1. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87

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1. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87
Aktiv 14. März 1809 bis 1. Mai 1919
Land Herzogtum Nassau/Königreich Preußen
Streitkräfte Nassauische Armee/Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung XVIII. Armee-Korps
Stationierungsort Mainz/Hanau
Nassau. Herzoglich Nassau'sche Truppen. Artillerie. Infanterie. 1862–1866

Das 1. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 87 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer war das 1. Nassauische Infanterie-Regiment der Nassauischen Armee. Der Wunsch Napoleons nach mehr Soldaten führte am 14. März 1809 zur Bildung des Regiments aus dem 1. Nassauischen Bataillon (Leibbataillon) und dem 4. Nassauischen Bataillon (Musketierbataillon). Jedes Bataillon bestand danach aus je einer Grenadierkompanie, vier Füsilierkompanien und eine Voltigeurkompanie. Grundlage der Dienstgradabzeichen und Ausbildung war das österreichische Reglement. Ab 1809 führte man französische Vorschriften und Dienstgradabzeichen ein. Kommandeur war Oberst August von Pöllnitz (1772–1811).

Eisgrub-Kaserne in Mainz

Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen wurde die Nassauische Armee aufgelöst und das verbliebene Personal am 30. Oktober 1866 als Infanterie-Regiment Nr. 87 in die Preußische Armee übernommen. Zunächst in der Festung Mainz stationiert, belegte es die Eisgrub-Kaserne (Defensionskaserne), Prinz Karl-Kaserne und die Alexanderkaserne.[1] Von 1893 bis 1897 befand sich die Garnison in Hanau und anschließend geschlossen wieder in Mainz in der Eisgrub-Kaserne.

Koalitionskriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Koalitionskriege
  • 1809: Bei der Besetzung von Wien war das Regiment nicht in Kampfhandlungen verwickelt und stellte lediglich einen Teil der Besatzungstruppen.
  • 1810–1813: Kämpfe auf französischer Seite in Spanien. Das Einsatzgebiet des Regiments lag abseits der großen Schlachten in Katalonien. Hohe Verluste gab es bei der Besetzung von Manresa vom 19. März bis 6. April 1810. Nach dem Austritt Nassaus aus dem Rheinbund Ende 1813 waren die Nassauischen Truppen plötzlich Gegner der Franzosen. Diese nahmen das Regiment noch in Spanien gefangen.
  • 1815: Teilnahme an der Schlacht bei Waterloo. Obwohl das Regiment in zweiter Linie in der Mitte der Schlachtordnung stand, erlitt es durch feindliches Artilleriefeuer und später durch Kavallerieattacken hohe Verluste. Zwei seiner Kompanien verstärkten die Verteidigung des Gutshofs La Haye Sainte.

Deutscher Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Deutscher Krieg
  • 1866 kämpfte das Regiment im Mainfeldzug auf Seiten der süddeutschen Armeen und Österreichs gegen Preußen.

Expeditionskorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl im Boxeraufstand 1900 als auch im Aufstand der Herero und Nama 1904/06 entsandte das Regiment Angehörige.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm das Regiment an den Kämpfen bei Weißenburg (4. August), Wörth (6. August), Sedan (1. September), sowie der Belagerung von Paris (22. September bis 28. Januar 1871) teil.

Am 31. Dezember 1875 wurden in der Marktkirche die gemäß A. K. O. vom 2. September 1873 errichteten Gedenktafeln für die im Feldzuge 1870/71 Gefallenen der Regimenter 80, 87 und des Feldartillerie-Regiments Nr. 27 eingeweiht.[2]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil. Als Teil der 41. Infanterie-Brigade der 21. Division war das Regiment während des gesamten Krieges mit einer kurzen Unterbrechung von Mai bis Oktober 1917 an der Westfront eingesetzt. Zunächst nahm der Verband an den Kämpfen bei Longlier und den Schlachten bei Neufchâteau, an der Maas und an der Marne teil. Nach der Schlacht an der Somme ging das Regiment Anfang Oktober 1914 bei Roye in den Stellungskrieg über. Daran schlossen sich ein Jahr später Stellungskämpfe bei St. Quentin an. Im Januar 1916 war das Regiment dann vor Verdun im Einsatz. Machte bis April hier die verlustreichen Kämpfe mit, kämpfte anschließend an der Aisne und beteiligte sich im September/Oktober an der Schlacht an der Somme. Mitte Dezember kam es wieder vor Verdun nordwestlich Bezonvaux zum Einsatz. Nach weiteren Stellungskämpfen verlegte das Regiment von Mai bis Oktober 1917 an die Ostfront und nahm hier an den Stellungskämpfen zwischen Njemen-Beresina-Krewo-Smorgon-Narotsch teil. Zurück an der Westfront, stand es zunächst in Stellungskämpfen bei Reims und machte 1918 die Abwehrkämpfe an der Schelde mit.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Mainz in der entmilitarisierten Zone lag, stand dieser Standort nach Kriegsende nicht mehr zur Verfügung, und man musste auf die andere Rheinseite ausweichen. Vom 26. bis 27. Dezember 1918 wurde das Regiment dann in Bad Orb auf dem Truppenübungsplatz Wegscheide demobilisiert und schließlich am 1. Mai 1919 aufgelöst.[3]

Aus Teilen wurde im Januar 1919 mit der Aufstellung von Stab und zwei Freiwilligen-Kompanien begonnen, die das III. Freiwilligen-Bataillon des Freikorps „Hessen-Nassau“ bildete. Dieses ging im Juni 1919 als III. Bataillon im Reichswehr-Infanterie-Regiment 22 auf.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 14. Kompanie des 15. Infanterie-Regiments in Kassel.

Regimentschef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar von Lindequist

Erster und einziger Regimentschef war vom 10. Juni 1913 bis 16. April 1915 der Generaloberst mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls Oskar von Lindequist.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[4]
Oberst Friedrich von Grolmann 30. Oktober 1866 bis 19. Juni 1871
Oberstleutnant Hermann von Berger 20. Juni 1871 bis 28. Februar 1872
Oberst Karl Westernhagen 01. März 1872 bis 27. Juli 1874
Oberst Julius Wilhelm von Hertzberg 28. Juli 1874 bis 11. Juni 1880
Oberst Wilhelm von Boenigk 12. Juni 1880 bis 3. Dezember 1886
Oberst Wilhelm von Weltzien 04. Dezember 1886 bis 16. Juni 1889
Oberst Eugen von Lessing 17. Juni 1889 bis 15. Juli 1891
Oberst Leo von Klingspor 16. Juli 1891 bis 13. Juli 1895
Oberst Ernst Becker 14. Juli 1895 bis 14. Juni 1898
Oberst Carl Voelker 15. Juni 1898 bis 30. September 1901
Oberst Viktor Strauß 01. Oktober 1901 bis 12. Februar 1906
Oberst Hasso von Bredow 13. Februar 1906 bis 21. Februar 1910
Oberst Karl von Guretzky-Cornitz 22. Februar 1910 bis 23. April 1911
Oberst Arthur von Gabain 24. April 1911 bis 2. Mai 1914
Oberstleutnant Friedrich Kirnstein 03. Mai bis 6. September 1914
Oberstleutnant Wilhelm Oltmann 07. September bis 9. Oktober 1914
Oberst Ernst von Harstall 10. Oktober 1914 bis 5. März 1916
Oberst August von Zepelin 06. März bis 12. August 1916
Oberstleutnant Hans-Magnus von Hoym 13. August 1916 bis 31. Dezember 1917
Oberst Wilhelm Campbell 01. Januar bis 15. März 1918
Oberstleutnant Kurt Auer von Herrenkirchen 16. März bis 18. Juni 1918
Oberstleutnant Henrici 19. Juni bis 4. November 1918
Major Paul Weydt 05. November 1918 bis 19. Januar 1919
Oberst August Weiz 20. Januar bis 30. April 1919

Abtretungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gesetz zur Heeresvermehrung vom 28. Januar 1896 wurden 33 neue Infanterie-Regimenter aufgestellt. Diese sollten aus den IV. Bataillonen der alten Regimenter gebildet werden. Die neuen Regimenter wurden zunächst zu zwei Bataillonen aufgestellt. Ein Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 166 wurde u. a. aus dem IV. Bataillon des 1. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 87 zusammengestellt.

Zur Aufstellung anderer Einheiten mussten abgegeben werden:[5]

  • am 1. April 1881 - die 10. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 97
  • am 1. Oktober 1887 - die 4. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 143
  • am 1. April 1890 - die 5. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 145
  • am 1. Oktober 1912 - die 4. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 166

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainzer Architekt Rudolf Schreiner errichtete 1930 gemeinsam mit dem Bildhauer Peter Dienstdorf ein 7,20 m hohes Denkmal an der Spitzkehre zwischen Windmühlenstraße und Eisgrubweg in Mainz. Die Inschriften verweisen auf die Einsätze[6]:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto von Pivka: Armeen und Waffen. Band 2: Napoleons Verbündete in Deutschland. Bonn 1979. ISBN 3-8033-0285-4.
  • Guntram Müller-Schellenberg: Das nassauische Militär in napoleonischer Zeit. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, ISBN 978-3-922027-79-9.
  • Peter Wacker: Das herzoglich-nassauische Militär 1813–1866. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-922027-85-7.
  • Walter Rosenwald: Die Herzoglich-Nassauische Brigade im Feldzug 1866. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-922027-98-9.
  • G. Voigt: Deutschlands Heere bis 1918. Band 3. Biblio Verlag, Osnabrück 1982, ISBN 3-7648-1199-4.
  • Regimentsgeschichte – Offizierbund (Hrsg.): Das Königlich Preußische Infanterie-Regiment (1. Nassauisches) Nr. 87 im Weltkriege 1914–1918. Graph. Kunstanstalt Gebr. Breuer, Koblenz 1931.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Balzer: 1. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87
  2. Hans Dechend: Geschichte des Füsilier-Regiments von Gersdorff (Hess.) Nr. 80 und seines Stamm-Regiments des kurhessischen Leibgarde-Regiments von 1632 bis 1900., S. 553.
  3. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2007. ISBN 978-3-902526-14-4. S. 157.
  4. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1992. ISBN 3-7648-1782-8. S. 223–206.
  5. G. Voigt: Deutschlands Heere bis 1918. Band 3. Biblio Verlag, Osnabrück 1982, S. 333.
  6. Stefan Dumont: Windmühlenberg - 87er Denkmal auf: festung-mainz.de