08/15 (Redewendung)

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08/15 (ausgesprochen „Nullachtfünfzehn“, auch „Nullachtfuffzehn“) ist eine gebräuchliche Redewendung für etwas ganz Gewöhnliches oder nichts Besonderes, Durchschnitt, Mittelmaß, ohne Sorgfalt bereitet oder nichts Erwähnenswertes. Teilweise wird diese Redewendung für „veraltetes, schlechtes Material“ und umgangssprachlich synonym für „billig“ verwendet. Der Begriff kann auch Standard implizieren. Er ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol gebräuchlich. Die Redewendung kann wertfrei oder pejorativ gemeint bzw. verstanden werden.

Herkunft[Bearbeiten]

MG 08/15

Es gibt zwei Erklärungsansätze zur Entstehung der Redewendung, die beide im Zusammenhang mit dem Maschinengewehr 08/15 stehen:

  1. Der erste Ansatz führt die Redewendung darauf zurück, dass die deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg täglich mit diesem Maschinengewehr ein langwieriges und eintöniges Training zu absolvieren hatten. So stand die Bezeichnung 08/15 bei den Soldaten irgendwann für langweilige Routinen, deren sie schon lange überdrüssig geworden waren.
  2. Die andere Erklärung geht auf die Länge des Ersten Weltkrieges zurück und hängt mit der Qualität der Waffen zusammen. 08/15 steht hierbei für die Einführungsjahre des Ursprungsmodells MG 08 aus dem Jahr 1908 und dessen Weiterentwicklung aus dem Jahr 1915, was in die Waffen eingeschlagen wurde. Ab dem Zeitpunkt der Einführung des MG 08/15 nahm die Materialqualität ab und die Fehlerhäufigkeit zu. Die Soldaten prägten mit „Die Waffe ist 08/15!“ die Redewendung „Nichts Besonderes, nur normal“.

Es ist möglich, dass beide Aspekte bei der Entstehung der Redewendung eine Rolle gespielt haben.

Verwendung[Bearbeiten]

Verbreitung fand der Begriff auch durch die 1954 erschienene Romantrilogie 08/15 von Hans Hellmut Kirst. Es war einer der ersten Bestseller der Bundesrepublik und wurde im selben Jahr verfilmt.

1993 führte die Vobis Microcomputer AG eine Serie preisgünstiger PCs unter der Bezeichnung Highscreen 08/15-Series ein, als Logo diente ein Arbeitspferd.[1]

Im deutschen Beamtentum werden unliebsame Kollegen auch als „08/15“ bezeichnet, hier dann mit der Bedeutung „Null Ahnung, 8 Stunden Anwesenheit, A 15 Besoldung“.[2]

In der Softwareentwicklung wird die Zahl 0815, wie auch 42 oder 4711, von Programmierern als magische Zahl verwendet. Notwendigerweise ist mitunter ein fester Zahlenwert als Beispiel für einen beliebigen Wert zu wählen, dem soll jedoch jeder den fehlenden tieferen Sinn ansehen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Einzelteile des MGs 08/15 wurden bei mehreren Unternehmen gefertigt. Die damit einhergehende Vereinheitlichung der Herstellungsprozesse war mit ein Grund für die Einrichtung des Königlichen Fabrikationsbüros, dem Vorläufer des Normenausschuss der deutschen Industrie. Allerdings wurden im MG 08/15 keine nach DIN 1 genormten Kegelstifte verbaut.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Highscreen 08/15-Series in der Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
  2. Spiegel/Büroausdrücke N
  3. www.mg08.de - „Seite über & um MG 08 und MG 08/15“, abgerufen am 30. April 2015
  4. www.k98k.info - Forum zu Karabiner 98k und anderen Ordonanzwaffen, abgerufen am 30. April 2015