1Q84

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1Q84 ist ein Roman des japanischen Autors Haruki Murakami. Der Titel ist eine Anspielung auf 1984, das Jahr der Handlung. Nach Ereignissen im Verlauf der Handlung wird dieses Jahr von der Protagonistin jedoch in 1Q84 umbenannt. Das „Q“ steht für Question mark (engl. für Fragezeichen).[1] Dies ist zudem ein Wortspiel, da der Buchstabe „Q“ und die Zahl „Neun“ im Japanischen kyū ausgesprochen werden. Außerdem nimmt der Roman mehrfach Bezug auf den Roman 1984 von George Orwell.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1Q84 ist in drei Teile gegliedert, die jeweils als eigenes Buch erschienen sind. Im japanischsprachigen Original wurden Buch 1 und 2 gleichzeitig am 29. Mai 2009 vom Verlag Shinchōsha veröffentlicht, Buch 3 folgte am 16. April 2010. Die deutschsprachige Übersetzung von Buch 1 und 2 erschien zusammengefasst am 9. Dezember 2010 im DuMont Buchverlag, Buch 3 folgte am 12. Oktober 2011.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

>1Q84

Buch 1 & 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Autor erzählt die Geschichten seiner Hauptfiguren abwechselnd in zwei Handlungssträngen. Aomame, die Tochter einer Zeugen Jehova-Familie, und Tengo, der Sohn eines Rundfunkgebühreneintreibers, werden in ihrer Freizeit von ihren Eltern für ihre Zwecke eingespannt und geraten dadurch in der Klasse der 10-Jährigen in eine Außenseiterposition. So entwickelt sich zwischen ihnen eine schüchterne Kinderliebe. Sie verlieren sich anschließend aus den Augen, entdecken aber später in ihren Träumen, dass es die Liebe ihres Lebens ist.

Die Romanhandlung spielt zwanzig Jahre nach ihrer Freundschaft im Jahr 1984 in Tokio. Die beiden Protagonisten wurden durch geheimnisvolle Kräfte in die magische Parallelwelt 1Q84 versetzt, die den Hauptfiguren durch einen zweiten Mond sichtbar wird. Im alltäglichen Leben scheint sich wenig verändert zu haben, aber die aus dem Verborgenen heraus agierenden gnomenhaften Little People weisen auf surreale Tiefenstrukturen des Lebens hin: In der Auseinandersetzung um die Ordnung der Welt kämpfen Tengo und Aomame mit ihren Unterstützern gegen die von den Little People manipulierte, als Untergrundorganisation operierende Sekte. Aber es ist kein überschaubarer Kampf der Guten gegen die Bösen. Die Welt und ihre widerstreitenden Kräfte sind ambivalent und für den einzelnen rätselhaft. Eine allgemeine Gefahr entsteht, wenn dämonische Mächte das Gleichgewicht stören (13. Kp.).

Die Fitnesstrainerin Aomame ist durch ihr Kindheitstrauma entwurzelt und lässt sich durch wechselnde sexuelle Beziehungen treiben. Das ändert sich, als sie eine Aufgabe, mit der sie sich identifizieren kann, von einer Kundin, Feministin und Leiterin eines Frauenhauses, erhält. Die alte Dame engagiert sie, um Vergewaltigungen zu rächen. In dieser Rolle hat sie zwei große Auftritte. Am Anfang des Romans ermordet sie mit einer früher für die Rächung ihrer Freundin Tamaki entwickelten Methode den Erdölkaufmann Miyama, weil er seine Frau mit dem Golfschläger schwer verletzt hat, und als Höhepunkt tötet sie den Sektenführer Fukada. Er hat sich, als Receiver der Little People, in einer religiösen Kulthandlung die noch nicht gebärfähigen jungen Mädchen der Kommune als Priesterinnen zuführen lassen, mit denen er seinen Nachfolger zeugen sollte. Auch seine Tochter Fukaeri war als Perceiver ein Medium der Little People. In seinem Gespräch mit Aomame stellt Fukada sich ebenso wie die Mädchen als Opfer der dunklen Kräfte dar, da er beim Koitus immer gelähmt gewesen sei, und bittet sie, ihn zu töten und damit von dem Zwang zu befreien.

Der Mathematiklehrer und Autor Tengo Kawana kommt mit der Sekte auf anderem Weg in Berührung. Er überarbeitet für den Herausgeber einer Literaturzeitschrift Komatsu das Manuskript der 17-jährigen Legasthenikerin Fukaeri für einen Debütbuch-Wettbewerb. Es trägt den Titel Die Puppe aus Luft und handelt vom Leben eines Mädchens in einer Sekte und dem mysteriösen Wirken der Little People (Kp. 19). Es ist, wie Tengo bald bemerkt, die Geschichte der Autorin, der Tochter des Sektenführers Fukada: Weil sie ihre Pflichten vernachlässigt hatte, wurde sie in einem Raum eingesperrt. Dort erschienen die geheimnisvollen Little People, die mit ihr gemeinsam aus Luftfäden einen Kokon spannen, der ihr eigenes Klon (genannt Doughter) enthielt, was man als Hinweis auf den Verlust der Individualität und das Identitätsproblem in der Doppelwelt deuten könnte. Diese Doughters, d.h. die Schatten der Mädchen, und nicht die Mothers, also die Originale, agieren tranceartig bei den sexuellen Riten mit dem Anführer.

Nach ihrer von ihrem Vater im Geheimen vorbereiteten Flucht aus der von der Öffentlichkeit abgeschotteten Kommune lebte Fukaeri bei Professor Ebisuna und schrieb ihre phantastischen Erlebnisse auf. Das Buch erregt großes Aufsehen und die Autorin wird von der Presse als Entdeckung gefeiert. Darauf taucht sie unter. Später versteckt sie sich bei Tengo, von dem sie sich in einer magischen traumartigen Situation als Medium für Aomame befruchten lässt, als würde sie einen Auftrag ausführen. Bei Nachforschungen wird die Presse, das war offenbar Professor Ebisunos Absicht, auf die Sekte und ihre Machenschaften aufmerksam.

In der Handlungsführung des Romans nähern sich Tengo und Aomame durch ihre Aktionen zum Schutz missbrauchter Kinder und sie erfährt von seiner Buchbearbeitung, mit der auch sie in die Geschichte hineingezogen wurde. Am Ende findet Aomame beim Versuch, in die Welt 1984 zurückzukehren, den Ausstieg nicht mehr und will sich erschießen. In diesem Augenblick denkt sie an Tengo, dessen von Agenten der Sekte bedrohtes Leben sie durch ihr Verschwinden aus der Welt 1Q84 retten will. Gleichzeitig sieht Tengo beim Besuch des bewusstlosen Vaters im Sanatorium in Tateyama die Geliebte in einer Vision: Im Bett liegt in einen Kokon eingesponnen als Puppe die 10-jährige Aomame. Er deutet dies als Zeichen, dass sie sich wieder begegnen werden, und das ist eine Vorausdeutung auf das 3. Buch.

Buch 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aomame beschließt, so lange in der Wohnung auszuharren, bis Tengo zurückkehrt. Während dieser Zeit entdeckt sie außerdem, dass sie schwanger ist. Sie ist sich sicher, dass Tengo der Vater ist, obwohl seit der Grundschulzeit kein körperlicher Kontakt zwischen beiden stattgefunden hat. Tengo hatte wiederum in Buch 2 Geschlechtsverkehr mit Fukaeri, bei dem er in einen trance-ähnlichen Zustand gerät und der offenbar mit Aomames Schwangerschaft in Verbindung steht. Diese Art der übersinnlichen Begegnung wurde ebenfalls von Fukaeri in ihrem Buch beschrieben.

Aomame gelingt es letztendlich, Tengo eine Nachricht zukommen zu lassen und sie treffen sich auf dem Spielplatz. Dann verlassen sie gemeinsam durch eine Art Portal, durch das Aomame ganz zu Beginn unbeabsichtigt gegangen war, die aktuelle Welt. Dass sie dadurch in das Jahr 1984 zurückgekehrt sind, wird von Aomame wegen einer verkehrten Werbetafel bezweifelt.

Handelnde Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Masami Aomame, eine der beiden Hauptfiguren, ist eine 30-jährige Fitnesstrainerin, die im Auftrag einer Feministin, die ein Frauenhaus betreut, Rachemorde an Männern, die Frauen missbraucht haben, verübt.
  • Tamaki Otsuka, Aomames erste intime Freundin auf der Oberschule, wird als Studentin vergewaltigt. Aus der Ehe mit ihrem brutalen Mann flieht sie durch Selbstmord. Aomame tötet ihn mit ihrem Eispick durch einen Stich in den Nacken.
  • Ayumi Nakano, 26-jährige Polizistin, ist Aomames Freundin, mit der sie gemeinsam Männerbekanntschaften sucht. Sie wird bei ihrem letzten Abenteuer ermordet, vielleicht, wie der Sektenführer andeutet, um Aomame zu schwächen.
  • Die alte Dame ist eine etwa 76 Jahre alte Frauenrechtlerin,[2] die ein Haus für misshandelte Frauen eingerichtet hat und Aomame als Auftragsmörderin anwirbt.
  • Tamaru, der Bodyguard der alten Dame, organisiert die Morde für Aomame.
  • Tengo Kawana, die andere Hauptfigur, ist ein 29-jähriger[3] Mathematiklehrer. Als nebenberuflicher Schriftsteller bringt er Erikos Erzählung in eine literarische Form.
  • Kyoko Yasuda ist Tengos verheiratete Geliebte. Von ihrem Mann erhält er die Nachricht, seine Frau sei verlorengegangen. Der Zusammenhang bleibt rätselhaft, könnte als Warnung Ushikawas verstanden werden.
  • Die Vorreiter sind eine Sekte, die in den Bergen der Präfektur Yamanashi eine Kommune betreibt.
  • Der Leader der Vorreiter Fukada, Fukaeris Vater, wird von Aomame getötet.
  • Toshiharu Ushikawa, Geheimagent der Vorreiter Sekte, sammelt Informationen über Tengo und Aomame. Als Generaldirektor einer Stiftung zur Förderung der neuen japanischen Wissenschaften und Künste macht er Tengo das Angebot, ein Stipendium aus dem hochdotierten Förderprogramm zu erhalten. Dafür soll er Nachforschungen über Fukaeris Buch und die Sekte einstellen. In Buch 3 wird er zu einer Hauptfigur. Bereits in dem früheren Roman Mister Aufziehvogel trat er in Erscheinung
  • Eriko Fukada, genannt Eri bzw. Fukaeri, ist ein 17-jähriges Mädchen, das von klein auf mit ihren Eltern in der Gemeinschaft der Vorreiter lebt. Als 10-Jährige flieht sie aus der von der Öffentlichkeit abgeschottete Landkommune und erzählt ihre Erlebnisse Ebisunos Tochter Azami, welche das Manuskript an Komatsus Redaktion schickt.
  • Yuji Komatsu, Redakteur und Herausgeber einer Literatur- und Kunstzeitschrift, überredet Tengo zur Überarbeitung des Textes und veröffentlicht ihn unter dem Titel Die Puppe aus Luft. Der Roman erhält den Debütpreis und lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Autorin und die Sekte.
  • Professor Takayuki Ebisuno, Kulturanthropologe, ist Fukaeris Vormund. Seine Familie nimmt die 10-jährige traumatisierte Eri nach ihrer Flucht auf und hilft ihr, die Sprache wiederzufinden und die Erlebnisse zu verarbeiten.
  • Azami, seine Tochter, schreibt die Geschichte, die ihr Eri erzählt, auf und reicht das Manuskript für den Wettbewerb ein.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FAZ lobte den Roman als „Kunstwerk der Verlockung“ und schließt mit dem Fazit: „Haruki Murakami hat sein immens populäres und abwechslungsreiches Werk um einen Roman bereichert, der nicht nur die zahllosen alten Freunde seiner Prosa entzücken wird.“[4] Die Süddeutsche Zeitung lobte das Werk im Feuilleton als „fesselnd“ und bezieht die Qualität vor allem auf die Figuren.[5] Auch Neue Zürcher Zeitung, taz und Zeit lobten das Buch.[6]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: Buch 1, Kapitel 9, Seite 199
  2. Quelle: Buch 1, Kapitel 17, Seite 397. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs 1918 lebt sie im Alter von 10 Jahren für ein Jahr in Paris.
  3. Quelle: Buch 1, Kapitel 2, Seite 38. Komatsu war fünfundvierzig, also sechzehn Jahre älter als Tengo.
  4. Haruki Murakami: 1Q84 - Die Sünden der Väter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 2010
  5. Ein Buch ohne ein Gramm Fett zu viel, Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2010
  6. Rezensionsnotizen bei perlentaucher.de