedlung. Dies führte zu Auseinandersetzungen. 1910 lebten 353 Tschechen in Mährisch Schönberg, bei der Volkszählung 1930 hatte Mährisch Schönberg 15718 Einwohner (davon 3434 / 22 % Tschechen). [3] Diese lebten zumeist im "Tschechischen Viertel", Česká čtvr.

Konrad Henlein's Nazi Partei, offen unstützt durch Adolf Hitler, erreichte 64 % der Stimmen bei den Wahlen 1935.

Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt 1938 dem Deutschen Reich zugeschlagen und war bis 1945 Sitz des Landkreises Mährisch Schönberg. 1945 kam Šumperk an die Tschechoslowakei zurück, und 1945/46 wurde die deutschmährischen Bevölkerung aufgrund der Beneš-Dekrete enteignet und vertrieben.

Im Februar des Jahres 1946 fanden weitere 11 Transporte mit mehr als 9.500 Deutschen, im Rahmen der Vertreibung statt. Zum letzten Tag dieses Jahres blieben in der Stadt nur 686 Bewohner. Die ursprünglichen deutschen Bewohner wurden durch neue Siedler aus dem tschechischen Inland ersetzt.[4]

Am 4. Mai 1950 erfolgte die Eingemeindung von Temenice.

Am 21. August 1968, zur Zeit des Prager Frühlings, wurde die Stadt von der polnischen Armee besetzt, und wenige Wochen später, am 3. Oktober, durch die Rote Armee.

In der Stadt gibt es ein tschechisch-deutsches Begegnungszentrum mit einer Außenstelle in Nový Jičín.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus heute
  • Die Mariensäule auf dem Rathausplatz schuf 1718–1720 der Bildhauer Michael Kössler.[5]
  • Das Rathaus wurde 1910/11 an der Stelle des abgerissenen Renaissance-Rathauses von 1474 im Stil des Historismus erbaut.
  • Die erstmals 1287 erwähnte Klosterkirche Mariä Verkündigung wurde nach dem Stadtbrand von 1669 im Jahre 1686 barockisiert.
  • Hexenkapelle/ Denkmal zur Erinnerung an die Hinrichtungen von 23 Opfern der Hexenverfolgung aus Šumperk in den Jahren 1682–1692[6]
  • Gedenktafel bei der Straße Černohorska, die sich in einem ehemaligen Gefängnis befindet, für die Opfer der Hexenprozesse
  • Im Juni 2000 enthüllte in Šumperk der Olmützer Erzbischof Jan Graubner für Dekan und Pfarrer Christoph Alois Lautner im ehemaligen Pfarrhaus (Kostelni nam) eine Gedächtnistafel[7] und entschuldigte sich für den Schuldanteil der Kirche an den Prozessen.[8]
  • Im Untergeschoss des Hauses Geshadera (ul. Kladska 1) gibt es eine Ausstellung über die Geschichte der Hexenverfolgung in der Region Jesenik-Šumperk.[9]
  • Im Südosten der Stadt befindet sich die Friedhofskirche St. Barbara. Die Deckengemälde schuf 1775 der Neustädter Maler Ignaz Oderlitzky.
  • Jüdischer Friedhof mit Trauerhalle

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1971 1981 1990 1991 2001 2011
Einwohnerzahl 7 200 16 006 18 739 17 192 23 690 31 959 37 375 30 394 29 499 27 189

[10][11]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt
Im Ort wirkten

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Mährisch Schönberg in den 1930er Jahren
  • 1882 bis 1907 Friedrich Ritter von Tersch
  • 1907 bis 1918 Viktor von Woehlheim
  • 1918 bis 1921 Gustav Oberleitner
  • 1921 bis 1923 Johann Witschke
  • 1923 bis 1933 Otto Lebwohl
  • 1933 bis 1934 Richard Künzell
  • 1934 bis 1938 Alois Blaschke
  • 1938 bis 1945 Hans Kaulich

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polivka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 358–361.
  • Franz Harrer: Geschichte der Stadt Mährisch-Schönberg. Öffentliche Deutsche Gemeindebücherei, Mährisch-Schönberg 1923.
  • Eva Hudcová: Der Bürger und sein Theater in einer mährischen Kleinstadt. Aus der Kulturgeschichte von Mährisch-Schönberg (= Beiträge zur deutschmährischen Literatur. Bd. 10). Univerzita Palackèho, Olomouc 2008, ISBN 978-80-244-2114-8.
  • Karl Umlauff, Friedrich Ritter von Tersch: Chronik der Stadt Mähr.-Schönberg. Von der Gründung der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Emmer, Mähr.-Schönberg 1901.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Šumperk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  2. Genealogie
  3. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 284. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  4. Geschichte der Stadt Šumperk (Mährisch Schönberg). Abgerufen am 31.08.2016.
  5. Angabe hier nach Drahomír Polák: Historie mariánského sloupu v Šumperku. Město Šumperk, Šumperk 1996, S. 53; im Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren. 1998, S. 360, wird das Werk Johann Wenzel Sturmer zugeschrieben.
  6. http://www.szlakczarownic.eu/de/trail-fuehrer.html?showall=1&limitstart=
  7. http://www.panoramio.com/photo/51689165
  8. Listář: přepis pořadu vom 3. Januar 2006
  9. http://www.szlakczarownic.eu/de/trail-fuehrer.html?showall=1&limitstart=
  10. Bis 1950: Retrospektivní lexikon obcí ČSSR I. 2., Praha: FSÚ 1978, S. 872.
  11. Databáze demografických údajů za obce ČR, Český statistický úřad, s výjimkou r. 1990 údaje vždy k 1. 1. (tschechisch)