Žatec

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Žatec in Böhmen. Für die gleichnamige Gemeinde in Mähren siehe Žatec na Moravě.
Žatec
Wappen von Žatec
Žatec (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Louny
Fläche: 4268,7337[1] ha
Geographische Lage: 50° 20′ N, 13° 33′ O50.32722222222213.545833333333233Koordinaten: 50° 19′ 38″ N, 13° 32′ 45″ O
Höhe: 233 m n.m.
Einwohner: 19.224 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 438 01
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Praha–Chomutov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeňka Hamousová (Stand: 2013)
Adresse: náměstí Svobody 1
438 01 Žatec 1
Gemeindenummer: 566985
Website: www.mesto-zatec.cz
Lageplan
Lage von Žatec im Bezirk Louny
Karte

Žatec (deutsch Saaz) ist eine Stadt im Landkreis Louny des Ústecký kraj im nördlichen Tschechien. Sie liegt am rechten Ufer der Eger oberhalb der Einmündung der Hutná. Unter dem böhmischen König Ottokar II. Přemysl wurde sie 1265 zur königlichen Stadt erklärt, mit besonderen Privilegien ausgestattet und war bis 1848 das Verwaltungszentrum des Saatzer Kreises. Im Jahre 1868 wurde Saaz Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Saaz.

Das historische Stadtzentrum wurde 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt. Žatec ist das Zentrum eines traditionellen Hopfenanbaugebietes und durch den Hopfenhandel für das böhmische und ausländische Brauereiwesen von Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Ansicht von Saaz (1794)

In den historischen Quellen liegt für 1004 die erste Erwähnung von Žatec (lateinisch: Satzi) in der Chronik des Thietmar von Merseburg vor, als der deutsche Kaiser die slawische Burg von der polnischen Besetzung befreite.[3] Die Stadt wurde 1265 zur Königsstadt erhoben und war im Mittelalter eines der wichtigsten Verwaltungszentren des böhmischen Staates. Vom 15. Jahrhundert bis 1848 war Žatec Sitz eines der 16, später 12 böhmischen Kreise. Diesem Saatzer Kreis (Žatecký kraj) wurde von 1714 bis 1751 der westlich benachbarte Elbogener Kreis (Loketský kraj) zugeschlagen. Ab 1868 hatte sie den Status einer Bezirksstadt des Bezirks Saaz, von 1938 bis 1945 des Landkreises Saaz und ab 1945 bis 1960 des Okres Žatec.

Unter dem böhmischen König Ottokar I. Přemysl wurden ab 1200 deutsche Siedler in das Königreich Böhmen gerufen, die sich auch in Saaz niederließen. Erst durch den Einfall der Hussiten um 1420 verließen viele Deutsche wieder die Stadt. Unter der Herrschaft des Georg von Podiebrad bekannte sich die Stadt zum Utraquismus und war danach bis zur Schlacht am Weißen Berg (1620) im Wesentlichen protestantisch. Als Teilnehmer des protestantischen Ständeaufstands wurde der Saazer Bürgermeister Maxmilián Hošťálek z Javořice in Prag zum Tode verurteilt und 1621 hingerichtet. Durch die Rekatholisierung im Rahmen der Gegenreformation und die Neubesiedlung nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm der Anteil der deutschen Bevölkerung wieder zu, so dass Saaz bis 1945 eine Stadt mit überwiegend deutscher Bevölkerung blieb.

Nach einer alten Urkunde im Turmknauf des Saazer Rathauses hatte Saaz am 1. September 1923 16.268 Einwohner, davon etwa 90 % Deutsche und 10 % Tschechen.[4] Am 1. Dezember 1930 waren es 18.100 Einwohner, am 17. Mai 1939 16.247 und am 22. Mai 1947 12.620 Bewohner. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die deutschböhmische Bevölkerung 1945 vertrieben.[5] Gemäß dem Beneš-Dekret 108 vom 25. Oktober 1945 wurde ihr Vermögen konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Eine Restitution des konfiszierten Vermögens ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt. Am 3. Juni 1945 befahlen Soldaten der 1. Tschechoslowakischen Division unter General Spaniel rund 5000 deutschen Männern, sich auf dem Marktplatz zu versammeln; anschließend mussten sie ins 15 Kilometer entfernte Postelberg marschieren. Dort wurden viele von ihnen summarisch erschossen, wie im Sommer 1947 von einer Untersuchungskommission des Parlaments festgestellt wurde. Insgesamt werden rund 2000 Tote angenommen[6]. Das Beneš-Dekret 115/46 erklärte derlei Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit, ... oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich.

Nach 1945 zogen viele Neubürger aus Zentralböhmen und Mähren sowie Wolhynientschechen orthodoxen Glaubens aus Gebieten der heutigen Ukraine, sogenannte tschechische Repatrianten, Slowaken und Roma nach Saaz.

Durch eine Verwaltungsreform wurden im Jahre 1960 die ehemaligen Bezirke Saaz, Podersam und Laun zum Okres Louny vereinigt. Damit verlor Žatec die wichtigsten Bezirksbehörden, wie Bezirksverwaltung und Bezirksgericht.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Stadt Žatec besteht aus den Ortsteilen Bezděkov (Bezdiek), Milčeves (Miltschowes), Radíčeves (Reitschowes), Trnovany (Trnowan), Velichov (Welchau), Záhoří (Dreihöf) und Žatec (Saaz).[7] Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bezděkov u Žatce, Milíčeves, Radíčeves, Trnovany u Žatce, Velichov u Žatce und Žatec.[8] Grundsiedlungseinheiten sind Bezděkov, Hlavní nádraží, Husova, Kasárna, Kolava, Macerka, Milčeves, Mostecká, Na homoli, Nad Černávkou, Nad libočanskou silnicí, Nemocnice, Pereč, Pod hlavním nádražím, Pod Starým vrchem, Pod západním nádražím, Podměstí-jih, Podměstí-sever, Radíčeves, Trnovany, U nemocnice-jih, U nemocnice-sever, U Ohře, U stadiónu, V pekle, Velichov, Za hřbitovem, Záhoří, Západní nádraží, Žatec-jih und Žatec-střed.[9]

Historische Stadtviertel[Bearbeiten]

  • Burgstädtl – im Bereich der ehemaligen Burg, heute Brauerei
  • Altstadt (Staré Město) – im Bereich der ursprünglichen Befestigungsanlagen
  • Schinitz oder Schitnitz (Žitník) – ehemalige Siedlung im Bereich des Püschel-Platzes (náměstí Chelčického)
  • Mühlviertel oder Mlynarsch (V Mlynářich) – östliche Vorstadt, im Bereich der Mühlen (Mühlgraben)
  • Tscherwenka (Čerwenka) – nördliche Vorstadt in Richtung Hauptbahnhof
  • Brandeis (Brandejs) – ehemalige Siedlung im Bereich des Rebitzer Platzes (zuvor Töpferring), jetzt Nerudovo náměstí
  • Skotník nördlich des Stadtparks am Tellweg (genannt „Vogelstange“), jetzt Zeyerova
  • Obere Vorstadt oder Prager Vorstadt (Horní Předměstí) – südliche Vorstadt
  • Untere Vorstadt (Dolní Předměstí) – westliche Vorstadt (Unterstadt)
  • Ostrow (Ostrov) – Bereich zwischen Eger und ehemaligem Mühlgraben in der Unterstadt
  • Dwornitz (Dvorník) – Vorstadt am linken Egerufer im Bereich des Westbahnhofs[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf die Stadt Saaz
Ringplatz mit Dreifaltigkeitssäule
Gymnasium der Stadt

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Žatec

Das historische Stadtzentrum wurde 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus mit Turm am Ringplatz
  • Säule der Heiligen Dreifaltigkeit am Ringplatz
  • Priestertor (auch Brückentor genannt)
  • Branka-Tor (auch Libotschaner Tor genannt)
  • Dekanatskirche und Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Florianssäule (richtiger "Säule des Allvaters und Weltenschöpfers") am Floriansplatz
  • Synagoge (1872 von Johann Staniek erbaut)
  • Hussitenbollwerk (Stadtbefestigung)
  • Stadttheater (1849 von Schulze und Grimm erbaut)
  • Evangelische Kirche (1897–1898 von Josef Petrowsky erbaut)
  • Hopfenmuseum (Chmelařské muzeum) am Prokop-Platz (nám. Prokopa Velkého 1952)
  • "Hopfen- und Bier-Tempel" – Museum mit Aussichtsturm und Restaurant des Vereins „Chram chmele a Pivo“ – CHCHP am Prokop-Platz (nám. Prokopa Velkého 1951)
  • Historische Gebäude der Hopfenverarbeitung und des Hopfenhandels in der Prager Vorstadt (Vorschlagsliste für UNESCO-Weltkulturerbe) [11]
  • Regionalmuseum
  • Gymnasium (1903 von Ernst Schäfer erbaut)
  • Grundschule (1880 als Bürgerschule von Carl Schlimp erbaut)
  • Altes Fachwerkhaus (Chalupe) im Mühlviertel
  • St. Jakobus-Kirche (jetzt orthodoxe Kirche)
  • Ehemaliges Kapuzinerkloster (1675–1950) mit Klosterkirche (1675–1683 erbaut) und Klostergarten
  • Wenzelskirche in der unteren Vorstadt
  • Eiserne Fachwerkbrücke von 1897 (von 1827 bis 1891 stand dort die Kettenbrücke von Friedrich Schnirch)
  • Villa Glaser und Villa Weiss (Telatko) des Architekten Rudolf Hildebrand

Legende: Im Jahre 2001 wurde auf dem Ringplatz ein Grab entdeckt, in dem sich ein Skelett, die Reste eines hölzernen Fasses und eine kleine Tontafel mit sieben Kerben („älteste Bierrechnung der Welt“) befanden. Diese Tafel (Gedenktafel an den „ältesten Biertrinker der Welt“) wurde zum Logo des Vereins „Tempel des Hopfens und des Bieres“.

Nicht mehr existierende Kirchen in Saaz[Bearbeiten]

  • Heiligkreuzkapelle am Ringplatz (am heutigen Hopfengarten)
  • Kirche der Hl. Petrus und Paulus mit Lorettokapelle des ehemaligen Minoritenklosters (1266 bis 1419) auf dem Lorettoplatz (náměstí J. Žižky), durch Grabung gesichert, siehe spezielle Pflasterung auf dem Platz
  • Prämonstratenserkloster (1807–1873) am Floriansplatz Nr.765 (gegenüber dem alten Gymnasium)
  • St. Veitskirche in der Schönfeldgasse (Dvořákova), durch Grabung gesichert, siehe spezielle Pflasterung
  • Kirche mit unbekanntem Patrozinium in Schitnitz (Žitník) auf dem Püschel-Platz (náměstí Chelčického), durch Grabung gesichert, siehe spezielle Pflasterung auf dem Platz
  • St. Johannes der Täufer-Kirche mit ehemaligem Friedhof im Mühlviertel (Mlynarsch)
  • St. Prokop-Kirche mit ehemaligem Friedhof (bis 1902) in Dwornitz, Mozartstraße (Jana Herbena) am linken Egerufer
  • St. Michael-Kirche in Brandeis am Rebitzer Platz (Nerudovo náměstí)[12]
  • St. Nikolaus-Kirche, St. Anna-Kapelle und St. Andreas-Kapelle in der oberen Vorstadt
  • St. Johannes Evangelist und St. Maria Magdalena in der unteren Vorstadt
  • St. Martin in der Batschyna (Batšyna)[13]
  • Fronleichnamskapelle (Corpus Christi) in der Karlsbader Gasse Nr. 356
  • St. Lazarus-Kapelle in der Trnowaner Str. (1884 abgerissen)

Ehemalige Stadttore, Türme und Pforten[Bearbeiten]

  • Priestertor (noch vorhanden)
  • Zolltor (auch Prager Tor genannt) am Haus Nr. 243 ("Drehscheibe")
  • Rotes Tor mit Rotem Turm (auch Kapuzinertor genannt), am Kapuzinerkloster
  • Tscheraditzer Tor (auch Majnuš-Tor) an der Wussinallee/Goethestr.
  • Neuer Turm oder Weißer Turm (auch Rösselturm genannt) auf der Bastion an der Stadtmauer (am ehem. Gasthaus „Zum weißen Rössel“ Nr. 29/30, neben dem Stadttheater)
  • Liebotschaner Pforte (als Brankator noch vorhanden)
  • Mlynarsche Pforte zwischen den Häusern Nr. 201 und 202
  • Pforte zwischen den Häusern Nr. 238 und 239 (von der Prager Gasse zum Schießhaus)

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Urstoff-Genossenschafts-Brauerei (Anton Dreher)
Ehem. Kartonagenfabrik Lüdersdorf

Siehe auch: Liste der Industriedenkmale in Žatec

In der Gründerzeit nach dem Eisenbahnanschluss 1872–73 entstanden in Saaz zahlreiche Fabriken: [14]

  • ASTRA-Werke (Ziegeleien), Horatitzer Str. (Chomutovská)
  • Zuckerfabrik Robert Köhler, Resselstr. (Resslová 706) (gegr. 1871)
  • Kartonagenfabrik Schöffl, später Moritz Lüdersdorf (1873), Holletitzer Str. (Volyňských Čechů 733)
  • Saazer Hufnagelfabrik A. Mendl´s Erben, später Mustad & Sohn, Beethovenstr. (ul. Jana ze Žatce)
  • Drahtwerk, Drahtstifte- und Schraubenfabrik Bechert & Co., Bahnhofstr. (Purkyněho) (gegr. 1887) [15]
  • Drahtstiftenfabrik und Metallwarenfabrik, Leopold Telatko, Liebotschaner Str. (Svatováclavská 618)
  • Drahtseilfabrik Josef Reimann & Co., Stankowitzer Str. (Osvoboditelů 721)
  • Lackfabrik, Bergmann & Deiml, Stankowitzer Str. (Osvoboditelů 1107)
  • Humanic Leder- und Schuhfabrik AG, Stankowitzer Str. (Osvoboditelů 1948)
  • Erste Saazer Fichtenpechraffinerie Ferdinand Lustig & Co., Bahnhofstr. (Purkyněho 801)
  • Urstoff-Genossenschafts-Brauerei bzw. Export-Brauerei Anton Dreher, Horatitzer Str. 1042 (Chomutovská) (gegr. 1898)
  • Bürgerliche Brauerei Saaz, Lorettoplatz (Žižkovo nám. 81) (seit 1801)
  • Pianofabrik Sieber, Tscheraditzerstr. 1014 (Čeradická čp. 1014)
  • Filzfabrik Dietersdorf Saaz Nr. 1187 (Raisova čp. 1187)
  • Heinrich Schuldes Pflug- und Maschinenfabrik Saaz, Jakobsgasse (Tyršova)
  • zahlreiche Hopfenhandelsfirmen, insbes. im Bereich der Prager Vorstadt

Gegenwärtige Unternehmen

  • Žatecký Pivovar (ehem. Bürgerbrauerei), Žižkovo nám. 81, gehört seit 2014 zur Unternehmensgruppe Carlsberg [16]
  • Chmelařský institut s.r.o., Kadaňská 2525 (Hopfeninstitut, gegr. 1925)
  • OSEX, spol. s r.o., Osvoboditelů 1948 (Saatgutfirma, in der ehem. Schuhfabrik)
  • HP Pelzer k.s., Raisova 1187

sowie im neuen Gewerbegebiet „Triangel“ an der Schnellstraße R7 Praha – Chomutov:

  • IPS Alpha Technology Europe, s.r.o. (japanisches Unternehmen)
  • Hitachi Automotive Systems Czech s.r.o. des japanischen Konzerns Hitachi

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahnverkehr

Ehem. Hauptbahnhof von Saaz

Ab 1872–73 war Saaz an das Eisenbahnverkehrsnetz durch die Buschtěhrader Eisenbahn von Prag nach Komotau und die Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) von Pilsen nach Dux angeschlossen. Heute existieren noch die Bahnstrecke Plzeň–Duchcov von Pilsen bis Bilin und die Bahnstrecke Praha–Chomutov von Prag nach Komotau.

Es gibt zwei Bahnhöfe: Žatec (früher Saaz Stadt) und Žatec západ (früher Saaz West).

Straßenverkehr

Žatec ist über die folgenden Straßen zu erreichen:

  • Fernstraße I/27 von Dubí (Eichwald) nach Železná Ruda (Markt Eisenstein)
  • Landstraße II/225 von Louny (Laun) nach Kadaň (Kaaden)
  • Landstraße II/227 von Žatec nach Křivoklát (Pürglitz)
  • Landstraße II/250 von Žatec nach Raná zur Fernstraße I/28

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Wilhelm Illing (1648–?), Jesuitenpater, Missionar in Mexiko [17]
  • Franz Kermer oder Körner (1710–1786), Architekt und Baumeister
  • Josef Kohaut (1738–1777[?]), Komponist und Lautenist
  • Karel Rafael Ungar (1744–1807), Priester und Literaturhistoriker
  • Franz Bayer (1853–1930), Augenarzt und Kommunalpolitiker
  • Gabriel Anton (1858–1933), Neurologe und Psychiater
  • Anton Gnirs (* 18. Januar 1873 – 10. Dezember 1933), Archäologe, Prähistoriker und Denkmalpfleger
  • Otto Th. W. Stein (1877–1958), Zeichner und Maler
  • Wilhelm Wostry (1877–1951), Historiker
  • Leo Baerwald (1883–1970), Rabbiner
  • Karl Lehrmann (1887–1957), österreichischer Architekt[18]
  • Richard Paulus (* 1887), Graphiker und Fotograf
  • Maria Treben (1907–1991), Alternativmedizinerin
  • Karel Reiner (1910–1979), Komponist
  • Helmut Slapnicka (1916–2006), Jurist, Universitätsprofessor, Rechtshistoriker, Fachpublizist[19]
  • Peter Eduard Glaser (1923–2014), amerikanischer Wissenschaftler und Raumfahrt-Ingenieur
  • Werner Nachtigall (* 1934), Zoologe und Biologe
  • Rosa Reichenbach (* 1940), Malerin und Designerin[20]
  • Petr Štrompf (* 10.01.1953), tschechischer Schriftsteller
  • Petr Kotvald (* 8. Juli 1959), tschechischer Sänger
  • Miroslav Varga (* 21. September 1960), tschechischer Sportler und Olympia-Teilnehmer
  • Mirek Kaufman (* 1963), tschechischer Maler
  • Dagmar Vaňkátová (* 5.12.1963), tschechische Opernsängerin
  • Jan Svěrák (* 6. Februar 1965), tschechischer Filmregisseur, Schauspieler und Drehbuchautor

In der Stadt wirkten und lebten[Bearbeiten]

Gedenkstele für Johannes von Saaz im Klostergarten
  • Adolf Seifert (1826-1910), als Arzt und Heimatforscher war er einer der Gründer des Saazer Hopfenvereins. In den 1870er Jahren engagierte er sich als einflussreiches Mitglied der Liberalen Partei in der Saazer Kommunalpolitik. Als Archivar leitete er von 1903 bis 1905 das Saazer Stadtarchiv und schrieb mehrere Bücher zur Geschichte der Stadt.
  • Ferdinand Wussin (1771–1848), Kreishauptmann von Saaz 1820–1837, Ehrenbürger der Stadt (1828)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Wenzel Kopřiwa, kgl. Bürgermeister von Saaz
  • Magister Nikolaus Czernobyl (um 1541)[21]
  • Maxmilián Hošťálek z Javořice (1564–1621) von 1610 bis 1621
  • Franz Karl Schicketanz († 1803)
  • Joseph Hermann (1739-1819) von 1803 bis 1816
  • Wenzel Kopřiwa (1781–1838) von 1816 bis 1828
  • Josef Hoffmann von 1828 bis 1840
  • Josef Adam von 1840 bis 1845
  • Franz Gelinek von 1845 bis 1850
  • Karl Petrowitz von 1850 bis 1855
  • Theodor Ritter von Schönfeld (1816–1879) von 1855 bis 1861 und 1876 bis 1879
  • Theodor Hassmann (1825–1894) von 1861 bis 1876 [22]
  • Hubert Titlbach von 1879 bis 1887
  • Constantin Ritter von Schönfeld (1844–1921) von 1887 bis 1898
  • Karl Wostry ab 1900
  • Rudolf Ritter von Schönfeld (1876–1940) von 1924 bis 1938[23]
  • Erich Knoblauch von 2007 bis 2010
  • Zdeňka Hamousová seit 2010

Dechanten an der Dekanatskirche „Mariä Himmelfahrt“[Bearbeiten]

Die Pfarrer bzw. Dechanten der Saazer Hauptpfarrkirche kamen aus dem königlichen Prämonstratenserstift Strahov. Nach 1420 waren die Pfarrer hussitisch, danach utraquistisch bzw. später protestantisch. Ab 1622 gibt es wieder einen römisch-katholischen Pfarrer. Ab 1710 erhielt der Magistrat der Stadt Saaz das Patronats- und Kollaturrecht und durfte damit entscheiden, wer Dechant (Dekan) wird. Liste der Dechanten:[24]

  • 1628 P. Andreas Mirecus, erster röm.-kathol. Dechant seit 1420
  • 1780 – 1804 P. Liber Leopold Schirl (* 1747 Saaz; † 1804)
  • 1804 – 1831 P. Theophil Franz Singer (* 1760 Prag; † 1831)
  • 1832 – 1861 P. Norbert Josef Oßwald (* 1801 Saaz; † 1868)
  • 1862 – 1865 P. Aegidius Christof Kaiser
  • 1865 – 1870 P. Casimir Gebauer († 1870)
  • 1870 – nach 1902 P. Aloysius Josef Hanel (* 1829)
  • bis 1945 P. Ignaz Josef Preiß (* 1870 Jungbunzlau; † 1966 Moravec), Erzdechant
  • 1945 – 1956 Gerlak Josef Mazal (1863–1962), Erzdechant
  • 1956 – 1964 Ignác Stodůlka (1903–1964), Administrator
  • 1964 – 1969 František Kolář, Administrator
  • 1969 – 1998 P. Hroznata Jan Svatek, Dechant
  • seit 1998 P. Augustin Josef Špaček, Administrator

Juden in Saaz[Bearbeiten]

Eingang zum ehemaligen Jüdischen Friedhof in Saaz

Spätestens im 14. Jahrhundert sind Juden in die königliche Stadt Saaz eingewandert, ihre Existenz lässt sich seit 1350 nachweisen. Ein jüdisches Ghetto mit Friedhof („Judengarten“) gab es am rechten Ufer der Eger. Im Jahre 1541 ereignete sich ein Pogrom gegen die Juden, sie wurden vertrieben, ihr Besitz wurde geraubt. In einem Gnadenbrief bestätigte König Ferdinand von Böhmen 1543, dass die Stadt fortan keine Juden mehr zu dulden brauche. Die vertriebenen Juden siedelten sich in verschiedenen umliegenden Dörfern an, z. B. in Horschenz (Hořence bei Nezabylice), Libotschan (Libočany), Liebeschitz (Liběšice u Žatce), Michelob (Měcholupy), Postelberg (Postoloprty) und Tscheraditz (Čeradice)[25][26][27]

Aber auch in der näheren Umgebung, z. B. in Bielenz (Bílence), Deutsch Rust (Podbořanský Rohozec), Drahenz bei Lubenz (Drahonice bei Lubenec), Eidlitz (Údlice), Ledau bei Podersam (Letov bei Podbořany), Maschau (Mašťov), Pflanzendorf bei Perutz (Hřivčice bei Peruc), Podersam (Podbořany) und Weitentrebitsch (Široké Třebčice bei Veliká Ves) gab es jüdische Gemeinden und jüdische Friedhöfe.

Die Rückwanderung von Juden aus diesen umliegenden Dörfern nach Saaz begann erst wieder um 1850 bedingt durch die jüdische Emanzipation nach der Revolution von 1848/49. Im Jahr 1868 erfolgte die Verlegung der Synagoge von Libotschan nach Saaz und es wurde eine jüdische Kultusgemeinde in Saaz gegründet. Der jüdische Friedhof an der Trnowaner Straße wurde 1869 eröffnet (seit 1902 mit Zeremonienhalle). Die Saazer Synagoge wurde 1871– 72 nach Plänen von Johann Staniek in der Langgasse erbaut und im Jahr 1911 renoviert, sie ist die zweitgrößte in Böhmen.[28]

Um 1900 gab es die größte Anzahl jüdischer Bewohner in der Stadt, es lebten etwa 1300 Juden in Saaz. Eine starke Abwanderung setzte in den 1930er Jahren ein. Bei der Eingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich im Jahr 1938 hatten die meisten Juden die Stadt bereits verlassen, mit der Deportation der letzten Juden kam 1942 das Ende der jüdischen Gemeinde. Die Synagoge wurde 1938 teilzerstört, danach aber wieder als Lazarett und nach dem Zweiten Weltkrieg als Lagerraum genutzt. Nach der Sanierung im Jahr 2008 wird sie jetzt als Kulturzentrum genutzt, da es keine jüdische Gemeinde in Saaz mehr gibt.

Liste der Rabbiner in Saaz[29][Bearbeiten]

  • Abraham Frank (* 1832, † 1917) von 1867 bis 1872
  • Siegmund Maybaum (* 1844 in Miskolcz (Ungarn), † 1919 in Berlin) von 1873 bis 1881
  • Aron Baerwald (* 1854 in Nakel an der Netze in Posen, † 1891 in Saaz) von 1881 bis 1891
  • Simon Stern (* 1856 in Neustadt an der Waag (Slowakei), † 1930 in Saaz) von 1891 bis 1930
  • Heinrich Schwenger (* in Keischlitz bei Humpoletz) von 1931 bis 1942
  • Karel Körper († 1950), Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von 1945 bis 1950
  • Otto Beck († 1976), als Vorsitzender und Jindřich Kohn († 1955) als Vorleser der Gemeinde

Gottesdienste fanden bis 1954 im Gebäude neben der Synagoge statt. [30]

Bedeutende Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Saaz[Bearbeiten]

  • Eduard Glaser (* 1855 in Deutsch Rust, † 1908 in München) verbrachte seine Kindheit und Jugend in Saaz, studierte in Prag und Wien und wurde ein österreichischer Forschungsreisender, Orientalist und Archäologe, sein Forschungsschwerpunkt lag im Süden der arabischen Halbinsel. Er gilt als einer der Begründer der Sabäistik.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Jeweils im September zum Ende der Hopfensaison findet das Saazer Hopfenfest (genannt Dočesná – Chmelfest) statt.[31]

Die Stadt wird oft als Filmkulisse gewählt, so wurden u. a. Aufnahmen für folgende Filme in Žatec gedreht:

Bilder von der Stadt Saaz[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Tutte: Der politische Bezirk Saaz, Saaz 1904, 918 S.
  • Adolf Seifert: Die Stadt Saaz im 19. Jahrhundert, Saaz 1902, 580 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Žatec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/566985/Zatec
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Thietmar Chron. 6, 10 (Digitalisat MGH-Digital S. 287)
  4. Erich Hentschel: Saazerland – Das Land des "Grünen Goldes" in Heimatbrief Saazerland vom Oktober/November 2014, S. 1.
  5. Alfred Schickel: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei: Geschichte, Hintergründe, Bewertungen Hrsg.: Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, Dokumentation, ISBN 3-89182-014-3.
  6. Hans-Ulrich Stoldt: Mord im Fasanengarten, in: Der Spiegel, Hamburg, Nr. 36, 31. August 2009, S. 66 f.
  7. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/566985/Obec-Zatec
  8. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/566985/Obec-Zatec
  9. http://www.uir.cz/zsj-obec/566985/Obec-Zatec
  10. Stadtrundwege – Infoblätter der Stadtverwaltung Žatec (2012)
  11. Žatec- Stadt des Hopfens (abgerufen am 2. Juli 2015) (tschech.)
  12. Stadtrundwege – Infoblätter der Stadtverwaltung Žatec (2012)
  13. Karl Tutte: Der politische Bezirk Saaz, Saaz 1904, S. 312
  14. Hans Nowak: Saaz – Geschichte einer deutsch-böhmischen Stadt (Stiftung Saazer Heimatmuseum) (abgerufen am 22. Juni 2015)
  15. Otokar Löbl: Jüdische Unternehmen in Saaz (Förderverein der Stadt Saaz-Žatec e. V.) (abgerufen am 22. Juni 2015)
  16. Bier-Gigant Carlsberg übernimmt böhmische Brauerei Zatec (abgerufen am 26. Juni 2015)
  17. Kalendarium der Aussiger Region (tschech.) (abgerufen am 1. August 2015)
  18. http://www.usti-aussig.net/autori/karta/jmeno/117-karl-lehrmann
  19. Helmut Slapnicka in der Deutschen Biographie
  20. http://www.rosareichenbach.de/vita.htm
  21. http://digi.landesbibliothek.at/viewer/fulltext/AC07942390/600/ Die Juden und Judengemeinden in Böhmen, S. 579 ff.
  22. Katalog der Nordböhmischen wissenschaftlichen Bibliothek Ústí nad Labem (abgerufen am 24. Juni 2015)
  23. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Schoenfeld_Rudolf_1876_1940.xml Biographien
  24. Adolf Seifert: Die Stadt Saaz im 19. Jahrhundert, Saaz 1902
  25. http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/1718-saaz-eger-boehmen Klaus-Dieter Alicke: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum
  26. http://digi.landesbibliothek.at/viewer/fulltext/AC07942390/599/ Geschichte der Juden in Saaz, aus "Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart I. Ein Sammelwerk herausgegeben von Hugo Gold, 1934, Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn-Prag".
  27. http://www.hugogold.com/bohemia/saaz.pdf Ernst Mändl und Heinrich Schwenger: Die Geschichte der Juden in Saaz, S. 579–584 (aus Geschichte der Juden in Saaz, aus "Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart I. Ein Sammelwerk herausgegeben von Hugo Gold, 1934).
  28. https://cs.wikipedia.org/wiki/Synagoga_v_%C5%BDatci Synagoge in Saaz
  29. http://www.saaz-juden.de/html/body_8__die_rabiner_von_saaz-zatec_.html Förderverein der Stadt Saaz/ Žatec e. V
  30. Die jüdische Gemeinde Saaz (abgerufen am 20. Juli 2015)
  31. Hopfenfest in Saaz (abgerufen am 22. Juni 2015)