Ḫannaḫanna

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Ḫannaḫanna ist eine hethitische Muttergöttin, die oft in hattischen Mythen auftaucht. Ihr Name bedeutet "Urgroßmutter" (von hethitisch ḫanna- = Großmutter)[1]. Sie wurde mit der mesopotamischen Muttergöttin Dingirmaḫ gleichgesetzt[2].

Aufgaben und Verehrung[Bearbeiten]

Als Muttergöttin half Ḫannaḫanna auch bei der Geburt[3]. Sie hatte einem Geburtshilferitual zufolge keinen eigenen Kultort, doch es hieß, dass sie stattdessen die Menschheit gewählt habe[4]. Allerdings nahm sie im Kult des Karums Kaneš eine wichtige Position ein[5].

Im Mythos[Bearbeiten]

In einem fragmentarisch erhaltenen Mythos verspricht Ḫannaḫanna der Göttin Inara Land und einen Mann. Bei diesem Menschen könnte es sich um Ḫupašija aus dem Illujanka-Mythos handeln[6].

Im Mythos vom Verschwinden des Gottes Telipinu berät sie die anderen Götter was zu tun sei um den verschwundenen Gott wieder aufzuspüren. Sie schickt am Ende nach mehreren erfolglosen Versuchen ihren Hilfsgeist, die Biene, los, um den verschwundenen Telipinu zu finden, was der Biene auch gelingt[7]. In einem anderen Mythos verschwindet sie selbst[8].

Im Mythos vom Raub der Sonne durch das Meer vermittelt die Muttergöttin zwischen Tarḫuna und dem Meeresgott bezüglich des Brautpreises für Ḫatepuna, die Tochter des Meeres, welche von dem Gott Telipinu im Zuge der Befreiung der Sonne geraubt wurde[9].

In einem weiteren Mythos bestimmt Ḫannaḫanna, dass ein Armer, der der Sonne opfert, mit nur einem Schaf nicht so viel opfern muss wie ein reicher Mann (neun Schafe)[10].

Andere Großelterngottheiten[Bearbeiten]

Ḫannaḫanna ist nicht die einzige Großelterngottheit im hethitischen Pantheon.

So gibt es den Großvatergott Ḫuḫḫa (hethitisch ḫuḫḫa- = Großvater), den Vater eines Wettergottes und Großvater eines weiteren Wettergottes[11].

Auch ist die Großmuttergöttin Ammamma (hethitisch amma- evtl. = Mutter) bekannt[12]. Sie ist eine Göttin der Natur und Fruchtbarkeit[13].

Literatur[Bearbeiten]

  • Volkert Haas: Die hethitische Literatur., Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 2006, ISBN 978-3-11-018877-6.
  • Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-51695-9.
  • Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Harrassowitz Verlag, Göttingen, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05885-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011, S. 224.
  2. Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 125.
  3. Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 125.
  4. Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 198.
  5. Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 31.
  6. Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 97 f.
  7. Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 106 f.
  8. Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 156.
  9. Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 116.
  10. Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Berlin 2006, S. 120.
  11. Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011, S. 224.
  12. Volkert Haas, Heidemarie Koch: Religionen des alten Orients: Hethiter und Iran. Göttingen 2011, S. 224.
  13. Piotr Taracha: Religions of Second Millennium Anatolia. Wiesbaden 2009, S. 57.