(50000) Quaoar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Asteroid
(50000) Quaoar
Quaoar PRC2002-17e.jpg
Quaoar, vom Hubble Space Telescope aufgenommen, Summe von 16 Belichtungen.
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 13. Januar 2016 (JD 2.457.400,5)
Orbittyp Cubewano
Große Halbachse 43,373 AE
Exzentrizität 0,035
Perihel – Aphel 41,868 AE – 44,878 AE
Neigung der Bahnebene 8°
Länge des aufsteigenden Knotens 188,8°
Argument der Periapsis 155,2°
Siderische Umlaufzeit 285 a 8 M
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 4,524 [1] km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 1100 ± 5 [2] km
Masse 1,4 ± 0,1 ⋅ 1021 [3] kg
Mittlere Dichte 2,01 ± 0,14 g/cm³
Rotationsperiode ca. 18 h (± 30 %)
Absolute Helligkeit 2,4 mag
Geschichte
Entdecker Chad Trujillo,
Michael E. Brown
Datum der Entdeckung 4. Juni 2002
Andere Bezeichnung 2002 LM60
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.

(50000) Quaoar [ˈkwɑːwɑr] ist ein transneptunisches Objekt im Kuipergürtel. Bevor er den Namen Quaoar erhielt, wurde er unter der vorläufigen Bezeichnung 2002 LM60 geführt. Quaoar gehört wahrscheinlich zu der am 24. August 2006 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) eingeführten Klasse der Zwergplaneten.

Transneptunisches Objekt Pluto Charon (Mond) Hydra (Mond) Kerberos (Mond) Nix (Mond) Styx (Mond) (136199) Eris Dysnomia (Mond) (136472) Makemake (136108) Haumea Hiʻiaka (Mond) Namaka (Mond) (90377) Sedna (225088) 2007 OR₁₀ (50000) Quaoar Weywot (Mond) (90482) Orcus Vanth (Mond) ErdeGrößenvergleich transneptunischer Objekte und der Erde
Größenvergleich transneptunischer Objekte und der Erde (Phantasiezeichnungen außer beim Plutosystem und der Erde, Bildüberschrift Stand Juni 2015). Namen sind verlinkt (große Darstellung).

Entdeckung und Benennung[Bearbeiten]

Quaoar wurde bereits 1982 von dem Astronomen Charles Kowal fotografiert, aber nicht als Asteroid identifiziert. Entdeckt wurde der Asteroid am 4. Juni 2002 von den Astronomen Chad Trujillo und Michael E. Brown am California Institute of Technology in Pasadena, USA, von denen er auch benannt wurde.

Der Name Quaoar entstammt dem Schöpfungsmythos der nordamerikanischen Tongva-Indianer, die in der Gegend um Los Angeles leben.

Die Entdeckung von Quaoar schwächte Plutos Status als Planet, zumal Astronomen weitere Objekte von Quaoars Größe im Kuipergürtel vermuten. Später wurde mit Eris dort sogar ein Objekt gefunden, das größer als Pluto zu sein schien. Auf Grund seiner Größe befindet sich Quaoar wahrscheinlich im hydrodynamischen Gleichgewicht, so dass eine Zuordnung zu den Zwergplaneten zu erwarten ist. Nach Mike Brown ist er fast sicher ein Zwergplanet.

Anders als Pluto verfügt Quaoar wie die meisten Zwergplaneten über kein offizielles Astronomisches Symbol oder eines welches allgemein verwendet wird. Im Internet kursierende Quaoarsymbole (z. B. Quaoar symbol proposal.png) sind Entwürfe von Privatpersonen.[4] Eine offizielle Anerkennung ist nicht absehbar, da astronomische Symbole in der modernen Astronomie nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Bahneigenschaften[Bearbeiten]

The orbit of 50000 Quaoar – polar view (Transneptunian object)
The orbit of 50000 Quaoar – ecliptic view (Transneptunian object)
Die Bahn von Quaoar (blau)
im Vergleich zu denen von Pluto
(rot) und Neptun (grau)
 

Quaoar umkreist die Sonne in einer fast perfekten Kreisbahn in etwa 6,5 Milliarden Kilometer Entfernung (43,373 AE; Perihel 41,868 AE – Aphel 44,878 AE), die 7,9870° gegen die Ekliptik geneigt ist. Die Umlaufdauer beträgt rund 285 Jahre.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Quaoars Durchmesser wurde, unter anderem mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskopes, zunächst zu 1250 ± 50 km bestimmt. Damit war er, bis zur Entdeckung von (90482) Orcus und (90377) Sedna, das größte seit Pluto entdeckte Objekt im Sonnensystem. Mit Hilfe der Daten des Spitzer-Weltraumteleskops wurde durch Stansberry et al. 2008 bzw. Brucker et al. 2009 der Durchmesser von Quaoar mit ≈ 900 km bestimmt. Die sich daraus ergebende Dichte von 4,2 Gramm pro Kubikzentimeter wäre für Objekte des Kuipergürtels ungewöhnlich hoch.[5][6][7] Neuere Untersuchungen 2013 mit dem Herschel-Weltraumteleskop (Instrumente SPIRE und PACS) kombiniert mit den überarbeiteten Daten des Spitzer-Teleskops (Instrument MIPS) kommen zu dem Schluss, dass der Durchmesser doch eher 1073,6 ± 37,9 km beträgt. Die Dichte wäre dann 2,15 ±0,40 g/cm³.[3](S.15) Auch andere Forschergruppen errechneten Werte von 1100 ± 5 km anlässlich einer Sternbedeckung 2011.[2] Das ergibt eine Dichte von 2,01 g/cm³, die für Kuipergürtelobjekte nicht ungewöhnlich ist.

Im Dezember 2004 gelang mit dem japanischen Acht-Meter-Teleskop Subaru der Nachweis von kristallinem Wassereis und auch Ammoniak-Hydrat in der Oberfläche von Quaoar. Dies ist sehr überraschend, da man bei einer Oberflächentemperatur von 50 Kelvin eigentlich nur amorphes Eis ohne Kristallstruktur vermuten würde. Man braucht die Annahme von Temperaturen bis zu 110 Kelvin, um den Prozess erklären zu können. Nun wird vermutet, dass sich im Inneren von Quaoar noch genügend Radioaktivitätswärme befindet, die diese Temperaturen erzeugt. Es entsteht dabei eine Art Kryovulkanismus, wie auch auf dem Neptunmond Triton.

Mond[Bearbeiten]

Im Februar 2007 gab ein Team um Mike Brown die Entdeckung eines Mondes mit 95 km Durchmesser bekannt, der auf Aufnahmen von 2006 entdeckt wurde.[8] Im November 2009 wurde dem Mond der Name Weywot (Quaoar I) zugewiesen.[9] Durch die Analyse der Umlaufbahn konnte die Masse des Systems auf 1,4 ⋅ 1021 kg [3] bestimmt werden.

Sichtbarkeit[Bearbeiten]

Amateurastronomen benötigen zur Beobachtung die genauen Koordinaten, ein 40-Zentimeter-Teleskop sowie zur Dokumentation eine Kamera. Auf Aufnahmen von hintereinander folgenden Nächten gibt sich der Asteroid dann als langsam wandernder Punkt zu erkennen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quaoar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berechnet: v ≈ π*a/periode (1+sqrt(1-e²))
  2. a b Braga-Ribas, F.; Sicardy, B.; Ortiz, J.L.; et al. (2013). “The Size, Shape, Albedo, Density, and Atmospheric Limit of Transneptunian Object (50000) Quaoar from Multi-chord Stellar Occultations”. The Astrophysical Journal 773: 26. (englisch)
  3. a b c S. Fornasier, E. Lellouch, T. Müller, P. Santos-Sanz, P. Panuzzo, C. Kiss, T. Lim, M. Mommert, D. Bockelée-Morvan, E. Vilenius, J. Stansberry, G.P. Tozzi, S. Mottola, A. Delsanti, J. Crovisier, R. Duffard, F. Henry, P. Lacerda, A. Barucci, & A. Gicquel (2013). TNOs are Cool: A survey of the trans-Neptunian region. VIII. Combined Herschel PACS and SPIRE observations of 9 bright targets at 70–500 µm.
  4. Beispiel einer privaten Internetseite mit einer Kollektion von Symbolentwürfen: Denis Moskowitz: Symbols for large trans-Neptunian objects. 13. April 2014, abgerufen am 19. Mai 2015 (englisch).
  5. W. C. Fraser, M. E. Brown, 2010. Quaoar: A Rock in the Kuiper belt (arxiv:1003.5911) ApJ letters (englisch)
  6. The Planetary Society Blog: Quaoar: A rock in the Kuiper Belt (englisch)
  7. SpektrumDirekt: Fernes Kuipergürtelobjekt Quaoar ist Felskugel (7. April 2010)
  8. Asteroids with Satellites – (50000) Quaoar
  9. Astronomical Headlines. Cfa.harvard.edu. Abgerufen am 19. Juni 2010.