1378 (km)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
1378 (km)
Spiel / Engine: Half-Life 2 / Source Engine
Typ: Total Conversion
Genre: Ego-Shooter
Entwickler: Jens M. Stober
Spielmodi: Mehrspieler
Aktuelle Version:
Erstmals erschienen: 10. Dezember 2010
Projektstatus: abgeschlossen
Sprache(n): Deutsch
1378km.de

1378 (km) ist eine Mod für das Computerspiel Half-Life 2, das von Jens M. Stober, einem Medienkunst-Studenten der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe entwickelt wurde und die Situation an der Grenze der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nachempfinden soll. Der Name ist von der Länge der Grenze abgeleitet. Das Spiel sollte ursprünglich am Tag der Deutschen Einheit veröffentlicht werden; nach Protesten wurde die Veröffentlichung auf den 10. Dezember 2010 verschoben.[1][2][3]

Spielprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu 16 Spieler können bei 1378 (km) aus Sicht eines Soldaten der Grenztruppe der DDR im Jahr 1976 spielen. Es ist aber möglich, von dort in die Rolle eines Republikflüchtlings zu schlüpfen. Das Erschießen eines Flüchtlings wird mit einem Verdienstorden der DDR belohnt, aber direkt danach mit einem Ende des Spiels durch einen Mauerschützenprozess im Jahr 2000 geahndet.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Opferverbänden und Wissenschaftlern wurde das Spiel als geschmacklos und didaktisch nicht geeignet bezeichnet. Ein Verbot des Spieles wurde gefordert.[5][6] In einer Stellungnahme verteidigten die zuständigen Professoren das Spiel, das auf Kuba, das in einer ähnlichen Situation ist, wie die frühere DDR, sehr gut angekommen und in Deutschland nur wegen Political Correctness und Common Sense als Zusammentreffen von Egoshooter und Schießbefehl zum Skandal geworden sei.[7] Am 10. Dezember 2010 fand in der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe eine öffentliche Diskussionsveranstaltung statt, bei der auch Opfer und Opferverbände zu Wort kamen. Prorektor Uwe Hochmuth betonte zum Abschluss der zweistündigen Veranstaltung, dass die HfG Karlsruhe weiterhin für den Dialog mit den Opfern offen sei. Der Premierenabend habe den Grundstein für eine Versachlichung der Diskussion gelegt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den Autor des Spiels wegen des Verdachts, dass das Spiel gegen die Menschenwürde verstößt, Gewalt verharmlost oder verherrlicht zu haben. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da es keine Verdachtsmomente für strafbares Verhalten gebe.[8]

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel war in Ausstellungen in Museen wie dem Zentrum für Kunst und Medien[9][10], Museum für neue Kunst[11], Nam June Paik Art Center in Südkorea[12], Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland[13], DOX Prag oder dem Goethe-Institut weltweit als Teil einer Wanderausstellung[14], zu sehen. Das Spiel wurde in den ersten zwei Monaten nach der Veröffentlichung etwa 50.000 Mal heruntergeladen,[15] was am Tag des Releases sogar zum Zusammenbruch eines Servers führte.[16] Insgesamt wurde die Modifikation nach eigenen Angaben seither 750.000 Mal heruntergeladen.

Medienecho[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DOX Prag (Hrsg.): Luciferuv efekt: Stretunuti se ziem/The Lucifer Effect: Encountering Evil. Kuratiert von Jaroslav Andel. Ausstellungskatalog. Prag 2011. ISBN 978-80-87446-12-6
  • Hans Belting, Andrea Buddensieg, Peter Weibel (Hrsg.): The Global Contemporary and the Rise of New Art World. Ausstellungskatalog. The Mit Press. Karlsruhe 2013. ISBN 978-0-262-51834-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Computerspiel-Premiere „1378(km)“ verschoben, Stellungnahme des Rektorats der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, archiviert vom Original am 14. April 2013, abgerufen am 1. Juli 2017.
  2. Jan Kluczniok: Schießbefehl ausgesetzt: DDR-Shooter 1378(km) zurückgezogen. In: Netzwelt. 1. Oktober 2010, archiviert vom Original am 5. März 2016, abgerufen am 1. Juli 2017.
  3. Sébastien Bonset: 1378 (km) – Grenzflucht als Spiel in der Kritik. In: t3n. 10. Dezember 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  4. Peter Steinlechner: Action am "antifaschistischen Schutzwall". In: Golem.de. 29. September 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  5. Ballerspiel mit Mauerschützen. In: Stern.de. 29. September 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  6. Christian Fritz Schneider: »Mauer-Shooter« - Strafanzeige gegen Entwickler von »1378 km«? In: GameStar. 30. September 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  7. 1378km, Stellungnahme der Professoren Michael Bielicky und Heiner Mühlmann. Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, archiviert vom Original am 5. August 2012, abgerufen am 1. Juli 2017.
  8. „1378 (km)“-Ermittlungen eingestellt. In: FOCUS Online. 1. Februar 2011, abgerufen am 1. Juli 2017.
  9. ZKM_Gameplay | 21.06.2013 bis 03.08.2014 | ZKM. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  10. GLOBALE: Global Games | 11.08.2015 bis 17.04.2016 | ZKM. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  11. Silke Altvater: 1378(km), 2010. Jens M. Stober - The Global Contemporary. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  12. New Gameplay | 20.07.2016 bis 17.02.2017 | ZKM. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  13. Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus 2011. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  14. Games and Politics | 16.11.2016 bis 15.01.2017 | ZKM. Abgerufen am 1. Juli 2017.
  15. Stoppen Jugendschützer das widerliche Todesstreifen-Spiel? In: Bild.de. 15. Dezember 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.
  16. 1378 km: Ansturm auf umstrittenes DDR-Schießspiel. In: DiePresse.com. 15. Dezember 2010, abgerufen am 1. Juli 2017.