(79360) Sila

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Asteroid
(79360) Sila
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 4. September 2017 (JD 2.458.000,5)

Orbittyp Cubewano
Familie  
Große Halbachse 43,959 AE
Exzentrizität 0,014
Perihel – Aphel 43,329 AE – 44,589 AE
Neigung der Bahnebene 2,2°
Länge des aufsteigenden Knotens 304,4°
Argument der Periapsis 234°
Siderische Umlaufzeit 291,46 ± 0,02 a
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 4,492 [1] km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 248 km
Masse 1,084 ± 0,022 ⋅ 1019 [2] (System)Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,117 ± 0,035/0.024 (System)
Mittlere Dichte 0,72 +0,37–0,23 [2] (System) g/cm³
Rotationsperiode 300 h 14 min 24 s [3]
Absolute Helligkeit 5,3 (System) mag
Spektralklasse B–V = 1,08
V–R = 0,66
Geschichte
Entdecker Jane X. Luu
David C. Jewitt
Chadwick A. Trujillo
Jun Chen
Datum der Entdeckung 3. Februar 1997
Andere Bezeichnung 1997 CS29
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.

(79360) Sila ist ein transneptunisches Objekt im Kuipergürtel, das als Cubewano eingestuft wird. Da Sila über einen fast gleich großen Begleiter namens Nunam verfügt, wird dieses System auch als Doppelasteroidensystem (79360) Sila-Nunam[4] bezeichnet.

Entdeckung und Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sila wurde am 3. Februar 1997 von einem Astronomenteam des California Institute of Technology in Pasadena bestehend aus Jane X. Luu, David C. Jewitt, Chadwick A. Trujillo und Jun Chen am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaii entdeckt. Der Asteroid erhielt zunächst die vorläufige Bezeichnung 1997 CS29.

Am 9. Januar 2012 erhielt Sila zusammen mit Nunam den offiziellen Namen, benannt nach Inuit-Göttern. Sila („Geist“) ist der Inuit-Gott von Himmel, Wetter und Lebenskraft. Nunam ist die Erdgöttin, in einigen Traditionen als Silas Frau. Nunam erschuf die Landtiere und, in einigen Traditionen, das Volk der Inuit. In anderen Traditionen war es Sila, der die ersten Menschen aus feuchtem Sand erschuf. Sila hauchte den Inuit das Leben ein.

Seit seiner Entdeckung wurde der Doppelplanetoid durch verschiedene Teleskope wie das Hubble- und das Herschel-Weltraumteleskop sowie erdbasierte Teleskope beobachtet. Im Januar 2018 lagen 338 Beobachtungen über einen Zeitraum von 19 Jahren bei 18 Oppositionen vor.[5][6]

Bahneigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sila umläuft die Sonne auf einer nur leicht elliptischen Umlaufbahn zwischen 43,328 AE und 44,589 AE Abstand zu deren Zentrum. Die Bahnexzentrizität beträgt nur 0,014, die Bahn ist 2,248° gegenüber der Ekliptik geneigt. Sein Perihel wird er zum Jahreswechsel 2047/2048 das nächste Mal durchlaufen. Im Januar 2018 war er 43,5 AE von der Sonne entfernt.[7]

Die Umlaufzeit von Sila beträgt 291,46 Jahre. Insgesamt ähneln diese Bahnelemente denen von Quaoar (287,53 Jahre Umlaufzeit).

Nah-Bahnresonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sila bewegt sich nahe einer 7:4-Resonanz mit Neptun. Daher ist er sowohl beim MPC als auch beim DES als Cubewano und nicht als resonantes KBO klassifiziert.[8][9] Ein Objekt der 7:4-Resonanz ist zum Beispiel (469306) 1999 CD158.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Durchmesser von Sila beläuft sich auf 248 km, wobei sein Begleiter Nunam mit 236 km um nur 5 % kleiner ist. Messungen im fernen Infrarotbereich durch das Herschel-Weltraumteleskop ergaben zunächst einen Durchmesser von 250 bis 420 km, allerdings für einen einzelnen Körper.[10]

Innerer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ausgesprochen niedrige System-Dichte von 0,72 g/cm³, die weit unter derjenigen von Wasser liegt, weist darauf hin, dass Wassereis auf beiden Körpern vorherrschend sein müsste, was als Erklärung der niedrigen Dichte jedoch nicht ausreicht, da selbst reines Eis mit 0,91 g/cm³ noch dichter ist.[2] Somit ist anzunehmen, dass beide Körper im Innern Hohlräume aufweisen müssen. (→Rubble Piles)

Oberfläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In sichtbarem Licht sind Sila und Nunam sehr rot und haben ein flaches Spektrum ohne Merkmale im nahen Infraroten, das keine Wassereis-Absorptionen zeigt, was dem Spektrum von Ixion ähnelt. Allem Anschein nach sind die Oberflächen beider Komponenten durch Auswurfmaterial von Impakten auf dem jeweils anderen Körper erneuert worden.[11] Die Oberflächentemperatur beträgt um die −231 °C (42 K).

Mond[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Nunam (Mond)

Am 22. Oktober 2002 entdeckte ein anderes Astronomenteam um Keith S. Noll mit dem Hubble-Weltraumteleskop, dass Sila über einen natürlichen Begleiter verfügt, der fast die gleiche Größe aufweist. Damit weist dieses System in den Größenverhältnissen starke Ähnlichkeit zum L5-Jupiter-Trojaner-System Patroclus-Menoetius auf, dessen Komponenten etwa den halben Durchmesser besitzen. Die beiden Komponenten des Systems haben eine doppelt gebundene Rotation, wenden sich also dauerhaft dieselbe Seite zu.[3] Sie umkreisen sich auf einem annähernd kreisförmigen retrograden Orbit mit einer großen Halbachse von 2777 ± 19 km. Zwischen 2009 und 2017 kam es zu wiederholten gegenseitigen Okkultationen.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. v ≈ π*a/periode (1+sqrt(1-e²))
  2. a b c d W. M. Grundy, S. D. Benecchi, D. L. Rabinowitz, S. B. Porter, L. H. Wasserman, B. A. Skiff, K. S. Noll, A. J. Verbiscer, M. W. Buie, S. W. Tourtellotte, D. C. Stephens, H. F. Levison: Mutual events in the Cold Classical transneptunian binary system Sila and Nunam. In: Icarus. 220, Nr. 1, Juli 2012, S. 74–83. arxiv:1204.3923. bibcode:2012Icar..220...74G. doi:10.1016/j.icarus.2012.04.014.
  3. a b David L. Rabinowitz, Susan D. Benecchi, William M. Grundy, Anne J. Verbiscer: The rotational light curve of (79360) Sila–Nunam, an eclipsing binary in the Kuiper Belt. In: Icarus. 236, 1. Juli 2014, S. 72–82. arxiv:1404.0244. bibcode:2014Icar..236...72R. doi:10.1016/j.icarus.2014.03.046.
  4. List Of Transneptunian Objects beim IAU Minor Planet Center
  5. (79360) Sila-Nunam in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch). Abgerufen am 2. Februar 2018.
  6. (79360) Sila beim IAU Minor Planet Center (englisch) Abgerufen am 2. Februar 2018.
  7. (79360) Sila-Nunam in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch). Abgerufen am 2. Februar 2018.
  8. Brian G. Marsden: MPEC 2009-R09 : DISTANT MINOR PLANETS (2009 SEPT. 16.0 TT). In: IAU Minor Planet Center. 16. September 2009. Abgerufen am 2. Februar 2018.
  9. Marc W. Buie: Orbit Fit and Astrometric record for 79360. SwRI (Space Science Department). Abgerufen am 2. Februar 2018.
  10. T. G. Mueller, E. Lellouch, J. Stansberry, C. Kiss, P. Santos-Sanz, E. Vilenius, S. Protopapa, R. Moreno, M. Mueller, A. Delsanti, R. Duffard, S. Fornasier, O.Groussin, A. W. Harris, F. Henry, J. Horner, P. Lacerda, T. Lim, M. Mommert, J.L. Ortiz, M. Rengel, A. Thirouin, D. Trilling, A. Barucci, J. Crovisier, A. Doressoundiram, E. Dotto, P. J. Gutierrez, O. R. Hainaut, P. Hartogh, D. Hestroffer, M. Kidger, L. Lara, B. Swinyard, N. Thomas: “TNOs are Cool”: A survey of the trans-Neptunian region I. Results from the Herschel science demonstration phase (SDP). In: Astronomy and Astrophysics. 518, 16. Juli 2010, S. L146. arxiv:1005.2923. bibcode:2010A&A...518L.146M. doi:10.1051/0004-6361/201014683.
  11. David L. Rabinowitz, B. Schaefer, M. Schaefer, S. Tourtellotte: Evidence for Recent Resurfacing of the Binary Kuiper Belt Object 1997 CS29. In: American Astronomical Society, DPS meeting. Nr. 41, id.65.09, September 2009. bibcode:2009DPS....41.6509R.